Asyl: Das überschätzte Problem

Heute stimmt Eberau über das Erstaufnahmezentrum für Asylwerber ab. Das Ergebnis ist abzusehen und ein trauriger Höhepunkt einer Debatte, die vor rund 20 Jahren ihren Ausgang genommen hat.

Kaum ein Österreicher, kaum eine Österreicherin kennt tatsächlich persönlich einen Asylanten/eine Asylantin. Ich selbst habe in 35 Jahren auch erst vor wenigen Wochen das erste Mal bewusst eine ehemalige Asylantin (heute österreichische Staatsbürgerin) kennengelernt. Es kann durchaus sein, dass ich mit der einen oder anderen in die Schule gegangen bin, aber in den 1980er-Jahren war das eigentlich noch kein Thema. Es kann auch sein, dass ich schon viel öfter mit Asylanten zusammengetroffen bin, ohne es zu wissen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich gerade die Migranten-Gruppe meist sehr gut integriert. Diese Leute sind nämlich im Durchschnitt deutlich gebildeter als der Großteil, der sonstigen Migranten, die vor allem als billige Arbeitskräfte geholt werden.

Ich werde in den nächsten Tag in diesem Blog ein paar Fakten und Gedanken zur immer wieder aktuellen Asyldebatte veröffentlichen. Beginnen möchte ich mit einer provokante Frage: Was würde sich an Ihrem persönlichen Leben ändern, wenn es keinen einzigen Asylwerber mehr in Österreich gäbe? Würden Sie mehr Geld haben? Würde sich Ihre Gesundheit verbessern? Würde die Stimmung in Ihrer Familie besser sein?

Sind Asylwerber kriminell?

Diese Frage lässt sich kurz und bündig beantworten: Es gibt keine Statistik, die die Kriminalität von Asylwerbern separat erfasst. Seit 10 Jahren wird das Innenministerium von latent ausländerfeindlichen Ministern und Ministerinnen geführt, deren primäres Ziel es war, Verschärfungen im Asylrecht durchzusetzen. Wenn es tatsächlich eine erhöhte Kriminalität bei Asylwerbern geben würden, wären diese Minister und Ministerinnen sicher hocherfreut gewesen, in ihrem Interesse eine solche Statistik zu präsentieren. Dass es diese Statistik nicht gibt, kann für vernunftbegabte Menschen nur zu dem Schluss führen, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Asylwerber sind sogar weniger Kriminell als der Durchschnitt der Bevölkerung.