Wie schnell bin ich mit meinem Auto?

Quelle: Wikimedia Commons

Update: Ein Bekannter hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Durchschnittsalter aller in Österreich zugelassenen Pkw ungefähr 8 Jahre beträgt. Das heißt, dass die durchschnittliche Lebensdauer eines Fahrzeugs nicht wie ursprünglich angenommen 8 Jahre, sondern 16 Jahre beträgt. An der Grundaussage des Artikels ändert sich dadurch nicht allzu viel. Ich habe aber die Zahlen aktualisiert.

Angeregt durch diesen sehr interessanten Blog-Artikel habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie schnell man denn tatsächlich mit dem Auto ist.

Eh klar, würden die meisten sagen. Ich bin täglich 20, 50 oder 100 km mit dem Auto unterwegs, dazu brauche ich 50, 70 oder 90 Minuten, also bin ich nach Adam Riese durchschnittlich mit 24, 43 oder 67 km/h unterwegs. Falsch gedacht!

Ein Auto fällt ja nicht von alleine vom Himmel. Vielmehr müssen wir lange Zeit hart dafür arbeiten. Auch die laufenden Kosten sind ja nicht zu unterschätzen. Nehmen wir als Beispiel das beliebteste Auto in Österreich, den VW Golf. In der billigsten Variante mit 4 Türen kostet der Wagen neu 18.440 Euro. Durchschnittlich lebt so ein Auto 8 16 Jahre und wird 15.000 km pro Jahr gefahren. Im Jahr kostet dieses sicher nicht luxuriöse Auto folglich rund 2.300 1.200 Euro. Dazu kommen laufende Kosten von rund 3.800 3.400 Euro im Jahr. Die größten Brocken sind natürlich die Treibstoffkosten von rund 1.700 Euro, Versicherung und Steuern mit rund 800 Euro, und ein Garagenplatz mit (günstigen) 630 Euro. Insgesamt summieren sich die jährlichen Kosten auf fast 6.100 4.600 Euro.

Im Durchschnitt verdient man in Österreich 17.620,60 Euro im Jahr netto. Das ergibt einen Stundenlohn von etwas über 10 Euro. Der durchschnittliche Arbeitnehmer arbeitet also 553 444 Stunden pro Jahr nur für sein Auto. Das sind mehr als fast 3 Monate!

Nehmen wir als Beispiel an, dass das Auto zu jeweils einem Drittel in der Stadt, auf Landstraßen und auf Autobahnen gefahren wird. Man verbringt bei 15.000 km so über 300 Stunden im Jahr im Auto. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gar nicht wenigen 49 km/h.

Jetzt zählen wir aber die 553 444 Stunden Arbeitszeit hinzu, die wir arbeiten müssen, um das Auto finanzieren zu können. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf Schneckentempo, nämlich sage und schreibe 17 20 km/h. Jeder halbwegs geübte Radfahrer fährt dem Auto locker davon. Und öffentliche Verkehrsmittel sind bei dieser Berechnung überhaupt unschlagbar schnell.

Verändert man einige Parameter in der Berechnung, so ergeben sich noch interessantere Zahlen. Nehmen wir ein Auto, das viel in der Stadt gefahren wird. Dadurch erhöht sich die Jahreskilometerleistung auf 20.000. Der Stadtverkehrsanteil steigt gleichzeitig auf rund 50 %. Überraschenderweise steigt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 19 21 km/h. Trotzdem sind Radfahrer und Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel immer noch etwas schneller unterwegs. Nicht berücksichtigt habe ich anfallende Parkgebühren, die die Rechnung wieder zu Ungunsten des Autos ausfallen lassen.

Ein anderes Szenario wäre ein fast reines Stadtauto. Das Auto kann nun ruhig billiger sein. Um 10.000 Euro bekommt man schon akzeptable fahrbare Untersätze. Mehr als 8.000 km im Jahr wird so ein Auto aber nicht gefahren. Der Stadtverkehrsanteil beträgt jetzt 80 %. Durchschnittsgeschwindigkeit: 13 14 km/h.

Wie kann man die Geschwindigkeit des Autos steigern? Stärkerer Motor mit mehr PS? Sicher nicht. Das wäre sogar kontraproduktiv. Die höhere Anschaffungskosten würden die Geschwindigkeit sogar deutlich senken. Auch der Verbrauch spielt kaum eine Rolle. Ich habe bei allen Beispielen einen Durchschnittsverbrauch von 6,5 l/100 km angenommen. Senkt man den Verbrauch auf utopische 3 l/100 km, steigt die Geschwindigkeit nur um läppische 2 km/h. Umgekehrt kostet ein Verbrauch von 9,5 l/100 km auch nur 1 km/h an Tempo.

Viel Tempo gut machen kann man nur durch Verbesserung des Verhältnisses zwischen Kaufpreis und Einkommen. 30 km/h erreicht man, indem man maximal 1/3 des Jahreseinkommens in die Anschaffung des Autos steckt. Die Erhöhung der Nutzungsdauer hingegen bringt nicht viel. Wenn man das Auto 16 statt 8 Jahre fährt, bringt das nur 3 km/h.

Ich lade den geehrten Leser dazu ein, selbst einmal die eigene Geschwindigkeit zu berechnen. Ich habe dazu eine Excel-Datei erstellt, in der Sie nur wenige Parameter eingeben müssen, um ihre ganz persönliche Geschwindigkeit zu ermitteln.

Version für Excel 2007 und neuer

Meine persönliche Geschwindigkeit liegt übrigens bei 23 26 km/h. Hinterlassen Sie doch ein Kommentar mit Ihrer persönlichen Geschwindigkeit!

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Wie Kinder zum Konkurs erzogen werden

2011 gingen bereits über 9.500 Personen in den Privatkonkurs. Und die Geschichten ähneln einander überraschend oft: Man wird 18 oder 19 Jahre alt. Jahrelang hat man nur von Taschengeld oder ein paar Hundertern Lehrlingsentschädigung gelebt. Doch jetzt liegt das Nettogehalt endlich im vierstelligen Bereich. Ich bin reich oder zumindest auf dem Weg, es zu werden!

Foto: Boris Mitendorfer Photography (flickr)

Das muss man natürlich der Welt zeigen. Als erstes wird ein neues iPhone angeschafft, kostet ja eh nichts. 40 Euro monatlich für den Tarif wird man sich ja noch leisten können. Dann brauchte man natürlich erst einmal ein ordentliches Auto. Ein 3er-BMW erscheint genau richtig. Die Leasing-Raten kann man gerade so mit dem Betrag der Gehaltserhöhung begleichen. Und dann lernt man noch die Lebenspartnerin oder den Lebenspartner kennen. Eine gemeinsame Wohnung muss her. Gleich was Großes, schließlich will man ja auch gemeinsam Kinder haben.

Das gemeinsame Haushaltseinkommen reicht locker für all die Ausgaben aus. Sparen, Geld zurücklegen? Das ist was für Spießbürger. Wir leben hier und heute. Es geht ja immer aufwärts. Was vom Einkommen übrig bleibt, wird in die Heimkino-Anlage, in teure Urlaube oder in teure Hobbys investiert. Was das Konto gerade nicht hergibt, wird halt auf Pump finanziert.

Foto: Kıvanç Niş (flickr)

Doch dann passieren Dinge, mit denen man so nicht gerechnet hat. Ein Kind kommt auf die Welt und plötzlich steht ein niedrigeres Haushaltseinkommen (Kinderbetreuung!) zusätzlichen Fixausgaben gegenüber. Oder man versteht sich mit der Liebe des Lebens doch nicht mehr so gut und trennt sich. Dann steht man alleine mit der großen, teuren Wohnung da. Oder ein Partner verliert den Job und muss einen schlechter bezahlten annehmen. Und schon schnappt die Schuldenfalle zu.

Die Schuld gebe ich hier klar den Eltern. Wir erziehen eine Generation der sorglosen Schuldner. Immer wieder höre ich von Menschen zwischen 20 und 40, dass man noch keine Kinder habe, weil man denen ja „was bieten möchte“. Was möchte man den Kindern denn bieten? Kinder brauchen ein Dach über dem Kopf, die uneingeschränkte Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern, ein wenig zu essen und gute Vorbilder.

Kein Kind braucht drei Spielekonsolen, das neueste SmartPhone, ein vierradgetriebenes 200 PS-Ungetüm und ein Kinderzimmer in der Größe mancher Kleinwohnung. Und ein billiger Urlaub auf einem österreichischen Bauernhof ist für Kinder bis ins Teenager-Alter hinein meist lehrreicher und lustiger als der teure Club-Urlaub an den schönsten Stränden der Welt. Und warum müssen schon Volksschulkinder Kleidung im Gegenwert eines guten Herrenanzugs in der Schule tragen? Um das fehlende Selbstwertgefühl zu kompensieren, weil ihre Eltern glauben, dass Geld Liebe und Aufmerksamkeit ersetzen kann?

Von vielen Familien mit Kindern hört man – wenn die Kinder außer Hörweite sind – ein stetes Jammern, wie teuer doch alles sei. Nicht wenige Familien krachen wie eine Kaisersemmel und das Bankkonto ist öfter im roten als im schwarzen Bereich. Doch den Kindern signalisiert man ewigen Wohlstand. Viele Kinder wissen besser darüber bescheid, wie oft die Eltern zusammen Sex haben, als über den familiären Kontostand.

Ich bin der Meinung, dass Kinder spätestens ab der Sekundarstufe (Hauptschule, Mittelschule, AHS) einen Einblick in die Finanzplanung der Familie haben sollten. Sie sollten wissen, was Mama und Papa ungefähr verdienen, ist das doch auch für die bald anstehende Berufswahl ein nicht unwesentlicher Faktor. Sie sollten aber auch wissen, was die Wohnung, das Auto, der Urlaub, aber auch Lebensmittel kosten. Sie sollten regelmäßig selbst einkaufen oder zumindest die Eltern beim Einkauf begleiten und tatkräftig unterstützen. Auch im Supermarkt sollte man ihnen erklären, warum man das eine Produkt kauft, aber das andere nicht. Und nein, Kindern sollte nicht jeder Wunsch von den Augen abgelesen werden.

Doch in einer Welt, in der Leistungsbereitschaft über die Höhe des Gehalts definiert wird, in der die Größe und Marke des Autos den Wert einer Person für die Gesellschaft darstellt, in der die Beliebtheit eines Mitschülers „in Megapixeln“ der Kamera (Zitat meines Sohnes) gemessen wird, wird diese Forderung immer weniger von den Eltern erfüllt.

Sollte diese Aufgabe der Schule übertragen werden? Sollte es ein Pflichtfach Wirtschaftskunde geben, in dem das Planen eines Haushaltsbudgets zu den wesentlichen Lehrinhalten zählen sollte? Was meinen meine geneigten Leser?

Die unsoziale Sozialversicherung des Selbständigen

Die Tageszeitung Kurier berichtet in ihrem heutigen Top-Thema von Armutsgefährdung der Selbständigen durch die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA).

Laut SVA-Jahresbericht wurden 2010 fast 20 % der Versicherten gemahnt und fast jeder zehnte exekutiert, das waren 33.668 Einzelschicksale. Hauptgrund für diese hohe Zahl dürfte wohl die im Sozialversicherungsrecht einzigartige Mindestbeitragsgrundlage sein.

Egal, wie wenig man durch selbständige Arbeit verdient, man bezahlt auf jeden Fall für rund 650 Euro die Sozialversicherung. Und auch der Beitragssatz ist nicht gerade wenig: 26,68 %, das sind mindestens 184,43 Euro. Zum Leben bleiben da gerade einmal 487,59 Euro übrig. Eine kleine Erleichterung gibt es in den ersten drei Jahren der Selbständigkeit, beträgt da der Mindestbeitrag nur 151,73 Euro.

Kein Wunder, dass ein Großteil der Mindestsicherungsempfänger Selbständige sind. Immerhin haben Selbständige ein doppelt so hohes Armutsrisiko wie Unselbständige und das Median-Einkommen ist um ein Drittel geringer als bei Arbeitnehmern. Laut der Facebook-Gruppe Amici delle SVA, einem Zusammenschluss von Selbständigen, die die Ungerechtigkeiten in der gewerblichen Sozialversicherung bekämpfen wollen, ist die SVA für die Hälfte aller Unternehmer-Konkurs verantwortlich.

Bei normalen Arbeitern und Angestellten gibt es hingegen keine Mindestbeitragsgrundlage. Zudem sind die Versicherungsprämien mit maximal 18,20 % auch weit geringer. Einem Arbeiter mit 650 Euro Bruttogehalt bleiben so mit 531,70 Euro gut 44 Euro im Monat mehr zum Leben als einem Selbständigen.

Dazu kommt, dass Selbständige im Gegensatz zu Arbeitnehmern für Arztbesuche trotz der höheren Beiträge zusätzlich noch 20 % Selbstbehalt bezahlen müssen. Das kann sich zusätzlich noch auf einige hundert Euro im Jahr summieren.

Das eklatante Ungleichgewicht zeigt sich auch, dass die SVA 33 % der Einkünfte aus den Beiträgen der niedrigsten Einkommen lukriert. Durch die Höchstbeitragsgrundlage tragen Topverdiener hingegen nur mit 12 % der Beiträge zur Sozialversicherung bei.

Durch das Sparpaket der Regierung wird die Lage noch zusätzlich verschärft, ist doch geplant, den Pensionsbeitrag für Selbständige um einen Prozentpunkt anzuheben, was noch einmal 78,58 Euro weniger zum Leben für Selbständige bedeutet. Im Gegenzug ist die geplante Absenkung der Mindestbeitragsgrundlage wieder vom Tisch.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leite, der auch SVA-Obmann ist und als solcher eigentlich die Interessen der Selbständigen vertreten sollte, meint dazu nur: „Man muss sich schon durchbeißen.“. Weiß er, dass 55,6 % der Mitglieder Ein-Personen-Unternehmen sind? Vielleicht merkt er es bei den nächsten Wahlen.