Polizei versucht, Rasen am Ring zu verhindern

Abseits aller Lippenbekenntnisse geht es vielen in Österreich anscheinend darum, möglichst wenig Radverkehr zuzulassen, obwohl diese Verkehrsform zweifelsfrei zu den schonendsten Fortbewegungsformen im Nahverkehr zählt. Gestern erreichte mich folgendes erbostes E-Mail von Bernhard Redl, der mit mir im Rahmen der Agenda 21 Gruppe „Rad“ in der Donaustadt versucht, das Radfahren im Alltag attraktiver zu machen. Mit freundlicher Genehmigung von Bernhard Redl veröffentliche ich diese (leicht bearbeitete) Mail als Gastbeitrag.

Die Veranstaltung „Rasen am Ring“ findet seit 2007 immer am 22. September auf der Ringstraße statt und ist die Hauptveranstaltung in Wien zum „Autofreien Tag“. Die Verkehrshölle Ringstraße wird auf einem kurzen Abschnitt durch Ausrollen von Rollrasen zu einem ruhigen Plätzchen, das zum Hinsetzen und Picknicken einlädt. Heuer hätte Rasen am Ring erstmals am Parkring stattfinden sollen, wo mehr Platz gewesen wäre und keine Straßenbahnen durchfahren müssen. Nun wurde die Veranstaltung von der Polizei nicht genehmigtaus Rücksichtnahme auf „abendliche Verkehrsspitzen“, eine Begründung, die am europaweiten autofreien Tag besonders grotesk anmutet. Wenn man jedoch an die verfassungsmäßig garantierte Versammlungsfreiheit und das sogenannte Demonstrationsrecht denkt, das einem hier einfach verwehrt wird, bekommt die Sache eine ernstere Dimension.

Meine persönliche Interpretation der Sache ist, dass parteipolitische Taktik dahinter steckt. Die von einer ÖVP-Ministerin geführte Polizei verbietet die Veranstaltung. Dass diese Partei autofahrerfreundlich und folgerichtig fußgänger- und radfahrerfeindlich agiert, hat sie bereits oft bewiesen. Ich habe in den letzten Wochen einen langsam schwelenden Konflikt zwischen Radfahrgegnern und -befürwortern beobachtet – ausgelöst durch einen immer stärker werdenden Radverkehr in Wien. Die ÖVP spielt seit der letzten Wien-Wahl nun beleidigte Leberwurst, weil die Grünen in Wien mitregieren dürfen und nicht sie selbst, und mobilisiert sämtliche parteinahe Organisationen in Sachen Radler-Verunglimpfung in den Medien (vom ÖAMTC über die Polizei, die Jagd auf Radler macht, bis zum Ärztekammerpräsidenten, der seltsame Wünsche hat). Eine solche Instrumentalisierung der Polizei, wie sie nun praktiziert wird, hat es aber wahrscheinlich noch nicht gegeben und ist eine eindeutige Grenzüberschreitung!

Wie geht es weiter? Rasen am Ring wird stattfinden, wahrscheinlich wieder am Burgring (siehe Link unten). Ich bitte um zahlreiche Teilnahme an der Veranstaltung – es geht nun nämlich darum, ein besonders starkes Zeichen zu setzen, damit die ÖVP-Polizei sieht, wie viele Radfahrer es eigentlich in Wien gibt – und dass man die nicht einfach so verarschen kann. Ich möchte mein Rennradtraining an diesem Tag auf den Ring verlegen – also nicht auf den Radweg sondern auf die Fahrbahn, was man als Rennradfahrer im Training ja darf. Ich lade alle Rennradbesitzer dazu ein, ein paar Runden mit mir zu drehen!

Inzwischen steht auch der Veranstaltungsort fest: Es wird der Parkring sein. Alle weiteren Informationen auf der Homepage der Plattform Autofreie Stadt. Ich selbst werde morgen auch zwischen ca. 17:00 Uhr und 19:00 Uhr sein. Würde mich freuen, den einen oder anderen Leser oder die eine oder andere Leserin dort zu treffen. Mein Markenzeichen: Ein karierter Fahrradhelm, der aussieht wie ein Reithelm und eine rote Jacke.

Fotos: Peter Provaznik/IGF