Zahlen große Vermögen ausreichend Steuern?

Eigentlich wollte ich ja heute eine große Serie zum Thema prekäre Arbeitsverhältnisse starten. Doch die aktuelle Diskussion um Vermögenssteuern zwang mich dazu, einmal ein paar grundsätzliche Überlegungen zum Thema Vermögen, Steuern und Wirtschaft anzustellen.

Die Ausgangssituation

Nehmen wir einen jungen Mann oder eine junge Frau an. Er oder sie hat gerade von Papa oder Mama einen soliden österreichischen Mittelbetrieb übergeben bekommen. Sonst verfügt er oder sie über kein eigenes zusätzliches Vermögen. Der Betrieb wirft derzeit € 100.000 im Jahr netto an Gewinn ab. Der Gewinn steigt inflationsbedingt konstant um jährlich 2 %. Unsere Person gibt im Jahr € 40.000 für Lebensführung aus, aber ohne Wohnkosten. Was vom Gewinn nach Abzug von Wohnkosten und Lebenshaltungskosten übrigbleibt wird solide veranlagt. Die Veranlagungen werden jährlich rund 3 % an Erträgen ab. Davon werden 25 % KESt abgeführt. Die Steuern auf den Unternehmensgewinn und die Mehrwertsteuer auf die Lebenshaltungskosten berücksichtige ich hier einmal nicht, weil diese in allen weiteren Szenarien immer identisch sind.

Typ 1: Der Sparer

Nehmen wir einmal an, unser junger Mensch möchte das erkleckliche Einkommen dazu nützen, sich irgendwann ein luxuriöses Anwesen zu kaufen. Er oder sie beschließt, einmal eine durchschnittliche Mietwohnung mit ca. 100 m² zu nehmen. Dafür werden rund € 852 Miete plus Betriebskosten in Höhe von zusätzlich 25 % fällig. Im Jahr bezahlt er oder sie also insgesamt € 12.780 für die Miete. Im ersten Jahr kann er oder sie € 47.220 für das große Ziel sparen.

Nach 16 Jahren ist das Ziel erreicht und eine Million Euro angespart. Nun wird das Anwesen gekauft. Die Miete entfällt jetzt zwar, aber die Betriebskosten für das großzügige Anwesen machen über € 14.600 im Jahr aus. Davon bezahlt er oder sie natürlich 20 % MWSt.

Wie sieht die Steuerleistung aus? In den ersten 16 Jahren hat unser Sparer an Kapitalertragsteuer und Mehrwertsteuer für die Miete rund € 88.700 bezahlt. Dabei habe ich die Steuerleistung der ersten Jahre aufgewertet der jährliche Aufwertungsfaktor beträgt wie auch die anderen Aufwertungsfaktoren 2 %.

Nach Anschaffung der Immobilie sinkt die Steuerleistung um fast zwei Drittel. Vor allem das Aufkommen an Kapitalertragsteuer ist nun viel geringer, weil das Kapital ja in der Immobilie gebunden ist. Doch schon 13 Jahre später hat unser Sparer schon wieder 1 Million Euro Barvermögen angespart. Übrigens schon 2 Jahre nach Anschaffung der Immobilie hat der Sparer auch schon wieder mehr Barvermögen als der Mieter.

Typ 2: Der Mieter

Vielleicht ist unser junger Mensch aber auch jemand, der es sich lieber gleich schön einrichtet, ohne sich binden zu müssen. Deshalb beschließt er oder sie, gleich jenes Anwesen zu mieten, dass der Sparer erst nach 16 Jahren kaufen kann. Natürlich ist der Wert der Immobilie 16 Jahre früher entsprechend geringer, nämlich rund € 728.000. Die jährliche Miete ist trotzdem geschmalzen: Schon im ersten Jahr werden inkl. Betriebskosten über € 53.000 fällig. Im Monat sind das stolze € 4.447,54.

Entsprechend gering ist die Sparleistung. Die fällige Kapitalertragsteuer ist vor allem in den ersten Jahren recht gering. Aber an Mehrwertsteuer aus der Miete kassiert der Staat kräftig mit. Insgesamt hat der Mieter nach 16 Jahren € 123.515,90 an Kapitalertragsteuer und Mehrwertsteuer bezahlt. Der Mieter hat zur Finanzierung des Staates folglich um € 35.000 mehr beigetragen. Das sind fast 40 % zusätzlich.

Bis unser Mieter eine Million Euro an Barvermögen gespart hat, dauert es mehr als 52 Jahre. Ob er oder sie das erlebt?

Die Steuerfrage

Wie schon dargestellt, trägt der Mieter deutlich mehr zur Finanzierung des Staates bei. In den ersten 16 Jahren sind es fast 40 % mehr an Steuerleistung. Durch das rasant wachsende Kapital des Sparers steigt jedoch dessen Steuerleistung nach Anschaffung der Immobilie ebenso rasant. Wie lange dauert es, bis der Sparer insgesamt mehr Steuern bezahlt hat als der Mieter? Erst im 45. Jahr überholt der Sparer bei der Steuerleistung den Mieter. Dann haben beide über € 700.000 an Steuern abgeliefert (aufgezinst). Das setzt aber voraus, dass der Sparer sein Vermögen nicht schon in eine steuerschonende Stiftung ausgelagert hat.

Die Wohlstandsfrage

Nur Arbeit schafft Wohlstand. Geld ist nur der Gegenwert für Arbeit. Diese Thesen würden wohl die meisten unterschreiben. Doch schauen wir uns einmal an, wann unsere beiden Typen den Betrieb aufgeben könnten und das gleiche oder mehr Einkommen alleine aus den Zinserträgen erzielen würden.

Beim Sparer ist das schon nach durchaus überschaubaren 98 Jahren der Fall. Das heißt, nach zwei bis drei Generationen könnte die Familie alleine von ihrem Vermögen leben, ohne Arbeitsplätze zu schaffen und aktiv zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beizutragen. Der Sparer verfügt dann über ein Geldvermögen von über 30 Millionen Euro, ein wertvolles Anwesen und das Unternehmen kann er oder sie ja immer noch verkaufen.

Beim Mieter würde es hingegen unglaubliche 404 Jahre dauern bis die Kapitalerträge die Unternehmenserträge übersteigen. Vergessen wir das lieber gleich. Das Barvermögen würde dann übrigens über 13 Milliarden Euro ausmachen – wenn es den Euro dann überhaupt noch gibt.

Volkswirtschaftlich betrachtet

Die Beispiele zeigen, dass es aus Sicht des Staates klüger wäre, wenn alle ihre Immobilien nur mieten. Die Steuereinnahmen wären signifikant höher. Aber wem gehören diese Immobilien? Wahrscheinlich würden sie „Sparern“ gehören. Diese würden auf die Mieteinnahmen noch zusätzlich Steuern abführen müssen, was die Steuerleistung noch deutlich erhöht.

Conclusio

Das Ansparen riesiger Vermögen trägt zur Finanzierung des Staates nur unterproportional bei. Gleichzeitig schafft es finanzwirtschaftliche Blasen. Und wohin diese Blasen führen, wissen wir ja spätestens seit 2008. Deshalb ist es ökonomisch unbedingt erforderlich, extrem große Vermögen abzuschöpfen und in Form von Steuern dem Staat zuzuführen. Wo die Grenze für extrem große Vermögen liegt, darüber kann man diskutieren. Ich halte aber 1 Million Euro für einen guten Ansatz.