Prekäre Arbeitsverhältnisse: Teilzeitarbeit

Teilzeitarbeit bedeutet, dass der oder die Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin nicht die kollektivvertraglich volle Arbeitszeit leistet. Der Lohn wird dann entsprechend verkürzt. Teilzeitarbeit kann mit befristeten Arbeitsverhältnissen oder Leiharbeitsverträgen in Kombination auftreten.

Teilzeitarbeit wird überwiegend von Frauen in allen Branchen und allen Qualifikationsstufen geleistet. Vor allem in den 1990er-Jahren galt das „Recht auf Teilzeit“ als politisches Wundermittel, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erreichen. Nach wie vor suchen viele Frauen ganz bewusst nach Teilzeitarbeitsplätzen, um noch genügend Zeit für die Familienarbeit zu haben.

In der Praxis ergibt sich durch die Teilzeitarbeit jedoch eine Reihe von Problemen. Die vereinbarte Arbeitszeit wird oft nicht eingehalten. Die Mehrstunden gelten bis zum Umfang der Normalarbeitszeit nicht als Überstunden. Daher werden in vielen Branchen (z. B. im Handel) bevorzugt Teilzeitarbeitsplätze geschaffen, weil Mehrarbeit der Dienstnehmerinnen oder Dienstnehmer deutlich kostengünstiger abgedeckt werden kann als mit Vollzeitarbeitskräften, denen Überstundenzuschläge bezahlt werden müssten. Seit 1.1.2008 wird dem gesetzlich entgegen gewirkt, indem auch Teilzeitarbeitskräfte einen Anspruch auf 25 % Zuschlag für die geleistete Mehrarbeit haben. Doch selbst mit dieser Regelung, die durch Gleitzeitregelungen mit langen Durchrechnungszeiträumen oft auch noch ausgehöhlt wird, sind Überstunden von Teilzeitarbeitskräften noch immer deutlich günstiger als die von Vollzeitarbeitskräften.

Oft gelten Betriebsvereinbarungen nicht in vollem Umfang für Teilzeitarbeitskräfte. Somit sind Teilzeitarbeitskräfte oft von betrieblichen Pensionsvereinbarungen oder zusätzlichen Urlaubsansprüchen ausgeschlossen. Manchmal stehen auch andere Vergünstigungen wie Zuschüsse für Kantinenessen oder die Nutzung von Freizeiteinrichtungen nicht in vollem Umfang zu. Teilzeitarbeitskräfte haben meist auch geringere bis gar keine innerbetrieblichen Aufstiegsmöglichkeiten. Ein Umstieg auf einen Vollzeitarbeitsplatz ist ohne Arbeitsplatzwechsel meist nicht möglich.

Nicht zuletzt wird Teilzeitarbeit vor allem für Frauen oft zur Armutsfalle. Was anfangs als Dazuverdienen für die Familie gedacht war, muss später nach einer Scheidung (jede zweite Ehe wird geschieden!) plötzlich als Existenzgrundlage für die dann alleinerziehende Mutter und ihre Kinder dienen.

In manchen Branchen gibt es auch fast nur mehr Teilzeitarbeit, z. B. bei den Raumpflegern und –pflegerinnen. Für ein existenzsicherndes Einkommen müssen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen dann oft mehrere Dienstverträge eingehen. Die Wegzeiten zwischen den verschiedenen Dienstorten gelten in diesem Fall nicht als Arbeitszeit.

Arbeitsplatzsicherheit

Die Arbeitsplatzsicherheit ist vergleichbar mit normalen Dienstverhältnissen, wenn nicht andere Faktoren wie Leiharbeit oder Befristung hinzukommen.

Lohnhöhe

Teilzeitarbeitskräfte unterliegen den normalen Kollektivverträgen. Durch die geringere Arbeitszeit ohne Lohnausgleich ist der Lohn jedoch meist nicht existenzsichernd. Typische Bezieher der bedarfsorientierten Mindestsicherung sind Teilzeitarbeitskräfte.

Kündigungsschutz

Der Kündigungsschutz entspricht jenem eines normalen Dienstverhältnisses.

Sozialrechtliche Absicherung

Teilzeitarbeitskräfte unterliegen der vollen Sozialversicherungspflicht. Sie erwerben damit in allen Sozialversicherungen einschließlich der Arbeitslosenversicherung Ansprüche. Durch die geringere Lohnhöhe ist jedoch die Höhe des Arbeitslosengeldes und der späteren Pension deutlich herabgesetzt. Arbeitslosigkeit und Pensionierung sind somit weitere Armutsfallen für Teilzeitarbeitskräfte.

Interessensvertretung

Teilzeitarbeitskräfte nehmen an Betriebsratswahlen teil und sollten daher auch von diesem vertreten werden. Häufig ist jedoch zu beobachten, dass der Betriebsrat sich nur unzureichend um die Anliegen dieser Kollegen und Kolleginnen kümmert. Problematisch ist dabei auch die geringere Anwesenheitszeit im Betrieb, wodurch Teilzeitarbeitskräfte oft weniger Kontaktmöglichkeiten mit dem Betriebsrat haben. Gesetzlich ist auch die Arbeiterkammer für die Interessensvertretung zuständig.

Zahlen, Daten, Fakten

Jahr Vollzeit Teilzeit Gesamt Anteil
2004 2.591.600 674.900 3.266.500

21%

2005 2.595.500 721.600 3.317.100

22%

2006 2.632.600 764.100 3.396.700

22%

2007 2.671.000 779.200 3.450.200

23%

2008 2.708.700 819.300 3.528.000

23%

2009 2.666.000 866.200 3.532.200

25%

2010 2.650.700 882.100 3.532.800

25%

Quelle: Arbeitsmarktstatistik der Statistik Austria

Der Anteil der Teilzeitbeschäftigung nimmt kontinuierlich stark zu. Bereits jeder vierte Arbeitnehmer ist in Teilzeit beschäftigt. Die Zunahme der Beschäftigtenzahlen ist daher vor allem eine Zunahme der Teilzeitarbeit.

Teilzeit ist weiblich. 2010 waren nur rund 15 % der Teilzeitbeschäftigen sind Männer. Allerdings wird Teilzeit zunehmen männlicher, denn 2004 betrug der Männeranteil nur knapp 12 %.

Die meisten Teilzeitbeschäftigten arbeiten zwischen 12 und 35 Stunden in der Woche. Typische Arbeitszeiten betrugen 20 oder 30 Stunden, die sich etwa die Waage halten, wobei 30-Stunden-Jobs leicht überwiegen.

Mitarbeit: Tilak de Silva, Regina Riebl