Prekäre Arbeitsverhältnisse: Befristete Dienstverträge

Typisch sind befristete Dienstverträge für sogenannte Saisonarbeitskräfte. Betroffen sind meist wenig qualifizierte Arbeitskräfte. Die Befristungsdauer beträgt hier unter einem Jahr, manchmal nur ein- oder zwei Monate. Häufig bekommt der Arbeitnehmer eine Wiedereinstellungszusage.

Eine Sonderform von befristeten Dienstverträgen stellen auch sogenannte Ferialjobs dar. Diese werden aber meist nicht zu den prekären Dienstverhältnissen gezählt, da die Dienstnehmer sich hier noch in Ausbildung befinden.

Ebenfalls häufig zum Einsatz kommen befristete Dienstverträge beispielsweise als Karenzvertretungen. Davon sind dann meist Frauen betroffen.

Durch die Umstellung von Forschungsförderungen auf Projektfinanzierung erhalten auch viele junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen nur mehr Dienstverträge, die auf die Projektlaufzeit befristet sind, die meist drei Jahre beträgt, manchmal aber auch nur ein Jahr.

Doch auch abseits dieser Notwendigkeiten gibt es immer mehr Organisationen, die über befristete Dienstverhältnisse die „Probezeit“ für die Mitarbeiter, die eigentlich maximal einen Monat betragen sollte, zu verlängern. Hier sind Befristungen von einigen Monaten bis hin zu zwei bis drei Jahren üblich. Typisch für diese Arbeitsverhältnisse sind „Evaluierungen“ und – bei positiver Evaluierung – der Übergang in ein unbefristetes Dienstverhältnis.

Nur selten erfolgt eine Befristung auf Wunsch des Dienstnehmers oder der Dienstnehmerin.

Arbeitsplatzsicherheit

Je nach Dauer der Befristung ist die Arbeitsplatzsicherheit niedrig bis hoch.

Lohnhöhe

Auch befristete Dienstverträge unterliegen den normalen Kollektivverträgen. Somit ist die Lohnhöhe in der Regel als ausreichend anzusehen, wenn nicht andere Faktoren (z. B. Teilzeit) dazu kommen. Allerdings werden Vordienstzeiten meist nicht oder zu wenig berücksichtigt. Somit wird die Erfahrung der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in der Entlohnung zu wenig berücksichtigt. Befristete Dienstnehmer und Dienstnehmerinnen haben somit meist einen geringeren Lohn als unbefristete gleichen Alters und mit gleicher Tätigkeit.

Kündigungsschutz

Bei langfristigen Dienstverträgen kann die Arbeitnehmerin bzw. der Arbeitnehmer bis zum Ende der Befristung nicht gekündigt werden. Deshalb wird hier oft eine sogenannte Maximalbefristung vereinbart. Mit dieser Klausel kann der Dienstvertrag schon vor Ablauf der Befristung unter Einhaltung üblicher Fristen gekündigt werden.

Sozialrechtliche Absicherung

Befristete Dienstnehmer und –nehmerinnen unterliegen der vollen Sozialversicherungspflicht. Sie erwerben damit in allen Sozialversicherungen einschließlich der Arbeitslosenversicherung Ansprüche.

Interessensvertretung

Befristete Dienstnehmer und –nehmerinnen nehmen an Betriebsratswahlen teil und sollten daher auch von diesem vertreten werden. Häufig ist jedoch zu beobachten, dass Betriebsratsangehörige sich nur unzureichend um die Anliegen dieser Kollegen und Kolleginnen kümmern. Gesetzlich ist auch die Arbeiterkammer für die Interessensvertretung zuständig.

Zahlen, Daten und Fakten

Jahr Befristung
2004 570.800
2005 592.000
2006 602.900
2007 628.700
2008 664.100
2009 650.200
2010 652.300
Quelle: Statistische Daten aus er Sozialversicherung, Mai 2011, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

Der Anteil der befristeten Dienstverhältnisse zur Gesamtzahl der Beschäftigten schwankt zwischen 4 und 4,4 Prozent. Der kontinuierliche Anstieg geht also Hand in Hand mit dem Anstieg der Gesamtzahl der Beschäftigten.

Mitarbeit: Tilak de Silva, Regina Riebl