Rad vs Auto: Der neue Straßenkampf

Am 06.05.2012 veröffentlichte der Kurier einen sehr langen Artikel über den angeblichen Krieg zwischen Rad- und Autofahrern. Leider tragen solche Artikel nicht gerade dazu bei, das Klima im Verkehr zu verbessern. Der Artikel war schlecht recherchiert und nicht ausgewogen. Ich sandte daher einen Leserbrief an die Redaktion, der eine Woche später auch in gekürzter Fassung veröffentlicht wurde. Hier die ungekürzte Fassung:

Kurier vom 13.05.2012

Sehr geehrte Redaktion!

Was wollen Sie mit der Ausrufung eines angeblichen Kriegszustandes zwischen Radfahrern und Autofahrern bezwecken? Wollen Sie die ohnehin schon hohe Aggression der Verkehrsteilnehmer weiter steigern?

Der beschriebene Unfall wäre nicht passiert, wenn sich der Autofahrer der StVO konform verhalten hätte. Die schreibt nämlich zwingend ein Fahren auf Sicht vor. Wenn die Sicht durch ein anderes Fahrzeug verstellt wird, ist anzuhalten und im Schritttempo weiterzufahren. Das lernt man in jeder Fahrschule.

Der beschriebene Unfall zeigt aber auch deutlich, dassRadwege für die Radfahrer gefährlich sind. Der Unfall wäre wahrscheinlich nicht passiert, hätte die Radfahrerin die Fahrbahn – eventuell mit Radstreifen – benützt. Nicht die Radfahrer sind schuld an den vielen Unfällen auf Radwegen. Auch die Autofahrer haben es schwer. Die Verkehrsplaner verstecken Radfahrer hinter parkenden Autos. Gute Sichtbarkeit ist aber immer noch die beste Unfallverhütung.

Hat Oberst Wolfgang Lang tatsächlich gesagt, dass Radfahrer nicht schneller als 10 km/h über eine Kreuzung fahren dürfen? Dann sollte er selbst einmal die von ihm erwähnten Paragraphen der StVO lesen. Denn ein derartiges Limit existiert schlicht nicht. Nur auf ungeregelten Radüberfahrten ist die Annäherungsgeschwindigkeit mit 10 km/h limitiert. Überfahren darf man aber schneller. Die erwähnte Bestimmung ist übrigens ein einzigartiges Paradoxon: Der vorranghabende Verkehrsteilnehmer soll sein Tempo reduzieren und nicht jener Teilnehmer, der Nachrang hat!

Die Zahl der verletzten und getöteten Radfahrer ist außerdem seit Jahren rückläufig, obwohl die Zahl der gefahrenen Kilometer stark ansteigt. Der Anstieg von 2010 auf 2011 kommt nur deshalb zustande, weil 2010 extrem wenige Unfälle von Radfahrern mit Personenschaden registriert wurden.

Die wirklich gefährlichen Disziplinlosigkeiten von Radfahrern und Autofahrern bleiben hingegen weitgehend unerwähnt: Radfahren auf dem Gehsteig etwa ist nicht nur für Fußgänger, sondern auch für Radfahrer extrem gefährlich. Gefährlich sind auch die Geisterradler auf Einrichtungsradwegen. Und lange Hundeleinen haben auf Rad- und Geh-Radwegenauch nichts verloren. Ebensowenig ist das Überholen schneller Radfahrer in Tempo 30-Zonen ein Kavaliersdelikt, sondern führt immer wieder zu Unfällen. Und Gelb- und Rotlicht bei Ampeln wird auch von überraschend vielen Autofahrernignoriert.

Leider vermisse ich eine klare Linie bei der Verkehrsplanung in der Politik, wodurch vielerorts faule Kompromisse gebaut werden, mit denen dann alle unzufrieden sind. Eine solche Linie wäre: Alle Verkehrsteilnehmerhaben das Recht möglichst schnell, sicher, unbehindert und ohne Umwege von A nach B zu gelangen. Dabei haben Fußgänger Vorrang vor öffentlichem Verkehr und Radfahrern. Der Autoverkehr sollte immer die niedrigste Priorität haben.

In der Praxis wird jedoch speziell bei Ampelschaltungen der Autoverkehr extrem bevorzugt. Fußgänger und Radfahrer werden mit Druckknopfampeln, Phasen von weniger als 10 Sekunden Länge und dem berüchtigten Ampel-Hopping, bei dem man bis zu drei Phasen braucht, um von einer Straßenseite auf die andere zu gelangen, gegängelt. Wundert es einen da noch, wenn vielen Fußgängern und Radfahrern der Geduldsfaden reißt und rote Ampeln bestenfalls als Empfehlung ansehen oder Ampelkreuzungen generell vermeiden?

Mit freundlichen Grüßen

Roman Korecky

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