Was PISA mit Studiengebühren zu tun hat

Seit Jahrzehnten sagen uns Experten, dass es in Österreich trotz Gratis-Uni nur wenige aus den sogenannten bildungsfernen Schichten an die Hochschulen schaffen. Ganz offensichtlich ist die österreichische Bildungspolitik – und ich sage jetzt ganz bewusst nicht Hochschulpolitik – gescheitert. Doch die Wurzeln des Problems liegen nicht in der Finanzierung der Unis, auch wenn da vieles im Argen liegt.

Das österreichische Bildungssystem ist nicht dazu konstruiert, möglichst vielen Kindern die maximal mögliche Bildung zu ermöglichen, sondern um die Nachkriegsprobleme auf dem Arbeitsmarkt zu lösen. Die Eckpfeiler des Schulwesens wurden nach dem 1. Weltkrieg gebildet und nach dem 2. Weltkrieg noch einmal manifestiert. Nach beiden Kriegen hatte Österreich das Problem, dass es durch heimkehrende Soldaten ein Überangebot an Arbeitskräften gab. Um der drohenden Massenarbeitslosigkeit, die den Aufschwung behindern würde, entgegen zu wirken, wurden Frauen ganz bewusst aus dem Arbeitsmarkt verdrängt.

Die österreichische Regelschule, die nach wie vor als Halbtagsschule konzipiert ist, zeigt das am deutlichsten: Das System sieht vor, dass Lehrer am Vormittag die Schüler mit Wissen abfüllen, die Schüler damit dann zu Mittag nach Hause gehen und dieses Wissen zusammen mit den Müttern einüben. Dieses Modell hat in der Zwischenkriegszeit und in den 1950er- und 1960er-Jahren, als die Mehrheit der Mütter noch Hausfrauen waren, gut funktioniert.

Sehen wir uns aber einmal die gesellschaftliche Realität heute an. Mindestens 3 von 4 Frauen im gebärfähigen Alter gehen heute einer entgeltlichen Beschäftigung nach. Die Frauenerwerbsquote pendelt rund um 80 % und ist damit kaum geringer als bei den Männern. Nur wenige Frauen, die das Glück haben, einen Top-Verdiener als Ehemann zu haben, können heute bei den Kindern zu Hause bleiben und ihnen bei Hausübungen helfen.

Damit ist die soziale Selektion schon im Schulsystem vorprogrammiert. Ein Teil kann durch externe Nachhilfe kompensiert werden, doch die kann sich auch nicht jede Familie leisten. Dass unter diesen Bedingungen es ein Großteil der viel zitierten Arbeiterkinder gar nicht bis zur Matura schafft, liegt auf der Hand. Denen ist es daher völlig egal, ob jetzt Studiengebühren eingehoben werden oder nicht.

Beenden wir daher die Diskussion über Studiengebühren. Einigen wir uns darauf, dass die Ganztagsschule zur Regel werden muss und diskutieren wir darüber, wie wir diese Ganztagsschule organisieren, damit die Begabungen unserer Kinder darin optimal gefördert werden können.