Die Top 10 Sünden der Radfahrer

Eifrige Leser dieses Blogs wissen, dass ich selbst viele Kilometer mit dem Rad in der Stadt zurücklege und mich dabei immer wieder über undisziplinierte Autofahrer ärgere. Höhepunkt heute auf einem Geh-Radweg mit ausdrücklichem Fahrverbot: „Da wo Sie gerade einparken dürfen Sie weder fahren und schon gar nicht parken.“ Darauf der Autofahrer: „Ich sehe da immer.“ Natürlich wollte der Autofahrer seinen illegalen Parkplatz schon gar nicht räumen.

Doch darum soll es hier gar nicht gehen. Vielmehr sollen hier auch einmal die undisziplinierten Radler ihr Fett abbekommen. Denn das schöne Wetter lockt anscheinend viele auf den Drahtesel, die sich aber nicht bewusst sind, dass sie auch muskelbetrieben Verkehrsteilnehmer sind. Deshalb hier die größten Sünden von Radfahrern, die andere Radfahrer behindern.

Sünde 1: Der Geisterradler

Geisterradlerin auf Einrichtungs-Radweg

Auf vielen Straßen Wiens gibt es beidseitig einen Ein-Richtungs-Radweg, so zum Beispiel auf der Praterstraße, der äußeren Wagramer Straße, der Stadlauer Straße, der Kaisermühlenstraße oder in der Variante mit Radweg gegen die Einbahn und Mehrzweckstreifen in Richtung der Auto-Einbahn in der Marxergasse. Die meisten dieser Radwege sind nicht breit genug, dass zwei Radfahrer nebeneinander fahren können.

Mit großer Regelmäßigkeit kommen mir auf diesen Radwegen andere Radfahrer gegen die Fahrtrichtung entgegen. Wohin soll ich dann fahren? Links in die parkenden Autos? Rechts gegen die Säulen des Hauses? Warum ist es bitte so schwer, grundsätzlich auf der rechten Fahrbahnseite zu fahren oder Pfeile richtig zu interpretieren?

Allerdings muss man den Verkehrsplanern hier auch einen Vorwurf machen: Statt grundsätzlich die Radwege so anzuordnen, damit sich die Radfahrer daran gewöhnen können, werden leider viel zu oft Zwei-Richtungsradwege auf einer Straßenseite angelegt. Damit werden viele Radfahrer offensichtlich geistig überfordert.

Sünde 2: Der Linksradler

Linksradler. Was macht er wohl bei Gegenverkehr?

In Österreich herrscht Rechtsfahrgebot. Dass man hin und wieder „Einfahrt verboten“ oder Richtungspfeile (siehe Sünde 1) übersieht, passiert ja auch vielen Autofahrern. Man höre nur die Geisterfahrerwarnungen im Verkehrsfunk.

Dass es aber auch auf Radwegen, die breit genug für Gegenverkehr sind, schwer ist, links von rechts zu unterscheiden, sieht man leider auch allzu häufig. Hauptproblem: Überhole ich dort wo Platz ist, nämlich rechts, wird der Fehler oft plötzlich bemerkt und nach rechts ausgeschert. Da heißt es dann, schnell genug zu sein, um den Zusammenstoß zu verhindern.

Sünde 3: Nebeneinanderradler

Okay, Radfahren ist bei weitem nicht so kommunikativ wie gemeinsam im Auto zu sitzen. Meist muss man hintereinander fahren und Fahrtwind und Straßenlärm erschweren die Kommunikation zusätzlich. Deshalb ist das Nebeneinanderfahren auf Radwegen auch erlaubt – sofern der Platz ausreicht.

Und genau da sind wir beim Problem: Der Platz reicht aus, wenn mindestens drei Radfahrer nebeneinander mit Sicherheitsabstand fahren könnten. Doch das ist nur auf ganz wenigen Radwegen in Wien der Fall. Es ist mehr als lästig, ständig wegen dieser halben Geisterradler abbremsen und danach wieder beschleunigen zu müssen.

Sünde 4: Querverkehrsblockierer

Skizze einer typischen Kreuzung in Wien

Diese Sünde geht zu 50 % an die Verkehrsplaner. Der geneigte Leser möge zum besseren Verständnis die nebenstehende Skizze betrachten. Sie sehen zwei Zweirichtungsradwege, die sich im linken oberen Bildviertel kreuzen. Beide Radwege sind entlang von Straßen geführt, die sich ebenfalls kreuzen. Die gesamte Kreuzung wird durch eine Ampel geregelt. Radfahrer haben gleichzeitig mit dem parallel geführten Autoverkehr grün.

Die Sünde der meisten Radfahrer besteht nun darin, dass sie bis zur (gelben) Haltelinie vorfahren und dort auf das Freifahrtsignal warten. Dabei blockieren sie notgedrungen den querenden Radverkehr, der gleichzeitig grün hat.

Angeblich sind ja Radfahrer im Durschnitt intelligenter und gebildeter als das Durchschnittsvolk. Ich habe da berechtigte Zweifel. Dass natürlich auch die Verkehrsplaner, die die Haltelinie nach der Kreuzung aufpinseln nicht ganz unschuldig sind, sei nicht unerwähnt. Aber Mitdenken ist ja nicht verboten…

Sünde 5: Ampelüberholer

Radfahrer hält vor der Haltelinie und am Gehsteig

Passt zur Sünde 4. Denn wenn man als denkender Radler nun so anhält, dass man den Querverkehr nicht blockiert, fahren garantiert 90 % aller anderen Radler an einem vorbei und stellen sich vor einem auf. Doch damit nicht genug: Selbst wenn man bis zur Haltelinie vorfährt, kommt von hinten sicher eine besonders gemütliche Radfahrerin (mit Kindersitz hinten und schweren Einkaufsäcken vorne am Lenker) und stellt sich frech vor dich und damit nach der Haltelinie auf. Die Krönung sind dann jene Zeitgenossen, die merken, dass sie mit Ihrem Rad damit in die Autofahrbahn hineinragen, deshalb panisch wieder zurückschieben und dich dabei voll rammen.

Besonders liebe ich auch meine Radfahrkollegen, die ich gerade überholt habe (ich fahre schneller als die meisten anderen Radfahrer) und die dann unbedingt an der nächsten Ampel wieder vor dir stehen müssen. Und wenn vorne kein Platz ist, stellt man sich halt nebeneinander auf, womit wir wieder bei Sünde 3 wären…

Übrigens machen das auch Fußgänger sehr gerne. Niemand will schließlich in der zweiten Reihe stehen und jeder ist der festen Meinung, dass er oder sie der oder die schnellste ist und sowieso alle überholen wird. Und dass man dabei mitten auf dem Radweg steht und die Radfahrer behindert, stört ja nur diese „Kampfradler“.

Sünde 6: Datenschützer

Der konsequente Datenschützer blinkt nicht und gibt auch keine Handzeichen. Besonders viele Datenschützer gibt es anscheinend unter den Radfahrern. Fahren Sie auf der Autofahrbahn werden noch brav Handzeichen gegeben. Doch sobald man den rettenden Radweg erreicht, vergisst man auf StVO und andere lästige Bestimmungen. Da wird unvermutet mit hohem Tempo links abgebogen, dass der Gegenverkehr nur per Notbremsung eine Kollision vermeiden kann oder der überholende gerammt wird. Denn der kurze Blick nach hinten insbesondere beim Linksabbiegen ist ja zu viel verlangt, gell?

Sünde 7: Nachtradler

Bei Dunkelheit Rad zu fahren ist natürlich keine Sünde. Ohne Beleuchtung jedoch schon. Und nein, ein Rücklicht reicht nicht. Gerade auf den schmalen und meist unbeleuchteten Radwegen in Wien sind entgegenkommende Radfahrer ohne Licht nur schwer zu erkennen. Und es komme mir niemand mit der Ausrede, dass das Licht so oft gestohlen wird. Ja, das stimmt schon. Aber ein Rücklicht kostet keine 10 Euro. Das ist für Radfahrer halt Verbrauchsmaterial. Und für Notfälle sollte man zumindest ein paar Reflektoren am Rad befestigt haben. Denn die werden so gut wie nie „ausgeborgt“.

Sünde 8: Radwegparker

Falsch abgestellte Fahrrad (vermutlich verrutscht) blockiert Radweg

Radwege werden immer noch meist von Autos verparkt. Doch immer öfter behindern Radfahrer ihre Mitstreiter auch durch falsch und illegal abgestellte Radfahrer. Ursache ist natürlich nicht zuletzt der immer größer werdende Mangel an ordentlichen Fahrradabstellanlagen.

Sünde 9: Vorderradabsperrer

Wie sichert man ein Fahrrad beim Abstellen gegen Diebstahl? Richtig, indem man den Rahmen (!) an einem festen Gegenstand, zum Beispiel einem Anlehnbügel oder einem Verkehrszeichen (aber bitte nicht wie in Sünde 8 ) befestigt. Warum nur sichern so viele Radfahrer ihre Fahrräder nur am Vorderrad? Wen wundert es, dass da schnurstracks der teure Rest vom Fahrrad gestohlen wird?

Doch was kümmert das mich, der sein Fahrrad immer bestmöglich am Rahmen sichert? Erstens blockieren die verbleibenden Vorderräder oft wochenlang die ohnehin viel zu selten vorhandenen Radabstellablagen. Zweitens: Woher bekommt der Dieb dann das fehlende Vorderrad? Richtig! Vom daneben abgestellten und am Rahmen gut gesicherten Fahrrad. Und schon müssen gleich zwei Radfahrer mit Öffis den Heimweg antreten. Also liebe Radfahrerkollegen und –kolleginnen: Wenn ihr schon euer Fahrrad nicht am Rahmen befestigen könnt oder wollt, dann verzichtet doch bitte gleich ganz auf die Sicherung!

Womit wir bei der letzten Sünde wären…

Sünde 10: Leichenschänder

Diese Sünde kennt man von Autofahrern, ist dort aber nicht so häufig verbreitet, weil sie von der MA 48 rigoros geahndet wird. Jahrelang begleitete euch euer Drahtesel bei (fast) jedem Wetter und leistete euch gute Dienste. Doch eines Tages kann er nicht mehr. Die Reifen haben keine Luft mehr oder die Gangschaltung bockt. Klar, ihr müsst zu einem Termin und habt es eilig. Also befestigt ihr euren kranken Liebling sicher am nächsten Radständer.

Dann vergessen aber viele Radler anscheinend auf ihr treues Gefährt. Dabei lassen sich Fahrräder meist recht günstig reparieren. Klar, es lockt das neue, bessere Modell. Doch es gibt so viele Leute, die sich über ein gebrauchtes, billiges Rad freuen würden. Es gibt aber noch viel mehr Radfahrer, die sich täglich darüber ärgern, dass ihr mit eurer Fahrradleiche wertvollen Abstellplatz belegt. Also bitte: Entweder bringt ihr euren treuen Liebling zum nächsten Fahrraddoktor, oder ihr gönnt ihm wenigstens ein ordentliches Begräbnis. Ihn einfach dem Wetter ausgesetzt liegen zu lassen ist eines Radfahrers unwürdig.

Fotos: My Bikelane Vienna

7 Gedanken zu „Die Top 10 Sünden der Radfahrer

  1. Diese 10 Sünden zu begehen kann man getrost als Urbedürfnisse von Mitmenschen, sobald sie Rad fahren, auffassen. Ein Rad ist quasi ein Medium zur Übertragung innerer Zustände und Mentalität. Daher ist es unausweichlich, mit diesen Sünden konfrontiert zu sein, überall und ohne dass einer sie vom andern lernen konnte. In Städten, in denen es wegen der Enge dort wenige Radwege gibt, kommt noch eine besondere hinzu: Fahren auf dem Fußweg und zwar dort auch nach Gusto. Es gibt das rücksichtsloseste Schnellfahren, das vermutlich besonders abenteuerlich ist, weil ja die Chance besteht, jemanden, der aus einem Haus kommt, anzufahren oder ihm auszuweichen – alles offenbar bewunderungswürdig für den coolen Radfahrer selbst – und es gibt das hinter den Fußgängern respektvolle Herrollen. Das nervt überhaupt nicht! Fühlen sich Fußgänger aber doch irgendwie hinderlich und drehen sie sich um, geben Radfahrer, die Radfahrerin, dann zu verstehen: keeeiiiin Problem, bitte nicht um mich kümmern. Natürlich könnten sie auch absteigen und schieben bei dem Tempo, aber wozu hat man das Rad dabei, gell?

  2. Zum Thema Gehsteigradeln verweise ich auf meinen früheren Artikel: https://rokory.wordpress.com/2011/06/06/radfahren-am-gehsteig/

    Zusammenfassend: Gehsteigradeln ist durch nichts zu entschuldigen. Was aber viele nicht wissen: Es ist für den Radfahrer viel gefährlicher als für alle anderen Verkehrsteilnehmer.

    Ich habe das bewusst hier nicht geschrieben, denn hier sollten jene Sünden thematisiert werden, bei denen Radfahrer andere Radfahrer behindern. Und dazu gehört Gehsteigradeln nun einmal objektiv nicht dazu.

  3. Querverkehrsblockierer? Das hab ich erst beim 2. Duchlesen verstanden. Normalerweise sind die Radwege ja breit genug, dass man aneinander vorbei kommt…

  4. sünde 6, der datenschützer: als autofahrer ärgere ich mich auch am land tag täglich mit dieser art von radfahrer herum-.-

  5. Pingback: Die Top 10 Sünden der Autofahrer und Fußgänger | Notizen und Gedanken aus der Donaustadt

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