Radfahren am Gehsteig

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. Im ersten Teil widmete ich dem Thema Radfahrer sind Rotfahrer. Heute soll es um das Radfahren auf Gehsteigen und Gehwegen gehen.

Wer kennt sie nicht, die Radfahrer, die ohne Rücksicht auf Verluste zwischen Fußgängern am Gehsteig Slalom fahren? Ich will da gar nichts beschönigen. Für das Radfahren auf Gehsteigen und Gehwegen gibt es keine Ausrede. Es ist gefährlich und daher vollkommen abzulehnen.

Die typischen Gehsteigradler sind meiner Erfahrung nach entweder Teenager im Alter von 12 – 16 Jahren, ältere Personen über 50 und Frauen fast jeden Alters. Gemeinsam haben sie, dass ihrer Meinung nach das Radfahren auf der Straße zu gefährlich sei – ein Trugschluss. Die Statistik zeigt, dass gerade auf Gehsteigen für Radfahrer das – sogar tödliche – Unfallrisiko signifikant höher ist.

Die Bodenmarkierung zeigt es: Ein aus der Tankstelle ausfahrendes Auto hat zuvor einen illegalen Gehsteigradler hier abgeschossen. Das hält den Zeitgenossen im Bild allerdings nicht davon ab, selbst dieses Risiko einzugehen. Foto: easybiker (My Bike Lane)

Die Gefahrenstellen sind zahlreich. Besonders gefährlich sind Grundstücks- und Garagenausfahrten. Der Autofahrer rechnet nur mit maximal 5 km/h schnellen Fußgängern. Schon ein langsamer Radfahrer kommt zumindest auf die doppelte Geschwindigkeit. Den Autofahrer trifft da gar keine Schuld. Die Sichtverhältnisse bei diesen Ausfahrten sind nun einmal nicht auf 10 km/h schnelle Radler ausgelegt.

Besonders Kinder und Jugendliche fahren zudem gerne mit nahezu unverminderter Geschwindigkeit am Gehsteig über Kreuzungen. Die Gehsteigkanten werden als Sprungschanze benutzt – wozu hat man denn ein Fahrrad mit Vollfederung? Doch auch hier rechnen die Autofahrer berechtigterweise nicht mit einem Kind, dass plötzlich mit 20 km/h die Straße quert.

Nicht zuletzt sind auch Kollisionen mit Fußgängern oft für den Radfahrer viel gefährlicher. Der Fußgänger bekommt vielleicht einen blauen Fleck ab. Doch der Radler kommt häufig zu Sturz, was neben blauen Flecken fast immer mit schweren Abschürfungen, oft auch Knochenbrüchen und schlimmstenfalls sogar Kopfverletzungen endet.

Ich finde es übrigens erfreulich, dass ich immer mehr Väter und Mütter beobachte, die mit ihren Kindern schon im Volksschulalter auf der Straße Rad fahren. So können die Kinder schon sehr früh das richtige Verhalten im Straßenverkehr üben. Und die Autofahrer sind gegenüber Radfahrern auf der Fahrbahn meist auch sehr rücksichtsvoll.

Wenn Sie sich also das nächste Mal wegen eines Gehsteigradlers erschrecken, bedenken Sie immer, dass dieser sich selbst am meisten gefährdet. Die einfache Regel lautet daher: Der Gehsteig ist zum Gehen da, die Fahrbahn zum Fahren. Leider wird aber auch das Benützen von Radwegen durch Fußgänger allzu häufig als Kavaliersdelikt angesehen, wie die folgenden Fotos zeigen.

Fußgänger benutzen unnötigerweise Radfahrerüberfahrt an der Kreuzung Kapellenweg/Langobardenstraße

Fußgänger benutzen unnötigerweise Radfahrerüberfahrt an der Kreuzung Kapellenweg/Langobardenstraße

Fußgänger am Radweg in der Operngasse. Foto: Katasterrat (My Bike Lane)

Fußgänger auf Radweg bei Volksoper. Foto: Katasterrat (My Bike Lane)

Fußgänger/innen auf dem Radweg am Karlsplatz. Foto: Katasterrat (My Bike Lane)

Fußgänger auf Radweg in der Operngasse. Foto: Katasterrat (My Bike Lane)

Ein Gedanke zu „Radfahren am Gehsteig

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