Kindergarten: Das Vertrauen fehlt

Foto: Eilam Gil (flickr)

Warum würden die meisten Eltern ihre Kinder am liebsten ausschließlich zu Hause betreuen und keinesfalls in einen Kindergarten geben? Weil sie kein Vertrauen haben, dass ihre Kinder im Kindergarten die optimale Förderung bekommen.

Neun unterschiedliche Kindergartengesetze, neun unterschiedliche Standards für Gruppengröße und Infrastruktur, warum gelten für Kinder in Niederösterreich andere Regelungen als für Kinder in Wien? Kein vernünftig denkender Mensch kann das verstehen.

Das eine Bundesland rühmt sich zwar mit der geringsten Gruppengröße, doch diese Gruppen haben auch keinen Platz, den Kinder brauchen, um sich zu entwickeln. Das andere Bundesland hingegen stellt ausreichend Raum zur Verfügung, doch eine Kindergartenpädagogin muss 25 Kinder beaufsichtigen, von betreuen oder gar fördern kann man da wohl nicht mehr sprechen.

Die Mobilität der Menschen steigt. Immer mehr österreichische Familien ziehen in andere Bundesländer. Niemand versteht es, warum die Kinderbetreuung in Vorarlberg ganz anders funktioniert als in Wien.

Sie haben einen Beruf, in dem sie von 8 bis 16:30 Uhr arbeiten? Fein, dann passen ihre Arbeitszeiten genau zu den Öffnungszeiten des Kindergartens. Doch werden Sie diesen Job auch noch in ein oder zwei Jahren haben? Und werden die Arbeitszeiten des nächsten Jobs auch noch zu den Öffnungszeiten des Kindergartens passen? Und bekommen Sie auch in Ihrem Job mindestens 12 Wochen Urlaub, damit Sie während der Schließzeiten des Kindergartens in so manchem Bundesland Ihre Kinder auch selbst betreuen können? Wen wundert es, dass unter diesen Bedingungen sich immer mehr Menschen gegen die Gründung einer Familie aussprechen?

Immer und überall bekommen wir zu hören, wie wichtig die frühkindliche Förderung für den weiteren Bildungserfolg ist. Doch warum haben ausgerechnet Kindergartenpädagogen und -pädagoginnen die kürzeste Ausbildung? Warum sind wir eines der letzten Länder, in dem diese „Lehrer für Kleinkinder“ nicht akademisch ausgebildet werden? Und warum zählt der Beruf der Kindergartenpädagogin und des Kindergartenpädagogen selbst unter Maturanten zu den am schlechtesten bezahlten? Vielleicht, weil gerade in diesem Beruf überwiegend Frauen arbeiten? Und glauben die Verantwortlichen wirklich, dass sie so die bestgeeigneten Personen für diesen Beruf begeistern können?

Doch es gibt auch Positives von unseren Kindergärten zu berichten: Im Gegensatz zu so manch anderer Bildungsinstitution kann die Leitung eine Kindergartens sich ihr Personal meist selbst aussuchen und hat gleichzeitig auch die Dienstaufsicht. Völlig ungeeignetes Personal findet man in Kindergärten daher nur selten. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass der Kindergarten von allen Bildungsinstitutionen noch das höchste Vertrauen genießt.

2 Gedanken zu „Kindergarten: Das Vertrauen fehlt

  1. Den letzten Satz würde ich für mich selbst mangels Kindern über dem Kindergartenalter noch nicht unterschreiben können, doch sonst: Es ist genau so. Aber wer gegen Bundesländergesetzgebung ist, wird ja auch meist gleich als Gegner der „Vielfalt“ abgestempelt. Interessant auch: Jene, die für (mehr) Leistung und Kinderreichtum eintreten, treten genau bei diesem Thema auf die Bremse. Kurios? Oder nur österreichisch?

  2. Also ich kann das alles nur unterschreiben. Es ist schwer einen guten Kindergarten zu finden, vor allem in Wien. Aber es ist möglich, ich habe es auch geschafft. Die Zustände gehören aber auf jeden Fall verbessert und auf ein besseres Level gehoben. Danke fürs Aufgreifen des Themas.

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