Bildungskonzept ÖAAB: Vorwärts in die Vergangenheit

Am Montag dieser Woche präsentierte der ÖAAB sein Bildungskonzept. In einigen Punkten sind darin wirklich brauchbare Ansätze zu finden (Kindergarten, Sprachförderung), manche Bereiche wirken unvollständig ausformuliert (Lehrerausbildung) und andere Bereiche sind zumindest diskussionswürdig (Schulautonomie, Elitenförderung). Doch in zwei Kernpunkten frage ich mich, wann die ÖAAB-Politiker zuletzt eine Schule von innen gesehen haben. Da lautet das Motto anscheinen: vorwärts in die Vergangenheit:

Hauptschule und Durchlässigkeit des Schulsystems

Dass die Hauptschule (“Aufstiegsschule”) den Wechsel in jeden anderen Schultyp, insbesondere in AHS und BHS ermöglichen problemlos soll, höre ich seit 25 Jahren. Die Realität sieht leider völlig anders aus, und daran sind nicht nur die Hauptschule schuld. So wurden beispielsweise in der HAK, die ich besuchte, ehemalige Hauptschüler bzw. Schüler aus kooperativen Mittelschulen (KMS, eine Art Vorläufer der neuen Mittelschule – NMS) von den Lehrern gezielt gemobbt. Von gut 10 Schülern schaffte es nur einer bis zur Matura. Und der musste sich trotz durchgehend positiver Noten jedes Jahr Entscheidungsprüfungen stellen, weil ihn manche Lehrer offensichtlich los werden wollten.

Außerdem ignoriert die viel geforderte Durchlässigkeit des Schulsystems zwischen den Schultypen die Tatsache, dass Kinder nur ungern die Schule wechseln. Jeder Schulwechsel bricht den Kontakt zu ihren Freunden ab und reißt sie aus ihrem sozialen Umfeld. Dies wirkt sich meist negativ auf den Schulerfolg aus. Vergessen wir das also gleich wieder, und widmen und den lieber den wirklich zukunftsträchtigen Konzepten der Talenteförderung, der gemeinsamen Schule der 10 – 14-jährigen mit innerer Leistungsdifferenzierung.

Ganztagsschule

Immer noch ignoriert der ÖAAB, dass ab der Sekundarstufe es in Österreich de facto ohnehin schon die Ganztagsschule gibt. Spätestens seit der Einführung der 5-Tage-Woche an den meisten Schulen führen Nachmittagsunterricht, diverse schulische Zusatzangebote (die der ÖAAB ja unter dem Titel Begabtenförderung ja auch fordert) und Hausübungen ohnehin schon zu einer praktisch ganztätigen Belastung für die Schüler. Die meisten Eltern sind nicht in der Lage, ihre Kinder ausreichend am Nachmittag zu fördern und zu unterstützen, weil sie entweder berufstätig sind oder selbst nicht die nötigen Kenntnisse haben. Deshalb ist der einzig logische Schritt die flächendeckende Einführung der echten Ganztagsschule als Regelschule.

Ein Gedanke zu „Bildungskonzept ÖAAB: Vorwärts in die Vergangenheit

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