Prekäre Arbeitsverhältnisse: Geringfügig Beschäftigte

Geringfügig Beschäftige sind eigentlich normale Dienstnehmer, die für ihre Tätigkeit weniger als € 374,02/Monat bzw. € 28,72/Tag brutto (Stand 2011) bekommen. Geringfügig Beschäftige sind genau genommen der Extremfall der Teilzeitbeschäftigung.

Arbeitsplatzsicherheit

Die Beschäftigung erfolgt oft nur fallweise. Es gibt daher meist keine oder nur eine sehr geringe Arbeitsplatzsicherheit.

Lohnhöhe

Geringfügige Beschäftigungen unterliegen grundsätzlich den normalen Kollektivverträgen. Der Lohn ist jedoch nicht existenzsichernd. Deshalb werden von vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gleich mehrere geringfügige Beschäftigungsverhältnisse eingegangen.

Kündigungsschutz

Durch die nur fallweise Beschäftigung gibt es meist keinerlei Kündigungsschutz.

Sozialrechtliche Absicherung

Geringfügig Beschäftige unterliegen lediglich der Unfallversicherung. Wenn mehrere geringfügige Beschäftigungen eingegangen werden, deren Gesamtlohnhöhe die gesetzlichen Grenzen überschreiten, muss das der Gebietskrankenkasse gemeldet werden. In diesem Fall besteht dann eine Krankenversicherung und Pensionsversicherung. Durch die dann fälligen zusätzlichen Beiträge wird das Nettoeinkommen jedoch weiter herabgesetzt. Viele geringfügig Beschäftige werden von der Höhe dieser Beiträge dann aber überrascht.

Interessensvertretung

Geringfügig Beschäftigte sind bei Betriebsratswahlen nicht stimmberechtigt. Der Betriebsrat ist für sie unzuständig. Viele Vergünstigungen und Errungenschaften für das Stammpersonal wie zum Beispiel vergünstigtes Essen in der Kantine oder die Nutzung von Freizeiteinrichtungen sind daher auf geringfügig Beschäftigte nicht anwendbar. Die Arbeiterkammer übt jedoch eine gesetzliche Interessensvertretung aus.

Zahlen, Daten, Fakten

Jahr Männer Frauen Gesamt Erwerbstätige Gesamt Anteil Geringfügige

2008

106.842 210.186 317.028 4.090.000

7,75%

2009

113.344 212.581 325.925 4.077.700

7,99%

2010

118.448 215.493 333.941 4.096.400

8,15%

2011 (01 – 03) 125.237 218.963 344.200 4.071.800

8,45%

Quelle: Statistische Daten aus der Sozialversicherung, Mai 2011, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger

Deutlich sieht man den kontinuierlichen Anstieg geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse. Auch der Anteil der geringfügig Beschäftigten an den Erwerbstätigen nimmt kontinuierlich zu. Hält der Trend an, dürfte 2020 schon jeder zehnte Erwerbstätige betroffen sein. Betroffen sind überproportional Frauen, wobei der Männeranteil langsam und kontinuierlich ansteigt. Überproportional hoch ist der Männeranteil übrigens in Wien, während in Tirol und Vorarlberg der Frauenanteil größer ist als im Bundesdurchschnitt. Die Zahl der geringfügigen freien Dienstverträge nimmt übrigens kontinuierlich ab, kann aber den rasanten Anstieg der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse bei weitem nicht ausgleichen. Dieser Rückgang hat sich von 2010 auf 2011 jedoch auch deutlich abgebremst.

Die meisten geringfügig Beschäftigten sind im Handel, gefolgt von Gast- und Hotelgewerbe eingesetzt, wo ein gutes Drittel aller Betroffenen arbeiten.

Im Jahresabstand 2010 zu 2011 ist die Zahl der geringfügig Beschäftigten vor allem in den Branchen Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden überproportional stark angestiegen. Ebenfalls groß ist der Anstieg im Gast- und Hotelgewerbe, während die Zahl der „Geringfügigen“ im Handel unterdurchschnittlich zugenommen hat. Zurückgegangen ist die Zahl in der Produktionsindustrie, der öffentlichen Verwaltung und besonders stark im Bereich der privaten Haushalte.

Die meisten geringfügig Beschäftigten sind zwischen 18 und 29 Jahren alt. Fast jeder Dritte fällt in diese Altersgruppe.

Mitarbeit: Tilak de Silva, Regina Riebl

Ein Gedanke zu „Prekäre Arbeitsverhältnisse: Geringfügig Beschäftigte

  1. Durch das Eingehen mehrerer geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse entsteht ein wenig Sicherheit, wird der eine Job aufgekündigt, hat man noch den zweiten. Eine Lösung zur KV und PV wäre, diese Beiträge auch bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen einzuheben und nur im Falle eines geringen Jahreseinkommens den Arbeitenden zu vergüten. Damit werden die Arbeitenden nicht mehr überrascht sondern sehen von Anfang an, dass sie zu wenig verdienen.

    Die wahre Sauerei ist, dass dadurch Menschen in eine Quasi-Selbstständigkeit gedrängt werden, die sie eigentlich nicht wollen, in der sie das volle Risiko tragen aber keinen entsprechenden finanziellen Ausgleich dafür bekommen.

    Der Spruch „Sklaven kann man nicht kündigen, Sklaven müssen verkauft werden“ ist längst von der Realität überholt worden, heute werden „Sklaven“ auf die Straße gesetzt und müssen sich selbst versorgen…

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