Rote Ampeln und Radfahrer – eine Antwort zu Christoph Chorherr

Christoph Chorherr hat heute in seinem Blog einen sehr kontroversiellen Artikel veröffentlicht mit sehr interessanten Theorien, warum es Radfahrern so schwer fällt, rote Ampeln zu akzeptieren.

Vorab einmal zu mir selbst: Ich fahre in der Stadt hauptsächlich mit einem Motorroller, aber mehrmals in der Woche auch mit dem Fahrrad. Ein- bis zweimal in der Woche benutze ich aber auch das Auto und öffentliche Verkehrsmittel. Ich kenne daher die Sichtweise aller Verkehrsteilnehmer sehr gut.

Ein Grüner beschwört niedere Instinkte

Wenn Christoph Chorherr in seinem Artikel menschliche Instinkte beschwört und dabei gleichzeitig den Eindruck erweckt, als ob Radfahrer sich grundsätzlich schlafwandlerisch fortbewegen können, ohne sich und andere zu gefährden, so entspricht das vielleicht seinen Träumen, aber nicht den Tatsachen. Zunächst einmal ist es schon bemerkenswert, dass ausgerechnet ein Grüner niedrige menschliche Instinkte beschwört. Bei anderen Themen werden diese ja verteufelt. Sind es nicht gerade die Grünen, die uns in eine bessere, ausschließlich vernunftgetriebene Welt führen wollen?

Radfahrer sind keine Heiligen

Leider ist es in der Praxis bei weitem nicht so, dass die Radfahrer nur rote Ampeln überfahren, bei denen kein anderer Verkehr zu erwarten ist. Ich lade Christoph Chorherr gerne ein, mit mir einige neuralgische Kreuzungen zu beobachten. Die Radfahrer gefährden sich selbst genauso wie Fußgänger und Autofahrer. Mehr noch: Müssen Autofahrer wegen rücksichtsloser Radfahrer abbremsen, kann das nicht nur Unfälle verursachen, sondern bewirkt oft Staus.

Verfehlte Verkehrsplanung als eine Ursache

In einem gebe ich Christoph Chorherr aber recht: In Wien wird der Radverkehr bie der Verkehrsplanung viel zu wenig berücksichtigt. Das fängt bei viel zu schmalen und gefährlich angelegten Radwegen an. Bei privaten Baustellen wird zwar sorgfältig darauf geachtet, dass der Autoverkehr nicht behindert wird, aber ein Radweg darf widerspruchslos von Baumaterialien blockiert werden. Und wenn man als Radfahrer teilweise 3 Ampelphasen braucht, um eine Kreuzung zu überqueren, für die ein Autofahrer eine und ein Fußgänger maximal 2 Phasen braucht (die noch dazu direkt aufeinanderfolgen), so sinkt die Akzeptanz für Ampeln natürlich generell. Ein schönes Beispiel ist die Kreuzung bei der Wiener Urania.

Radfahrer gefährden hauptsächlich andere Radfahrer

Trotzdem entbindet das die Radfahrer nicht von ihrer Verantwortung für andere Verkehrsteilnehmer. Ich selbst versuche als Radfahrer sehr diszipliniert zu fahren und muss leider feststellen, dass ich mich am meisten durch andere Radfahrer gefährdet fühle, und zwar viel mehr als durch Autofahrer.

Forderung: Kennzeichenpflicht für Berufsradfahrer

Ich denke, dass nur eine stärkere Überwachung des Radverkehrs durch die Exekutive zu mehr Disziplin führen kann. Allerdings ist die Verfolgung von Übertretungen mangels Kennzeichen sehr schwer. Es ist politisch wohl nicht durchzusetzen, dass alle Räder Kennzeichen bekommen. Ich glaube aber, dass wenn man zumindest die professionellen Radfahrer (Botendienste) mittels Kennzeichen diszipliniert, dies auch positive Auswirkungen auf den gesamten Radverkehr haben würde. Daher: Kennzeichenpflicht für professionelle Radfahrer.