Warum wir den Lehrern nicht vertrauen können

Die Lehrer, was für eine Pauschalisierung! Man kann doch nicht alle in einen Topf werfen, oder? Doch man kann. Doch fangen wir einmal ganz von vorne an.

Mindestens 10 % der Lehrer und Lehrerinnen sind für den Beruf objektiv ungeeignet. Jeder Schüler, jeder Vater, jede Mutter kennt mindestens einen solchen Fall. Nein, ich spreche hier nicht von Lehrern, die besonders strenge Maßstäbe ansetzen und deshalb bei Schülern und deren Eltern unbeliebt sind. Es geht hier nicht darum, ob die Schüler jetzt ein Gut oder ein Genügend bekommen. Es geht darum, was sie am Ende des Jahres können.

Da kenne ich zum Beispiel eine Lehrerin eines Schularbeits-Gegenstandes, bei der niemand in der Klasse eine schlechtere Note als Befriedigend hatte, die meisten Sehr Gut oder Gut. Doch den Stoff beherrschte kein Schüler und keine Schülerin so richtig. Auch die Eltern merkten das. Die Lehrerin wurde nach zwei Jahren von der Klasse abgezogen und die Schüler bekamen einen anderen Lehrer. Im Durchschnitt verschlechterte sich die Note aller Schüler um einen Grad und einige mussten um eine positive Note kämpfen. Doch der Stoff wurde nun wesentlich besser beherrscht – von allen Schülern.

Damit sind wir schon beim Kernproblem: Mindestens jeder zehnte Lehrer und jede zehnte Lehrerin sind entweder fachlich, pädagogisch, menschlich oder körperlich für den Lehrberuf nicht geeignet. Viele haben gleich mehrere Defizite. Bei fast jeder anderen Berufsgruppe ist es völlig normal, dass ungeeignete Personen den Beruf aufgeben und umlernen müssen. Doch bei den Lehrern wird die heiße Kartoffel hin- und hergeschoben. Die Personalvertretung schützt die „Kollegen und Kolleginnen“, die Schuldirektionen haben keinen Einfluss auf die Personalauswahl und die Stadt- und Landesschulräte sehen sich die Probleme lieber aus sicherer Entfernung an. Und aus der Entfernung wird jedes Problem plötzlich ganz klein. So verwalten die Schuldirektionen halt das Problem, indem Sie schlechte Lehrer und Lehrerinnen mal 2 Jahre dieser und 2 Jahre einer anderen Klasse zuteilen.

Für die meisten Eltern sind ihre Kinder das Wichtigste im Leben. Doch wenn man sich den Schulbetrieb so ansieht, scheint es, als ob nicht die Schüler, sondern die Lehrer das Wichtigste wären. Während Schüler, die „versagen“, Jahre ihres Lebens verlieren, bleibt das Versagen von Lehrern fast immer ohne Konsequenzen. Doch diese Lehrer schaden dem Ansehen der ganzen Berufsgruppe. Warum stellen sich aber Gewerkschaften schützend vor diese schwarzen Schafe und verhindern jegliche Evaluierung und die daraus resultierenden Konsequenzen? Gerade die Personalvertretung müsste doch daran interessiert sein, das angekratzte Image des Lehrberufs zu verbessern.

Diese Personalvertretung wird aber von „den Lehrern“ gewählt. Und es ist egal, ob die Vertretung rot, schwarz, blau oder orange ist. Niemand traut sich, das heiße Eisen anzufassen. Und deshalb erlaube ich mir pauschal festzustellen: Ich habe kein Vertrauen in „die Lehrer“.

4 Gedanken zu „Warum wir den Lehrern nicht vertrauen können

  1. „Mindestens 10 % der Lehrer und Lehrerinnen sind für den Beruf objektiv ungeeignet. Jeder Schüler, jeder Vater, jede Mutter kennt mindestens einen solchen Fall.“

    Vielleicht kennen die alle denselben Lehrer – dann wär’s nur einer.

    Lehrer kommen, als Beamte in Deutschland ohnehin, noch aus der Zeit, als man einen Beruf fürs Leben lernte und dann darin blieb. Das müsste sich auch für Lehrer ändern. Denn ja, es gibt schlechte Lehrer. (Und schlechte Eltern und schlechte Schüler natürlich auch, soviel Selbstständigkeit wollen wir ihnen noch zubilligen.)

  2. Anders formuliert: Jedes Kind hat im Schnitt mindestens 10 Lehrer im Leben. Und jedes Kind hat im Leben mindestens einen objektiv schlechten. Und das ist sicher nicht imm der- oder dieselbe. Experten sprechen sogar von einem noch höheren Anteil. In Österreich ist teilweise sogar von einem Drittel die Rede. Daher sind die 10 % sogar sehr vorsichtig geschätzt.

    Und zu schlechten Schülern: Nein, es gibt keine schlechten Schüler. Es gibt Schüler mit unterschiedlichen Begabungen. Schüler MÜSSEN in die Schule gehen, Lehrer haben den Beruf freiwillig gewählt. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

    Ad schlechte Eltern: Ich kenne die Situation in Deutschland nicht. Eltern, die in Österreich ihre Pflichten nicht erfüllen, bekommen relativ rasch Schwierigkeiten mit dem Jugendamt. Hunderte Kinder werden auch jährlich ihren Eltern abgenommen und bei Pflegeeltern untergebracht. Jedenfalls erhalten Eltern wesentlich häufiger die „gelbe“ oder „rote“ Karte von den Behörden als Lehrer.

    Vor einigen Monaten hat Unterrichtsministerin Claudia Schmied die Zahl der Lehrer genannt, die in ihrer Amtszeit (seit 2006) wegen Unfähigkeit aus dem Dienst geschieden sind. Die Zahl ist einfach zu merken. Es waren null.

  3. „Schüler MÜSSEN in die Schule gehen.“ Wie viele Jahre? Ab wann dürfen sie nicht mehr müssen? Ich halte das für eine Bevormundung und Beschneidung der Persönlichkeit eines Menschen, dass er nicht aus eigener Schuld versagen darf. Man muss ihm helfen, dass das nicht geschieht. Aber ab wann darf man selber schuld sein? Nie?
    Schlechte Eltern: na, bis das Jugendamt kommt, muss eine ganze Menge passieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Österreich anders ist. Und man darf ja wohl auch schlecht sein, ohne dass gleich die Behörde kommt .

    Gibt es an Privatschulen weniger schlechte Lehrer? Die können ja Lehrer loswerden, denke ich. Aber prinzipiell stimme ich schon zu, nur weiß ich zur Zeit keine Strukturen in Deutschland, die ein Ausscheiden aus dem Dienst wegen Unfähigkeit erlauben würden. Und das liegt nicht an den Gewerkschaften.

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