Pädagogik-Studien im Supermarkt

Will man möglichst viele Kapitalfehler der Kindererziehung sehen, gehe man an einem Samstagnachmittag in einen größeren Supermarkt. Ist es der Einkaufsstress oder das generelle Unvermögen, Kinder zu erziehen, dass man dort eine solche Ansammlung von Kindern jeden Alters sieht, die ihren Eltern auf der Nase herumtanzen.

Immer das zuckersüße Getränk dabei, kein Wunder, dass Kinder dann etwas zu aktiv werden (Foto:

Da wären zum Beispiel jene Kleinkinder im Buggy, die schon bei Betreten des Supermarkts mit Trinkfläschchen, gefüllt vermutlich mit zuckersüßem Tee, ruhig gestellt werden. Bei älteren Kindern sieht man dann oft die Variante Schlecker. Und dann wären da noch die Kinder dazwischen, so um die 3 oder 4 Jahre alt, die schon recht agil zwischen den Regalen laufen, dabei aber immer den Schnuller im Mund. Klar, dass da die Kommunikation mit den Eltern gestört ist. Ordentliche Artikulation ist mit dem Schnuller ja schwierig, und das Interpretieren der naturgemäß undeutlichen Sprache ist den Eltern eindeutig zu mühsam. Somit wird halt einfach nicht mehr geredet. Lutschen und Kauen als Beschäftigung – da werden die künftigen Raucher, die immer was im Mund haben müssen, schon im Kleinkindalter herangezogen.

Eine andere Variante ist das vielleicht eineinhalbjährige Mädchen, das gerade verbal die Welt entdeckt und das ganz ohne Schnuller. Ständig brabbelt es vor sich hin. Will dieses und jenes wissen oder dieses und jenes benennen. Gut so! Miteinander sprechen und die Wörter lernen ist wichtig – auch für den späteren Schulerfolg. Doch dann: Irgendwann wird es der Mutter dann doch zu anstrengend. „Da hast du eine Banane!“ Na gut, wenigstens keine Süßigkeit. Trotzdem: Mit Essen Kinder zum Schweigen zu bringen – ganz schlechter Stil. Haben diese Familien keine Zeit zu Hause zu essen?

Dann wären da noch die vielen Kinder, für die jeder Schritt anscheinend eine Qual ist. Nein, ich spreche hier nicht von ein- oder zweijährigen Buben und Mädchen. Aber ab dem dritten, vierten Lebensjahr kann man von Kindern schon ein wenig Ausdauer zu Fuß verlangen. Sonst ist die spätere Fettleibigkeit fast schon vorprogrammiert. Da beobachtete ich heute zum Beispiel ein Mädchen, mindestens 4, wenn nicht sogar 5 oder 6 Jahre alt, jedenfalls so groß, dass es in die integrierten Kindersitze der Einkaufswagen ganz offensichtlich nicht hineinpasste. Deshalb haben die Eltern auch extra einen Polster mitgenommen, damit die Göre auch ja bequem im Wagen sitzt. Dass das Mädchen alles andere als unbeweglich war, beobachtete ich dann nach der Kasse, als es ganz alleine aus dem Wagen klettern konnte.

Kinder, die ständig etwas im Mund haben müssen, Kinder, die immer auf Rädern herumgeschoben oder -gefahren werden – ist es die Bequemlichkeit der Eltern, sich nicht von den eigenen Kindern auf der Nase herumtanzen zu lassen, oder ist es simples Unwissen? Vielleicht sollte man einmal über eine Art Eltern-Coaching auf breiter Basis nachdenken…

2 Gedanken zu „Pädagogik-Studien im Supermarkt

  1. Dauerkauen und Dauerlutschen – eine sehr treffende Beobachtung. Das Ganze geht noch viel weiter: Wenn Kindre heute für eine Stunde zum Sport gehen, werden sie von ihren Müttern mit Keksen, Apfelspalten, Getränk ausgestattet, und viele Trainer machen regelrechte Essens- und Trinkpausen. Als wenn ein Kind verhungert, wenn es mal eine Stunde nichts isst und trinkt. Bei uns gibt es regelmäßige Mahlzeiten und gut ist. Aber als ich mein Kind ohne Verpflegung losschickte, wurde ich als schlechte Mutter schief angesehen. Da muss man halt durch.

  2. Pingback: Wochenende im Supermarkt: Kann es gleichberechtigte, streng-muslimische Frauen geben? | Notizen und Gedanken aus der Donaustadt

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.