Arbeitszeit von Lehrern

Ich bin ja selbst im Bildungsbereich tätig und kann daher den Aufwand, den Lehrer betreiben sollten, in etwa einschätzen. Aufgrund der aktuellen Debatte habe ich einmal durchgerechnet, wie viel Zeit Lehrer im Vergleich zu normalen Angestellten tatsächlich investieren müssen.

Fangen wir beim normalen Angestellten an: Das Jahr hat bekanntlich 52 Wochen, macht 260 Arbeitstage aus. Davon kann man abziehen: maximal 15 Feiertage (3 Wochen) und 5 Wochen Urlaub. Die meisten Arbeitnehmer arbeiten 38,5 Stunden pro Woche. Insgesamt ergibt sich daher eine Jahresarbeitszeit von mindestens 1694 Stunden. Nicht berücksichtigt sind dabei Krankenstände, Pflegeurlaub und evt. auf Wochenenden fallende Feiertage.

Bei Lehreren sieht die Rechnung folgendermaßen aus: Auch das Lehrerjahr hat 52 Wochen. Davon entfallen einmal 10 Feiertage (5 Feiertage fallen in Ferien), das sind 2 Wochen, 5 schulautonome Tage (diese sollten eigentlich keine freien Tage sein, sind es in der Praxis aber), 2 Wochen Weihnachtsferien, 1 Woche Semesterferien, 7 Tage Osterferien, 2 Tage Pfingsferien und 9 Wochen Sommerferien. Hinzu kommen 10 unbezahlte Supplierstunden. Es ergeben sich 176,5 Arbeitstage bzw. 35,3 Wochen. Bei einer Unterrichtsverpflichtung von 20 Stunden à 50 Minuten ergeben sich so 595 Stunden à 60 Minuten Arbeitszeit.

Jetzt wird es kompliziert, denn jetzt kommen noch nicht ganz so eng abgrenzbare Komponenten hinzu. Ich rechne einmal 2 Wochen für Weiterbildung. Dies ergibt ca. 77 Stunden zusätzlich.

Für die Stundenvorbereitung kalkuliere ich 25 Minuten pro Unterrichtsstunden. Diese Überlegung setzt sich folgendermaßen zusammen: Ich persönlich kalkuliere pro Stunde, die ich unterrichte, eine Stunde für die Vorbereitung. Im Schulunterricht sollte jedoch 50 % der Zeit für Wiederholung aufgewendet werden. Für die Wiederholung rechne ich keine zusätzliche Vorbereitungszeit. Insgesamt ergeben sich auf das Jahr gerechnet somit ca. 323 Stunden für die Vorbereitung.

Jetzt kommt der größte Brocken: Bei 20 Stunden Lehrverpflichtung hat ein Lehrer im Schnitt 6 Klassen mit einer durchschnittlichen Schülerzahl von 25. Gibt der Lehrer pro Woche eine Hausübung, Schularbeit oder einen Test auf, so hat er insgesamt im Jahr 5295 Arbeiten zu kontrollieren. Laut Aussage eines Lehrers, die ich im Fernstehen gesehen habe, benötigt er 5 – 10 Minuten für die Kontrolle einer Arbeit. Ich habe einmal 7,5 Minuten angesetzt. Über das Jahr gerechnet ergeben sich so ca. 662 Stunden.

Die gesamte Jahresarbeitszeit eines Lehrers beträgt folglich ca. 1657 Stunden und liegt damit in etwa gleich auf mit der eines normalen Arbeitnehmers. Allerdings hat meine Berechnung einige Schwächen. Z. B. sinkt der Vorbereitungsaufwand bei älteren Lehrern, weil sie ja Unterlagen aus vergangenen Jahren weiterverwenden können. Andererseits habe ich diversen administrativen Aufwand nicht mitgerechnet.

Was würde es nun bedeuten, wenn die Unterrichtsverpflichtung von Lehrern um 2 Stunden angehoben wird? Ohne begleitende Maßnahmen würde die Jahresarbeitszeit auf ca. 1857 Stunden steigen. Dies entspricht einer Arbeitszeitverlängerung um 12 %. Umgelegt auf einen normalen Angestellten würde das eine 43-Stunden-Woche bedeuten.

Das erkärt wohl die Aufregung der Lehrer rund um den Vorschlag von Ministerin Schmied. Eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung ist daher nur mit folgenden Bleitmaßnahmen möglich:

Senkt man die Klassenschülerhöchstzahl auf 25, würde die Arbeitsbelastung um etwa 160 Stunden im Jahr senken. Diese Maßnahme ist zwar angeblich seit 3 Jahren umgesetzt, in der Realität haben die meisten AHS-Unterstufen-Klassen nach wie vor 30 Schüler. Die Gewerkschaft könnte daher z. B. fordern, dass ein Lehrer maximal 140 Schüler unterrichten sollte.

Werden die 2 zusätzlichen Stunden nicht für zusätzlichen Unterricht, sondern für Nachmittagsbetreuung, Förderstunden usw. verwendet, entfällt die Vorbereitungszeit weitgehend und man spart weitere ca. 30 Stunden im Jahr an Arbeitszeit.

Mit diesen beiden Begleitmaßnahmen könnten also die 2 zusätzlichen Unterrichtsstunden geleistet werden, ohne dass die Jahresarbeitsbelastung steigt.