Warum Teilzeitarbeit meist ein prekäres Beschäftigungsverhältnis ist

In meinem Schwerpunkt zum Thema Prekariat habe ich Teilzeitarbeit auch dazu gezählt. Viele Teilzeitkräfte fühlen sich aber nicht als prekär Beschäftigte. Warum ist das so?

Zunächst möchte ich hier einmal zwischen freiwilliger Teilzeitarbeit, bedingt freiwilliger Teilzeitarbeit und unfreiwilliger Teilzeitarbeit unterscheiden.

Unfreiwillige Teilzeitarbeit ist typisch für einige Branchen wie beispielsweise dem Handel. Dort gibt es so gut wie keine Vollzeitarbeitsplätze mehr. Teilzeitarbeitskräfte sind nämlich flexibler einsetzbar und somit in der Regel in Summe billiger.

Viele Frauen entscheiden sich für Teilzeitarbeit, weil sie mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen. Das nenne ich bedingt freiwillige Teilzeitarbeit. Warum ist es immer noch der Lebenstraum eines großen Teils junger Frauen, daheim bei den Kindern bleiben zu können oder zumindest „nur“ in Teilzeit arbeiten zu müssen? Natürlich klingt mehr Freizeit verlockend. Doch ist es nicht auch deshalb ein Traum, weil die Kinderbetreuung zu Normalarbeitszeiten bis zum 14. Lebensjahr in vielen Regionen Österreichs einfach nicht gewährleistet ist und auch in den restlichen Regionen meist nicht die Qualität erreicht, die sich viele Eltern wünschen würden? Wer hat denn noch Lust, nach einem Vollzeitarbeitstag noch mit den Kindern für die Schule zu lernen, was aber in Österreich leider meist notwendig ist, weil die Schule schon lange nicht mehr ihre Kernaufgaben erfüllt. Ist der Wunsch nach Teilzeit unter diesem Aspekt wirklich rein freiwilliger Natur?

Mehr als die Hälfte aller Teilzeitarbeitskräfte verdient weniger als 1.100 Euro brutto im Monat und 8 von 10 Teilzeitarbeitskräften sind Frauen. Wenn der Ehemann oder Lebenspartner genug verdient sind auch einige Tausender im Jahr ein netter Zuverdienst und die Familienfinanzen deshalb noch lange nicht in einer prekären Lage. Bedenkt man jedoch dass jede zweite Ehe geschieden wird, kann aus einer komfortablen Situation schnell eine finanzielle Krise werden. Denn der Teilzeitarbeitsplatz lässt sich nicht so mir nichts dir nichts in eine Vollzeitstelle umwandeln.

Aber für die Kinder zahlt der Ex-Partner doch Alimente. Ja, aber: Was ist bei Arbeitslosigkeit des Ex? Und wenn die Kinder auf eigenen Füßen stehen, versiegt diese Einkommensquelle. Spätestens im Alter merken dann viele Frauen, dass die Alimente nicht zur Pensionsberechnung herangezogen werden. Und Unterhalt gibt es nur noch in Ausnahmefällen.

Genau deshalb ist es mein fester Standpunkt, dass jeder Mensch über ein ausreichendes eigenes Einkommen verfügen sollte, um seinen eigenen Lebensunterhalt finanzieren zu können. Da aber mehr als die Hälfte aller Teilzeitarbeitsverhältnisse nicht ausreichend dotiert sind, fällt die Teilzeitarbeit größtenteils auch unter die prekären Beschäftigungsverhältnisse.

2 Gedanken zu „Warum Teilzeitarbeit meist ein prekäres Beschäftigungsverhältnis ist

  1. Hast heimlich die Kolumnen von Elfriede Hammerl gelesen? Die propagiert seit 25 Jahren (oder mehr), dass jede Frau ein eigenes Einkommen braucht, von dem sie auch leben kann 🙂 (Im Ernst: schön aufgelistet. Schön, dass solche Argumente nicht nur von frustrierten Emanzen kommen. Vielleicht ist ja doch was dran.)

    Zum Thema Kinder: die profitieren ganz eindeutig davon, wenn jemand sich intensiv um sie kümmert. Das ist, wie man es auch dreht und wendet, zur Zeit ziemlich im Argen. Kein Argument, dass Frauen nicht arbeiten gehen sollten (dass ausschließlich die Mütter sich um die Kinder kümmern sollten, ist eine relativ neue Entwicklung – weniger als 100 Jahre), aber etwas, worum wir uns kümmern müssen.

    • Ich lese die Kolumnen von Elfriede Hammerl aus Zeitgründen nur selten. Ich habe mir meine Meinung auch schon vor über 20 Jahren gebildet. In meinem damaligen beruflichen Umfeld gab es extrem viele Scheidungen. Seitdem bin ich für das Thema sensibilisiert. Ich bin der festen Überzeugung, dass für eine gute Beziehung zwei Faktoren entscheidend sind: Erstens die Grundeinstellung, dass jede Beziehung nur temporär ist. Die lebenslange Ehe ist die Ausnahme und nicht die Regel. Zweitens (teilweise als Folge davon) fördert ein größtmögliche Unabhängigkeit der Partner voneinander eine gute Beziehung. Vor allem sollte es keine wirtschaftliche Abhängigkeit geben. Natürlich kann es zeitweise immer wieder Phasen geben, während derer der eine oder andere Partner vom anderen abhängig ist. Solche Phasen können z. B. sein, wenn Kinder sehr klein sind, einer arbeitslos wird oder einer eine Aus- oder Weiterbildung macht. Solche Phasen sollten aber nie länger als 3 bis 6 Jahre dauern. Und diese Phasen sollten auch halbwegs gleich auf beide Partner verteilt werden.

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