Lasst die Studenten arbeiten, dann protestieren sie auch nicht

Bezirkszeitung Studenten0001Die Wiener Bezirkszeitung ist ja nicht gerade ein Hort des objektiven Qualitätsjournalismus. Wer allerdings in einer Art “Leitartikel” eine Meinung äußert, sollte vielleicht vorher ein paar Fakten recherchieren. Der nebenstehende Kommentar von Herrn Gotschacher ist wohl eher für den Stammtisch als für die Zeitung geeignet. Deshalb habe ich den folgenden Leserbrief per E-Mail geschickt. Bin neugierig, ob der veröffentlicht wird:

Sehr geehrter Herr Gotschacher!

Die Akademiker sind es, die die Wertschöpfung in unserem Lande aufrecht erhalten werden. Nur wenn Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Österreich bleiben oder aufgebaut werden, wird es auch weiterhin Arbeitsplätze in Industrie und Gewerbe in ausreichender Anzahl geben. Leider wird die Entwicklung zur Wissensgesellschaft seit 25 Jahren von „bürgerlichen“ Wissenschafts- und „Unbildungs“-Ministern und Ministerinnen gebremst.

Die Studenten protestieren nicht, weil sie nicht arbeiten wollen, sondern, weil man sie nicht arbeiten lässt. Schikanöse Voraussetzungsketten zwingen die Studenten zu semesterlangen Zwangsruhepausen und das Bakkalaureat wird weder am Arbeitsmarkt noch von den Universitäten selbst voll anerkannt. Doch nicht nur bei den Studenten wird gespart: Auch Universitätslektoren kommen auf einen Stundenlohn für ihre hochqualifizierte Arbeit, da würde keine Putzfrau auch nur einen Fetzen in die Hand nehmen.

Wenn wir bei der Ausbildung unserer künftigen Eliten sparen, wird der Wohlstand in unserer Gesellschaft schon für die nächste Generation kaum haltbar sein.

Mit freundlichen Grüßen

Roman Korecky

ein Leider-nicht-Akademiker aus der Donaustadt

Update von 15:26: Auch in der Krone finden sich ähnliche Leserbriefe, für die diese Antwort auch passt.