100 Jahre Frauentag: Die Hürden zur Gleichberechtigung

Wir feiern heute 100 Jahre Frauentag. Die Frauenbewegung hat in diesen 100 Jahren viel erreicht. Doch es scheint, als ob eine gläserne Decke erreicht wurde. In den letzten 10, 15 Jahren gab es bei der Gleichberechtigung kaum Fortschritte. Woran liegt das? Und wie können wir das ändern? Gleich vorweg: An der Ausbildung und Bildung der jungen Frauen kann es nicht mehr liegen.

In der Schule: Mädchen bringen bessere Leistungen

Fangen wir an den Schulen an. Quer durch alle Schultypen und Schulstufen bringen Mädchen im Durchschnitt bessere Leistungen als Buben. Selbst wenn man die Spitzenleistungen in den einzelnen Gegenständen einschließlich der vielzitierten Mathematik betrachtet, sind ebenso viele Mädchen Klassenbeste wie Buben. Bei den Maturanten herrscht seit Jahrzehnten ein leichter Überhang bei den jungen Frauen.

Akademiker: Mehr Frauen schließen ein Studium ab

Foto: Marco F (flickr)

Sowohl bei den Studienanfängern als auch bei den Abschlüssen bilden Frauen ebenfalls seit Jahrzehnten eine leichte Mehrheit. Frauen unter 40 sind also mindestens ebenso gut ausgebildet wie die männlichen Kollegen. Es ist wahr, dass Frauen öfter Ausbildungen ergreifen, in denen die Bezahlung nicht so gut ist. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Frauen, die Jus, Publizistik oder Betriebswirtschaft studieren – und der Frauenanteil bei diesen Studien ist seit Jahrzehnten hoch – haben gegenüber ihren männlichen Kollegen eindeutig die schlechteren Karrierechancen.

Schlecht bezahlte Frauenberufe: Die Henne-Ei-Frage

Foto: Ed Yourdon (flickr)

Ich kann die Ausrede, dass typische Frauenberufe halt schlechter bezahlt werden und sich die jungen Frauen halt männlich dominierte Berufe aussuchen sollen, wenn sie ihrer Ausbildung entsprechend entlohnt werden wollen, nicht mehr hören. Nehmen wir zum Beispiel den Beruf der Programmiererin. Ich schreibe das jetzt bewusst in der weiblichen Form und ohne Binnen-I. Bis in die frühen 1980er-Jahre hinein war dieser Beruf weiblich dominiert und trotz aufwändiger Ausbildung relativ schlecht entlohnt. Ab den 1980er drängten viele junge Männer in diesen Beruf. Heute ist der Beruf männlich dominiert und blendend bezahlt. Die Gegenteilige Entwicklung trat beim Beruf des Sekretärs ein. Bis in die 1970er-Jahre waren die meisten Sekretäre Männer. Der Beruf genoss ein hohes Ansehen und war überdurchschnittlich gut bezahlt. Ab den 1970er-Jahren waren in diesem Beruf Frauen in der Mehrheit. An der Ausbildung änderte sich nicht viel, aber an der Bezahlung. Heute verdienen Sekretärinnen meist weniger als Facharbeiter. Viel hat das auch mit Macht zu tun. Während heute Kaffeekochen zu den Kernkompetenzen von Sekretärinnen zählt, hätte sich vor 50 Jahren wohl kaum ein Sekretär zu dieser Tätigkeit herabgelassen.

Foto: orangperlis (flickr)

Viele Frauen streben aber auch heute noch Berufe an, die mehr mit Menschen als mit Maschinen zu tun haben. Müssen wir das den Frauen vorwerfen? Nein. Jeder Mensch soll den Beruf ergreifen, der ihn erfüllt. Und jeder Beruf soll seiner Ausbildung und Arbeitsbelastung entsprechend bezahlt werden. Viele Berufe, in denen vorwiegend Frauen tätig sind, werden direkt oder indirekt von Steuergeldern finanziert. Die Politik hat es also direkt in der eigenen Hand, hier für mehr Emanzipation der Frauen zu sorgen. Warum verdienen Kindergartenpädagoginnen meist weniger als ein Filialleiter eines Supermarkts, obwohl sie eine bessere Ausbildung haben? Warum verdienen Pflegerinnen weniger als die meisten Facharbeiter, obwohl sie eine längere Ausbildung und oft auch eine schwerere Arbeit haben? Hier hat die Politik direkte und einfache Einflussmöglichkeiten.

Partnerschaft und Familie: Frauen machen sich von Männern abhängig

In anderen Bereichen tut sich die Politik eindeutig schwerer. Leider stehen Partnerschaft, Kinder und Familie in den Lebensentwürfen vieler junger Mädchen ganz, ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Burschen hingegen geben sich in diesen Fragen meist wesentlich zurückhaltender. Für sie steht Beruf und Karriere an erster Stelle. Während das bei jungen Männern gesellschaftlich akzeptiert ist, werden Frauen, die den Beruf als oberste Priorität ansehen, als karrieregeil bezeichnet.

Wenn wir über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen, meinen wir meist mehr institutionelle Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten. Doch vielfach wären Beruf und Familie schon heute leicht vereinbar, wenn die jeweils anderen Partner entsprechend mitspielten. Da müsste halt auf Überstunden und Nachtdienstzuschläge verzichtet werden. Die Angst vieler Frauen, diesen Familieneinkommensverlust nicht durch die eigene Erwerbsarbeit kompensieren zu können, lässt sie dann doch davor zurückschrecken, solche Schritte von ihren Partnern zu verlangen.

Die lebenslange Partnerschaft: Ein Traum, der für die wenigsten in Erfüllung geht

Foto: Mazoe28 (flickr)

Letztlich erweist sich das aber sehr häufig als Bumerang. Der Traum von der lebenslangen Partnerschaft erfüllt sich nur für die wenigsten. Jede zweite Ehe wird geschieden. Und es sind überwiegend jene Ehen, in denen die Frau zugunsten der Familie berufliche Abstriche machen musste. Das ist auch völlig logisch. Erledigt die Frau den überwiegenden Teil der Familienarbeit, hat der Mann mehr Freizeit und fühlt sich viel weniger an die Familie gebunden. Gleichzeitig steigt aber auch der Frust bei den Frauen. Eine oft fatale Mischung, die die Liebe tötet.

In sehr, sehr vielen Fällen steht die Frau am Ende mit den Kindern da und verfügt über ein relativ geringes Einkommen, weil sie ja zugunsten der Familie ihre Karriere hintangestellt hat. Solange die Kinder noch minderjährig sind, können die Alimente des Ex-Partners den finanziellen Nachteil noch kompensieren. Doch spätestens wenn die Kinder das Haus verlassen, fallen viele Frauen in ein finanzielles Loch, wenn sie sich nicht einem neuen Partner in die Arme werfen. Besonders eklatant wird die Armutsgefährdung dann in der Pension. Weit mehr Frauen müssen mit der Mindestpension auskommen als Männer – darunter auch viele durchaus gut gebildete und ausgebildete Damen.

Mehr Männer in die Karenz, aber wie?

Die Lösung klingt einfach und kompliziert zugleich. Mehr Männer müssen in Karenz gehen. Doch für viele Familien ist das finanziell immer noch nicht leicht zu bewältigen. Bei Frauen rechnen Arbeitgeber damit, dass diese sich irgendwann um Kinder kümmern. Das wird schon lange vor dem ersten Kind in den Karrieren berücksichtigt. So investieren Unternehmen in die Aus- und Weiterbildung von Frauen weniger Geld, Frauen werden bei Beförderungen oft übergangen, alles mit der Auswirkung, dass Frauen schon vor dem ersten Kind bei gleicher Arbeit weniger verdienen als männliche Kollegen. Gerade in stark konjunkturabhängigen und dynamischen Branchen haben es Frauen besonders schwer. Der Kündigungsschutz ab Eintritt von Schwangerschaften, Mutterschutz, Kündigungsschutz in der Karenz sind Karrierekiller für viele Frauen. Die Firmen haben Angst, Mitarbeiterinnen nicht mehr loswerden zu können, wenn die Zeiten wirtschaftlich schlechter werden.

Doch warum gilt der Kündigungsschutz immer nur für jenen Elternteil, der schwanger ist oder Kinder betreuen muss? Wenn der Kündigungsschutz immer automatisch für beide Elternteile gelten würde, wäre das Risiko für Firmen bei Männern wie bei Frauen gleich groß. Gleichzeitig würden sich wohl mehr Paare für Kinder entscheiden, weil die wirtschaftliche Absicherung deutlich verbessert wäre. Dass dies der Wirtschaft nicht schadet, beweisen vergleichbare Modelle in den skandinavischen Ländern. In der Folge stiegen dort auch wieder die Geburtenraten, was langfristig auch dem Pensionssystem zugutekommt. Ein Kündigungsschutz für beide Elternteile bis zum Schuleintritt des Kindes oder zumindest bis zum vierten Lebensjahr würde sicher mehr Männer motivieren, auch in Karenz zu gehen, weil sie weniger Nachteile für die eigene Karriere fürchten müssten.

Was kann die Politik tun?

  • Angleichung der Gehälter in öffentlich finanzierten Branchen an die Privatwirtschaft
  • Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung während der Arbeitszeit bis zur 8. Schulstufe
  • Kündigungsschutz für beide Elternteile unabhängig von der Karenz ab Eintritt einer Schwangerschaft bis zum Schuleintritt des Kindes

Und zum Schluss: Der Appell an Mädchen, Frauen und Mütter

Was können Frauen und Mädchen tun, um ihre eigene Gleichberechtigung zu verbessern? Was sollten Eltern, insbesondere Mütter ihren Töchtern mit auf den Lebensweg geben?

Mädchen und Frauen, seht der Realität ins Auge! Legt eure Beziehung nicht auf die Ewigkeit aus. Macht euch unabhängig von euren Partnern. Wenn ihr Opfer für die Beziehung oder die Familie bringt, fragt, ob euer Partner vergleichbare Opfer bringen würde und fordert diese Opfer auch ein. Denkt öfter mal darüber nach, was ihr machen würdet, wenn morgen eure Partnerschaft zu Ende geht? Habt ihr dann noch eine Wohnung? Könnt ihr mit dem Geld überleben? Richtet euer Leben an diesen zentralen Existenzfragen aus. Und habt keine Angst, dass das der Beziehung schaden kann, das Gegenteil ist der Fall. Gute Männer lieben selbständige Frauen. Und der Rest sollte seine Einstellung überdenken.

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Staatlich verordnetes Zwangssparen inklusive Kapitalvernichtung

Gestern habe ich wieder einmal das jährliche Informationsschreiben der Vorsorgekasse erhalten, an dich zwangsweise 1,45 % meines Einkommens abführen darf. Damit ich keine Magengeschwüre bekomme, muss ich mir meinen Ärger hier von der Seele schreiben.

Historischer Hintergrund

2008 wurden die Beitragssätze zur Krankenversicherung für Selbständige um 1,45 Prozentpunkte gesenkt. Dies war eine der letzten Beschlüsse der alten Schüssel-Regierung. Nein, uns Selbständigen bleiben damit nicht 1,45 % mehr im Börsel. Vielmehr wurde beschlossen, dass diese 1,45 % in eine neue Selbständigenvorsorge fließen. Diese folgen dem Muster der Mitarbeitervorsorgekassen, die schon einige Zeit davor die Abfertigungen abgelöst haben. Es handelt sich dabei um ein steuerlich begünstigtes (weil steuerfreies) staatliches Zwangssparen. Ich bin wahrlich kein Großverdiener, aber selbst bei mir macht das im Jahr etliche hundert Euro aus.

Fein, denke ich mir, ich darf also Geld steuerfrei ansparen. Dieses Geld wird auch noch ertragreich in Renten, Darlehen, Aktien, „alternative Investments“ und Immobilien investiert. Da sollte doch einiges an Rendite drinnen sein. Als Vorsorgekasse wählte ich nach Studium von Websites und Prospekten die BAWAG Allianz Vorsorgekasse AG.

Resümee nach 3 Jahren

Nach drei Jahren kann ich ein erstes Resümee ziehen, und das fällt mehr als ernüchternd aus:

Im Krisenjahr erwirtschaftete die Kasse eine Bruttorendite von immerhin 3,08 %. Dumm nur, dass die Verwaltungskosten insgesamt mehr als das 1,5-fache des Veranlagungsergebnisses ausmachten. So rutschte die Rendite in den negativen Bereich auf – 1,93 %. Ja, Sie lesen richtig: minus eins komma neun drei Prozent. Zum Vergleich: Auf täglich fälligen Sparkonten erzielt man im selben Jahr bis zu 3 % nach KESt. Plus! Selbst am Ende des Jahres nach kräftigen Zinsschritten nach unten zahlte die BAWAG-Gruppe auf täglich fällige Sparkonten immer noch 2,3 %. Dieselbe BAWAG also, die mein Zwangsspargeld nicht positiv veranlagen konnte.

Schwamm drüber. 2009 erholten sich die Aktienmärkte deutlich. Der ATX stieg im Jahresvergleich um rund 43 %. Doch offensichtlich veranlagte man bei der BAWAG Allianz eher konservativ. Die Bruttorendite betrug schwache 3,30 %. Die hohen Verwaltungskosten fraßen einen Großteil wieder auf. So blieben am Ende nur 1,16 % netto. Zum Vergleich: Per Jahresende zahlte die BAWAG-Gruppe auf täglich fällige Sparkonten 1,35 % Zinsen netto nach KESt!

2010 war für Aktienbesitzer nicht mehr ganz so positiv wie 2009. Der ATX stieg aber immer noch um erkleckliche 16 %. Ende des Jahres (und derzeit) zahl die BAWAG-Gruppe Netto-Zinssätze von 1,16 % auf täglich fällige Sparkonten. Und die Vorsorgekasse der gleichen Bank? Der Bruttoertrag von 2,10 % schaut ja gar nicht so schlecht aus. Doch nach Abzug der Verwaltungskosten bleiben lediglich 0,90 % übrig.

Übrigens lagen sowohl Brutto- als auch Nettoerträge ständig deutlich unter der Inflationsrate. Bei täglich fälligen Geldern hat man dafür ja noch ein gewisses Verständnis. Aber das Geld aus der Vorsorgekasse ist de facto mindestens 2 Jahre gebunden. Denn wenn ich heute mein Gewerbe beende, kann ich auf das Zwangsspargeld erst nach 2 Jahren zugreifen.

Ich arbeite also gut 4 Tage im Jahr dafür, dass ich das Geld unseren Banken und Versicherungen praktisch gratis zur Verfügung stellen kann statt zu investieren. Sieht so moderne Wirtschaftspolitik aus?

Hintergrund: So habe ich gerechnet

Auf den jährlichen Informationsschreiben findet jeder Selbständige die nötigen Informationen zur Berechnung der Rendite. Die Rendite selbst wird selbstverständlich schamhaft verschwiegen.

Ich bezahle viermal im Jahr zu fixen Terminen fixe Teilbeträge in die Vorsorgekasse. Daher lässt sich das gebundene Kapital näherungsweise ganz gut berechnen.

Zunächst bildete ich den Mittelwert aus der Abfertigungsanwartschaft des jeweiligen Jahres und der des Vorjahres. Daraus ergibt sich ein durchschnittlich gebundenes Kapital.

Die Bruttorendite errechnete ich folgendermaßen: Dann dividierte ich das Veranlagungsergebnis durch das durchschnittlich gebundene Kapital und erhielt so den Prozentwert der Bruttorendite.

Für die Nettorendite zog ich zunächst von der aktuellen Abfertigungsanwartschaft die Abfertigungsanwartschaft des Vorjahres und die Beiträge des laufenden Jahres ab. So ergibt sich der Nettoertrag. Diesen Nettoertrag dividierte ich durch das zuvor berechnete durchschnittlich gebundene Kapital. Auch hier erhält man einen Prozentwert.

Das Recht der Kinder auf beide Eltern: Automatisches Sorgerecht als Königsweg?

Foto: jmauerer (flickr.com)

Die Debatte um eine Neuregelung des Sorgerechts für Kinder nach Scheidungen erreichte in den letzten Wochen einen neuen Höhepunkt. Befürworter einer automatischen gemeinsamen Obsorge ziehen mit dem Schlachtruf „Recht des Kindes auf beide Eltern“ in die Diskussion. Die Gegner verweisen darauf, dass ein großer Teil der Familienlasten immer noch von den Frauen getragen wird und sie mit einer automatischen gemeinsamen Obsorge in ihren Rechten beschnitten werden, ohne dass ihnen Pflichten abgenommen werden.

Doch lassen wir in der ganzen Debatte einmal die Ideologien weg. Betrachten wir die Situationen, die sich in einer Familie im Zuge einer Scheidung ergeben. Im Grunde gibt es zwei Szenarien einer Scheidung: Entweder man trennt sich halbwegs gütlich. Dann werden die ehemaligen Ehepartner wohl auch kein Problem damit haben, sich auf eine gemeinsame Obsorge zu einigen.

Uneinigkeit bei der Scheidung, aber erzwungene Einigkeit bei der Erziehung?

Foto: Bühnen Halle (flickr.com)

Doch was ist, wenn die Scheidung zum Rosenkrieg ausartet? Natürlich werden in einem solchen Fall gerade die Kinder oft zum Streitobjekt. Letztlich muss das Gericht entscheiden, wer das Sorgerecht erhält. Natürlich könnte man mit einer automatischen gemeinsamen Obsorge diesen Streit verhindern.

Doch der Streit wird so nur für lange Zeit nach der Scheidung fortgesetzt. Das fängt bei der Frage an, wo die Kinder wann wohnen. Geht über finanzielle Fragen: Wer erhält die Familienbeihilfe? Wer zahlt an wen wie viel Alimente? Am Ende stehen für die Kinder existenzielle Fragen auf dem Spiel. In welche Schule sollen die Kinder wechseln? Welchen Lehrberuf sollen sie ergreifen? Bei all diesen Fragen ist die Zustimmung beider Ehepartner erforderlich, die sich Jahre zuvor nicht über das Sorgerecht einigen konnten. Und das soll gut gehen?

Jeder logisch denkende Mensch kann mir nur zustimmen, dass das automatische gemeinsame Sorgerecht nur für noch mehr Streit auf dem Rücken der Kinder sorgen würde. Können sich die Partner nicht einigen, muss eine eindeutige Regelung vom Gericht getroffen werden. In der Regel werden die Kinder jenem Partner zugesprochen werden, der oder die in den ersten Lebensjahren den intensiveren Kontakt zu den kleinen hatte. Das werden meistens die Frauen sein, weil noch immer mehrheitlich die Frauen in Karenz gehen.

Es gibt natürlich Fälle, bei denen die Kinder der Mutter oder dem Vater zugesprochen werden, und sich im Nachhinein herausstellt, dass dies nicht die beste Lösung für die Kleinen ist. Doch ein gerichtlicher Antrag zur Übertragung des Sorgerechts ist auch jetzt schon möglich. Da entscheiden dann Gutachter und Richter, aber nicht Politiker.

Uneheliche Kinder

Manche Extremisten fordern gar das automatische gemeinsame Sorgerecht für uneheliche Kinder. Das ist natürlich so realistisch wie dass sich plötzlich alle Autofahrer an Geschwindigkeitsbeschränkungen halten. Wie soll das funktionieren? Will eine Frau nicht, dass auch der Vater das Sorgerecht bekommt, würde es ihr wohl nicht schwer fallen, dessen Identität zu verheimlichen. Leidtragende wären in diesem Fall die Kinder, die um Alimente umfallen und daher ein größeres Armutsrisiko aufweisen.

Zankapfel Besuchsrecht

In Wahrheit geht es in der ganzen Diskussion gar nicht um das Sorgerecht. Ich glaube gar nicht, dass so viele Väter unbedingt das gemeinsame Sorgerecht haben wollen. In Wahrheit geht es um das Besuchsrecht für ihre Kinder. Immer öfter verweigert ein Ex-Partner (meist die Frau) dem anderen (meist dem Mann) das eigentlich gerichtlich vereinbarte Besuchsrecht. Zurück bleiben frustrierte Väter, die den Kontakt zu ihren Kindern halten wollen, was aber vereitelt wird.

Bei kleinen Kindern reicht oft schon ein halbes Jahr Hinhaltetaktik, um ein Kind seinem Vater zu entfremden. Kommt es dann doch zu einem Besuch „fremdelt“ das Kind, was die Mutter als Beweis ansieht, dass das Kind den Vater nicht will. Es folgen Anträge bei Gericht auf Änderung oder sogar Aufhebung des Besuchsrechts. Das ist für beide Seiten zermürbend und endet oft in einem abgebrochenen Kontakt.

Vielleicht sollte man daher eher über ein automatisches, gesetzlich geregeltes Besuchsrecht nachdenken. Das sollte dann endlich auch für uneheliche Kinder verankert werden. Hier sollte es auch kurzfristig anzuordnende Sanktionen geben. Man könnte beispielsweise bei Verweigerung des Besuchsrechts die Alimente auf ein Treuhandkonto einzahlen, das erst bei Volljährigkeit an die Kinder direkt ausbezahlt wird, um Eltern finanziell unter Druck zu setzen.

Kinder haben tatsächlich das Recht auf beide Eltern. Aber Kindern ist es egal, wer jetzt die Obsorge hat. Wichtig ist ihnen, den Kontakt zu beiden Elternteilen zu halten. Und das sollte das wesentliche Ziel des Gesetzgebers sein.