Eine unheimliche Begegnung in der Moschee

220px-Moschee_Wien[1] Ich bin im 20. Wiener Bezirk aufgewachsen, nahe der Floridsdorfer Brücke. Von meinem Zimmer hatte ich damals relativ freien Blick zur Donau. Ich war damals auch viel mit dem Fahrrad unterwegs. Mein “Revier” war vor allem die Donauinsel und die beiden Dämme zwischen der Nordbrücke und der Reichsbrücke, sowie der Donaupark. Es gibt nur wenige Gebäude in diesem Teil Wiens. Doch ein ganz besonderes zog mich immer magisch in seinen Bann: das Islamische Zentrum Wien, vulgo “die Moschee” am Bruckhaufen.

Die schneeweißen, sauberen Mauern mit ihren schlichten Verzierungen, die erhabene Kuppel und nicht zuletzt das elegante Minarett, das auf mich wie ein erhobener Arm wirkte. Ich fuhr mit dem Fahrrad sehr gerne in den Donaupark. Ich hätte über den Damm am Handelskai oder über die Donauinsel fahren können. Doch ich nahm, soweit ich mich erinnern kann, fast immer den Weg über den Hubertusdamm, wo ich direkt an der Moschee vorbeifuhr. Logisch kann ich das nicht begründen. Der Anstieg auf das letzte Stück der Brigittenauer Brücke, die in der Folge in den Donaupark führte, war vom Hubertusdamm aus der steilste. Und ich ließ auf dieser Route die Gelegenheit aus, die Schiffe auf der Donau zu beobachten. Es muss also die Moschee sein, die mich anzog.

Eines Tages, ich war zwischen 12 und 14 Jahre alt, es muss also zwischen 1986 und 1989 gewesen sein, war ich mit einer Schulfreundin unterwegs. Sie war anscheinend ebenso fasziniert von dem schönen, aber exotisch wirkenden Gebäude. So beschlossen wir, uns das Gebäude einmal etwas näher anzusehen. Wir stellten also unsere Fahrräder ab und schlichen um das fremdartige Gebäude. Dabei versuchten wir durch die wenigen Fenster einen Blick ins Innere zu erspähen. Doch es war dunkel in der Moschee, also sahen wir nicht viel. Als wir in der Nähe des Eingangs waren, kam plötzlich ein bärtiger Mann heraus und sprach uns an. Wie Kinder so sind, erschraken wir zunächst furchtbar, weil wir Angst hatten, der Mann würde uns verjagen. Doch das Gegenteil war der Fall: Der Mann fragte uns, ob wir nicht hereinkommen wollten und er bot an, uns die Moschee zu zeigen. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

Natürlich mussten wir die Schuhe ausziehen, was uns aber sehr leicht viel. Denn im Inneren warteten flauschige Teppiche auf uns. Genau kann ich mich an den Innenraum nicht mehr erinnern. Die Moschee wirkte fremd, aber doch vertraut auf uns. Vertraut deshalb, weil durch die Teppiche und die reichen Verzierungen an den Wänden ein gutes Stück Wohnlichkeit herrschte, ganz anders als katholische Kirchen, die mit ihren kalten Böden und Wänden und ihren harten Bänken, nicht gerade zum Verweilen einladen. Der Mann zeigte uns nicht nur zahlreiche Räume, er erklärte uns auch wichtige Grundlagen des Islam in perfektem Deutsch.

Ich schätze, dass wir eine gute Stunde in der Moschee verbracht haben. Es war ein Erlebnis, an das ich mich auch heute noch gerne erinnere. Auch heute noch empfinde ich die Moschee als eines der schönsten Gebäude des an Sehenswürdigkeiten nicht gerade gesegneten Floridsdorf (sorry an alle Floridsdorfer!).

Das Islamische Zentrum wurde übrigens 1978 durch den damaligen Bundespräsidenten Rudolf Kirchschläger unter Anwesenheit von Bruno Kreisky und zahlreichen anderen hohen Vertretern Österreichs eröffnet. Wäre es heute noch denkbar, dass eine Moschee durch Bundespräsident oder Bundeskanzler eröffnet wird? Wäre es heute noch möglich, eine Moschee nur einen Steinwurf von idyllischen Einfamilienhäusern und Kleingärten mitten in einem Erholungsgebiet zu errichten, ohne dass sich gleich eine hasserfüllte Bürgerinitiative dagegen bildet? Ich glaube, dass die Anrainer in den 1970er und 1980er-Jahren stolz auf die lokale Sehenswürdigkeit waren. Was hat die Änderung in der öffentlichen Meinung bewirkt? Warum werden Moscheen heute anscheinend von einer Mehrheit abgelehnt?

Abschließend möchte ich noch darauf hinweisen, dass das islamische Zentrum Wien nach wie vor jederzeit Besuchern in korrekter Kleidung offen steht. Bei Voranmeldung erhält man auf jeden Fall eine Führung und dadurch vielleicht einmal einen anderen Blick auf den Islam.

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Wem nützen Straches Forderungen?

Hatschi Strache hat heute seinen Wiener Wahlkampf mit einer Presseaussendung eröffnet. Viel neues war darin nicht zu lesen. Zeit genug also, mal die Einzelforderungen auseinanderzunehmen und auf die Realität anzuwenden.

Ob ein Einwanderungsstopp realisierbar ist und welche Auswirkungen der hätte, will ich hier nicht erörtern. Da sind zu viele Emotionen drinnen. Doch auch und gerade abseits des Ausländerthemas zeigt Strache, welche Gefahr seine Politik für die Menschen in Österreich wäre.

Familiensteuersplitting

Als erstes fordert Hatschi ein Familiensteuersplitting. Im Klartext heißt es, dass die Einkommenssteuer nicht mehr für jeden Verdiener einzeln gerechnet würde, sondern auf alle Mitglieder eines Haushalts verteilt würde. Dies würde bedeuten, dass ein Alleinverdiener oder eine Alleinverdienerin mit Kindern deutlich weniger Steuern zahlen würde, als jemand mit gleichem Einkommen aber weniger Kindern. Auf den ersten Blick klingt der Vorschlag bestechend. Warum soll ich, der zwei Kinder erhalten muss, die gleiche Steuer zahlen, wie mein Kollege, der als DINK (Double Income, no Kids) das gleiche verdient, aber über ungleich mehr Einkommen zum Ausgeben verfügt.

Wer in Österreich weniger als ca. € 1.140 im Monat verdient, zahlt derzeit keine Einkommensteuer, nur die Sozialversicherung. Zwei Kleinverdiener mit jeweils diesem Einkommen haben damit ein verfügbares Einkommen von ca. € 1.868. Dazu kommt noch Familienbeihilfe, die je nach Kinderanzahl und deren Alter unterschiedlich ist. Bei Alleinverdienern mit einem Bruttoeinkommen von € 2.280 beträgt das Nettoeinkommen hingegen nur € 1.585,68.

Folgt man Straches Forderung, sollten die Alleinverdiener zumindest auf das gleiche Einkommen kommen. Das klingt auf den ersten Blick gerecht. Dummerweise fallen dadurch aber beträchtliche Steuern aus. Da die € 2.280 recht nahe am österreichischen Durchschnittsbruttoeinkommen liegen, können wir den Steuerausfall näherungsweise berechnen. Er beträgt abgerundet ca. 17 % des Einkommensteueraufkommens. Österreich nahm 2009 ca. 33 Mrd. € an Lohn- und Einkommensteuer ein. Ein Ausfall von 17 % würde abgerundet rund 5,5 Mrd. € bedeuten. Herr Strache soll einmal erklären, woher er dieses Geld nehmen will. Nur zur Verdeutlichung: 5,5 Mrd. € zusätzlich würden das österreichische Defizit in die Nähe Griechenlands rücken. Natürlich könnte man umgekehrt alle Steuern erhöhen. Dann soll Hatschi aber auch sagen, dass dies vor allem niedrige und mittlere Einkommen treffen würde. Damit wäre die Ersparnis durch das Familiensplitting für die meisten dahin, ja netto würde sogar weniger rausschauen. Profitieren würden davon nur gut verdienende, kinderreiche Familien.

Dass man Strache lieber nicht Steuerpolitik machen lassen sollte, hat übrigens Alexander van der Bellen schon 2009 im Nationalrat sehr schön veranschaulicht, wie das folgende Video (ein echter Evergreen) eindrucksvoll zeigt:

Inflationsanpassung von Familienleistungen

Strache will auch, dass Familienleistungen turnusmäßig an die Inflation angepasst werden. Damit meint er wohl vor allem die Familienbeihilfe. Da bin ich voll bei ihm. Davon würden vor allem Familien mit geringem Einkommen und vielen Kindern profitieren. Bravo! Dass davon vor allem die kinderreichen Familien mit Migrationshintergrund profitieren würden, kann da wohl kein Zufall sein. Sooo ausländerfeindlich ist Hatschi also doch nicht. Oder hat die FPÖ bei dieser Forderung nur nicht gut genug nachgedacht?

Absicherung von Müttern im Sozialrecht und Infrastruktur zur Kinderbetreuung

Im gleichen Satz fordert der FPÖ-Mann auch die bessere Absicherung von Müttern im Sozialrecht, die Schaffung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch eine verbesserte Infrastruktur in der Kinderbetreuung sowie echte Wahlfreiheit für die Eltern. So viel Widersprüche in nur wenigen Worten schafft auch nur die FPÖ. Zunächst würde mich mal interessieren, welche Wahlfreiheit existiert, wenn explizit nur Mütter sozial abgesichert werden sollen? Sind mit Eltern nur Mütter gemeint? Ich dachte, die FPÖ setzt sich für mehr Väterrechte ein? Doch wieder nicht?

Wenn Eltern ohnehin sozial abgesichert sind, werden die Gemeinden wohl auch kaum in bessere Kinderbetreuungsinfrastruktur investieren wollen. Schließlich müssen ja die 5,5 Mrd. aus dem Familiensteuersplitting (siehe oben) auch wieder eingespart werden.

Und wirklich zukunftsorientiert ist die FPÖ auch nicht, spricht sie doch immer noch von Kinderbetreuung im Sinne der Kindergarderobe (© Michael Häupl) und nicht als Chance für frühkindliche Bildung.

Fazit

Wer Strache wählt, wählt den eigenen Henker. Nur Einkommen jenseits von € 5.000 würden wohl vom Familiensteuersplitting profitieren. Dazu kommt, dass die Politik der FPÖ in Wahrheit die Errichtung neuer Kindergärten zumindest bremsen würde. Diesen Angriff auf die Mittelstandsfamilie gilt es abzuwehren.