Kann man einer kranken Schulverwaltung vertrauen?

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Österreich ist ja ein sehr gut verwaltetes Land. Hundertschaften an Fachinspektoren, Bezirksschulinspektoren, Landesschulräten und sonstigen Beamten verwalten österreichische Schulen. Doch allzu oft fragt man sich als Vater oder Mutter, was all diese Leute, von denen man die wenigsten jemals zu Gesicht bekommt, eigentlich den lieben ganzen Tag tun, außer sinnlose Erlässe zu schreiben, die jede moderne Pädagogik im Keim ersticken?

Da wird zum Beispiel eine Lehrerin schwanger. Das soll ja hin und wieder doch einmal vorkommen. Einer der interessanteren Aspekte des Lehrberufs ist ja, dass man sich seine eigene Kundschaft produzieren kann. Ein großer Teil an Schwangerschaften ist ja ganz gut planbar. Der Geburtstermin kann dank moderner Medizin recht exakt berechnet werden. Und dass die Lehrerin 8 Wochen davor in den Mutterschutz und danach wahrscheinlich mindestens eineinhalb Jahre danach in Karenz gehen wird, ist auch bekannt. Nehmen wir einmal an, dass die Lehrerin ihre Schwangerschaft erst relativ spät bemerkt hat. Nehmen wir also 8 Wochen nach dem Empfängnis an. Der Schulverwaltung stehen dann ganze 24 Wochen oder fast ein halbes Jahr zur Verfügung, um eine Ersatzlehrerin oder einen Ersatzlehrer zu organisieren.

Das müsste reichen, sollte man meinen. Doch in der Praxis funktioniert das so gut wie nie. Ich kenne jedenfalls keinen einzigen Fall, in dem es einen nahtlosen Übergang zwischen den beiden Lehrern gegeben hätte. Noch weniger kenne ich einen Fall, in dem es zwischen den Lehrern eine ordentliche Arbeitsübergabe gegeben hätte. Stattdessen wird müssen die Direktionen in solchen Fällen immer relativ chaotische Supplierpläne aufstellen. Die dadurch anfallenden Überstunden kommen dem Steuerzahler teuer zu stehen.

So wird beispielsweise eine Mathematiklehrerin schwanger und geht ungefähr in der Mitte des Schuljahrs in Mutterschutz. Den Rest des Schuljahrs wird suppliert. Doch nicht einmal am Beginn des neuen Schuljahrs steht ein Ersatzlehrer zur Verfügung. Gut 8 Wochen wird auch noch im neuen Schuljahr von verschiedenen Lehrern suppliert, bis endlich ein (unfähiger) Ersatzlehrer aufgetrieben wird.

Doch nicht nur bei Schwangerschaften zeigt sich die ganze Unfähigkeit der Schulverwaltung. Da gibt es auch geplante Krankenstände von Lehrern zum Beispiel wegen Kuraufenthalten oder wegen geplanter Operationen. Da teilt der Lehrer oder die Lehrerin den voraussichtlichen Beginn des Krankenstandes lange im Voraus mit. Doch auch hier: Zahllose Stunden müssen entfallen, suppliert wird oft nur, wenn es nicht anders geht. Dass bei überraschenden, länger dauernden Krankenständen von Lehrern die Schulverwaltung völlig überfordert ist, brauche ich wohl gar nicht mehr zu erwähnen.

Warum gibt es in Österreich keine „Springer“-Lehrer? Das sind Lehrer, die keine feste Stelle haben, sondern die kurzfristig kranke Kollegen ersetzen. Das wäre doch eine ideale Bewährungsprobe für Junglehrer. Jetzt kommt sicher die Ausrede vom Lehrermangel. Doch das lasse ich nicht gelten. Schon zu meiner Schulzeit, die doch Jahrzehnte her ist, dauerte es Monate bis kranke Lehrer ersetzt wurden. Da kam es vor, dass eine Klasse einen bestimmten Gegenstand fast ein halbes Jahr einfach nicht hatte. Und ich bin zu einer Zeit in die Schule gegangen, als es noch eine hohe Lehrerarbeitslosigkeit gab und uns alle davon abrieten, ein Lehramt zu studieren.

Ich unterstelle dem riesigen Beamtenapparat in den Bezirks- und Landesschulräten und im Ministerium nicht, dass sie faule Nichtstuer sind. Nein, die Beamten sind damit beschäftigt, so sinnentleerte Erlässe zu verfassen, dass Lehrer, die keine Turnlehrer sind, mit den Kindern keinen Turnsaal betreten dürfen. Da aber Bewegung für den Lernerfolg wichtig ist, wird halt in der Klasse geturnt. Ist ja viel ungefährlicher bei all den Sesseln und Tischkanten.