Der ÖAMTC als Schutzengel der Pendler

Der ÖAMTC ist ja bekanntermaßen der Schutzengel der armen Pendler. In der aktuellen Ausgabe der Clubzeitschrift auto touring beweist er das wieder einmal mit einer tendenziösen Titelstory ab Seite 8.

Ich werde mich heute kurz halten und nur drei Dinge anmerken:

Pendlerpauschle, Verkehrsabsetzbetrag und Mobilitätspauschale

Die Pendlerpauschale war nie dazu gedacht die kompletten Kosten von Pendlern abzudecken, sondern lediglich die Mehrkosten, die ein Pendler gegenüber den Fahrtkosten eines durchschnittlichen Arbeitnehmers hat, steuerfrei zu stellen. Dass der Verkehrsabsetzbetrag von € 291, der jedem Arbeitnehmer zusteht, seit Jahrzehnten nicht erhöht wurde und nicht einmal mehr annähernd den Kosten z. B. einer Jahreskarte der Wiener Linien entspricht, steht auf einem anderen Blatt. Hier gehört angesetzt.

Generell haben Absetzbeträge allerdings das Problem, dass Besserverdiener stärker davon profitieren. Den Vorschlag des ÖAMTC, alle verkehrsbezogenen Absetzbeträge zu einer Mobilitätspauschale umzuwandeln, unterstütze ich.

Das Recht auf ein Haus im Grünen

Foto: ahaoha (flickr)

Die meisten heutigen Pendler haben ihr Schicksal selbst gewählt. Auto Touring schreibt selbst in großen roten Lettern „Das Haus im Grünen und der Arbeitsplatz in der Stadt – wer will das wirklich verbieten?“. Viele Pendler sind der „Verkehrshölle Stadt“ entflohen. Dass sie selbst nun maßgeblich zu dieser Verkehrshölle durch ihren Autopendelverkehr beitragen, scheint sie nicht weiter zu stören.

Damit erhöhen sie aber den Druck auf weitere Stadtbewohner, es ihnen gleichzutun. Wohin das führt, kann man an amerikanischen Großstädten schön sehen: ausgestorbene Innenstädte, rundherum die Tendenz zur Slum-Bildung und außen stark zersiedelte Satellitenstädte.

Die meisten Pendler profitieren außerdem von niedrigeren Immobilienpreisen außerhalb der Städte. Es ist daher nicht einzusehen, warum dann noch die Verkehrskosten steuerlich gestützt werden sollten.

Das Auto ist praktischer

Hauptargument der im Artikel begleiteten Pendler ist immer wieder, dass man mit dem Auto auf dem Weg von und zur Arbeit noch andere Wege erledigen kann. Das ist nur die halbe Wahrheit.

Es ist eigentlich nicht vorgesehen, dass man den Arbeitsweg unterbricht, auch nicht mit dem Auto. Tut man dies dennoch, entfällt die Arbeitsunfallversicherung. Gar nicht so wenige Menschen werden auf dem Arbeitsweg mit dem Auto schwer verletzt oder sogar getötet. Durch den Wegfall der Versicherung werden diese Menschen und deren Familien nicht selten zu Sozialfällen.

Dass man heute viele Wege mit dem Auto einfacher und schneller erledigen kann, ist auch kein Naturgesetz. Noch vor wenigen Jahrzehnten war ein Großteil der Versorgungsinfrastruktur rund um Bahnhöfe, in Innenstädten und Gemeindezentren angesiedelt und so bequem öffentlich und fußläufig erreichbar. Die verfehlte Raumplanung hat zur Bildung der Einkaufszentren außerhalb der Siedlungsgebiete und damit zur Abtötung der natürlichen Versorgungsinfrastruktur geführt. Wenn die Raumplanung dem konsequent entgegen wirken würde und nicht immer wieder neue Megaprojekte wie z. B. das erst kürzlich eröffnete Marchfeldcenter genehmigt würden, wären viele Erledigungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln einfacher zu machen als mit dem Auto.

Foto: SPD-Schleswig-Holstein (flickr)

Nicht zuletzt kann man während einer Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln viel mehr Dinge erledigen. Man muss sich halt nur daran gewöhnen. Ich beantworte zum Beispiel einen Großteil meiner E-Mails, lese Zeitung, ein Buch oder schaue mir aufgezeichnete Fernsehsendungen an. Wenn ich dann nach Hause komme, habe ich meist schon viel mehr erledigt als wenn ich mit dem Auto fahren würde und kann die verbleibende Zeit voll der Familie oder Freunden widmen.