Idee für Studienfinanzierung: Das Studentenpunktekonto

Die aktuelle Besetzung von Hörsälen an den österreichischen Universitäten zeigt wieder einmal die Probleme im österreichischen Universitätssystem auf. Die Einfallslosen Strategien unserer Politiker sind Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen.

Studiengebühren sind vor allem deshalb ungerecht, da sie völlig ohne verbindliche Gegenleistung eingehoben werden. Es gibt in zahlreichen Studien “Stehzeiten”, weil man z. B. auf einen Praktikumsplatz wartet. In diesen Semestern müssen die Studenten trotzdem Gebühren zahlen, nur um nicht von der Warteliste zu rutschen. Gleichzeitig benutzen sie praktisch keinerlei universitären Ressourcen und verursachen so auch praktisch keine Kosten. Überhaupt ist nicht einzusehen, dass ein sogenannter “Bummelstudent” (warum er auch immer so langsam studiert, z. B. weil er nebenbei arbeitet) genau die gleichen Gebühren zahlen muss, wie einer, der die maximal mögliche Zahl an Lehrveranstaltungen belegt und so die universitären Ressourcen deutlich höher beansprucht. Zugangsbeschränkungen sind vor allem deshalb Blödsinn, weil sie eine punktuelle Prüfung darstellen, die nie die wahren Talente von Studenten berücksichtigen wird. Dazu kommt, dass wir doch keine “Fachtrotteln” wollen. Zugangsbeschränkungen führen aber genau dazu, dass z. B. ein Medizinstudent nicht die eine oder andere Veranstaltung in Psychologie belegen kann, was aber für die medizinische Qualität sicher nicht das Schlechteste wäre.

Genau hier setzt meine Idee ein: das Studentenpunktekonto. Jeder Maturant bekommt ein Punktekonto für das Studium. Dieses sollte zunächst in etwa so bemessen sein, dass es etwa das Doppelte der mindestens benötigten Punkte eines Bakkalaureat-Studiums umfasst. Nach Abschluss des Bakkalaureat-Studiums, bekommt er wieder nach gleichem Schema Punkte für das Master-Studium gutgeschrieben usw.

Jede Lehrveranstaltung die inkl. Prüfung tatsächlich besucht wird, kostet dann Punkte vom Punktekonto. Dabei kann die Universität zwischen Veranstaltungen ohne Anmeldepflicht unterscheiden, bei denen dann nur die Prüfung Punkte kostet, oder solchen mit Anmeldepflicht, wo auch die Anmeldung schon Punkte kostet.

Wenn ein Student all seine Punkte verbraucht hat, kann er weitere Punkte dazukaufen. Dieses System wäre gerecht, da es z. B. arbeitende Studenten nicht stärker belastet als solche, die sich voll auf das Studium konzentrieren. Außerdem wird auch der Ressourcenverbrauch der Universität berücksichtigt.

Zwar würde dieses System auch einen relativ hohen Verwaltungsaufwand hervorrufen, doch die Ergebnisse aus diesem System können auch für eine sinnvolle Ressourcenplanung an den Unis verwendet werden. Auch Studiengebühren für ausländische Studenten und die gesamte Universitätsfinanzierung könnten an dieses Punktesystem gekoppelt werden.

Mit einer weiteren Idee, die auf diese aufbaut, könnte man damit auch das Problem des Studententourismus aus Deutschland bekämpfen: Diese Punkte werden in Form eine “Bildungsschecks” nur Schülern überreicht, die in Österreich maturieren. Alle anderen müssen die Punkte von Anfang an kaufen. Das wäre auch EU-konform, da das Studium so offiziell etwas kosten würde, aber Sozialleistungen – und der Bildungsscheck wäre eine solche – noch immer in der Kompetenz des jeweiligen Staates liegen. Da der Scheck vom Ablegen der Matura in Österreich und nicht von einer österreichischen Staatsbürgerschaft abhängig wäre, wären damit EU-Ausländer nicht benachteiligt, sofern sie in Österreich maturieren. Und auch das Problem von Nicht-EU-Ausländern, die in Österreich maturieren, wäre damit gelöst: sie könnten auch gratis studieren.

Mit dieser Idee bewerbe ich mich jetzt als Nachfolger von Johannes Hahn im Wissenschaftsministerium, falls er tatsächlich nach Brüssel wechselt. 🙂