Kann man einer kranken Schulverwaltung vertrauen?

Foto: huberSen (flickr)

Österreich ist ja ein sehr gut verwaltetes Land. Hundertschaften an Fachinspektoren, Bezirksschulinspektoren, Landesschulräten und sonstigen Beamten verwalten österreichische Schulen. Doch allzu oft fragt man sich als Vater oder Mutter, was all diese Leute, von denen man die wenigsten jemals zu Gesicht bekommt, eigentlich den lieben ganzen Tag tun, außer sinnlose Erlässe zu schreiben, die jede moderne Pädagogik im Keim ersticken?

Da wird zum Beispiel eine Lehrerin schwanger. Das soll ja hin und wieder doch einmal vorkommen. Einer der interessanteren Aspekte des Lehrberufs ist ja, dass man sich seine eigene Kundschaft produzieren kann. Ein großer Teil an Schwangerschaften ist ja ganz gut planbar. Der Geburtstermin kann dank moderner Medizin recht exakt berechnet werden. Und dass die Lehrerin 8 Wochen davor in den Mutterschutz und danach wahrscheinlich mindestens eineinhalb Jahre danach in Karenz gehen wird, ist auch bekannt. Nehmen wir einmal an, dass die Lehrerin ihre Schwangerschaft erst relativ spät bemerkt hat. Nehmen wir also 8 Wochen nach dem Empfängnis an. Der Schulverwaltung stehen dann ganze 24 Wochen oder fast ein halbes Jahr zur Verfügung, um eine Ersatzlehrerin oder einen Ersatzlehrer zu organisieren.

Das müsste reichen, sollte man meinen. Doch in der Praxis funktioniert das so gut wie nie. Ich kenne jedenfalls keinen einzigen Fall, in dem es einen nahtlosen Übergang zwischen den beiden Lehrern gegeben hätte. Noch weniger kenne ich einen Fall, in dem es zwischen den Lehrern eine ordentliche Arbeitsübergabe gegeben hätte. Stattdessen wird müssen die Direktionen in solchen Fällen immer relativ chaotische Supplierpläne aufstellen. Die dadurch anfallenden Überstunden kommen dem Steuerzahler teuer zu stehen.

So wird beispielsweise eine Mathematiklehrerin schwanger und geht ungefähr in der Mitte des Schuljahrs in Mutterschutz. Den Rest des Schuljahrs wird suppliert. Doch nicht einmal am Beginn des neuen Schuljahrs steht ein Ersatzlehrer zur Verfügung. Gut 8 Wochen wird auch noch im neuen Schuljahr von verschiedenen Lehrern suppliert, bis endlich ein (unfähiger) Ersatzlehrer aufgetrieben wird.

Doch nicht nur bei Schwangerschaften zeigt sich die ganze Unfähigkeit der Schulverwaltung. Da gibt es auch geplante Krankenstände von Lehrern zum Beispiel wegen Kuraufenthalten oder wegen geplanter Operationen. Da teilt der Lehrer oder die Lehrerin den voraussichtlichen Beginn des Krankenstandes lange im Voraus mit. Doch auch hier: Zahllose Stunden müssen entfallen, suppliert wird oft nur, wenn es nicht anders geht. Dass bei überraschenden, länger dauernden Krankenständen von Lehrern die Schulverwaltung völlig überfordert ist, brauche ich wohl gar nicht mehr zu erwähnen.

Warum gibt es in Österreich keine „Springer“-Lehrer? Das sind Lehrer, die keine feste Stelle haben, sondern die kurzfristig kranke Kollegen ersetzen. Das wäre doch eine ideale Bewährungsprobe für Junglehrer. Jetzt kommt sicher die Ausrede vom Lehrermangel. Doch das lasse ich nicht gelten. Schon zu meiner Schulzeit, die doch Jahrzehnte her ist, dauerte es Monate bis kranke Lehrer ersetzt wurden. Da kam es vor, dass eine Klasse einen bestimmten Gegenstand fast ein halbes Jahr einfach nicht hatte. Und ich bin zu einer Zeit in die Schule gegangen, als es noch eine hohe Lehrerarbeitslosigkeit gab und uns alle davon abrieten, ein Lehramt zu studieren.

Ich unterstelle dem riesigen Beamtenapparat in den Bezirks- und Landesschulräten und im Ministerium nicht, dass sie faule Nichtstuer sind. Nein, die Beamten sind damit beschäftigt, so sinnentleerte Erlässe zu verfassen, dass Lehrer, die keine Turnlehrer sind, mit den Kindern keinen Turnsaal betreten dürfen. Da aber Bewegung für den Lernerfolg wichtig ist, wird halt in der Klasse geturnt. Ist ja viel ungefährlicher bei all den Sesseln und Tischkanten.

Kindergarten: Das Vertrauen fehlt

Foto: Eilam Gil (flickr)

Warum würden die meisten Eltern ihre Kinder am liebsten ausschließlich zu Hause betreuen und keinesfalls in einen Kindergarten geben? Weil sie kein Vertrauen haben, dass ihre Kinder im Kindergarten die optimale Förderung bekommen.

Neun unterschiedliche Kindergartengesetze, neun unterschiedliche Standards für Gruppengröße und Infrastruktur, warum gelten für Kinder in Niederösterreich andere Regelungen als für Kinder in Wien? Kein vernünftig denkender Mensch kann das verstehen.

Das eine Bundesland rühmt sich zwar mit der geringsten Gruppengröße, doch diese Gruppen haben auch keinen Platz, den Kinder brauchen, um sich zu entwickeln. Das andere Bundesland hingegen stellt ausreichend Raum zur Verfügung, doch eine Kindergartenpädagogin muss 25 Kinder beaufsichtigen, von betreuen oder gar fördern kann man da wohl nicht mehr sprechen.

Die Mobilität der Menschen steigt. Immer mehr österreichische Familien ziehen in andere Bundesländer. Niemand versteht es, warum die Kinderbetreuung in Vorarlberg ganz anders funktioniert als in Wien.

Sie haben einen Beruf, in dem sie von 8 bis 16:30 Uhr arbeiten? Fein, dann passen ihre Arbeitszeiten genau zu den Öffnungszeiten des Kindergartens. Doch werden Sie diesen Job auch noch in ein oder zwei Jahren haben? Und werden die Arbeitszeiten des nächsten Jobs auch noch zu den Öffnungszeiten des Kindergartens passen? Und bekommen Sie auch in Ihrem Job mindestens 12 Wochen Urlaub, damit Sie während der Schließzeiten des Kindergartens in so manchem Bundesland Ihre Kinder auch selbst betreuen können? Wen wundert es, dass unter diesen Bedingungen sich immer mehr Menschen gegen die Gründung einer Familie aussprechen?

Immer und überall bekommen wir zu hören, wie wichtig die frühkindliche Förderung für den weiteren Bildungserfolg ist. Doch warum haben ausgerechnet Kindergartenpädagogen und -pädagoginnen die kürzeste Ausbildung? Warum sind wir eines der letzten Länder, in dem diese „Lehrer für Kleinkinder“ nicht akademisch ausgebildet werden? Und warum zählt der Beruf der Kindergartenpädagogin und des Kindergartenpädagogen selbst unter Maturanten zu den am schlechtesten bezahlten? Vielleicht, weil gerade in diesem Beruf überwiegend Frauen arbeiten? Und glauben die Verantwortlichen wirklich, dass sie so die bestgeeigneten Personen für diesen Beruf begeistern können?

Doch es gibt auch Positives von unseren Kindergärten zu berichten: Im Gegensatz zu so manch anderer Bildungsinstitution kann die Leitung eine Kindergartens sich ihr Personal meist selbst aussuchen und hat gleichzeitig auch die Dienstaufsicht. Völlig ungeeignetes Personal findet man in Kindergärten daher nur selten. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass der Kindergarten von allen Bildungsinstitutionen noch das höchste Vertrauen genießt.

Bildung: Das Vertrauen fehlt

Foto: cklingler (flickr)

Gesamtschule, Neue Mittelschule, Gymnasium für alle, Ganztagsschule, Universitätsmisere, PISA-Debakel – diese Schlagwörter prägen die Debatte um die dringend erforderliche Reform des Bildungssystems in Österreich. Doch in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes: Vertrauen.

Warum würden die meisten Eltern ihre Kinder am liebsten ausschließlich zu Hause betreuen und keinesfalls in einen Kindergarten geben? Weil sie kein Vertrauen haben, dass ihre Kinder im Kindergarten die optimale Förderung bekommen.

Warum beantworten zwar die meisten Wähler die Frage, ob sie für den Ausbau von ganztätigen Schulformen sind, mit ja, aber wenn es um die eigenen Kinder geht, dann ist die Ganztagsschule doch nur die letzte Lösung, wenn es sonst keine anderen Möglichkeiten der Betreuung gibt? Weil die Eltern kein Vertrauen in die Lehrer haben.

Warum will die Mehrheit der Österreicher keine Gesamtschule oder Neue Mittelschule und beharrt auf dem veralteten Zwei-Klassen-Schulsystem? Weil sie fürchten, dass ihre Kinder sonst keine ausreichende Ausbildung bekommen?

Warum wollen die meisten Frauen, die Kinder im Pflichtschulalter haben, zu Hause bleiben oder maximal in Teilzeit arbeiten? Weil die Kinder von der Schule nicht zuverlässig betreut werden können.

Es fehlt das Vertrauen in die Pädagogen. Es fehlt das Vertrauen in die Schulverwaltung. Es fehlt das Vertrauen in die Politik, dass diese Probleme endlich angegangen werden.

Jede Diskussion um eine Reform des Bildungssystems muss daher mit einer Frage beginnen: Wie können wir das Vertrauen der Menschen in das System wiederherstellen? Welche Maßnahmen können wir setzen, damit Eltern das Gefühl haben, dass ihre Kinder in guten Händen sind?

Ich werde in den nächsten Tagen hier einige Problemfelder aufzeigen, die deutlich machen, warum das Vertrauen in das Bildungssystem so schwer erschüttert wird.

Reality Check: Kennzeichenpflicht für Fahrräder?

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. Heute möchte ich diese Serie mit ein paar Schlussbemerkungen beenden.

Kennzeichenpflicht für Radfahrer – ein Reality Check

Velovignette in der Schweiz: Könnten Sie die Nummer aus der Entfernung lesen? (Foto: Ralf Roletschek)

Immer wieder hört man die Forderung nach einer Kennzeichenpflicht für Radfahrer, um sie bei Verstößen belangen zu können. Dabei werden billigend der enorme bürokratische Aufwand und die negativen Auswirkungen auf die Zahl der Radfahrer in Kauf genommen. Manchmal glaube ich sogar, dass diese Forderung einzig dazu gedacht ist, die Zahl der Radfahrer wieder auf das aus dem 1970er- und 1980er-Jahren gewohnte Niveau zu reduzieren. Doch lassen wir die Polemiken einmal beiseite und schauen wir uns an, was eine Kennzeichenpflicht tatsächlich bringen würde.

Radfahrer, die gegen die StVO verstoßen könnten von der Polizei leichter bestraft werden.

Theoretisch klingt das natürlich völlig einleuchtend. Doch wie sollen Kennzeichen für Radfahrer aussehen? Sie könnten keinesfalls größer sein als die Kennzeichen, die jetzt schon für Mopeds verwendet werden. Polizisten weisen immer wieder darauf hin, dass sie schon jetzt einen Großteil der StVO-Verstöße von Mopedfahrern nicht ahnden können, weil die Kennzeichen aufgrund ihrer geringen Größe kaum ablesbar sind.

Doch auch wenn die Kennzeichen lesbar sind, haben Verstöße keine Folgen. Täglich sehe ich dutzende Ordnungswidrigkeiten von Auto- und Lkw-Fahrern, die vor den Augen der Polizei stattfinden. Es muss einem Polizisten anscheinend schon sehr langweilig sein, diese zur Anzeige zu bringen. Anders kann ich mir die offensichtlichen Disziplinlosigkeiten vieler Autofahrer nicht erklären.

Beschädigt ein Radfahrer z. B. ein Auto, kann er leichter belangt werden

Auch das klingt theoretisch sehr logisch. Doch in welchen Situationen finden solche Beschädigungen statt? Da gibt es zunächst einmal die Schäden an parkenden Fahrzeugen. Fahrerflucht ist bei Parkschäden aber auch bei Autofahrern üblich – trotz Kennzeichen.

Und was ist mit Radfahrern, die z. B. im Vorbeifahren Autos in der Kolonne zerkratzen? Auch Motorrad- und Mopedfahrer verursachen gar nicht so selten im Vorbeifahren Schäden an Autos. Doch auch diese können trotz Kennzeichen selten belangt werden. Denn meist gibt es keine Zeugen, die das beobachten und im Streitfall steht dann Aussage gegen Aussage.

Die Kennzeichenpflicht würde also kaum Vorteile in der Realität bringen.

Und wie ist das jetzt mit den Rotlicht ignorierenden Radfahrern?

Vor zwei Wochen habe ich eine Wette angeboten. Ich behauptete, dass es mindestens ebenso viele Autofahrer gibt, die sich an die Regeln bei mit Lichtsignal geregelten Kreuzungen nicht halten, wie Radfahrer. Nach zwei Wochen schließe ich diese Wette hiermit ab.

Niemand hat sich bei mir gemeldet. Ich habe zwar mit etlichen Autofahrern über das Thema diskutiert, aber auf eine Wette wollte sich dann doch niemand einlassen. Damit ist das Thema für mich abgehakt. Rotfahren ist nicht für Radfahrer typisch, sondern ein generelles Phänomen im Straßenverkehr.

Weg mit der Benützungspflicht für Radverkehrsanlagen

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte.

Was macht die Novelle der StVO eigentlich so katastrophal? Nun, es sind nicht neue Bestimmungen, sondern vielmehr Forderungen von Radfahrern, die schon seit langem am Tisch liegen, aber wieder nicht umgesetzt wurden. Zwei Dinge stechen dabei besonders hervor:

  1. Fahrradstraßen
  2. Benützungspflicht für Radverkehrsanlagen

Fahrradstraßen als Prestigeprojekt

Mit persönlich sind Fahrradstraßen relativ egal. Es handelt sich dabei um ein grünes Prestigeprojekt, das für die meisten Alltagsradler kaum Verbesserungen gebracht hätte, das aber für viel Zwietracht mit anderen Verkehrsteilnehmern, insbesondere Autofahrern gesorgt hätte. Ich sehe die Zeit dafür einfach noch nicht reif. Zudem können solche Konstruktionen durchaus auch mit den bestehenden Bestimmungen in der StVO realisiert werden.

Benützungspflicht von Radwegen als Gefahrenquelle

Anders bei der Benützungspflicht für Radverkehrsanlagen. Ich darf noch einmal den § 68 (1) der StVO in Erinnerung rufen:

Slalom zwischen Fußgängern und Bäumen, parallel würde eine gut ausgebaute Straße führen, die der Radfahrer nicht benützten darf

Auf Straßen mit einer Radfahranlage ist mit einspurigen Fahrrädern ohne Anhänger die Radfahranlage zu benützen, wenn das Befahren der Radfahranlage in der vom Radfahrer beabsichtigten Fahrtrichtung gemäß § 8a erlaubt ist. […]

Als Radverkehrsanlagen gelten:

Wenn Sie nicht alle Teile dieser Serie verfolgt haben, darf ich Sie nun bitten, den Hyperlinks oben zu folgen und insbesondere die Artikel über den Geh-Radweg und den baulich getrennten Radweg zu lesen.

Das Paradoxon in der StVO

Besonders hervorheben möchte ich ein weiteres Mal die Bestimmung, das Radfahrer sich mit maximal 10 km/h (Schritttempo!) an Radfahrüberfahrten annähern dürfen. Dies ist die einzige Bestimmung in der StVO, wo das Fahrzeug, das Vorrang hat, einer Geschwindigkeitsbeschränkung unterliegt, nicht aber das wartepflichtige Fahrzeug. Zum Beispiel fahren in der der Oberlaaer Straße Autos oft mit mehr als 50 km/h über eine Radfahrüberfahrt, ohne auf die vom Wienerberg herunter fahrenden Radfahrer zu achten, die dort eigentlich von weitem sichtbar sind und Vorrang hätten. Letzten Sommer wurde ich dort selbst Zeuge eines schweren Unfalls.

In der Praxis bekommen Radfahrer bei Unfällen an solchen Stellen immer eine Teilschuld, denn welcher Radfahrer weiß wirklich, wie langsam 10 km/h tatsächlich sind?

Mehr Sicherheit für Radfahrer

Nun wird man nicht von heute auf morgen alle Radwege und Radüberfahrten sicher gestalten können. Die Lösung:

  1. Radfahrer, die schneller als 10 km/h über eine Radfahrerüberfahrt fahren, sollten zwar Strafen durch die Polizei bekommen können, dürfen aber bei Unfällen nicht in ihren Schadenersatzansprüchen beschränkt werden.
  2. Aufhebung der Benützungspflicht für Radwege. Schnelle Radler sollten auf der Straße fahren dürfen. Wer sich unsicher fühlt, soll weiterhin auf dem Radweg fahren.

Die Befürworter der Benützungspflicht argumentieren gerne mit dem Schutz der Radler. Doch warum muss ich zu einem Schutz gezwungen werden, der in Wahrheit gar nicht existiert? Nur zur Erinnerung: Die Hälfte aller Radfahrunfälle passiert auf Radwegen!

Benützungspflicht für Autobahnen!

Mag. Johannes Purtscher, Mitarbeiter des damaligen ÖVP-Verkehrssprechers im Nationalrat Dr. Ferdinand Maier, schreibt in einer E-Mail vom 4.4.2011 an mich:

Der flexibleren Benützungspflicht von Radwegen im Ortsgebiet stehen wir ebenfalls sehr skeptisch gegenüber. Bisherige Investitionen in Radwege würden dadurch augenscheinlich verloren gehen. Als weitere Konsequenz wäre damit zu rechnen, dass keine Radwege mehr gebaut würden!

Wenn man hochqualitative Radwege baut, werden diese auch gerne benützt, ganz abseits jeglicher Benützungspflicht. Warum bevorzugen die meisten Autofahrer Autobahnen, obwohl es keine Benützungspflicht gibt? Weil man dort meist schnell und sicher vorankommt.

Daher meine einfache Forderung: Weg mit der Benützungspflicht für Radverkehrsanlagen!

Radfahrer als Sicherheitsgewinn: Einbahnen und Radständer

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. Im letzten Teil habe ich mich den Mehrzweckstreifen gewidmet.

Mehrzweckstreifen werden häufig auch dort markiert, wo Radfahren gegen die Einbahn erlaubt ist. Radfahren gegen die Einbahn? Das ist doch gefährlich und verboten, oder?

Ja und nein. Grundsätzlich dürfen auch Radfahrer nicht gegen eine Einbahn fahren. Was viele nicht wissen: Generell ist Radfahren gegen die Einbahn in Wohnstraßen erlaubt. Doch auch abseits der relativ wenigen Wohnstraßen dürfen Radfahrer gegen die Einbahn radeln, wo es ausdrücklich mittels Schild erlaubt wird. Und das ist glücklicherweise immer öfter der Fall. Es ist dabei unerheblich, ob ein Fahrrad- oder Mehrzweckstreifen markiert wird oder nicht. Eigene Streifen werden meist nur in relativ breiten Einbahnen markiert. In jedem Fall muss man als Radfahrer am rechten Fahrbahnrand fahren.

Gonzagagasse: Für Radfahrer geöffnete Einbahn verhindert Umwege

Doch ist Radfahren gegen die Einbahn nicht gefährlich? Nein, überhaupt nicht. Rad- und Autofahrer sehen einander gegenseitig. Sie können sehr leicht Blickkontakt aufnehmen. Sie können meist auch leicht aneinander vorbeifahren. Manchmal muss der eine oder andere kurz anhalten. Wenn der Autofahrer allerdings hinter dem Radfahrer herfahren müsste, wäre der Zeitverlust weit größer. Und auch für den Radfahrer entfällt das unangenehme Gefühl des „Gejagten“.

Ein weiterer Vorteil von Radfahren gegen die Einbahn ist wie beim Mehrzweckstreifen die allgemeine Verkehrsberuhigung. Müssen Autofahrer mit entgegen kommenden Radfahrern rechnen, fahren sie automatisch langsamer. Somit wird der Lärm weniger und die Verkehrssicherheit mehr.

Radfahren gegen die Einbahn wurde vor mehr als 15 Jahren in Österreich eingeführt. Seither gab es in ganz Österreich laut ARGUS nur einen einzigen Unfall mit Personenschaden in solchen Einbahnen. Und selbst bei dem konnte die Ursache nicht restlos geklärt werden.

Zum Schluss möchte ich einmal vom fahrenden Radverkehr auf den ruhenden umschwenken. In Wien wurden ja in den letzten Jahren viele neue Radständer aufgestellt. Diese erlauben das sichere und relativ diebstahlsichere Abstellen eines Fahrrads. Wurden die Radständer anfangs noch häufig auf breiten Gehsteigen aufgebaut, geht man nun dazu über, die Ständer immer öfter auf der Fahrbahn zu errichten. Meist geschieht dies innerhalb der sogenannten 5 m-Zone vor Schutzwegen oder bei Haus- und Garagenausfahrten. So trägt selbst der ruhende Radverkehr noch zur Verkehrssicherheit bei, weil die wichtige 5 m-Sichtzone vor Schutzwegen nicht mehr illegal verparkt werden kann. So werden auch die Autofahrer vor Strafzetteln geschützt.

Fischerstiege: Radständer sichert 5 m-Zone vor Schutzweg

Wo man als Radfahrer rasen kann: Der Radfahr- und Mehrzweckstreifen

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. Im letzten Teil habe ich viele baulich getrennte Radwege kritisiert. Diesmal soll es um positive Beispiele für Radverkehrsanlagen gehen..

Auf baulich getrennten Radwegen ist der Radfahrer für abbiegende Autofahrer oft nicht sichtbar genug. Ebenso ist er durch den Querverkehr gefährdet, der gerne bis zum Hauptfahrbahnrand vorfährt, ohne auf die querenden Radfahrer zu achten. Außerdem muss der Radfahrer vor jeder Radfahrüberfahrt auf 10 km/h abbremsen, obwohl er eigentlich Vorrang hat, was das Fortkommen deutlich verlangsamt. Auch die Baukosten eines baulich getrennten Radweges sind vergleichsweise hoch.

Radfahrstreifen haben fast nur Vorteile

All diese Probleme lassen sich mit Radfahrstreifen und Mehrzweckstreifen lösen. Die Radfahrer fahren dabei auf der normalen Hauptfahrbahn, wo ein eigener Streifen für die Radfahrer markiert ist. Die Radfahrer sind für andere Verkehrsteilnehmer gut sichtbar. Das Unfallrisiko ist daher relativ gering. Die Radfahrer können an jeder Stelle zum Streifen zu- und abfahren. Ein Überholen langsamerer Radfahrer ist ebenfalls relativ leicht möglich. Außerdem kosten Radfahrstreifen relativ wenig.

Mehrzweckstreifen in der Industriestraße

Auf Mehrzweck- und Radfahrstreifen kann der Radfahrer zudem meist sein volles Tempo erreichen. Es sind keine Fußgänger im Weg, und man muss auch nicht bei jeder Querstraße auf 10 km/h abbremsen.

Mehrzweck- und Radfahrstreifen haben nicht nur für Radfahrer Vorteile. Auch die Anrainer profitieren davon. Die Fahrbahn wird optisch verengt, wodurch die Autos hier generell langsamer fahren. Somit wirken Mehrzweckstreifen meist auch gleichzeitig verkehrsberuhigend und erhöhen die allgemeine Verkehrssicherheit.

Sowohl Mehrzweck- als auch Radstreifen haben den Nachteil, dass ungeübte Radfahrer sich darauf oft unsicher fühlen, da der motorisierte Verkehr doch recht knapp vorbeifährt. Andererseits: Die Fahrbahn ist zum Fahren da. Radfahrer gehörten auf die Fahrbahn und wer sich dort als Radfahrer unsicher fühlt, sollte einen der Radfahrkurse des ARGUS oder der IG Fahrrad besuchen. Denn Radfahr- und Mehrzweckstreifen sind relativ sicher, sicherer als die meisten Radwege.

Mehrzweckstreifen: Richtiges Verhalten für Autofahrer

Meist werden sogenannte Mehrzweckstreifen markiert. Erkennbar sind Mehrzweckstreifen an den unterbrochenen Längslinien. Mehrzweckstreifen werden dann markiert, wenn die Restfahrbahnbreite für den motorisierten Verkehr weniger als 3 m betragen würde.

Trotz seines Namens darf der Mehrzweckstreifen von Autos grundsätzlich nicht befahren werden. Nur Fahrzeuge, die zu breit für die Restfahrbahn sind – das sind vor allem Lkw und Busse – dürfen den Mehrzweckstreifen mitbenutzen, daher auch sein Name.

Relativ selten: Radfahrstreifen

In Wien relativ selten anzutreffen ist hingegen der reine Fahrradstreifen. Er unterscheidet sich vom Mehrzweckstreifen dadurch, dass die Seitenlinien durchgezogen sind. Der Fahrradstreifen ist deshalb selten, da die Verkehrsplaner bei ausreichend Platz lieber breitere Mehrzweckstreifen markieren. Dies erhöht das subjektive Sicherheitsgefühl für den Radfahrer und wirkt zusätzlich verkehrsberuhigend.

Radstreifen (im Hintergrund) mündet in Radfahrerüberfahrt vor dem SMZ Ost. Autos müssen hier links oder rechts abbiegen. Der Radfahrstreifen und die Radfahrerüberfahrt führt die Radfahrer sicher an den Autos vorbei auf den Radweg im Vordergrund.

Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen: Fahrzeuge gehören auf die Fahrbahn. Deshalb sollten Radfahr- und Mehrzweckstreifen die bevorzugte Radverkehrsanlage werden.

Wo es für Radfahrer am gefährlichsten ist: Der Radweg

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. In vorangegangenen Teilen habe ich über die Gefahren des legalen und illegalen Radfahrens auf Gehsteigen und –wegen ausführlich geschrieben. Doch auch reine Radwege bergen zahlreiche Gefahren, die nicht nur von Fußgängern ausgehen.

Ist eine Straße breit genug, plant die Stadt Wien diese meist in folgender Weise: In der Mitte befindet sich die Fahrbahn, die ausschließlich motorisierte Fahrzeuge befahren dürfen. Daran schließt sich ein Parkstreifen an, denn irgendwo müssen die Autos ja hin, wenn sie gerade nicht fahren. Dieser Parkstreifen wird heutzutage gerne von Bäumen unterbrochen oder bei ausreichend Platz wird überhaupt gleich ein Grünstreifen auch mit eingeplant. Dann kommt der Radweg und gleich daneben der Gehsteig. Das sieht dann so aus, wie beispielsweise in der Langobardenstraße im 22. Wiener Bezirk.

Radweg Langobardenstraße, Kreuzung mit der Trondheimgasse

Der Radweg stammt aus den frühen 1990er-Jahren, doch auch heute noch wird so geplant. Das Foto zeigt die Probleme deutlich. Der parallel fahrende motorisierte Individualverkehr kann den Radfahrer nicht oder nur schlecht sehen, da dieser durch die parkenden Autos abgedeckt ist. Auch umgekehrt sehen Radfahrer die Autos nur schlecht. Daher kommt es hier häufig zu Kollisionen mit rechts abbiegenden Autos, die eigentlich Nachrang hätten, aber die Radfahrer zu spät sehen.

Deshalb gibt es auch den § 68 (3a) der StVO. Radfahrer dürfen sich ungeregelten Radfahrerüberfahrten nur mit maximal 10 km/h nähern. Das ist annähernd Schritttempo. Abgesehen davon ist ja ein Tachometer bei Fahrrädern ja keine Pflichtausstattung. Wenn man als Radfahrer also vorschriftsmäßig fährt, muss man bei jeder Kreuzung auf 10 km/h abbremsen, während der parallel fahrende Motorverkehr weiterhin mit bis zu 50 km/h dahinrasen darf. Dazu muss man wissen, dass hier alle Querstraßen Nachrang haben.

Ebenfalls auf dem Foto ersichtlich ist aber eine weitere Gefahrenquelle: Aus der Quergasse fährt der weiße Lieferwagen ohne Rücksicht auf den Radverkehr einfach bis zum Fahrbahnrand vor. Selbst mit 10 km/h Annäherungsgeschwindigkeit habe ich durch die Plakatwand rechts im Bild keine Chance, diesen rechtzeitig zu sehen. Wäre ich 5 Sekunden früher über die Kreuzung gefahren, wäre ich wohl im Krankenhaus gelandet.

Doch auch Konflikte mit Fußgängern sind an der Tagesordnung, denn der Gehsteig ist so schmal, dass zwei Kinderwägen nicht aneinander vorbeifahren können. Deshalb weichen Fußgänger häufig auf den Radweg aus. Nicht besser wird die Situation dadurch, dass immer wieder mehrspurige Fahrzeuge auf dem Geh- oder dem Radweg parken und so Fußgänger und Radfahrer zum Ausweichen zwingen, wie das folgende Bild zeigt.

Radweg Langobardenstraße vor dem Geriatriezentrum

Links im Bild wäre übrigens ein großer Parkplatz gewesen, auf dem das Fahrzeug problemlos abgestellt hätte werden können. Dieser Fahrer war dabei sowieso noch rücksichtsvoll. Nicht selten parken Lkw hier auch gleich ganz quer über Geh- und Radweg. Ein Ausweichen über den Grünstreifen auf die Fahrbahn ist dann unvermeidlich. Hoffentlich kommt gerade kein Auto!

Die Gefährlichkeit dieser Radwege beweist übrigens die Unfallstatistik: Jeder zweite Unfall mit Personenschaden und Radfahrerbeteiligung passiert auf solchen Radwegen. Sie vermitteln ein subjektives Sicherheitsgefühl, das einer objektiven Betrachtung nicht standhält. Immer daran danken: Ich darf als Radfahrer gar nicht auf die viel sicherere Fahrbahn ausweichen, es herrscht Benützungspflicht! Dazu kommt, dass sie auch noch teuer in der Errichtung sind. Nicht nur der Radweg selbst muss gebaut werden, sondern oft auch zusätzliche Zu- und Abfahrten, wie im obigen Foto rechts im Bild.

Doch man muss den Verkehrsplanern auch eine gewisse Lernfähigkeit zugestehen. Hier im Vergleich der Radweg in der Stadlauer Straße bzw. Kaisermühlenstraße aus dem Jahr 2010:

Radweg Stadlauer Straße im Bereich der U-Bahn-Station Stadlau

Dieser ist bis auf das kurze Stück rechts im Bild durchgehend als Einrichtungsradweg (Einbahnregelung) links und rechts der Fahrbahn ausgelegt. Es gibt keinen Parkstreifen, der die Sicht behindert und auch keine Querstraßen. Einige Busein- und ausfahrten sind durch Ampeln gesichert. Dass sich entlang des Radwegs auch einige unnötige Ampeln befinden, ist eine andere Geschichte.

Gut gelöst ist hier auch die Radfahrerüberfahrt. Auf eine Ampel wurde verzichtet. Gebe ich hier rechtzeitig ein Handzeichen, dass ich nach links fahren will, können das die Autofahrer gut und rechtzeitig sehen. Und auch der entgegenkommende Verkehr hat eine gute Sicht auf die Querung. Bis jetzt konnte ich die Stadlauer Straße hier immer unbehindert und sicher überqueren, um in die Gegenrichtung zu fahren.

Hauptproblem bei Einrichtungsradwegen sind leider die Radfahrer selbst. Geisterradler, die gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung fahren, stehen leider auf der Tagesordnung. Hier fehlt leider das Gefahrenbewusstsein. Von allen von Radfahrern verursachten Unfällen in München, ist die Verletzung des Rechtsfahrgebots in mehr als einem Drittel die Unfallursache.

Leider sind so gut angelegte Radwege eher die Ausnahme als die Regel. Daher: Weg mit der Benützungsfplicht für Radverkehrsanlagen!

Legal aber gefährlich am Gehsteig radeln: Der Geh-Radweg

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. Im letzten Teil widmete ich dem Thema illegales Radfahren auf Gehsteigen und -wegen. Doch nicht immer sind Radfahrer illegal auf Gehwegen unterwegs. Deshalb soll es heute um ein großes Ärgernis des Alltagsradlers gehen, den Geh-Radweg.

Beginnen möchte ich diesmal § 68 (1) der StVO in der Fassung vom 31.05.2011:

Auf Straßen mit einer Radfahranlage ist mit einspurigen Fahrrädern ohne Anhänger die Radfahranlage zu benützen, wenn das Befahren der Radfahranlage in der vom Radfahrer beabsichtigten Fahrtrichtung gemäß § 8a erlaubt ist. Mit Fahrrädern mit einem Anhänger, der nicht breiter als 80 cm oder ausschließlich zur Personenbeförderung bestimmt ist, mit mehrspurigen Fahrrädern, die nicht breiter als 80 cm sind, sowie bei Trainingsfahrten mit Rennfahrrädern darf die Radfahranlage benützt werden; mit Fahrrädern mit einem sonstigen Anhänger und mit breiteren mehrspurigen Fahrrädern ist die für den übrigen Verkehr bestimmte Fahrbahn zu benützen. Auf Gehsteigen und Gehwegen ist das Radfahren in der Längsrichtung verboten. Auf Geh- und Radwegen haben sich Radfahrer so zu verhalten, dass Fußgänger nicht gefährdet werden.

Dies ist die berühmt-berüchtigte Benützungspflicht für Radfahranlagen. Dazu zählen nicht nur Radwege, Rad- und Mehrzweckstreifen, sondern auch Geh-Radwege. Dabei handelt es sich eigentlich um gar keine Radfahranlage. Vielmehr werden die Radfahrer hier gezwungen, auf dem Gehsteig oder –weg zu fahren. Dabei hat der Radfahrer gegenüber den Fußgängern grundsätzlich Nachrang.

So sieht ein typischer Geh-Radweg in Wien aus (hier: Franz-Josefs-Kai): Schmal, viel Verkehr, viele Hindernisse, viele Unfälle

Dass das Unfallrisiko auf solchen Konstruktionen extrem hoch ist, zeigt folgender Vergleich: Ein flotter Fußgänger geht mit etwa 5 km/h. Selbst ein langsamer Radfahrer fährt hingegen mit mindesten 10 km/h. Der durchschnittliche Alltagsradler erreicht mühelos eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h, während mit modernen Elektrofahrrädern auch Durchschnittsgeschwindigkeiten von 25 km/h locker zu erreichen sind. Die meisten Radler sind also mit gut dem vierfachen Tempo wie die Fußgänger unterwegs. Zum Vergleich: Die Durchschnittsgeschwindigkeit des motorisierten Verkehrs in der Stadt beträgt auch nur rund 30 km/h.

Nehmen wir einmal an, man würde die A23 Südosttangente für den Radverkehr öffnen. Verrückt? Nun, die Höchstgeschwindigkeit beträgt dort 80 km/h. Die meisten Alltagsradler erreichen locker ein Viertel davon, also 20 km/h. Sie halten das trotzdem noch für eine verrückte Idee? Warum eigentlich? Die Autobahn wäre ganz im Gegensatz zu den meisten Geh-Radwegen sogar breit genug, um überall überholen zu können. Wissen Sie jetzt, warum Geh-Radwege von den meisten Alltagsradlern grundsätzlich abgelehnt werden? Man bedenke, dass sie gar keine Wahl haben. Sie müssen benützt werden, siehe oben.

Geh-Radweg parallel zur Mühlwasserstraße: Viel zu schmal, nicht asphaltiert. Wer hier bei Nässe fährt, muss sich anschließend umziehen. Der Weg hängt außerdem stellenweise leicht weg, was zu Stürzen führen kann.

Doch nicht immer sind Geh-Radwege abzulehnen: Manchmal ist die Benützung des Gehwegs eine praktische Abkürzung für den Radler. Da nimmt man auch in Kauf, nur sehr langsam fahren zu können, weil der Zeitvorteil durch die Abkürzung so groß ist. Doch wenn der Geh-Radweg parallel zu einer gut ausgebauten Straße führt, sollte es keine Benützungspflicht geben.

Trotzdem: Die Fahrbahn ist zum Fahren da und der Gehsteig zum Gehen. Deshalb weg mit der Benützungspflicht von Radverkehrsanlagen!

Radfahren am Gehsteig

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. Im ersten Teil widmete ich dem Thema Radfahrer sind Rotfahrer. Heute soll es um das Radfahren auf Gehsteigen und Gehwegen gehen.

Wer kennt sie nicht, die Radfahrer, die ohne Rücksicht auf Verluste zwischen Fußgängern am Gehsteig Slalom fahren? Ich will da gar nichts beschönigen. Für das Radfahren auf Gehsteigen und Gehwegen gibt es keine Ausrede. Es ist gefährlich und daher vollkommen abzulehnen.

Die typischen Gehsteigradler sind meiner Erfahrung nach entweder Teenager im Alter von 12 – 16 Jahren, ältere Personen über 50 und Frauen fast jeden Alters. Gemeinsam haben sie, dass ihrer Meinung nach das Radfahren auf der Straße zu gefährlich sei – ein Trugschluss. Die Statistik zeigt, dass gerade auf Gehsteigen für Radfahrer das – sogar tödliche – Unfallrisiko signifikant höher ist.

Die Bodenmarkierung zeigt es: Ein aus der Tankstelle ausfahrendes Auto hat zuvor einen illegalen Gehsteigradler hier abgeschossen. Das hält den Zeitgenossen im Bild allerdings nicht davon ab, selbst dieses Risiko einzugehen. Foto: easybiker (My Bike Lane)

Die Gefahrenstellen sind zahlreich. Besonders gefährlich sind Grundstücks- und Garagenausfahrten. Der Autofahrer rechnet nur mit maximal 5 km/h schnellen Fußgängern. Schon ein langsamer Radfahrer kommt zumindest auf die doppelte Geschwindigkeit. Den Autofahrer trifft da gar keine Schuld. Die Sichtverhältnisse bei diesen Ausfahrten sind nun einmal nicht auf 10 km/h schnelle Radler ausgelegt.

Besonders Kinder und Jugendliche fahren zudem gerne mit nahezu unverminderter Geschwindigkeit am Gehsteig über Kreuzungen. Die Gehsteigkanten werden als Sprungschanze benutzt – wozu hat man denn ein Fahrrad mit Vollfederung? Doch auch hier rechnen die Autofahrer berechtigterweise nicht mit einem Kind, dass plötzlich mit 20 km/h die Straße quert.

Nicht zuletzt sind auch Kollisionen mit Fußgängern oft für den Radfahrer viel gefährlicher. Der Fußgänger bekommt vielleicht einen blauen Fleck ab. Doch der Radler kommt häufig zu Sturz, was neben blauen Flecken fast immer mit schweren Abschürfungen, oft auch Knochenbrüchen und schlimmstenfalls sogar Kopfverletzungen endet.

Ich finde es übrigens erfreulich, dass ich immer mehr Väter und Mütter beobachte, die mit ihren Kindern schon im Volksschulalter auf der Straße Rad fahren. So können die Kinder schon sehr früh das richtige Verhalten im Straßenverkehr üben. Und die Autofahrer sind gegenüber Radfahrern auf der Fahrbahn meist auch sehr rücksichtsvoll.

Wenn Sie sich also das nächste Mal wegen eines Gehsteigradlers erschrecken, bedenken Sie immer, dass dieser sich selbst am meisten gefährdet. Die einfache Regel lautet daher: Der Gehsteig ist zum Gehen da, die Fahrbahn zum Fahren. Leider wird aber auch das Benützen von Radwegen durch Fußgänger allzu häufig als Kavaliersdelikt angesehen, wie die folgenden Fotos zeigen.

Fußgänger benutzen unnötigerweise Radfahrerüberfahrt an der Kreuzung Kapellenweg/Langobardenstraße

Fußgänger benutzen unnötigerweise Radfahrerüberfahrt an der Kreuzung Kapellenweg/Langobardenstraße

Fußgänger am Radweg in der Operngasse. Foto: Katasterrat (My Bike Lane)

Fußgänger auf Radweg bei Volksoper. Foto: Katasterrat (My Bike Lane)

Fußgänger/innen auf dem Radweg am Karlsplatz. Foto: Katasterrat (My Bike Lane)

Fußgänger auf Radweg in der Operngasse. Foto: Katasterrat (My Bike Lane)