Reality Check: Kennzeichenpflicht für Fahrräder?

Anlässlich der für den Radverkehr katastrophalen Novelle der StVO, die am 31.05.2011 in Kraft tritt, bringe ich in diesem Blog eine kurze Serie von Beiträgen, in denen ich einige Vorurteile und Probleme aus Sicht eines Alltagsradlers behandeln möchte. Heute möchte ich diese Serie mit ein paar Schlussbemerkungen beenden.

Kennzeichenpflicht für Radfahrer – ein Reality Check

Velovignette in der Schweiz: Könnten Sie die Nummer aus der Entfernung lesen? (Foto: Ralf Roletschek)

Immer wieder hört man die Forderung nach einer Kennzeichenpflicht für Radfahrer, um sie bei Verstößen belangen zu können. Dabei werden billigend der enorme bürokratische Aufwand und die negativen Auswirkungen auf die Zahl der Radfahrer in Kauf genommen. Manchmal glaube ich sogar, dass diese Forderung einzig dazu gedacht ist, die Zahl der Radfahrer wieder auf das aus dem 1970er- und 1980er-Jahren gewohnte Niveau zu reduzieren. Doch lassen wir die Polemiken einmal beiseite und schauen wir uns an, was eine Kennzeichenpflicht tatsächlich bringen würde.

Radfahrer, die gegen die StVO verstoßen könnten von der Polizei leichter bestraft werden.

Theoretisch klingt das natürlich völlig einleuchtend. Doch wie sollen Kennzeichen für Radfahrer aussehen? Sie könnten keinesfalls größer sein als die Kennzeichen, die jetzt schon für Mopeds verwendet werden. Polizisten weisen immer wieder darauf hin, dass sie schon jetzt einen Großteil der StVO-Verstöße von Mopedfahrern nicht ahnden können, weil die Kennzeichen aufgrund ihrer geringen Größe kaum ablesbar sind.

Doch auch wenn die Kennzeichen lesbar sind, haben Verstöße keine Folgen. Täglich sehe ich dutzende Ordnungswidrigkeiten von Auto- und Lkw-Fahrern, die vor den Augen der Polizei stattfinden. Es muss einem Polizisten anscheinend schon sehr langweilig sein, diese zur Anzeige zu bringen. Anders kann ich mir die offensichtlichen Disziplinlosigkeiten vieler Autofahrer nicht erklären.

Beschädigt ein Radfahrer z. B. ein Auto, kann er leichter belangt werden

Auch das klingt theoretisch sehr logisch. Doch in welchen Situationen finden solche Beschädigungen statt? Da gibt es zunächst einmal die Schäden an parkenden Fahrzeugen. Fahrerflucht ist bei Parkschäden aber auch bei Autofahrern üblich – trotz Kennzeichen.

Und was ist mit Radfahrern, die z. B. im Vorbeifahren Autos in der Kolonne zerkratzen? Auch Motorrad- und Mopedfahrer verursachen gar nicht so selten im Vorbeifahren Schäden an Autos. Doch auch diese können trotz Kennzeichen selten belangt werden. Denn meist gibt es keine Zeugen, die das beobachten und im Streitfall steht dann Aussage gegen Aussage.

Die Kennzeichenpflicht würde also kaum Vorteile in der Realität bringen.

Und wie ist das jetzt mit den Rotlicht ignorierenden Radfahrern?

Vor zwei Wochen habe ich eine Wette angeboten. Ich behauptete, dass es mindestens ebenso viele Autofahrer gibt, die sich an die Regeln bei mit Lichtsignal geregelten Kreuzungen nicht halten, wie Radfahrer. Nach zwei Wochen schließe ich diese Wette hiermit ab.

Niemand hat sich bei mir gemeldet. Ich habe zwar mit etlichen Autofahrern über das Thema diskutiert, aber auf eine Wette wollte sich dann doch niemand einlassen. Damit ist das Thema für mich abgehakt. Rotfahren ist nicht für Radfahrer typisch, sondern ein generelles Phänomen im Straßenverkehr.