Legal aber gefährlich am Gehsteig radeln: Der Geh-Radweg

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. Im letzten Teil widmete ich dem Thema illegales Radfahren auf Gehsteigen und -wegen. Doch nicht immer sind Radfahrer illegal auf Gehwegen unterwegs. Deshalb soll es heute um ein großes Ärgernis des Alltagsradlers gehen, den Geh-Radweg.

Beginnen möchte ich diesmal § 68 (1) der StVO in der Fassung vom 31.05.2011:

Auf Straßen mit einer Radfahranlage ist mit einspurigen Fahrrädern ohne Anhänger die Radfahranlage zu benützen, wenn das Befahren der Radfahranlage in der vom Radfahrer beabsichtigten Fahrtrichtung gemäß § 8a erlaubt ist. Mit Fahrrädern mit einem Anhänger, der nicht breiter als 80 cm oder ausschließlich zur Personenbeförderung bestimmt ist, mit mehrspurigen Fahrrädern, die nicht breiter als 80 cm sind, sowie bei Trainingsfahrten mit Rennfahrrädern darf die Radfahranlage benützt werden; mit Fahrrädern mit einem sonstigen Anhänger und mit breiteren mehrspurigen Fahrrädern ist die für den übrigen Verkehr bestimmte Fahrbahn zu benützen. Auf Gehsteigen und Gehwegen ist das Radfahren in der Längsrichtung verboten. Auf Geh- und Radwegen haben sich Radfahrer so zu verhalten, dass Fußgänger nicht gefährdet werden.

Dies ist die berühmt-berüchtigte Benützungspflicht für Radfahranlagen. Dazu zählen nicht nur Radwege, Rad- und Mehrzweckstreifen, sondern auch Geh-Radwege. Dabei handelt es sich eigentlich um gar keine Radfahranlage. Vielmehr werden die Radfahrer hier gezwungen, auf dem Gehsteig oder –weg zu fahren. Dabei hat der Radfahrer gegenüber den Fußgängern grundsätzlich Nachrang.

So sieht ein typischer Geh-Radweg in Wien aus (hier: Franz-Josefs-Kai): Schmal, viel Verkehr, viele Hindernisse, viele Unfälle

Dass das Unfallrisiko auf solchen Konstruktionen extrem hoch ist, zeigt folgender Vergleich: Ein flotter Fußgänger geht mit etwa 5 km/h. Selbst ein langsamer Radfahrer fährt hingegen mit mindesten 10 km/h. Der durchschnittliche Alltagsradler erreicht mühelos eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h, während mit modernen Elektrofahrrädern auch Durchschnittsgeschwindigkeiten von 25 km/h locker zu erreichen sind. Die meisten Radler sind also mit gut dem vierfachen Tempo wie die Fußgänger unterwegs. Zum Vergleich: Die Durchschnittsgeschwindigkeit des motorisierten Verkehrs in der Stadt beträgt auch nur rund 30 km/h.

Nehmen wir einmal an, man würde die A23 Südosttangente für den Radverkehr öffnen. Verrückt? Nun, die Höchstgeschwindigkeit beträgt dort 80 km/h. Die meisten Alltagsradler erreichen locker ein Viertel davon, also 20 km/h. Sie halten das trotzdem noch für eine verrückte Idee? Warum eigentlich? Die Autobahn wäre ganz im Gegensatz zu den meisten Geh-Radwegen sogar breit genug, um überall überholen zu können. Wissen Sie jetzt, warum Geh-Radwege von den meisten Alltagsradlern grundsätzlich abgelehnt werden? Man bedenke, dass sie gar keine Wahl haben. Sie müssen benützt werden, siehe oben.

Geh-Radweg parallel zur Mühlwasserstraße: Viel zu schmal, nicht asphaltiert. Wer hier bei Nässe fährt, muss sich anschließend umziehen. Der Weg hängt außerdem stellenweise leicht weg, was zu Stürzen führen kann.

Doch nicht immer sind Geh-Radwege abzulehnen: Manchmal ist die Benützung des Gehwegs eine praktische Abkürzung für den Radler. Da nimmt man auch in Kauf, nur sehr langsam fahren zu können, weil der Zeitvorteil durch die Abkürzung so groß ist. Doch wenn der Geh-Radweg parallel zu einer gut ausgebauten Straße führt, sollte es keine Benützungspflicht geben.

Trotzdem: Die Fahrbahn ist zum Fahren da und der Gehsteig zum Gehen. Deshalb weg mit der Benützungspflicht von Radverkehrsanlagen!

Ein Gedanke zu „Legal aber gefährlich am Gehsteig radeln: Der Geh-Radweg

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