Strache und die Radfahrer

H. C. mag keine Radfahrer oder er weiß nicht, was das überhaupt ist. Diesen Eindruck muss man haben, wenn den Chat mit ihm auf derstandard.at liest.

Frage von /me:

Was würde die FPÖ für die Radfahrer in Wien (besser) machen? Oder ist die FPÖ eine Autofahrerpartei?

Heinz Christian Strache:

Es ist teilweise unverantwortlich, dass heute gefährliche Radwege gegen die Einbahn möglich gemacht worden sind. Was einerseits Radfahrer gefährdet aber auch Fußgänger. Es braucht daher geeignetere Radwege in Wien und auch der Autoverkehr hat flüssiger gestaltet zu werden, nicht im Sinne des heutigen Stop and go, welches absolut umweltschädlich ist. Wir wollen ein kostenloses Parkpickerl für Wien mit einer einmaligen Bearbeitungsgebühr, wo auch jeder Wiener in ganz Wien parken kann. Wir wollen den zügigen Ausbau der U-Bahn bis Auhof (U4), Dornbach/Neuwaldegg (U5), Oberlaa (U1), Kaiserebersdorf (U3) sowie nach Stammersdorf (U6). P.s.: Es soll in Zukunft keine gemischten Fuß- und Radwege mehr geben um die Sicherheit auszubauen.

Ich bin selbst ein sehr begeisterter Alltagsradler. In 8 Monaten habe ich mehr als 2000 km mit dem Fahrrad in Wien zurückgelegt. Radfahren gegen die Einbahn ist sehr sicher und angenehm. Laut ARGUS ist es seit der Einführung von Radfahren gegen die Einbahn vor ca. 15 Jahren in ganz Österreich erst zu einem einzigen Unfall mit Personenschaden gekommen, bei dem die Ursache zudem unklar ist. Es sind dadurch also weder die Radfahrer noch die Fußgänger und schon gar nicht die Autofahrer gefährdet.

Strache will den Autoverkehr flüssiger gestalten. Im Klartext heißt das: bereitere Straßen. Gleichzeitig will er auch das kostenlose Parkpickerl für ganz Wien mit Bearbeitungsgebühr einführen. Klingt irgendwie nach der unter Schwarz-Blau privatisierten Kfz-Zulassung. Die hat sich auch im Preis mehr als verdoppelt. Also: Gratis-Parken für alle immer und überall, breitere Straßen. Wo dann noch Platz für die “geeigneteren Radwege” sein soll, wüsste ich nur allzu gerne. Und dann sollen noch die U-Bahnen ausgebaut werden, was den Radlern, die zu Spitzenzeiten das Rad dort immer noch nicht mitnehmen dürfen, sicher sehr viel nützen wird.

Fassen wir zusammen: Die FPÖ ist und bleibt eine reine Autofahrerpartei. Radfahren ist Strache so fremd, wie mir sein Gedankengut.

Wer wirklich etwas speziell für die Radfahrer in der Donaustadt erreichen will, wählt bei der Bezirksvertretungswahl am 10.10.2010 SPÖ und gibt Roman Korecky (Listenplatz 100) eine Vorzugsstimme.

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Warum Fahrplandaten NICHT in Google Maps aufscheinen sollten

Mein gestriger Beitrag, wer schuld daran ist, dass man keine öffentlichen Verkehrsrouten mehr mit Google Maps planen kann, hat für große Resonanz gesorgt. Die Zugriffsraten auf den Blog sind geradezu in die Höhe geschnellt (+ 600 %). Das Thema interessiert anscheinend viele und ich wurde mit meiner kontroversiellen Meinung auch des öfteren zitiert. In der Zwischenzeit habe ich ein wenig recherchiert und bin mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass es für den öffentlichen Verkehr wahrscheinlich besser ist, wenn man seine Fahrten nicht mit Google Maps plant. Doch mal langsam von Anfang an.

Derzeit gibt es drei verschiedene Routenplaner für den Raum Wien und Umgebung:

  • Die Fahrplanabfrage des VOR berücksichtigt auch – wo möglich – Live-Daten, das heißt Verspätungen auf Linien. Diese Fahrplanabfrage wird auch von den Wiener Linien verwendet. Die Software dazu dürfte eine Eigenentwicklung sein. Die Mobilapplikation namens Qando wurde von der Wiener Firma Fluidtime geschrieben. Sie ist derzeit für die meisten Handys erhältlich u. a. für das iPhone, Android, Windows Mobile, Blackberry, Nokia, Motorola, Samsung und Sony Ericsson. Grundsätzlich kann jedes Java-fähige Handy Qando ausführen.
  • Der Routenplaner www.anachb.at berücksichtigt angeblich auch Live-Daten. Die Routing-Ergebnisse unterscheiden sich etwas von der VOR-Software. Für das iPhone gibt es eine mobile Anwendung, für andere Plattformen nicht.
  • Scotty ist die Fahrplanabfrage der ÖBB. Dabei handelt es sich um eine leicht angepasste Version von HAFAS, einem relativ alten Fahrplaninformationssystem, das u. a. auch von der Deutschen Bahn und den Schweizer Bundesbahnen verwendet wird. Die Fahrplanabfrage kann auch Live-Daten liefern, berücksichtigt diese aber bei der Routenplanung nicht. Eine Mobil-Version gibt es für die gleichen Plattformen wie bei Qando, allerdings liefert die ÖBB derzeit die Android-Version nicht aus. Es dürfte sich aber nur um eine Frage der Zeit handeln.

Im Zuge der Vorbereitungen zur Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz lieferte die ÖBB Fahrplandaten auch an Google, wodurch eine Routenplanung auch mit Google Maps ermöglicht wurde. Die Erfahrungen damit waren laut ÖBB aber nicht sehr positiv. Tatsächlich findet man nach einiger Recherche im Internet eine Menge sehr unzufriedener Anwenderberichte. Der Routing-Mechanismus von Google dürfte nicht immer optimale Routen liefern.

Ich habe mir im Zuge meiner Recherchen die Mühe gemacht, die Spezifikation zu lesen, wie Google die Fahrplandaten erwartet. Diese hat Google als General Transit Feed Specification veröffentlicht. Hauptproblem dieser Spezifikation ist, dass keine Live-Daten verarbeitet werden können. Schlimmer noch: Nicht einmal langfristige Betriebsunterbrechungen oder –änderungen zum Beispiel durch Baustellen können berücksichtigt werden, weil der Betreiber keine Möglichkeit hat, Änderungen an Google “zu pushen”. Der Betreiber stellt lediglich eine Datei mit den Daten auf dem eigenen Webserver bereit, die dann Google abholt, wann immer es dem Konzern gerade passt.

Alle Fahrgastbefragungen der letzten Jahre (u. a. vom ÖBB-kritischen Verein Probahn) zeigen jedoch eines ganz deutlich: Besonders wichtig ist es den Benutzern öffentlicher Verkehrsmittel rechtzeitig über Verspätungen und andere Störungen informiert zu werden und Alternativen angeboten zu bekommen. Dies ist aufgrund des von Google verwendeten Mechanismus jedoch nicht möglich. Da die Fahrgäste das nicht wissen (Hand auf’s Herz: Wer hat die General Transit Feed Specification gelesen?) werden die Fahrgäste, die Google Maps zur Planung verwendet haben, den Verkehrsbetrieben die Schuld geben.

Hinzu kommt, dass natürlich ein erheblicher Teil der Fahrplanabfragen dann nicht über die eigenen Server geht, sondern über Google. Die Daten der Abfragen können jedoch ein wichtiges Planungsinstrument sein. Wenn beispielsweise die Anzahl der Abfragen für eine bestimmte Destination in einem groben Missverhältnis zum tatsächlichen Fahrgastaufkommen liegt, ist das Angebot auf der Destination wahrscheinlich nicht attraktiv genug.

Wenn man all dies in Erwägung zieht, kommt man letztlich zu dem Schluss, dass es für die Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs wahrscheinlich besser ist, wenn Fahrplanabfragen nicht in die Hände eines einzelnen Konzerns gelegt werden, dessen Spezifikation gravierende technische Schwächen aufweist, der aber gleichzeitig ein Quasi-Monopol für Suchen im Internet hat.

Besser wäre es, wenn die Verkehrsbetriebe eine eigene Spezifikation für Web-Services ausarbeiten, die eine Integration von Fahrplandaten in Geographische Anwendungen ermöglicht und diese Spezifikation veröffentlicht. Ich denke, dass so etwas nicht die Aufgabe einzelner Verkehrsbetriebe sein kann. Vielmehr wäre das eine lohnende Aufgabe für die EU-Ebene, um diese Spezifikation dann auch europaweit einsetzen zu können. Auf jeden Fall sollte sichergestellt sein, dass zumindest Kerndaten der Abfrage an den Verkehrsbetrieb gehen. Ebenso sollte es die Möglichkeit geben, Live-Daten zu integrieren.

Wer ist böser: Die Wiener Linien oder Google?

Google Maps ist nicht nur eine Website mit Kartenmaterial von einem Großteil der Welt. Es gibt auch für fast alle führenden SmartPhone-Plattformen eine Google Maps-Anwendung. Besonders praktisch ist, dass Google Maps auch Routen berechnen kann. Dies funktioniert für Autofahrer und Fußgänger sehr gut. Bis Dezember 2009 konnte man über Google Maps auch die Fahrpläne eines Großteils der öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Österreich abfragen. Die Daten wurden bis dahin von den ÖBB geliefert. Seit Dezember 2009 funktioniert das nicht mehr.

Viele verärgerte Benutzer beschweren sich seither laufend über diese Einschränkungen, die nicht gerade eine Werbung für öffentliche Verkehrsmittel darstellt. Die Beschwerdeflut gipfelte heute in einem dringlichen Antrag vom grünen Gemeinderat Marco Schreuder, der die Lieferung der Daten zumindest der Wiener Linien an Google forderte. Der Antrag fand die Zustimmung von FPÖ, Grünen und ÖVP, aber nicht der SPÖ und fand so keine Mehrheit.

Ich habe die kurze Debatte über diesen Antrag live verfolgt. Zwei Argumente sind mir in der Debatte aufgefallen. Zunächst einmal wurde argumentiert, dass es ja z. B. den Dienst www.anachb.at gäbe. Ich habe selbst in diesem Frühjahr an einem Feldtest dieser Anwendung teilgenommen. Tatsache ist, dass dieser Dienst zwar ganz gut gemacht ist und auch gute Routing-Resultate liefert (jedenfalls bessere als die Fahrplanabfrage der Wiener Linien), aber auf dem SmartPhone völlig unbrauchbar ist.

Beim zweiten Argument gegen die Einbindung der Daten in Google Maps wurde ich allerdings hellhörig. Der Redner der SPÖ argumentierte, dass die Daten ja ohnehin zur Verfügung stünden, dass aber Google diese angeblich in einem speziellen Format bräuchte. Dies würde Kosten auf Seiten der Wiener Linien verursachen, für die es nun einmal keine ausreichende Rechtfertigung gäbe. Diese Argumentation wird auch von einem E-Mail unterstützt, das ich auf meine Beschwerde in der gleichen Sache hin von den Wiener Linien bereits am 15.03.2010 erhalten habe:

Sehr geehrter Herr Korecky!

Die Mobilapplikation von GoogleMaps werden nicht von den Wiener Linien betreut und wir haben leider auch keinen Einfluss auf die Funktionalität dieses Angebotes. Laut „Google“ wird unser Service bald wieder für Sie verfügbar sein.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Information helfen konnten.

Mit freundlichen Grüßen
Wiener Linien GmbH & Co KG
Kundendienst

Auffällig ist jedenfalls, dass sich ÖBB, Google und Wiener Linien in der Causa die heiße Kartoffel ständig gegenseitig zuschieben ohne die wahren Gründe zu nennen, warum der Dienst nicht zur Verfügung steht. Jedenfalls ist es ein Faktum, dass es sehr wohl Anwendungen von Fremdherstellern gibt, die auf die Fahrplandaten zugreifen und diese in eigenen Apps verwenden. Zum Beispiel gibt es im Android-Market die App FahrplanAT, die ich seit Monaten gerne verwende. Der freie Entwickler Georg Kaindl bietet mit ViennaNav ein alternatives und für SmartPhones optimiertes Web-Interface für die Fahrplanabfrage an. Beide Anwendungen wurden von den Wiener Linien nicht juristisch bekämpft. Das Beispiel des Nokia N900-Entwicklers, das Macro Schreuder heute gebracht hat, den die Wiener Linien genötigt hatten, seine Anwendung wieder zu entfernen, dürfte wohl eher auf die unglückliche Namenswahl seiner Anwendung zurückzuführen gewesen sein. Er nannte sie OpenQando. Qando ist aber die offizielle Anwendung der Wiener Linien für SmartPhones.

Das sind die Fakten. Der Rest ist jetzt Spekulation, die mir aber plausibel erscheint:

Google benötigt die Fahrplandaten in einem speziellen Format. Dieses ist nicht direkt kompatibel mit dem Fahrplandatenformat, dass in Österreich allgemein Verwendung findet. Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2006 in Österreich erhielten die ÖBB wohl den politischen Auftrag, die Daten im nötigen Format an Google zu liefern. Meine Erfahrungen bis 2009 zeigten, dass diese Daten offensichtlich keine Live-Daten waren. Während die ÖBB-eigene Anwendung Scotty Zugverspätungen oder kurzfristige Streckensperrungen berücksichtigte, führte Google Maps teilweise direkt in die Falle. Ich vermute, dass die ÖBB einfach die Fahrplandaten konvertiert und einmalig an Google geliefert haben, wodurch selbst wochenlange Baustellen auf Strecken nicht berücksichtigt wurden.

Nun kann man argumentieren, dass statische Daten immer noch besser sind als gar keine Daten. Doch diese Vorgehensweise hat für Betreiber öffentlicher Verkehrsmittel Nachteile. Fahrgäste, die von Verspätungen, Streckensperrungen oder Umleitungen betroffen sind, werden verärgert sein. Sie werden die Schuld daran nicht Google, sondern dem Betreiber des Verkehrsmittels geben, selbst wenn dieser wochenlang vorher über die ihm zur Verfügung stehenden Informationskanäle angekündigt werden.

Liefert man Google jedoch die Daten live, so verliert man die Kontrolle darüber, welche Routen geplant werden. Die Abfragedaten der Kunden sind jedoch für die Verkehrsbetriebe sehr wertvoll, können sie doch bei der Planung von Fahrgastströmen sinnvolle Informationen liefern. Google erwartet die Informationen offensichtlich in einem Format, dass eine Rückverfolgung der Anfragen für die Verkehrsbetriebe nicht ermöglicht. Im Gegensatz dazu nutzen die vorher erwähnten Anwendungen die vorhandenen Schnittstellen. Werden darüber Anfragen gesendet, so bekommen die Verkehrsbetriebe die gleichen Daten wie wenn der Kunde die normalerweise dafür vorgesehenen Webseiten nutzt.

Es handelt sich also weniger um eine Frage von OpenData, also ob mit Steuergeld finanzierte Daten öffentlich zugänglich sein sollen, sondern vielmehr um eine Machtfrage: Wollen wir Nutzungsdaten unterer öffentlichen Verkehrsmittel in die Hand eines amerikanischen Konzerns geben, der damit letztlich wiederum Geld verdient? Wenn Google wirklich einen nützlichen Dienst anbieten wollte, dann hätte der Konzern ganz offensichtlich die Möglichkeit, die offiziellen Schnittstellen zu verwenden.

Wer gehört zum Mittelstand?

Heute ist eine Studie veröffentlicht worden, gemäß der sich zwei Drittel der Österreicher zum Mittelstand zählen. Die Kriterien, wer der sogenannte Mittelstand ist, sind ja höchst umstritten. Hier meine ganz persönliche Sichtweise:

Zunächst einmal definiere ich den Mittelstand nicht Personen- sondern Haushaltsbezogen. Die Hausfrau oder der Hausmann gehört damit automatisch auch zum Mittelstand, wenn der Verdiener oder die Verdienerin zum Mittelstand gehört. Gleiches gilt für Kinder.

Die Untergrenze des Mittelstandes definiere ich nach den Netto-Haushalts-Einkommen inkl. aller Transferzahlungen (Unterhalt, Familienbeihilfe usw.). Dieses sollte zumindest so hoch sein, dass der Haushalt es nicht vollständig zum Überleben verbraucht. Das bedeutet, dass regelmäßig ein gewisser Teil des Einkommens entweder gespart oder für Kreditrückzahlungen verwendet werden kann. Wobei ich Kredite für Wohnraum hier nicht berücksichtige. Wohnraum ist ja für das Überleben unbedingt notwendig. Wenn man die Sätze der bedarfsorientierten Mindestsicherung als Richtschnur ansieht und ca. 50 % aufschlägt, so liegt die Untergrenze für Einzelpersonen bei einem Nettoeinkommen von ca. € 1.100. Für Ehepaare würde dies dann ca. € 1.600 bedeuten. Für jedes Kind sind dann noch ca. € 400 bis € 450 hinzuzurechnen. Für eine Familie mit zwei Kindern bedeutet das als Untergrenze ca. € 2.500 bedeuten. Nur ein solches Einkommen kann als existenzsichernd angesehen werden.

Doch wo liegt die Obergrenze? Die Obergrenze definiere ich nicht nach dem Einkommen, sondern nach dem Vermögen, das Ertrag bringt. Dazu zählen Wertpapiere, Spareinlagen, Immobilien, sofern sie einen Mietertrag einbringen, aber nicht selbst bewohnte Immobilien. Aktuell kann man eine Verzinsung von großen Vermögen von zumindest 2 % annehmen. Auch hier nehme ich die Sätze der Mindestsicherung als Grundlage, allerdings nur die rohen Sätze, da so große Vermögen hoffentlich besseren Ertrag bringen als 2 %. Für Einzelpersonen liegt daher die Obergrenze bei einem Vermögen von ca. € 450.000. Ab diesem Vermögen ist man gewöhnlich nicht mehr auf ein existenzsicherndes Arbeitseinkommen angewiesen. Für Ehepaare liegt die Grenze dann bei ca. € 650.000. Für jedes Kind kommen dann noch € 150.000 bis € 200.000 hinzu. Die Familie mit zwei Kindern gehört also bei einem Vermögen von etwa einer Million € nicht mehr zum Mittelstand.

Und gehören Sie zum Mittelstand?