Freies WLAN in Wien – wer braucht so etwas?

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Gestern hat die Junge Generation Wien der SPÖ eine Petition und Kampagne gestartet, die den flächendeckenden Ausbau von kostenlosem WLAN in Wien fordert. Diese Forderung kommt um mindestens 10 Jahre zu spät und schadet mittlerweile mehr als sie nutzt. Dabei ist die JG Wien nicht einmal die erste politische Organisation, die freies WLAN in Wien fordert. Sowohl die JVP als auch die Grünen sind damit schon in den Wahlkampf 2010 gezogen.

Ich bin seit fast 20 Jahren im „Computer“-Geschäft tätig. Fast ebenso lange verfüge ich über einen Internet-Zugang. Begonnen habe ich mit einem Modem mit 14,4 kb/s, Bit nicht Byte. Ich hatte damals fallweise Telefonrechnungen in der Höhe der Miete einer Gemeindebauwohnung. Nach einem Umzug war ich Mitbegründer eines Vereins, der in meinem Wohnhaus den Bewohnern kostengünstiges und schnelles Internet zur Verfügung gestellt hat, lange bevor Internet über Telekabel, ADSL & Co flächendeckend verfügbar war. Ich nutze PDAs, SmartPhones und ähnliche Geräte seit 1997, also einer Zeit, als es diese Begriffe in den Medien noch kaum verwendet wurden.

Warum kommt die Forderung zu spät?

Mobiles Internet ist in Österreich mittlerweile billig und flächendeckend für jeden verfügbar.  Die starke Konkurrenz unter den Netzanbietern hat auch im internationalen Vergleich zu niedrigen Preisen geführt. Ein Datenvertrag mit 1 GB Volumen ist bei mehreren Anbietern bereits für 4 Euro im Monat verfügbar, dem Preis eines Hamburgers. Drei bietet sogar einen komplett kostenlosen Datenvertrag an, der 20 MB pro Tag inkludiert. Um nur 2 Euro zusätzlich kann man innerhalb einer Woche sogar 1 GB übertragen.

Gerne wird argumentiert, dass es in vielen anderen Städten kostenloses WLAN gibt. Das ist vor allem in den USA der Fall. Diese Städte haben aber teilweise schon vor 10 Jahren begonnen, diese Infrastruktur aufzubauen, zu einer Zeit, als schnelles Internet über Mobilfunknetze noch lange nicht flächendeckend verfügbar war. Kaum eine dieser Städte würde ähnliches heute noch einmal durchziehen.

Wem nützt kostenloses WLAN?

Die SPÖ will und soll sich ja vor allem für die sozial schwachen einsetzen. Doch würden diese tatsächlich von kostenlosem WLAN profitieren? Tablets, mit denen sich kostenloses WLAN gut nutzen ließe, kosten mindestens € 200. Das ist für Lehrlinge, Studenten und wenig verdienende junge Erwachsene durchaus ein größerer Batzen Geld. Viele können und wollen sich solche Geräte nicht leisten. Für die gut verdienende Mittel- und Oberschicht hingegen sind solche Geräte ein Mitnahme-Artikel. Es ist daher einleuchtend, wer kostenloses WLAN wohl stärker nutzen würde.

Um kostenloses WLAN in Wien flächendeckend anzubieten, bräuchte man rund 4 000 Hotpots. Bei angenommenen Kosten von rund 2.000 Euro pro Hotspot. Würden alleine die Investitionskosten rund mindestens 8 Millionen Euro ausmachen. Um das gleiche Geld könnte man jedem Wiener Volksschüler zum Schuleintritt einen Computer schenken. Update: Alleine das freie WLAN auf der Donauinsel hat 650.000 Euro gekostet. Die abgedeckte Fläche beträgt dabei rund 0,4 km². Hochgerechnet auf die Fläche von Wien würde ein flächendeckendes WLAN somit die astronomische Summe von 650 Millionen Euro kosten, ungefähr die dreifache Summe der für 2013 veranschlagten Wohnbauförderung.

Welche Auswirkungen hätte kostenloses WLAN?

Doch betrachten wir einmal nicht nur die Kosten. Wie würde sich ein kostenloses WLAN auf die Stadt und auf Österreich auswirken? Zweifellos wäre ein kostenloses WLAN in Wien eine große Konkurrenz für die Mobilfunkbetreiber. Diese erzielen heute einen großen Teil ihres Umsatzes mit Datenverträgen und das zu einem großen Teil in Wien. Es besteht wohl kein Zweifel, dass ein großer Teil dieses Geschäfts wegfallen würde. Da die Infrastruktur aber vorhanden ist und aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen auch erhalten werden muss, würde das zu massiven Tariferhöhungen führen. Gleichzeitig würden die Investitionen in die Verbesserung des Netzes deutlich abnehmen. Wer würde also indirekt für das freie WLAN in Wien zur Kasse gebeten werden? Die österreichische Bevölkerung außerhalb Wiens.

Aber würde freies WLAN nicht die Bürgerrechte und damit die Demokratie stärken? Mitnichten! Ein zentrales, öffentlich betriebenes WLAN erlaubt es, Bürger zu überwachen, Inhalte zu sperren oder auch im Anlassfall diesen Zugang komplett zu deaktivieren. Wenn erst einmal genügend Bürger das freie WLAN nutzen, werden die feuchten Träume der Datenschnüffler in Polizei und Justiz Realität. Aber auch Regierungen könnten einfach die Abschaltung des Zugangs verfügen. Das ist bei privat betriebenen Internet-Zugängen nicht so einfach möglich.

Dass Überwachung und die Sperre von Inhalten in Wien bereits Realität sind, zeigt das Pilotprojekt des Gratis-WLANs auf der Donauinsel. Nutzer müssen sich mit Handy-Nummer registrieren, was man so im Internet treibt wird dank Vorratsdatenspeicherung 6 Monate lang aufbewahrt und obendrauf werden auch noch nicht näher spezifizierte Inhalte einfach gesperrt. Stolz ist Wien auch auf die standortbezogenen Informationen, die darauf hindeuten, dass auch die Bewegungsdaten der Nutzer protokolliert und gespeichert werden. Die Nominierung von Vize-Bürgermeisterin Maria Vassilakou für den Big Brother-Award war somit hochverdient.

Schließt freies WLAN die digitale Lücke?

Das Internet ist heute zweifellos eine wichtige Informationsquelle. Ich teile die Meinung der Jungen Generation, dass der Zugang zum Internet ein Bürgerrecht sein sollte. Doch was sind die Gründe, dass Menschen nach wie vor das Internet nicht nutzen? Sind es tatsächlich die Zugangskosten? Ich behaupte hier: nein!

4 Euro im Monat sind selbst für Empfänger der Mindestsicherung ein überschaubarer Betrag. Doch um Zugang zum Internet zu erlangen, braucht es mehr als den reinen Zugang. Man braucht einen Computer, ein Smartphone oder Tablet und das nötige Wissen. Mindestsicherungsbezieher bekommen problemlos Zuschüsse, wenn der Fernseher oder die Waschmaschine den Geist aufgibt. Aber für einen Computer bezahlt das Sozialamt nichts. Man kann ja schließlich öffentliche Terminals z. B. in Bibliotheken nutzen. Die Barriere zur Nutzung derartiger Angebote ist aber aber unvergleichlich hoch.

Ist freies WLAN sozialdemokratisch?

Einen Dienst öffentlich zu betreiben, der von privater Seite bereits kostengünstig und zufriedenstellend angeboten wird, darf keine sozialdemokratische Forderung sein. Kommunisten würde das gut zu Gesicht stehen, weil diese ja Privateigentum grundsätzlich ablehnen, für die Verstaatlichung aller Wirtschaftsbetriebe eintreten und gegen anti-demokratische Tendenzen alles andere als immun sind. Aber sozialdemokratische, christlich-soziale und links-ökologische Bewegungen sollten solche Forderungen nicht stellen.

Vielmehr sollte die Sozialdemokratie sich dafür einsetzen, dass bestehende Barrieren zur Nutzung des Internets abgebaut werden. So sollten Zugangsgeräte für sozial bedürftige finanziert werden. Aber auch in die Bildung aller Bevölkerungsschichten sollte verstärkt investiert werden.

Ein zeitgemäßer Informatik-Unterricht ab der Sekundarstufe spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wenn Gegenstände wie Bildnerische Erziehung, Werken oder Latein in Schulen breiteren Raum einnehmen als die Kulturtechnik EDV, darf man sich nicht wundern, wenn die digitale Lücke immer weiter aufgeht.

Fazit

Ein öffentlich betriebenes, freies WLAN ist eine sinnlose Geldverbrennungsaktion, die vor allem Besserverdienern nützt und potentielle Gefahren für die Demokratie mit sich bringt.

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7 Gedanken zu „Freies WLAN in Wien – wer braucht so etwas?

  1. Lieber Roman, für meinen Geschmack widersprichst du dir recht häufig. Einerseits sagst du, dass die Forderung zu spät kommt, andererseits bemängelst du dass Tabletts zu teuer sind ( die werden noch billiger, glaub mir ) und deshalb die Forderung nur den Reichen nützt. Glaubst du nicht, dass in sagen wir mal, 10 Jahren fast jede Wienerin mobiles Internet nutzen wird ? Und um da die gleiche Qualität ( Netzdichte und Empfang) für alle fair und gleich zu gestalten wäre Free-WLan wichtig, weil sonst artet es in ein ZweiklassenLAN aus, wo nur Gutverdiener gute Verträge haben.

  2. Wir werden sehen, ob Tablets wirklich billiger werden. Bei Notebooks zeigt die Preistendenz z. B. derzeit nach oben. Aber wenn in 10 Jahren wirklich jeder Wiener und jede Wienerin mobiles Internet nutzt, was ich für gar nicht so unrealistisch halte, wozu dann das freie WLAN? Und glaubst du wirklich, dass ein öffentlich betriebenes WLAN die Qualität gerechter verteilen kann? Ich weiß ja nicht, wie alt du bist, aber ich bin noch in einer Zeit des staatlichen Postmonopols für Telefonanschlüsse aufgewachsen. Meine Eltern waren mitten in Wien so ziemlich die letzten, die in Österreich einen modernen Telefonanschluss bekommen haben. Das ist noch gar nicht so lange her. Die Qualität des staatlichen Telefonnetzes war jedenfalls deutlich schlechter und ungleicher als es heute die privaten Netze sind. Ich muss aber zugeben, dass dein Argument mit dem Zweiklassen-LAN mir nicht ganz verständlich ist.

  3. Sehe genauso wie Josef Schmid den einen oder anderen Widerspruch in deinen Ausführungen. Z.B.: Wenn das niemandem etwas bringt und die Einsparungen für den einzelnen so gering sind, warum sollten dann die Verluste für die Betreiber so hoch sein?
    Ja, vor 10 Jahren wäre das natürlich noch innovativer gewesen.
    Ändert aber nichts daran, dass es auch heute noch eine Reihe von Vorteilen bringt:

    1. Der „4-Euro-Vorteil“: Du kannst unabhängig von Mobilfunkbetreibern surfen wo und wann du willst. Die mobile Nutzung wird weiter zunehmen, damit wird auch die Relevanz dieses Angebotes weiter steigen.
    2. Im Gegensatz zu dem 4-Euro Paket bist du nicht auf z.B. 1GB/Monat beschränkt. Das entlastet natürlich auch schon bestehende Datenpakete. Ich weiß nicht wie du das machst, aber wenn ich wo bin, wo es WLAN gibt, logge ich mich immer ein.
    3. Wenn das gut gemacht ist, bietet das noch viel mehr Einsparungspotential für jede/n Einzelne/n. Du kannst zum Beispiel skypen statt Telefongebühren zu zahlen.
    4. Für TouristInnen entfallen Roaminggebühren. Jede/r der/die in den letzten Jahren mal im Ausland war, weiß wie nützlich ein Hot-Spot zum Mails checken, Infos über die Stadt einholen, und vieles mehr ist. Gerade für die Stadt mit der höchsten Lebensqualität, die auch zu den Top-Konferenzstädten der Welt gehört, wäre das ein toller Schritt in die Zukunft und ein wichtiges Aushängeschild.

    Zugang zu Information ist ein Menschenrecht und im 21. Jahrhundert bedeutet das Zugang zum Internet. Es muss meiner Meinung nach also mittelfristig zu einem Teil der Daseinsvorsorge werden und die habe ich schon gerne in öffentlicher Hand. In allen anderen Bereichen der Daseinsvorsorge kämpft die Sozialdemokratie gegen Privatisierung. Soll es beim Internet jetzt auf einmal gut sein, nur weils immer schon so war? Mit flächendeckendem Wien-LAN kannst du eine Grundversorgung herstellen und damit als öffentliche Hand das erste Mal bei Zugangsfragen mitspielen. Kommunistisch ist das deswegen noch lange nicht.
    Bei den Kosten schießt du wohl weit über das Ziel hinaus. Das kannst nicht einfach mit den Kosten für ein Pilotprojekt multiplizieren.
    Einig sind wir uns beim Abbau von Barrieren und beim Empowerment. Alle Menschen müssen fähig sein, das Internet selbständig und vor allem kritisch zu nutzen. Wenn wir uns einig sind, dass das Internet aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist, dürfen wir es nicht von unseren Schulen fernhalten. Unsere Schülerinnen und Schüler sollten darüber Bescheid wissen, wo sie wissenschaftliche Quellen finden können, genauso wie sie darüber Bescheid wissen sollten, dass Facebook auch negative Seiten haben kann. Ich gehe da noch ein bisschen weiter als du: Medienkompetenz muss meiner Meinung nach zum Teil jedes Lehrplans werden und in den täglichen Unterricht fächerübergreifend einfließen.
    Dein Vorschlag mit der Finanzierung von Zugangsgeräten für sozial Schwächere gefällt mir sehr gut. Das ist natürlich das nächste Thema.

  4. Die öffentliche Hand soll also Leistungen, die alle Bürger benötigen, finanzieren und gratis zur Verfügung stellen, unabhängig davon, wie intensiv der einzelne das auch nutzt. Ich will in Zukunft bitte auch kostenlosen Strom, kostenloses Wasser, kostenloses Gas. Und bitte auch jeden Tag einen gratis Laib Brot. Und weil die wichtige Telekom-Infrastruktur zur Daseinsvorsorge gehört, verstaatlichen wir sie. Und das soll nicht kommunistisch sein?

    Letztlich gibt es zwei Szenarien, die eintreten können, wenn eure Forderung realisiert wird:

    Szenario 1: Die bestehenden Provider arbeiten wie gehabt weiter, müssen aber ihre Tarife erhöhen. Und ja, das wird passieren. Vergleiche einmal mobile Datentarife in den USA, wo es häufig kostenloses WLAN gibt, mit denen in Österreich. Du schaffst damit eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, was du definitiv nicht willst. Die einen können sich nur das Gratis-WLAN leisten, haben geringe Bandbreite uns sind anderen Einschränkungen unterworfen. Und die anderen können sich die hohen Mobiltarife leisten, haben mehr Bandbreite und kein Einschränkungen. Das kann ich als Sozialdemokrat keinesfalls unterstützen. Noch mehr: Dagegen MUSS ich aktiv auftreten.

    Szenario 2: Die bestehenden Provider reduzieren ihr Angebot in Wien, der Netzausbau wird gestoppt. Wien wird technologisch zurückfallen.

    In vielen amerikanischen Städten, die kostenloses WLAN ausgebaut haben, sind übrigens beide Szenarien in Teilen wahr geworden.

    Jetzt wirst du vermutlich einwenden, dass beim Szenario 2 halt die öffentliche Hand entsprechend Geld in die Hand nehmen muss, um technisch die Oberhand zu behalten. Wenn du das forderst, kannst du die von mir oben umrissenen Kosten gleich noch ein paar mal multiplizieren. Bandbreite ist einer der größten Kostenfaktoren in der EDV. Eine Erläuterung dieses Arguments würden den Rahmen hier bei weitem sprengen, aber wenn du dich in das Thema einlesen möchtest, empfehle ich dir einmal zu vergleichen, wie viel die Übertragung von 1 TB Daten im Internet im Vergleich zur Speicherung von 1 TB kostet.

    Womit wir auch schon bei den Kosten wären. Ja, ich habe mit meiner Hochrechnung der Pilotprojektkosten vielleicht übertrieben. Die wahren Kosten würden wohl irgendwo zwischen den 8 Millionen und den 600 Millionen liegen. Ich habe aber die laufenden Kosten noch gar nicht berücksichtigt. Für ein flächendeckendes WLAN in Wien musst du mit einem Datenvolumen von mindestens 6000 TB im Monat rechnen. Die laufenden Kosten würden damit über 6 Millionen Euro im Jahr betragen. Mein Hauptargument bleibt aber stehen: Pro Jahr gibt es in Wien 16 000 Schulanfänger. Für die Kosten eines freien WLANs in Wien kannst du jedem Erstklässler einen Tablet-Computer zur Verfügung stellen und es bliebe immer noch genügend Geld übrig, um in die WLAN-Infrastruktur in den Schulen zu finanzieren und noch dutzende zusätzliche Informatik-Lehrer anzustellen.

    Warum bist du eigentlich nicht auf mein Überwachungsargument eingegangen? Wie stehst du eigentlich zur Vorratsdatenspeicherung, zum Thema Netzneutralität, zum Urheberrecht? Das sind Themen, die für österreichische Internet-Nutzer wesentlich größere Relevanz haben.

  5. Man kann alles ins Lächerliche ziehen… Der flächendeckende Ausbau ist klarerweise eine Zukunftsvision, die nicht von heute auf morgen, sondern nur Schritt für Schritt erreicht werden kann. Klar muss man sich auch anschauen, wie sich die Technik weiterentwickelt, wie viele das Angebot nutzen und auch was die Auswirkungen auf Provider und andere Player sind und das Ziel dann auch neu bewerten.
    Deine Horrorszenarien teile ich aber nicht und ich glaube auch nicht an die Allgemeingültigkeit der These, dass der Markt sich schon selbst reguliert und der Zugang für alle besser gewährleistet ist, wenn der Staat nicht mitspielt. Es gibt einige Bereiche, wo sich die Sozialdemokratie noch nie darauf verlassen hat. Und ich meine, dass auch das Menschenrecht auf Information, heutzutage Zugang zum Internet, dazugehören sollte.
    Vorerst geht es uns aber eben um den weiteren Ausbau von Hot-Spots, deswegen rufen wir ja auch dazu auf konkrete Vorschläge zu machen.
    Die Tablets halte ich für eine gute Idee, ist auch eine unserer Forderungen und wird ja testweise bereits gemacht. Ist für mich aber kein entweder – oder.

    Auf das Überwachungsargument bin ich nicht eingegangen, weil es eigentlich ein anderes Thema ist. Aber bitte, hier meine Meinung dazu und den anderen von dir angesprochenen Bereichen:
    Urheberrecht:
    Klar ist, dass das Recht auf Privatkopie irgendwie abgegolten werden muss. Ein Vergütungsmodell darf aber zu keiner unverhältnismäßigen Belastung der UserInnen führen. Klar abzulehnen sind Modelle, die nur auf das Einheben von möglichst viel Geld für die Verwertungsindustrie abzielen. Siehe: http://derstandard.at/1353208691607/Legales-und-illegales-Rauf–und-Runterladen
    Pauschalvergütungsmodelle sind unter Gewährleistung der Transparenz bei der Einhebung durch Verwertungsgesellschaften und einer gerechten Verteilung der Vergütungen überlegenswert. Ein neues Urheberrecht muss im Sinne der Leistungsgerechtigkeit die unmittelbar schöpferisch tätigen UrheberInnen in den Mittelpunkt rücken und deren Verhandlungsposition gegenüber der Verwertungsindustrie stärken. Gleichzeitig muss es zu einer umfassenden Ausweitung des Rechts auf Privatkopie kommen.
    Netzneutralität ist ganz wichtig um Chancengleichheit und Innovation sicherzustellen. Eine ganz schwierige Diskussion ist allerdings die Frage nach dem Sperren von Seiten, die dem eigentlich widerspricht. Stichwort Verbotsgesetz. Wie siehst du das?
    Die VDS ist ein unverhältnismäßiger Eingriff des Staates. Sie widerspricht dem Grundwert der Freiheit, höhlt unsere Grundrechte aus, weil alle Menschen unter Generalverdacht gestellt werden und erfüllt obendrein ihren angeblichen Zweck, nämlich eine Erhöhung der Aufklärungsquote nicht. Also klar Ablehnung. Überhaupt, müssen den UserInnen wieder mehr Kontrolle über ihre Daten gegeben werden.
    Im Übrigen halte ich eine Registrierung beim öffentlichen WLAN für nicht notwendig. Kenne Beispiele wo das auch so funktioniert.

  6. Marktkräfte:

    Ja, es gibt Märkte, die nicht gut funktionieren. Aber es gibt ebenso viele Märkte, wo die Markkräfte zugunsten aller Marktteilnehmer funktionieren. Ich teile das grundsätzliche Misstrauen vieler Sozialisten gegen „die Märkte“ nicht. Es gibt drei Bedingungen, unter denen ein Markt gut funktioniert, zu günstigen Preisen führt und innovativ ist.

    1.) Der letztendliche Nutznießer der Leistung kann den Lieferanten frei wählen. Dies ist beim Internet-Zugang weitgehend der Fall (könnte besser sein), bei Leistungen wie Wasser oder Müllabfuhr ist es nicht der Fall. Deshalb kann man Telekom-Leistungen mit diesen Leistungen der Daseinsvorsorge nicht vergleichen.

    2.) Der Lieferant unterliegt einem gewissen Druck, seine Leistungen auch verkaufen zu müssen, weil er sonst nur hohe Kosten hat. Das ist beim Telekom-Markt der Fall, in anderen Märkten wie dem Wohnungsmarkt ist das nur bedingt der Fall.

    3.) Es gibt genügend Lieferanten und eine gesunde Konkurrenzsituation ohne Preisabsprachen. Dies war in den letzten 15 Jahren im Telekom-Markt der Fall. Im Moment entwickelt sich dieser Markt aber leider zum Oligopol, was sich in massiv steigenden Preisen auswirkt. Dafür trägt die SPÖ leider eine erhebliche Verantwortung. Das Rezept dagegen kann aber nicht Verstaatlichung lauten, sondern muss Wiederherstellung der Konkurrenz sein.

    Ich habe aus gutem Grund ein massives Misstrauen gegen staatliche Telekom-Infrastrukturen. Diese haben in der Geschichte noch nie über längere Zeiträume gut funktioniert.

    Ich hätte mit eurer Kampagne kein so großes Problem, wenn in der Petition nicht das Wort „flächendeckend“ enthalten wäre. Ich glaube, wir könnten in Wien in Zusammenarbeit mit Freewave an einzelnen stark frequentierten Punkten freies WLAN errichten, ohne viel Steuergeld in die Hand nehmen zu müssen. Warum nicht auch öffentliche Verkehrsmittel und U-Bahn-Stationen damit ausstatten? Ja, das hätte einen gewissen Charme. Wenn du aber z. B. Wien mit deutschen Städten vergleichst, finden Touristen jetzt schon hier das Paradies vor. Die meisten Hotels haben freies WLAN, in vielen Cafés und Restaurants gibt es freies WLAN und in kaum einem anderen Land ist es so leicht, eine SIM-Karte für mobiles Internet günstig zu erwerben.

    Wenn du gegen eine Registrierungspflicht für öffentliche WLANs bist, warum setzt sich die JG dann nicht massiv gegen diese Pflicht im Donauinsel WLAN ein? Aber selbst ohne Registrierungspflicht kannst du ganz einfach überwacht werden. Ich erkläre dir gerne einmal die technischen Details, weil sie hier jeglichen Rahmen sprengen würden. Und genau deshalb habe ich mit von öffentlicher Hand betriebenen Netzwerken so ein großes Problem.

  7. auf die marktanalyse gehe ich jetzt nicht ein, das sprengt wirklich den rahmen, aber es wird dich nicht überraschen, dass ich deine ausführungen dazu zumindest unvollständig finde.
    öffis und u-bahn-stationen fordern wir genauso wie öffentliche gebäude. wennst dann noch hotspots(auch dezentral) machst, bist eh schon fast bei flächendeckend. das weiterzuführen böte sich an, ist aber wie gesagt zukunftsmusik, die je nach nutzungsintensität und anderen kriterien neu bewertet werden muss. in der forderung steht ja auch „möglichst flächendeckend“.
    kein sorge, gegen registrierungspflicht setzen wir uns schon ein, für eine kampagne gibt das aber wirklich nicht genug her.
    das angebot über die technischen details und die gründe für das grundsätzliche misstrauen gegen staatliche telekom-infrastrukturen zu reden, nehme ich gerne an. dann können wir gleich auch die netzneutralität besprechen. ich ruf dich an.

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