Unser Steuergeld für Swinger-Club?

Wien hat endlich wieder einen Kunst-Skandal. Die FPÖ hat ihn aufgedeckt. Vielen Dank dafür! Was die blauen Burschen jedoch wieder einmal vergessen haben: korrekte Recherche und Wiedergabe der Tatsachen. Aber alles von Anfang an.

Die Wiener Secession ist seit über hundert Jahren ein Garant für Aufreger. Das Beethoven-Fries von Klimt, das jetzt den Rahmen für die aktuelle Installation bildet, wurde als pornographisch betitelt. Die golden beblätterte Kuppel wird von den Wiener wenig schmeichelhaft “Krauthappel” genannt. Und jetzt gibt es eine Sonderausstellung über Sexualität in der Kunst inklusive Installation eines Swinger-Clubs. Der Skandal ist perfekt.

Swinger-Clubs gibt es ja einige in Wien. Darüber regt sich kaum jemand noch auf. Doch jetzt wird ein Swinger-Club vermeintlich mit Steuergeld subventioniert. Pfui Teufel!

Bei all der künstlichen (künstlerischen?) Aufregung betrachten wir einmal die Tatsachen. Die Secession ist eine international äußerst renommierte Kultureinrichtung. Die Secession könnte, wenn sie international übliche Eintrittspreise verlangen würde, problemlos ohne jegliche Subvention auskommen. Die teuerste Eintrittskarte kostet € 8,50, weniger als die meisten Kinokarten heutzutage. Dieser Preis ist nur machbar, weil die Secession ein Drittel ihres Budgets aus öffentlichen Förderungen bestreitet. Würde der Eintrittspreis auf z. B. € 12 angehoben und die meisten Ermäßigungen gestrichten werden, käme die Secession ohne Subventionen aus.

Warum wird eine solche Einrichtung dann subventioniert? Weil der Staat und die Stadt Wien ein Interesse daran hat, dass auch weniger betuchte Kulturinteressierte die Kunstwerke dieser Einrichtung betrachten können. Die Subvention stellt also aktive Bildungs- und Kulturpolitik dar.

Die aktuelle Installation des Swinger-Clubs hat keine zusätzlichen Subventionen ausgelöst. Die Umbaukosten von wahrscheinlich ca. € 90.000 wurden von privaten Sponsoren getragen. Ein Teil des Eintrittspreises in den Swinger-Club kommt der Secession zugute, vermutlich ca. besagte € 8,50. Somit kann die Secession aus diesem zusätzlichen Betrieb sogar zusätzliche Einnahmen lukrieren.

Die Secession wird von einem privatrechtlichen Verein getragen. Wenn die Frau Bezirksvorsteherin Stenzel so tut, als ob sie da übergangen worden wäre und sie das nie und nimmer genehmigt hätte, ist schon zu sagen, dass sie gar keine ernsthafte Möglichkeit gehabt hätte, das zu untersagen, ebensowenig Bürgermeister Häupel oder irgendein anderer Vertreter der Politik. Je nach Rechtsinterpretation braucht die Secession für diesen Betrieb lediglich ein zusätzliche Betriebsanlagengenehmigung. Die ist an diesem Standort wohl problemlos zu bekommen, sind doch in der näheren Umgebung keine besonderen Anrainerinteressen zu berücksichtigen.

Natürlich kann man jetzt argumentieren, dass ein Betrieb, der einen Sex-Club in seinen Räumlichkeiten duldet, den Anspruch auf Subventionen in Zukunft verwirkt hat. Doch im Falle der Secession geht diese Argumentation ziemlich ins Leere. Nicht die Secession hat ein Interesse an den Subventionen, sondern die Politik, damit die Secession auch weiterhin sozial verträgliche Eintrittspreise verlangt. Eine Streichung der Subventionen würde daher in keiner Weise der Secession schaden sondern lediglich den kulturinteressierten Wienerinnen und Wienern.