Erwachsenenbildner: selbständig oder angestellt?

Am 6. Juli 2009 protestierten Trainer und Ausbildner von AMS-geförderten Bildungseinrichtungen dagegen, dass sie zwangsweise angestellt werden sollen. Dies wirft ein Schlaglicht auf eine Branche, die sich in den letzten Jahren relativ unkontrolliert entwickelt hat und facht hoffentlich die endlich nötige Diskussion über sogenannte prekäre Arbeitsverhältnisse an.

Worum geht es?

Erwachsenenbildner waren bisher kaum fest angestellt. Sie arbeiteten entweder gewerblich, als „neue Selbständige“ oder freie Dienstnehmer. Gemäß einer Vereinbarung zwischen Gewerkschaft und AMS sollen zumindest bei AMS-Projekten in Zukunft nur mehr fest angestellte Ausbildner verwendet werden. Genau dagegen wehren sich jedoch die Betroffenen.

Dazu ein paar Details aus dem Kollektivvertrag: Trainer werden gemäß diesen Vertrag größtenteils in der Verwendungsgruppe 6 eingestuft. Dies bedeutet ein Jahresbruttogehalt zwischen rund € 30.000 und € 44.000. Die Trainer behaupten, dass dies einen Nettoeinkommensverlust von bis zu 47 % bedeutet. Das bedeutet, dass zumindest einzelne Trainer ein Jahresbruttoeinkommen von fast € 60.000 haben.

Wann sollten Trainer überhaupt selbständig sein?

Dass die Zahl der prekären Arbeitsverhältnisse in den letzten Jahren rapide zugenommen hat, lässt sich nicht wegdiskutieren. Viele der Trainer sind von den AMS-Kursen und damit von eine und demselben Auftraggeber finanziell völlig abhängig, was ein wesentliches Merkmal eines prekären Arbeitsverhältnisses darstellt. Anscheinend wollen viele Trainer weiterhin selbständig bleiben. Prekäre Arbeitsverhältnisse haben sich jedoch auch in anderen Bereichen stark verbreitet.

Ich bin selbst seit fast 15 Jahren selbständig. Aus dieser langjährigen Erfahrung habe ich ein paar Kriterien definiert, die eine selbständige Arbeit erfüllen sollte.

Keine Abhängigkeit von einem Auftraggeber

Für die gleiche oder eine sehr ähnliche Tätigkeit sollten viele Auftraggeber am Markt verfügbar sein.

Faire Entlohnung

Die Brutto-Entlohnung pro Stunde sollte mindestens zweimal so hoch sein wie die Brutto-Entlohnung als Angestellter in vergleichbarer Tätigkeit. Nur so kann eine schwächere Auftragslage sowie die höhere Abgabenbelastung aufgefangen werden. Als Selbständiger müssen außerdem viele Leistungen selbst bezahlt werden, wie z. B. Weiterbildungsmaßnahmen.

Keine volle Auslastung durch einen Auftraggeber

Eine selbständige Tätigkeit ist nur dann sinnvoll, wenn ein Auftraggeber alleine den Trainer nicht voll auslastet. Dies kann z. B. durchaus erwünscht sein, wenn Trainer in der Praxis auch ständig Erfahrungen sammeln sollen, wie das im EDV-Bereich der Fall sein sollte.

Das Pferd beim Schwanz aufzäumen

Die Diskussion, ob Trainer nun selbständig oder angestellt sein sollen, kommt mir vor, wie wenn man ein Auto kaufen möchte und darüber diskutiert, ob es Bar, mit Kredit oder Leasing finanziert, aber noch nicht weiß, ob man überhaupt einen Kleinwagen, eine Limousine, einen Kombi, ein SUV einen Van oder überhaupt einen Lkw braucht.

Der Begriff des Erwachsenenbildners oder Trainers kann sicher nicht für alle Fachbereiche über einen Kamm geschoren werden. Während z. B. Trainer im Bereich der Persönlichkeitsbildung kaum Praxis außerhalb des Lehrsaals benötigen, sollten berufsnahe Trainer (z. B. EDV-Trainer) sehr wohl weiterhin Praxis sammeln können, um ein gewisses Qualitätsniveau zu halten. Leider ist das bei einigen Instituten in den letzten Jahren nicht der Fall gewesen. Wenn Trainer mehr als € 60.000 im Jahr verdient haben, können sie kaum Zeit in der Praxis geschweige denn für Aus- und Weiterbildung aufgewendet haben.

Folgen

Wenn es wirklich stimmt, dass es bei diesen Institutionen Trainer gibt, die keine Zeit in der Praxis verbringen und auch nichts in ihre persönliche Weiterbildung investieren, so ist die feste Anstellung dieser wahrscheinlich ein Quantensprung für die Qualität der AMS-Fortbildung. Auch die betroffenen Trainer selbst sollten sich im Klaren darüber werden, dass sie ihre Strategie wohl nur wenige Jahre erfolgreich durchziehen hätten können. Daher habe ich nur geringes Verständnis für die Proteste dieser Trainer.

Wenn jedoch eine optimale Fortbildung von Arbeitslosen das Ziel sein soll, dann sollten alle Verhandlungspartner wieder zurück an den Start gehen. Man kann dann nicht alle Trainer über einen Kamm scheren, sondern muss nach Fachbereichen differenzieren. Allerdings dürfte es keine selbständigen Trainer mehr geben, die alleine von einem Auftraggeber mehr als ca. € 20.000 im Jahr erhalten. Nur so kann halbwegs sichergestellt werden, dass die Trainer auch Praxis haben bzw. sich weiterbilden.