Lehrer und Schüler strafen – oder doch keinen?

Jüngst hat ja die Lehrergewerkschaft den Wunsch geäußert, dass Lehrer wieder strafen dürfen sollen. Abgesehen davon, dass das eine Polemik ist, weil Lehrer schon jetzt durchaus Sanktionsmöglichkeiten haben, sollten die Lehrer mal vor der eigenen Türe kehren und Schauen, was sie für ein Vorbild abgeben.

Aber fangen wir mal beim Ist-Zustand an: Eine sehr wichtige Sanktionsmöglichkeit, die Lehrer jetzt schon haben, ist es, dass sie Schülern auftragen können, im Unterricht Versäumtes zu Hause nachzuholen. Im Klartext: Schüler, die den Unterricht stören, können z. B. mit Extra-Aufgaben belegt werden. Über diesen Umweg sind sogar die vielgeschmähten Kollektivstrafen möglich. Stört ein Schüler den Unterricht nachhaltig, haben ja alle was versäumt, was sich in den Hausübungen auswirkt. Warum das von Lehrern nicht gemacht wird, liegt auf der Hand: Hausübungen müssen auch kontrolliert werden, was auch für die Lehrer Mehraufwand bedeutet. Doch wie sähe das bei den vorgeschlagenen Sozialdiensten aus? Die müssen schließlich auch beaufsichtigt werden.

So unrealistisch der Vorschlag der Gewerkschaft da ist, die Gewerkschaft sollte einmal dafür sorgen, dass die Lehrer selbst ihre Pflichten erfüllen. Ich rede hier jetzt nicht von Einzelfällen, die durchaus eine signifikante Masse erreichen können, sondern von einer Art kollektiven Bummelstreik. Ein Lehrer hat zum Beginn der Unterrichtsstunde in der Klasse zu sein. So schreibt es das Schulunterrichtsgesetz und das Dienstrecht vor. In der Praxis ist das praktisch nie der Fall. Im Durchschnitt beginnt der Unterricht im Schnitt mindestens 5 Minuten nach Beginn der Unterrichtsstunde. Jeder einzelne Lehrer prellt den Steuerzahler so um 50 Stunden Arbeitszeit im Jahr! Das wären übrigens ziemlich genau die 2 Stunden mehr Lehrverpflichtung, die ja im Frühjahr gescheitert sind.

Das skandalöse dabei ist, dass nicht nur Millionen Unterrichtsstunden dadurch verloren gehen, die wir alle bezahlen müssen, sondern dass die Lehrer dabei auch noch ein schreckliches Vorbild ihren Schülern abgeben. Schließlich verlangen sie ja von den Schülern sehr wohl Pünktlichkeit.

Und bevor es irgendjemand anderer bringt: Hier das häufigste Gegenargument, warum es angeblich nicht möglich ist, pünktlich in der Klasse zu sein: Gangaufsicht. Nur stimmt dieses Argument nicht. Erstens hat nur ein geringer Anteil der Lehrer in jeder Pause Gangaufsicht. Zweitens könnte die Gangaufsicht ja vorzeitig beendet werden, wenn der unterrichtende Lehrer rechtzeitig in der Klasse wäre, sozusagen eine Staffelübergabe.

Ich bin ja sehr für Sanktionen, aber sie sollten dann auch bitte für beide gelten.