Lehrer-Ausbildung neu: Ein Schritt in die richtige Richtung

image Heute wurde ein Expertenbericht zur Reform der Ausbildung von Lehrer/-innen und sonstiger Pädagogen/-innen vorgelegt. Der Bericht ist aus meiner Sicht ein großer Schritt in die richtige Richtung. Einige Details gefallen mir jedoch nicht.

Bachelor-Studium und Kindergarten-Pädagog(inn)en

Ein einheitliches Grund-Studium für alle pädagogischen Berufe ist grundsätzlich zu begrüßen und verbessert sicher die pädagogische und didaktische Ausbildung der Junglehrer/-innen. Anscheinend soll dieses Studium aber von Anfang in Primär- und Sekundarstufenlehrer/-innen differenziert werden. Ich halte diese Differenzierung für einen Fehler. Vielmehr sollte die Grundausbildung möglichst breit gefächert und nicht fachspezifisch sein.

Dass die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP) erhalten bleibt, halte ich ebenfalls für einen großen Fehler. Ich bin grundsätzlich ein großer Kritiker der BMHS. Wer weiß schon schon 15 Jahren, welchen Beruf er oder sie mit 18 oder 19 ausüben möchte? Speziell bei Kindergartenpädagog(innn)en halte ich das für extrem problematisch. Die Jugendlichen stecken mitten in der Pubertät und entscheiden sich, möglicherweise vom Stand des Hormonspiegels geleitet, für einen verantwortungsvollen Beruf, bei dem sie mit Kindern zu tun haben werden. Auf der einen Seite wollen wir die Zahl der Teenager-Schwangerschaften verringern, andererseits lassen wir Teenager ohne jede Lebenserfahrung auf unsere Kinder los? Ich bin daher für die ersatzlose Abschaffung der BAKIP.

Master-Studium

Dass für die Notengebung in der Abschlussklasse der Volksschule ein Masterstudium erforderlich sein wird, halte ich für übertrieben. Andererseits plädiere ich dafür, dass das Master-Studium fachbezogen gestaltet sein sollte und generell für alle Lehrer/-innen der Sekundarstufe verpflichtend sein sollte. Warum ein/-e Volksschullehrer/-in ein Master-Studium benötigt, ein/-e Lehrer/-in der Oberstufe jedoch nicht, sofern er oder sie nicht die Matura abnimmt, erscheint mir nicht logisch.

Master of Advanced Studies für Direktor(inn)en und Fachbereichsleiter(inn)en

Es ist eine gute Idee, dass für Leitungsposten eine Zusatzqualifikation benötigt wird. Ich hoffe, dass diese Ausbildung in erster Linie Management und Personalführung umfasst.

Bewährungsphasen

Die Bewährungsphasen sollten ausgedehnt werden. Jede/-r Pädagoge/-in sollte zumindest 2 Jahre in einem Kindergarten arbeiten und sich dort bewähren müssen. Anschließend würde ich verpflichtend mindestens 4 Jahre an einer Volksschule vorschreiben. Dann folgen weitere 4 Jahre in der Sekundarstufe I (siehe Info-Grafik).

Eine derartige Staffelung hätte auch Kostenvorteile: Viele würden wohl auf ein Masterstudium verzichten, wenn ihnen der Job in der Volksschule gefällt. Durch die verpflichtenden 2 bzw. 4 Jahre in Kindergarten und Volksschule gäbe es in diesen Bereichen auch sicher keinen Mangel an Arbeitskräften, auch wenn man die Bezahlung nicht dramatisch erhöht. Denn es muss jedem klar sein, dass verbesserte Ausbildung auch grundsätzlich bessere Bezahlung bedeuten muss.

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Private Verlage in sozialer Hängematte

Aktuell wird die politische Diskussion von zwei Themen bestimmt: soziale Gerechtigkeit und die Uni-Misere. Vordergründig haben diese Themen nicht viel miteinander zu tun. Doch wenn man etwas hinter die Kulissen des Wissenschaftsbetriebs blickt, erkennt man eine nicht unbeträchtliche soziale Schieflage. Private Verlage verdienen Geld mit öffentlich finanzierter Arbeit, indem sie genau diese Arbeit wieder der öffentlichen Hand verkaufen.

Stellen Sie sich einmal folgendes vor: Ihr Nachbar engagiert und bezahlt einen Bautrupp, der dann aber auf Ihrem Grundstück ein Haus errichtet. Nicht viele haben so wohltätige Nachbarn. Und Nachbarn, die so wohltätig sind, selbst aber noch kein Dach über dem Kopf haben, gibt es wahrscheinlich nur in Träumen. Viele würden einen solchen Nachbarn wohl einfach nur als dumm bezeichnen. Und Dummheit muss in der Neoliberalen Gesellschaftsordnung ausgenutzt werden. Also vermieten wir das Haus auf unserem Grundstück, das der Nachbar eigentlich bezahlt hat, an genau diesen Nachbarn und verdienen damit Geld.

Sie glauben, diese Geschichte ist eine reine Utopie? Mitnichten! Okay, in der Realität sind es keine Häuser, aber es ist Wissen, dessen Erschaffung teilweise mehr kostet als ein schmuckes Einfamilienhaus. Doch beginnen wir einmal von vorne.

Wissenschaftliche Grundlagenforschung kann kaum privat finanziert werden. Deshalb gibt es zum Glück Einrichtungen wie Universitäten, die Akademie der Wissenschaften und andere, an denen fest oder befristet angestellte Wissenschaftler möglichst ohne Finanzierungsdruck an Grundlagenwissen arbeiten können, von denen die Gesellschaft profitiert. Zusätzlich gibt es für Sonderprojekte noch Einrichtungen wie den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF). All diese Fonds und Einrichtungen haben eine Gemeinsamkeit: Sie werden von Steuergeld finanziert.

Wie wird der Erfolg wissenschaftlicher Arbeit gemessen? Dazu gibt es sogenannte Wissensbilanzen. Der Hauptfaktor dieser Bilanzen sind Veröffentlichungen von eigenen Büchern sowie Artikeln in Sammelbänden und wissenschaftlichen Fachzeitschriften. Diese Veröffentlichungen sind die Währung der Wissenschaft. Vor allem Jungwissenschaftler versuchen daher, so viele Artikel wie möglich zu veröffentlichen. Nur aus veröffentlichten Arbeiten können andere Wissenschaftler wieder zitieren und so den Bekanntheitsgrad der Forschungen erhöhen.

Hier kommen die Wissenschaftsverlage ins Spiel. Bei ihnen werden die Artikel zur Veröffentlichung eingereicht. Diese Verlage nehmen für sich in Anspruch, für die nötige Qualität der Veröffentlichungen zu sorgen. Die Einreichungen werden einem strengen Überprüfungsprozess unterworfen, der sogenannte Review. Da die Verlage selbst kaum oder gar kein wissenschaftliches Fachpersonal beschäftigen, werden mit dem Review Wissenschaftler der jeweiligen Fachrichtung beauftragt, die wiederum ihrerseits meist an öffentlich finanzierten Universitäten oder anderen öffentlichen Forschungseinrichtungen beschäftigt sind. Da Reviews zur normalen wissenschaftlichen Arbeit gehören und meist auch in den Stellenbeschreibungen enthalten sind, erledigen diese Wissenschaftler die Reviews in der normalen von Steuergeld finanzierten Arbeitszeit.

Die besten Artikel erscheinen dann in sehr teuren werbefreien Fachzeitschriften und –büchern. Hauptabnehmer dieser Werke sind – erraten! – wiederum die Universitäten, öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen und öffentlichen Bibliotheken.

Man sollte annehmen, dass die Verlage, die mit diesen Zeitschriften und Büchern viel Geld verdienen, für die Artikel bezahlen und so wiederum Geld in die Budgets der Unis und Forschungseinrichtungen zurückfließt. Mitnichten! Die Verlage nutzen die Zwangslage der Wissenschaftler aus, die ihre Arbeit mit diesen Veröffentlichungen rechtfertigen müssen. Bisweilen bezahlen Wissenschaftler die Verlage sogar dafür, dass sie ihre Artikel veröffentlichen. Dafür vergeben einige Bundesländer sogar Förderungen.

Die Verlage rechtfertigen das gerne mit dem Qualitätsanspruch an ihre Veröffentlichungen und dem teuren Review-Prozess. Also sollten doch zumindest die Wissenschaftler, die die Reviews durchführen, bzw. ihre Arbeitgeber (in der Regel der Staat) Geld dafür bekommen. Doch auch hier Fehlanzeige!

Im Gegenteil: Die Bibliotheken all dieser Körperschaften, die eigentlich die Arbeit an den Artikeln großteils finanziert haben, müssen diese Veröffentlichungen wieder um teures Steuergeld ankaufen. Dass es sich dabei um ein durchaus lukratives Geschäft handelt, beweist, dass auch Verlagsriesen wie Bertelsmann an dieser Steuergeldkuchen gerne mitnaschen.

Jetzt könnte man natürlich den jungen Wissenschaftlern vorwerfen, dass sie sich ja freiwillig den Verlagen ausliefern und an dieser Situation selbst schuld sind. In welcher Zwangslage junge Wissenschaftler jedoch sind, zeigt auch, dass sie, um einen 20-minütigen Vortrag zu halten, der ebenfalls ihre Wissensbilanz aufwertet, sich auch mal an einem Sonntag stundenlang auf eigene Kosten ins Auto setzen und quer durch Österreich fahren. Natürlich auch das völlig unbezahlt. Nicht einmal Spesen werden ersetzt.

Dieses Geschäftsmodell ist so unglaublich, dass ich überzeugt bin, dass manche wohl jetzt meinen, dass sie sich verlesen haben müssen. Nein, Sie haben sich nicht verlesen! Deshalb fasse ich noch einmal zusammen: Der Steuerzahler finanziert die Erstellung wissenschaftlicher Artikel von guter Qualität. Der Steuerzahler finanziert die Qualitätskontrolle dieser Artikel. Und der Steuerzahler kauft dann diese Artikel von Wissenschaftsverlagen um Millionen Euro an. Sieht so freie Marktwirtschaft aus?