Raubbau an der Ressource zwischen den Ohren

Ich bin schockiert. Da protestieren im Vorjahr Studenten wochenlang gegen überfüllte Hörsäle und unzumutbare Studienbedingungen ohne durchschlagenden Erfolg. Kein Wunder, dass sich die Proteste auch heuer wieder formieren. Und was ist die Reaktion der Regierung? Im Zuge des heute beschlossenen Sparpakets wird die Familienbeihilfe in vielen Punkten gekürzt. Der gravierendste ist sicher die Beschränkung darauf, dass sie nur mehr bis zum vollendeten 24. Lebensjahr ausbezahlt wird.

Betrachten wir das einmal an einem Beispiel, das nicht ganz zufällig Ähnlichkeiten mit meiner Person aufweist:

Geboren wird das Kind irgendwann im September oder Oktober. Mit 6 Jahren tritt es in die Volksschule ein, wird kurz darauf 7 Jahre alt (Herbstkind!). Mit 10 Jahren Übertritt in die AHS, mit 14 Jahren Übertritt in eine berufsbildende Schule. Matura ohne Ehrenrunde mit gut 19 Jahren. Danach wird darf der junge Mann ein Jahr zum Hungerlohn für den Staat arbeiten (Wehrpflicht oder Heeresersatzdienst). Der Studienbeginn erfolgt daher unter optimalen Voraussetzungen erst mit 21 Jahren.

Das Bachelor-Studium dauert in den meisten Studienrichtungen mindestens 3 Jahre. Nur fängt man mit dem Bachelor leider wenig an. Also wird der Master drangehängt. Doch da ist die Familienbeihilfe auch schon weg, denn der junge Mann in unserem Beispiel ist jetzt bereit gut 24 Jahre alt. Also muss er höchstwahrscheinlich arbeiten gehen, um sich das Studium zu finanzieren. In den vorgesehenen 2 Jahren ist das Studium so nicht zu schaffen.

Und was ist, wenn der junge Mann aufgrund der bekannt tollen Lehrer an unseren hervorragenden Schulen doch einmal eine Ehrenrunde drehen muss? Und die Ressourcen an den Unis sind ja bekanntlich auch so ausgelegt, dass es überhaupt kein Problem ist, in den geforderten Lehrveranstaltungen einen Platz zu bekommen.

Unterm Strich werden also viele, viele Studenten ein weiteres großes Loch in ihren knappen Budgets vorfinden, das sie mit hoffentlich bezahlter Arbeit stopfen müssen. Die durchschnittliche Studiendauer wird so sicher nicht kürzer werden. Aber vielleicht wird die Regierung so doch viele Studenten von den Unis drängen und so das latente Hochschulproblem “elegant” lösen.

Dass unser Land damit Raubbau an unserer wichtigsten Ressource betreibt, die bekanntlich ja zwischen unseren beiden Ohren (© Wolfgang Schüssel) liegt, dürfte eine Regierung, die lieber Löcher in Berge zwischen unbedeutenden Kleinstädten (sorry, liebe Grazer, Klagenfurter und Villacher!) bohrt wohl kaum stören. Hauptsache, die Bundesländer dürfen weiter ihre Schrebergärten mit Wohnbaugeldern pflegen.

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Ein Gedanke zu „Raubbau an der Ressource zwischen den Ohren

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