Wochenende im Supermarkt: Kann es gleichberechtigte, streng-muslimische Frauen geben?

Eigentlich war es ja nicht geplant. Aber anscheinend entwickeln sich Supermarkt-Beobachtungen zur Wochenend-Serie in diesem Blog. Dieses Mal beobachtete ich eine Familie offensichtlich muslimischen Glaubens – und war überrascht.

Der erste Eindruck: Ich beobachte eine kleine, zierliche Frau in typisch muslimische Kleider gehüllt. Das Kopftuch verbirgt jedes einzelne Haar, aber das Gesicht war nicht verschleiert. Die Frau war in Begleitung ihres Mannes einkaufen. Der Mann war ungewöhnlich groß, sicher über 1,90 m, und schlank. Er trug einen dichten, schwarzen Bart, der allerdings relativ kurz gehalten war, wie es bei streng gläubigen Moslems nicht unüblich ist.

Das Paar war mit drei Kindern im Supermarkt. Das Älteste war wohl im Volksschulalter, das Mittlere sollte schon in den Kindergarten gehen, während das kleinste noch einen Kinderwagen brauchte. Das Paar sprach miteinander und mit den Kindern eine Sprache, die ich als Arabisch bezeichnen würde. Immer-Blaue würden die Familie wohl ans integrationsunwillige, fundamentalistische Islamisten bezeichnen, die eine Gefahr für die Republik darstellt, weil sie jederzeit zu Terrorakten bereit wäre. Und die Frau würden sie wohl als wenig selbständig, von einem herrschsüchtigen Ehemann unterdrücktes und daher schützenswertes Wesen betrachten.

Doch ich beobachtete weiter. Die Frau erwies sich noch als noch recht jung. Ich schätze sie auf Ende 20. Die Frau machte alles andere als einen unterdrückten Eindruck. Mit knappen Worten kommandierte sie ihren um vieles größeren Mann herum, der bereitwillig Sachen in den Einkaufswagen schlichtete. Die Kinder waren auch wohlerzogen. Im Vergleich zu vielen anderen Kindern im Supermarkt quengelten sie nicht herum, sondern waren ruhig und halfen sogar mit. Und das ganz ohne Dauerkauen oder –lutschen. Die Frau führte ein strenges, aber durchaus liebevolles Regiment.

Wenn ich da an so manche österreichische Frau mit knappen Röckchen denke, deren einziger Lebenszweck die permanente sexuelle Bereitschaft gegenüber ihren Macho-Männern zu sein scheint, erscheint mir diese muslimische Frau um einiges emanzipierter. Vermutlich muss der Mann zu Hause auch kräftig im Haushalt mithelfen.

Was lernen wir daraus? Gleichberechtigung in der Partnerschaft ist keine Frage des Glaubens und schon gar keine Frage der Bekleidung. Es ist und bleibt eine Frage von Erziehung, Bildung und Persönlichkeit. Und Vorurteile erweisen sich bei genauerem Hinschauen allzu oft als falsch.