Lore Hostasch im Interview (2): Ein prekäres Arbeitsverhältnis war für mich klassischerweise die geringfügige Beschäftigung

Roman Korecky: Sie sagten, dass Teilzeit für Sie nicht unbedingt ein prekäres Arbeitsverhältnis ist. Wie würden Sie prekäre Arbeitsverhältnisse definieren? Was fällt da für Sie hinein?

Lore Hostasch: Ein prekäres Arbeitsverhältnis war für mich klassischerweise die geringfügige Beschäftigung. Wobei man da wieder sehr differenzieren müsste. Es gibt Pensionisten, die voll abgesichert sind mit Pensionsanspruch und Krankenversicherung, die sich nebenbei eine geringfügige Beschäftigung gesucht haben, um ein wenig zur Pension dazuzuverdienen. Dann gibt Frauen, die in Karenz sind, an ihren Betrieb angebunden bleiben wollen, aber ohne volle Verpflichtung, die geringfügig beschäftigt werden, mit Vertrag, begrenzten Stunden und einer klar definierten Leistung. Die sind nicht das Problem, die sind sozialversichert und integriert.

Regina Riebl: Da kenne ich aber auch noch andere Fälle, die nicht so gut abgesichert sind.

Lore Hostasch: Ja, natürlich gibt es Fälle, in denen jemand eine geringfügige Beschäftigung annehmen muss, um sich überhaupt irgendwie erhalten zu können, und dann nicht nur eine, sondern vielleicht auch noch eine zweite oder sogar dritte und eigentlich damals in meiner Regierungszeit nirgends abgesichert waren, weder in der Unfallversicherung, noch in der Pensionsversicherung, noch in der Krankenversicherung, auch nicht in der Arbeitslosenversicherung. Da haben wir überlegt, wie wir damit umgehen und haben eine sogenannte Opt-In-Lösung erreicht.

Roman Korecky: Was heißt Opt-In-Lösung?

Lore Hostasch: Die Überlegung war: Es hat keinen Sinn, jemanden, der ohnehin abgesichert ist, zu etwas zu zwingen, wo es keine Notwendigkeit gibt. Da erreicht man nur, dass man ihn in den Schwarzmarkt drängt. Und wir wollen ja alles legal erfasst haben. Diese Leute können sich entscheiden, ob sie krankenversichert und pensionsversichert werden möchten mit der geringfügigen Beschäftigung . Aber der Auftraggeber muss auf jeden Fall die Unfallversicherung bezahlen. Eine lange Diskussion hat es bei der Frage der Arbeitslosenversicherung gegeben, die ich leider nur zum Teil abschließen konnte. Die Kranken-, Pensions- und Unfallversicherung waren mir wichtiger.

Roman Korecky: Die fehlende Arbeitslosenversicherung ist bei geringfügig Beschäftigen aber oft ein Problem.

Lore Hostasch: Bei der Arbeitslosenversicherung gibt es das Problem des Verhältnisses zwischen Beitrag und Leistung. Ich wollte damals keine Diskussion darüber haben, dass jemand nur 25 Euro Arbeitslosenunterstützung bekommt, wenn man es nach Beiträgen berechnet. In der Zwischenzeit hat man aber eine Lösung gefunden, dass auch geringfügig Beschäftige eine Arbeitslosenversicherung bekommen können.

Interview: Roman Korecky, Regina Riebl
Mitarbeit: Paul Korecky