Unfall auf Radfahrerüberfahrt: Der Autofahrer ist immer schuld

Autofahrer können Radfahrer hier nur dann rechtzeitig erkennen, wenn sie sich mit Schritt-Tempo annähern.

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde ich Zeuge eines Unfalls auf einer Radfahrüberfahrt. Dabei „schoss“ eine junge Autofahrerin eine Radfahrerin, die die Überfahrt überquerte ab. Der Unfall ist mittlerweile gerichtsanhängig und ich werde wohl früher oder später auch als Zeuge in dem Fall fungieren, weshalb ich hier keine Details zu dem Unfall und dem laufenden Verfahren preisgeben möchte. Da aber Radfahrerüberfahren zu den häufigsten Unfallpunkten für Radfahrer überhaupt zählen, möchte ich hier ein paar Anmerkungen loswerden.

Die Rechtslage ist recht eindeutig: Der Radfahrer hat immer Vorrang. Einzige Ausnahme: Er hat ein explizites „Vorrang geben“ oder „Stop“-Schild, wobei einige Juristen meinen, dass diese eigentlich ungültig wären. Laut StVO darf sich der Radfahrer aber nur mit 10 km/h „annähern“. Leider ist nicht klar, was annähern bedeutet. Wie viele Meter vor der Überfahrt muss der Radfahrer sein Tempo reduzieren? Auf der Überfahrt selbst besteht kein Tempolimit mehr. Das verbessert die rechtliche Situation der Radfahrer etwas, konnte ihnen bei Unfällen doch meist eine Teilschuld wegen überhöhter Geschwindigkeit angelastet werden. Jetzt werden es Gutachter deutlich schwerer haben, die Annäherungsgeschwindigkeit im Nachhinein festzustellen.

Und wie muss sich ein Autofahrer verhalten? Explizites Tempolimit gibt es keines. Trotzdem muss der Autofahrer sich mit einer solchen Geschwindigkeit annähern, dass er im Bedarfsfall jederzeit sicher anhalten kann. Bei vielen Überfahrten kann der Autofahrer Radfahrer oft erst innerhalb einer Fahrsekunde sehen, selbst wenn diese nur mit 10 km/h unterwegs sind. Deshalb: Schritt-Tempo!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Radwegebenützungspflicht abgeschafft gehört.

Ein Gedanke zu „Unfall auf Radfahrerüberfahrt: Der Autofahrer ist immer schuld

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