Wo es für Radfahrer am gefährlichsten ist: Der Radweg

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. In vorangegangenen Teilen habe ich über die Gefahren des legalen und illegalen Radfahrens auf Gehsteigen und –wegen ausführlich geschrieben. Doch auch reine Radwege bergen zahlreiche Gefahren, die nicht nur von Fußgängern ausgehen.

Ist eine Straße breit genug, plant die Stadt Wien diese meist in folgender Weise: In der Mitte befindet sich die Fahrbahn, die ausschließlich motorisierte Fahrzeuge befahren dürfen. Daran schließt sich ein Parkstreifen an, denn irgendwo müssen die Autos ja hin, wenn sie gerade nicht fahren. Dieser Parkstreifen wird heutzutage gerne von Bäumen unterbrochen oder bei ausreichend Platz wird überhaupt gleich ein Grünstreifen auch mit eingeplant. Dann kommt der Radweg und gleich daneben der Gehsteig. Das sieht dann so aus, wie beispielsweise in der Langobardenstraße im 22. Wiener Bezirk.

Radweg Langobardenstraße, Kreuzung mit der Trondheimgasse

Der Radweg stammt aus den frühen 1990er-Jahren, doch auch heute noch wird so geplant. Das Foto zeigt die Probleme deutlich. Der parallel fahrende motorisierte Individualverkehr kann den Radfahrer nicht oder nur schlecht sehen, da dieser durch die parkenden Autos abgedeckt ist. Auch umgekehrt sehen Radfahrer die Autos nur schlecht. Daher kommt es hier häufig zu Kollisionen mit rechts abbiegenden Autos, die eigentlich Nachrang hätten, aber die Radfahrer zu spät sehen.

Deshalb gibt es auch den § 68 (3a) der StVO. Radfahrer dürfen sich ungeregelten Radfahrerüberfahrten nur mit maximal 10 km/h nähern. Das ist annähernd Schritttempo. Abgesehen davon ist ja ein Tachometer bei Fahrrädern ja keine Pflichtausstattung. Wenn man als Radfahrer also vorschriftsmäßig fährt, muss man bei jeder Kreuzung auf 10 km/h abbremsen, während der parallel fahrende Motorverkehr weiterhin mit bis zu 50 km/h dahinrasen darf. Dazu muss man wissen, dass hier alle Querstraßen Nachrang haben.

Ebenfalls auf dem Foto ersichtlich ist aber eine weitere Gefahrenquelle: Aus der Quergasse fährt der weiße Lieferwagen ohne Rücksicht auf den Radverkehr einfach bis zum Fahrbahnrand vor. Selbst mit 10 km/h Annäherungsgeschwindigkeit habe ich durch die Plakatwand rechts im Bild keine Chance, diesen rechtzeitig zu sehen. Wäre ich 5 Sekunden früher über die Kreuzung gefahren, wäre ich wohl im Krankenhaus gelandet.

Doch auch Konflikte mit Fußgängern sind an der Tagesordnung, denn der Gehsteig ist so schmal, dass zwei Kinderwägen nicht aneinander vorbeifahren können. Deshalb weichen Fußgänger häufig auf den Radweg aus. Nicht besser wird die Situation dadurch, dass immer wieder mehrspurige Fahrzeuge auf dem Geh- oder dem Radweg parken und so Fußgänger und Radfahrer zum Ausweichen zwingen, wie das folgende Bild zeigt.

Radweg Langobardenstraße vor dem Geriatriezentrum

Links im Bild wäre übrigens ein großer Parkplatz gewesen, auf dem das Fahrzeug problemlos abgestellt hätte werden können. Dieser Fahrer war dabei sowieso noch rücksichtsvoll. Nicht selten parken Lkw hier auch gleich ganz quer über Geh- und Radweg. Ein Ausweichen über den Grünstreifen auf die Fahrbahn ist dann unvermeidlich. Hoffentlich kommt gerade kein Auto!

Die Gefährlichkeit dieser Radwege beweist übrigens die Unfallstatistik: Jeder zweite Unfall mit Personenschaden und Radfahrerbeteiligung passiert auf solchen Radwegen. Sie vermitteln ein subjektives Sicherheitsgefühl, das einer objektiven Betrachtung nicht standhält. Immer daran danken: Ich darf als Radfahrer gar nicht auf die viel sicherere Fahrbahn ausweichen, es herrscht Benützungspflicht! Dazu kommt, dass sie auch noch teuer in der Errichtung sind. Nicht nur der Radweg selbst muss gebaut werden, sondern oft auch zusätzliche Zu- und Abfahrten, wie im obigen Foto rechts im Bild.

Doch man muss den Verkehrsplanern auch eine gewisse Lernfähigkeit zugestehen. Hier im Vergleich der Radweg in der Stadlauer Straße bzw. Kaisermühlenstraße aus dem Jahr 2010:

Radweg Stadlauer Straße im Bereich der U-Bahn-Station Stadlau

Dieser ist bis auf das kurze Stück rechts im Bild durchgehend als Einrichtungsradweg (Einbahnregelung) links und rechts der Fahrbahn ausgelegt. Es gibt keinen Parkstreifen, der die Sicht behindert und auch keine Querstraßen. Einige Busein- und ausfahrten sind durch Ampeln gesichert. Dass sich entlang des Radwegs auch einige unnötige Ampeln befinden, ist eine andere Geschichte.

Gut gelöst ist hier auch die Radfahrerüberfahrt. Auf eine Ampel wurde verzichtet. Gebe ich hier rechtzeitig ein Handzeichen, dass ich nach links fahren will, können das die Autofahrer gut und rechtzeitig sehen. Und auch der entgegenkommende Verkehr hat eine gute Sicht auf die Querung. Bis jetzt konnte ich die Stadlauer Straße hier immer unbehindert und sicher überqueren, um in die Gegenrichtung zu fahren.

Hauptproblem bei Einrichtungsradwegen sind leider die Radfahrer selbst. Geisterradler, die gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung fahren, stehen leider auf der Tagesordnung. Hier fehlt leider das Gefahrenbewusstsein. Von allen von Radfahrern verursachten Unfällen in München, ist die Verletzung des Rechtsfahrgebots in mehr als einem Drittel die Unfallursache.

Leider sind so gut angelegte Radwege eher die Ausnahme als die Regel. Daher: Weg mit der Benützungsfplicht für Radverkehrsanlagen!

2 Gedanken zu „Wo es für Radfahrer am gefährlichsten ist: Der Radweg

  1. Pingback: Wo man als Radfahrer rasen kann: Der Radfahr- und Mehrzweckstreifen | Notizen und Gedanken aus der Donaustadt

  2. Pingback: Weg mit der Benützungspflicht für Radverkehrsanlagen | Notizen und Gedanken aus der Donaustadt

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.