Frank Stronach und die Wirtschaftskompetenz

Frank Stronach wirbt ja immer so gerne damit, dass er der einzige wäre, der was von Wirtschaft versteht. Dass er den Weltkonzern Magna aufgebaut hat, ist unbestritten. Ob dabei wirklich seine Management-Qualitäten entscheidend waren, oder vielmehr Glück, Beziehungen und ein gerüttelt Maß Korruption Beziehungen, ist zumindest umstritten. Doch nehmen wir einmal an, Frank Stronach verfügt tatsächlich über die genialen Management-Kompetenzen. Warum wendet er diese dann nicht in seinen politischen Forderungen an?

Welches Unternehmen tauscht alle 5 Jahren die Hälfte seiner Belegschaft oder zumindest das mittlere und höhere Management aus? Magna? Ich kenne keines. Was soll also die Forderung, dass Politiker maximal zwei Legislaturperioden im Parlament sitzen sollen? Das würde nämlich genau das bedeuten: Alle 5 Jahre muss mindestens die Hälfte der Politiker dort den Hut nehmen. Und mindestens die Hälfte der Abgeordneten muss sich völlig neu in ihre Materien einarbeiten. Die politische Lähmung wird dadurch sicher nicht bekämpft.

Kommen wir zu einer anderen Lieblingsforderung von Onkel Frank. Eltern sollen die Schuldirektoren wählen. Klingt auf den ersten Blick bestechend. Eltern ist das Wohl ihrer Kinder sehr wichtig. Sie wissen daher wohl am besten, wer der beste Schuldirektor wäre. Abgesehen davon, dass Eltern oft sehr unterschiedliche Auffassungen von Pädagogik haben (als Elternvereinsfunktionär – igitt ein Funktionär! – kann ich ein Lied davon singen), bei welchem Unternehmen wählen die Kunden noch einmal den Firmenchef? Zuletzt war das theoretisch beim Konsum vorgesehen.

Aber auch hier gibt es das Problem der Einarbeitungszeit. In Volksschulen werden jedes Jahr ein Viertel der Schüler ausgetauscht und damit auch die Eltern. Im Sinne der Demokratie müsste also die Schuldirektion zumindest alle 2 Jahre neu gewählt werden. Da kann eine Schule sicher sehr gut ein eigenes, kontinuierliches Profil entwickeln.

Wirtschaftskompetenz sieht jedenfalls anders aus als die Politik des Team Stronach.

Freies WLAN in Wien – wer braucht so etwas?

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Gestern hat die Junge Generation Wien der SPÖ eine Petition und Kampagne gestartet, die den flächendeckenden Ausbau von kostenlosem WLAN in Wien fordert. Diese Forderung kommt um mindestens 10 Jahre zu spät und schadet mittlerweile mehr als sie nutzt. Dabei ist die JG Wien nicht einmal die erste politische Organisation, die freies WLAN in Wien fordert. Sowohl die JVP als auch die Grünen sind damit schon in den Wahlkampf 2010 gezogen.

Ich bin seit fast 20 Jahren im „Computer“-Geschäft tätig. Fast ebenso lange verfüge ich über einen Internet-Zugang. Begonnen habe ich mit einem Modem mit 14,4 kb/s, Bit nicht Byte. Ich hatte damals fallweise Telefonrechnungen in der Höhe der Miete einer Gemeindebauwohnung. Nach einem Umzug war ich Mitbegründer eines Vereins, der in meinem Wohnhaus den Bewohnern kostengünstiges und schnelles Internet zur Verfügung gestellt hat, lange bevor Internet über Telekabel, ADSL & Co flächendeckend verfügbar war. Ich nutze PDAs, SmartPhones und ähnliche Geräte seit 1997, also einer Zeit, als es diese Begriffe in den Medien noch kaum verwendet wurden.

Warum kommt die Forderung zu spät?

Mobiles Internet ist in Österreich mittlerweile billig und flächendeckend für jeden verfügbar.  Die starke Konkurrenz unter den Netzanbietern hat auch im internationalen Vergleich zu niedrigen Preisen geführt. Ein Datenvertrag mit 1 GB Volumen ist bei mehreren Anbietern bereits für 4 Euro im Monat verfügbar, dem Preis eines Hamburgers. Drei bietet sogar einen komplett kostenlosen Datenvertrag an, der 20 MB pro Tag inkludiert. Um nur 2 Euro zusätzlich kann man innerhalb einer Woche sogar 1 GB übertragen.

Gerne wird argumentiert, dass es in vielen anderen Städten kostenloses WLAN gibt. Das ist vor allem in den USA der Fall. Diese Städte haben aber teilweise schon vor 10 Jahren begonnen, diese Infrastruktur aufzubauen, zu einer Zeit, als schnelles Internet über Mobilfunknetze noch lange nicht flächendeckend verfügbar war. Kaum eine dieser Städte würde ähnliches heute noch einmal durchziehen.

Wem nützt kostenloses WLAN?

Die SPÖ will und soll sich ja vor allem für die sozial schwachen einsetzen. Doch würden diese tatsächlich von kostenlosem WLAN profitieren? Tablets, mit denen sich kostenloses WLAN gut nutzen ließe, kosten mindestens € 200. Das ist für Lehrlinge, Studenten und wenig verdienende junge Erwachsene durchaus ein größerer Batzen Geld. Viele können und wollen sich solche Geräte nicht leisten. Für die gut verdienende Mittel- und Oberschicht hingegen sind solche Geräte ein Mitnahme-Artikel. Es ist daher einleuchtend, wer kostenloses WLAN wohl stärker nutzen würde.

Um kostenloses WLAN in Wien flächendeckend anzubieten, bräuchte man rund 4 000 Hotpots. Bei angenommenen Kosten von rund 2.000 Euro pro Hotspot. Würden alleine die Investitionskosten rund mindestens 8 Millionen Euro ausmachen. Um das gleiche Geld könnte man jedem Wiener Volksschüler zum Schuleintritt einen Computer schenken. Update: Alleine das freie WLAN auf der Donauinsel hat 650.000 Euro gekostet. Die abgedeckte Fläche beträgt dabei rund 0,4 km². Hochgerechnet auf die Fläche von Wien würde ein flächendeckendes WLAN somit die astronomische Summe von 650 Millionen Euro kosten, ungefähr die dreifache Summe der für 2013 veranschlagten Wohnbauförderung.

Welche Auswirkungen hätte kostenloses WLAN?

Doch betrachten wir einmal nicht nur die Kosten. Wie würde sich ein kostenloses WLAN auf die Stadt und auf Österreich auswirken? Zweifellos wäre ein kostenloses WLAN in Wien eine große Konkurrenz für die Mobilfunkbetreiber. Diese erzielen heute einen großen Teil ihres Umsatzes mit Datenverträgen und das zu einem großen Teil in Wien. Es besteht wohl kein Zweifel, dass ein großer Teil dieses Geschäfts wegfallen würde. Da die Infrastruktur aber vorhanden ist und aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen auch erhalten werden muss, würde das zu massiven Tariferhöhungen führen. Gleichzeitig würden die Investitionen in die Verbesserung des Netzes deutlich abnehmen. Wer würde also indirekt für das freie WLAN in Wien zur Kasse gebeten werden? Die österreichische Bevölkerung außerhalb Wiens.

Aber würde freies WLAN nicht die Bürgerrechte und damit die Demokratie stärken? Mitnichten! Ein zentrales, öffentlich betriebenes WLAN erlaubt es, Bürger zu überwachen, Inhalte zu sperren oder auch im Anlassfall diesen Zugang komplett zu deaktivieren. Wenn erst einmal genügend Bürger das freie WLAN nutzen, werden die feuchten Träume der Datenschnüffler in Polizei und Justiz Realität. Aber auch Regierungen könnten einfach die Abschaltung des Zugangs verfügen. Das ist bei privat betriebenen Internet-Zugängen nicht so einfach möglich.

Dass Überwachung und die Sperre von Inhalten in Wien bereits Realität sind, zeigt das Pilotprojekt des Gratis-WLANs auf der Donauinsel. Nutzer müssen sich mit Handy-Nummer registrieren, was man so im Internet treibt wird dank Vorratsdatenspeicherung 6 Monate lang aufbewahrt und obendrauf werden auch noch nicht näher spezifizierte Inhalte einfach gesperrt. Stolz ist Wien auch auf die standortbezogenen Informationen, die darauf hindeuten, dass auch die Bewegungsdaten der Nutzer protokolliert und gespeichert werden. Die Nominierung von Vize-Bürgermeisterin Maria Vassilakou für den Big Brother-Award war somit hochverdient.

Schließt freies WLAN die digitale Lücke?

Das Internet ist heute zweifellos eine wichtige Informationsquelle. Ich teile die Meinung der Jungen Generation, dass der Zugang zum Internet ein Bürgerrecht sein sollte. Doch was sind die Gründe, dass Menschen nach wie vor das Internet nicht nutzen? Sind es tatsächlich die Zugangskosten? Ich behaupte hier: nein!

4 Euro im Monat sind selbst für Empfänger der Mindestsicherung ein überschaubarer Betrag. Doch um Zugang zum Internet zu erlangen, braucht es mehr als den reinen Zugang. Man braucht einen Computer, ein Smartphone oder Tablet und das nötige Wissen. Mindestsicherungsbezieher bekommen problemlos Zuschüsse, wenn der Fernseher oder die Waschmaschine den Geist aufgibt. Aber für einen Computer bezahlt das Sozialamt nichts. Man kann ja schließlich öffentliche Terminals z. B. in Bibliotheken nutzen. Die Barriere zur Nutzung derartiger Angebote ist aber aber unvergleichlich hoch.

Ist freies WLAN sozialdemokratisch?

Einen Dienst öffentlich zu betreiben, der von privater Seite bereits kostengünstig und zufriedenstellend angeboten wird, darf keine sozialdemokratische Forderung sein. Kommunisten würde das gut zu Gesicht stehen, weil diese ja Privateigentum grundsätzlich ablehnen, für die Verstaatlichung aller Wirtschaftsbetriebe eintreten und gegen anti-demokratische Tendenzen alles andere als immun sind. Aber sozialdemokratische, christlich-soziale und links-ökologische Bewegungen sollten solche Forderungen nicht stellen.

Vielmehr sollte die Sozialdemokratie sich dafür einsetzen, dass bestehende Barrieren zur Nutzung des Internets abgebaut werden. So sollten Zugangsgeräte für sozial bedürftige finanziert werden. Aber auch in die Bildung aller Bevölkerungsschichten sollte verstärkt investiert werden.

Ein zeitgemäßer Informatik-Unterricht ab der Sekundarstufe spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wenn Gegenstände wie Bildnerische Erziehung, Werken oder Latein in Schulen breiteren Raum einnehmen als die Kulturtechnik EDV, darf man sich nicht wundern, wenn die digitale Lücke immer weiter aufgeht.

Fazit

Ein öffentlich betriebenes, freies WLAN ist eine sinnlose Geldverbrennungsaktion, die vor allem Besserverdienern nützt und potentielle Gefahren für die Demokratie mit sich bringt.

Stellenangebot für den Verkaufsprofi Josef Cap

Josef Cap ist ein echter Verkaufsprofi. Wer das nicht glaubt, sollte sich seinen jüngsten Auftritt in der ZiB 2 ansehen.

Der Auftritt hat mich so beeindruckt, dass ich gestern beschlossen habe, Josef Cap eine Stelle anzubieten. Deshalb habe ich ihm folgende E-Mail geschickt:

Sehr geehrter Herr Abgeordneter zum Nationalrat Dr. Cap,

mit großer Begeisterung habe ich Ihr Streitgespräch mit Frau Dr. Eva Glawischnig-Piesczek am 11. September in der Fernsehsendung ZiB 2 gesehen. Wie Sie es geschafft haben, Ihre an sich „unsinnige“ Position (Zitat Mag. Barbara Prammer) so überzeugend darzustellen, als ob Sie selbst davon ernsthaft überzeugt wären, hat mich tief beeindruckt.

Ihrer Biographie entnehme ich, dass sie im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum als Abgeordneter zum Nationalrat feiern. Es ist in der heutigen Zeit sehr ungewöhnlich, das Arbeitnehmer mehr als 30 Jahre die gleiche Tätigkeit in der gleichen Organisation ausüben. Deshalb frage ich mich, ob Sie vielleicht neue Herausforderungen suchen.

Ich bin Mitarbeiter einer kleinen, aber feinen EDV-Beratungsfirma, die sich immerhin auch schon über 15 Jahre am Markt behauptet. Wir sind immer auf der Suche nach echten Verkaufsprofis. Wir glauben, in Ihnen den richtigen Mann gefunden zu haben. Wir verkaufen keine Produkte, sondern Dienstleistungen. Da ja auch Politik kein Produkt, sondern eine Dienstleistung ist, können Sie ihre mehr als 30 Jahre Erfahrung sicher gut bei uns einbringen.

Wie in Ihrer bisherigen Tätigkeit bieten auch wir Ihnen freie Zeiteinteilung. Für Sie gewöhnungsbedürftig dürfte die Arbeit in einem kleinen Team werden. Außerdem hoffe ich, dass Sie mit leistungsorientierter Bezahlung einverstanden sind, was sicher einige Umgewöhnung für Sie bedeutet.

Natürlich wäre eine Tätigkeit für unsere Firma mit Ihrer Tätigkeit als Mandatar unvereinbar. Angesichts der bevorstehenden Wahlen ergibt sich aber eine gute Gelegenheit für Sie, über Ihre persönliche Zukunft nachzudenken und neue Herausforderungen wahrzunehmen.

Da Ihre Biographie uns gut bekannt ist, können wir auf ausführliche Bewerbungsunterlagen verzichten. Sollten Sie an unserem Angebot interessiert sein, antworten Sie mir einfach formlos. Ich arrangiere dann gerne ein persönliches Gespräch mit unserem Geschäftsführer.

Mit freundlichen Grüßen

Roman Korecky
Senior Consultant

Parkpickerl-Volksbefragung: Ein demokratiepolitisches Desaster für alle Parteien

Die Wiener ÖVP hat also von 150.000 Bürgern Unterschriften gesammelt, die eine Volksbefragung über die Ausdehnung der Parkraumbewirtschaftung fordern. Aber die rot-grüne Stadtregierung will darüber nicht abstimmen lassen, zumindest nicht vor der Ausdehnung.

Argumentiert wird, dass eine Volksabstimmung zu Gebühren verfassungswidrig ist. Christoph Chorherr schreibt in seinem Blog:

Gebühren, und Volksbefragungen darüber verbietet die Stadtverfassung. Das halte ich auch für klug. Sonst sehen die Wiener Stadtfinanzen bald aus wie jene im reichen Kalifornien, wo der Staat pleite ist.

Sieht diese Stadtregierung nicht, dass sie mit einer solchen Argumentation nur den Kritikern recht gibt, die die Parkraumbewirtschaftung für reine Abzocke halten? Wenn man Christoph Chorherr, aber auch Michael Häupl und Maria Vassilakou beim Wort nimmt, geht es bei der Ausdehnung der Gebührenparkzonen also primär um Einnahmen für das Wiener Budget.

Dazu passt auch, dass, wer es sich leisten kann, auch weiterhin mit dem Auto in die Stadt fahren und dort stundenlang parken wird. Kurzparkzonen gibt es in Wien nämlich schon lange nicht mehr. Vielmehr haben wir flächendeckende Gebührenparkzonen.

Angesichts solcher Argumentationslinien wundert es mich nicht, dass die Anrainer aber auch alle anderen Autofahrer gegen das Parkpickerl auf die Barrikaden steigen.

Dabei gäbe es viele bessere Gründe, warum die Volksbefragung über die Parkraumbewirtschaftung eine schlechte Idee ist.

Wer soll überhaupt befragt werden?

Die ÖVP hat wahllos 150.000 Unterschriften für die Volksbefragung gesammelt. Doch wo soll die Volksbefragung überhaupt stattfinden? In ganz Wien? Dann kann man das Ergebnis schon jetzt vorhersagen. Die Mehrheit der Wiener wohnt außerhalb der bewirtschafteten Zonen. Wer ein Auto hat, ist sicher gegen die Ausdehnung der Gebührenparkzonen. Und wer kein Auto hat, dem ist die Sache egal und nimmt wahrscheinlich gar nicht an der Befragung teil. Somit würde eine Mehrheit über eine Minderheit zu deren Lasten bestimmen. Denn die Mehrheit muss das hohe Verkehrsaufkommen durch den Parkplatzsuchverkehr der Pendler nicht ertragen. Und die Mehrheit hat auch keine so großen Probleme, einen Parkplatz für das Vehikel zu finden.

Redlich wäre die Befragung, wenn in jedem Bezirk getrennt befragt wird und das Ergebnis dann auch nur für den jeweiligen Bezirk binden ist.

Können überhaupt alle Betroffenen befragt werden?

In vielen der betroffenen Gegenden wohnt ein großer Anteil an Menschen ohne österreichische oder EU-Staatsbürgerschaft. Auch diese Menschen sind von Parkplatzproblemen und dem hohen Verkehr betroffen, vielleicht sogar am stärksten, denn sie wohnen oft in billigen Wohnungen an verkehrsreichen Straßen. Diese Menschen würden gar nicht befragt werden.

Dazu kommen die Kinder. Die ÖVP gibt sich ja gerne als familienfreundliche Partei. Es sind aber die Kinder, die unter der Luftverschmutzung am stärksten leiden. Auch sie haben keine Stimme.

Und was machen wir mit dem Ergebnis?

Angenommen die Befragung ergibt ein Nein zur Ausdehnung der Gebührenzonen. Was sagt uns das? Eine Mehrheit hat dafür gestimmt, dass sie einer Minderheit weiterhin die Lebensqualität vermindern kann. Nach dem Motto: Ich stinke dir mit meinem Diesel weiterhin die Wohnung voll und du kannst nichts dagegen machen.

Worüber stimmen wir dann als nächstes ab? Über den Ausbau des Kanalnetzes? Für mich wäre es billiger, wenn ich eine Senkgrube hätte und diese wöchentlich entleeren ließe. Die Scheiße kann ja dann im Kanalnetz des 15. Bezirks heruntergelassen werden. Das würde die Kapazität des dortigen Kanalnetzes sprengen? Mir doch egal, wenn es dort zum Himmel stinkt.

So kann Politik nicht funktionieren. Politik muss das Gemeinsame und nicht das Trennende fördern. Und Abstimmungen fördern leider allzu oft das Trennende.

Wie geht es weiter?

Es ist kein Geheimnis, das ich persönlich für eine ordentliche Parkraumbewirtschaftung bin. Die private Nutzung öffentlichen Raums auf Dauer kann nicht gratis sein. Und der Autoverkehr ist der Tod jeder urbanen Struktur und fördert Stadtflucht und Ghetto-Bildung.

Leider schaffen es ÖVP und FPÖ dem Thema erfolgreich die Abzocke-Schleife umzuhängen. Und sie haben leider auch nicht ganz unrecht damit. Ja, das Parkpickerl reduziert erfolgreich das Verkehrsaufkommen. Aber nein, das Parkpickerl sorgt nicht für mehr Parkplätze für Anrainer. Warum wohl wurden jetzt im 6. Bezirk dezidierte Anrainerparkplätze eingeführt? Und nein, das Parkpickerl ist in der derzeitigen Form sozial ungerecht. Enttäuschend, dass ausgerechnet eine rot-grüne Regierung diese soziale Ungerechtigkeit nicht bekämpft.

Um wirklich mehr Parkplätze für Anrainer zu schaffen und gleichzeitig für soziale Gerechtigkeit zu sorgen, bräuchte nur eine Kleinigkeit durchgesetzt werden: Parkuhrenpflicht für Parkscheinverweigerer.

Ja, die Einführung des Parkpickerls sollte verschoben werden. Nein, 150.000 Unterschriften können nicht ignoriert werden. Ja, es muss eine Volksbefragung vor der Ausdehnung geben.

Aber: Wenn schon eine Volksbefragung stattfindet, dann sollte über die flächendeckenden Kurzparkzonen in ganz Wien abgestimmt werden. Hier mein Vorschlag für die Fragestellung:

Die Parkraumbewirtschaftung in Form flächendeckender Kurzparkzonen hat zu einer Reduzierung des privaten Autoverkehrs in den bewirtschafteten Gebieten geführt. Gleichzeitig finden Anrainer leichter freie Parkplätze. Sind Sie dafür, dass das Modell flächendeckender Kurzparkzonen erhalten und weiter ausgeweitet werden soll?

Na, wie klingt das?

Parkpickerl: Weniger Verkehr und trotzdem nicht mehr Parkplätze

Es ist unglaublich: Europa wird von einer der schwersten Krisen erfasst, aber die größte Sorge der Wiener scheint die geplante Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung (vulgo „Parkpickerl“) zu sein. Also muss ich wohl auch dazu schreiben. Vor allem, weil ich damit ganz eigene Erfahrungen gemacht habe.

Prolog

Das Auto ist ein Verkehrsmittel, das definitiv nicht für dicht verbaute Städte wie Wien gemacht wurde. Es erzeugt Schmutz (Feinstaub!) und Lärm und braucht Platz. Es ist der Autoverkehr, der viele Wiener vom eigenen Haus im Grünen träumen lässt. Wer es sich leisten kann, realisiert diesen Traum. Denn lebenswerter Wohnraum ist in Wien teuer. Und wenn wir es nicht schaffen, den Autoverkehr auf ein erträgliches Maß zu beschränken, wird dieser lebenswerte Wohnraum immer knapper und teurer werden.

Doch auch direkt führt der Autoverkehr zu hohen Wohnkosten. Die immer größer werdenden Verkehrs- und Parkplatzflächen schränken den bebaubaren Grund ein, was die Grundstückspreise zusätzlich in die Höhe treibt. 20 % der Baukosten entfallen bei Neubauten auf die Schaffung von Parkplätzen und Garagen. Das bezahlen auch jene, die auf ein Auto verzichten.

Städte sind entstanden, um Menschen ein reichhaltiges Angebot an Arbeitsplätzen, Waren und Dienstleistungen bei gleichzeitig kurzen Wegen zu ermöglichen. Und Wien ist (noch) eine Stadt der kurzen Wege. In einer Stunde kann man zu Fuß die erweiterte Innenstadt durchqueren. Wien hat ein dichtes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln, das teilweise rund um die Uhr verkehrt.

Die Stadt komplett für Autos zu sperren, ist aber auch keine Lösung. Eine lebendige Wirtschaft braucht Lkw-Verkehr. Und es gibt durchaus Situationen, in denen auch für private das Auto das sinnvollste Verkehrsmittel ist. Aber es gibt leider zu viele unsinnige Fahrten. Und genau die wollen wir reduzieren und auf ein Minimum beschränken.

Reduziert das Parkpickerl den Verkehr?

Selbstverständlich. Alle Studien belegen das. Ich möchte die hier gar nicht zitieren. Vielmehr möchte ich einen kleinen Test mit Ihnen machen.

Sie möchten in der Stadt ein bestimmtes Ziel erreichen. Sie fahren alleine und haben keine größeren Dinge zu transportieren. Sie könnten den öffentlichen Verkehr benutzen. Das würde 4 Euro kosten. Die Fahrzeit beträgt 40 Minuten in eine Richtung, also insgesamt 1:20 Stunde. Oder sie nehmen ihr Auto. Die Fahrzeit beträgt 30 Minuten in eine Richtung, also insgesamt 1 Stunde. Sie halten sich am Zielort 4 Stunden auf. Das Parken wird sie mindestens 8 Euro kosten. Einen freien Parkplatz müssen Sie aber auch erst finden. Wofür entscheiden Sie sich?

Alle in meinem Freundes- und Bekanntenkreis entschieden sich in diesem Szenario für die Öffis. Braucht es noch einen schlagenderen Beweis, dass Parkraumbewirtschaftung den Autoverkehr reduziert?

Wer es immer noch nicht glaubt, der betrachte das einmal aus Sicht eines Pendlers. Wir erhöhen die Fahrzeit mit dem Auto auf 1 Stunde in eine Richtung, 2 Stunden insgesamt. Und wir erhöhen die Fahrzeit mit den Öffis auf 1,5 Stunden in eine Richtung, also 3 Stunden insgesamt. Die Kosten für die Öffis betragen 1.307 Euro im Jahr. Die Kosten für das Parken mit dem Auto betragen 3.520 Euro pro Jahr. Dazu kommen aber noch Treibstoff und sonstige Nebenkosten.

Wofür entscheiden Sie sich jetzt? Mindestens 184 Euro mehr am Konto jeden Monat sind doch ein starkes Argument, das Auto stehen zu lassen, oder?

Findet man in Parkpickerl-Gebieten leichter einen Parkplatz?

Nein, in den meisten Fällen nicht. Und das hat zweieinhalb Gründe.

Kurzfristig kann sich die Parkplatzsituation in parkraumbewirtschafteten Gebieten verbessern. Aber: Sobald freie Parkplätze vorhanden sind, kaufen Anrainer mit etwas Verzögerung auch wieder mehr Autos. Familien, die vorher kein Auto hatten, haben plötzlich eines. Und so mancher schafft sich plötzlich den Zweitwagen an, den er aufgrund der prekären Parkplatzsituation bisher verschmäht hat.

Ich habe im 6. Bezirk gewohnt, als das Parkpickerl dort eingeführt wurde. In den ersten 12 Monaten waren die Zustände im Vergleich zur Zeit davor geradezu paradiesisch. Musste ich davor am Abend oft mehr als 15 Minuten Kreisen, um einen Parkplatz zu finden, der gut 10 Gehminuten von meiner Wohnung entfernt lag, parkte ich nach Einführung der Parkraumbewirtschaftung meist direkt vor dem Haus. Doch der Zustand hielt nur rund 1 Jahr an.

Solange öffentlicher Parkraum gratis oder zumindest sehr billig ist, wird dieser Parkraum auch zu nahezu 100 % genutzt. Ausnahmen stellen nur Gebiete dar, wo nicht viele Menschen wohnen und es auch sonst keine attraktiven Ziele gibt.

Ich wohne derzeit in einer Gegend, in der es viele Garagenplätze gibt. Viele davon stehen leer, obwohl sie nicht übermäßig teuer sind. Die Parkplätze auf den Straßen sind hingegen zu mehr als 100 % ausgelastet. In der Nacht wird fast durchgehend zweispurig geparkt.

Ein anderer Grund liegt in der Einführung des Handy-Parkens. Wer es sich leisten kann, kann mittlerweile praktisch unbegrenzt lange in den „Kurzparkzonen“ stehen. Die maximale Parkdauer wird bequem mit einer SMS vom Handy aus verlängert. Entgegen den Beteuerungen der Stadt wird die maximale Parkdauer nämlich nicht überwacht, solange Sie nur brav zahlen.

Doch es geht noch einfacher: Wer der Stadt jährlich rund 2.500 Euro überweist, bekommt ein schönes Taferl hinter die Windschutzscheibe, mit der man in allen Kurzparkzonen ohne Mehrkosten parken darf. Theoretisch darf auch da die maximale Parkdauer von 2 Stunden nicht überschritten werden. Aber wer kontrolliert das?

Ist die Parkraumbewirtschaftung sozial gerecht?

Nein. Wer es sich leisten kann, überweist eben 2.500 Euro an die Stadt und parkt überall, solange er will. Und wer nur hin und wieder lange parken muss, zahlt halt mit dem Handy. Die Quintessenz: Wer es sich leisten kann und will, fährt weiterhin mit dem Auto. Nur das gemeine Volk wird zum Umstieg auf Öffis genötigt oder findet zu Hause trotz Parkpickerl immer noch keinen Parkplatz.

Die Lösung wäre einfach: Früher mussten Handy-Parker und solche, die die Parkgebühren pauschale entrichtet haben, eine Parkuhr mit der Ankunftszeit hinter die Windschutzscheibe legen. So konnte die maximale Parkdauer leicht kontrolliert werden. Doch diese Regelung, die die Parkraumbewirtschaftung sozial gerecht machte und wirklich für freie Parkplätze sorgte, wurde aufgehoben. Seitdem sprudeln die Einnahmen aus Parkgebühren für die Stadt deutlich kräftiger. Ein Schelm, wer böses denkt…

Warum soll ich für einen Parkplatz bezahlen, der bisher gratis war?

Machen Sie mit mir ein einfache Gedankenexperiment: Kaufen Sie bei einem Gebrauchtwagenhändler einen billigen, alten Kastenwagen, der gerade noch das „Pickerl“ bekommt. Parken Sie ihn in der Nähe Ihrer Wohnung und räumen Sie ihn mit jenem Krempel voll, für den Sie in der Wohnung keinen Platz mehr haben. Fahren müssen Sie mit dem Wagen nie. Sie nutzen ihn nur als Lagerraum.

Doch optimal nutzt der Kastenwagen den Platz nicht aus. Also kaufen Sie einen Container und stellen ihn statt dem Kastenwagen an die gleiche Stelle. Da haben Sie noch mehr Platz für ihren Krempel, obwohl der Container außen genauso viel Platz braucht.

Der Unterschied? Um den Container auf der Straße abstellen zu dürfen, brauchen Sie eine Sondergenehmigung der Stadt und müssen nicht zu knapp monatlich Gebühren zahlen. Den Kastenwagen parken Sie gratis oder für sehr wenig Geld.

„Aber ich zahle doch für das Auto ohnehin schon so viel Steuer!“ Sie zahlen hauptsächlich für das Autofahren und nicht für das Parken. Bleiben wir beim obigen Beispiel mit dem Kastenwagen. Außer der Versicherungssteuer fällt für diesen Wagen keine Steuer an. Maximal kostet das rund 400 Euro im Jahr. Für den Container zahlen Sie hingegen mindesten 522 Euro im Jahr.

Das Parkpickerl kostet übrigens 142,50 Euro im Jahr, wenn es für 2 Jahre beantragt wird.

Schadet das Parkpickerl der Wirtschaft?

Nein. Einzelne Betriebe könnten abwandern.Wer mit dem Auto Einkaufen fahren will, fährt schon jetzt Geschäfte mit eigenem Parkplatz an.

Das Parkpickerl kann sogar für mehr Nahversorgung sorgen. So mancher Anrainer verzichtet auf das Auto, um das Parkpickerl zu sparen. Und die Lebensqualität im Grätzel steigt auch. So werden mehr Wege zu Fuß oder mit dem Rad erledigt. Und insbesondere Fußgänger sind der beste Dünger für eine florierende Wirtschaft. Alle bisherigen Parkpickerl-Bezirke haben überdurchschnittlich viele Unternehmensgründungen verzeichnet.

Epilog

Das Parkpickerl reduziert den Verkehr in der Stadt und erhöht damit die Lebensqualität. Die gestiegene Lebensqualität nutzt großen Teilen der Wirtschaft und reduziert die Wohnkosten.

Das Parkpickerl sorgt aber nicht für mehr Parkplätze. Und das Parkpickerl ist auch nicht sozial gerecht. Wer es sich leisten kann, parkt weiterhin überall unbegrenzt lange.

Würde die maximale Parkdauer zum Beispiel mit Parkuhren endlich wieder überwacht, gäbe es vielleicht wirklich mehr freie Parkplätze und die Regelung wäre auch sozial gerechter. Und der Geruch der „Abzocke“ wäre weniger penetrant.

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Rad vs Auto: Der neue Straßenkampf

Am 06.05.2012 veröffentlichte der Kurier einen sehr langen Artikel über den angeblichen Krieg zwischen Rad- und Autofahrern. Leider tragen solche Artikel nicht gerade dazu bei, das Klima im Verkehr zu verbessern. Der Artikel war schlecht recherchiert und nicht ausgewogen. Ich sandte daher einen Leserbrief an die Redaktion, der eine Woche später auch in gekürzter Fassung veröffentlicht wurde. Hier die ungekürzte Fassung:

Kurier vom 13.05.2012

Sehr geehrte Redaktion!

Was wollen Sie mit der Ausrufung eines angeblichen Kriegszustandes zwischen Radfahrern und Autofahrern bezwecken? Wollen Sie die ohnehin schon hohe Aggression der Verkehrsteilnehmer weiter steigern?

Der beschriebene Unfall wäre nicht passiert, wenn sich der Autofahrer der StVO konform verhalten hätte. Die schreibt nämlich zwingend ein Fahren auf Sicht vor. Wenn die Sicht durch ein anderes Fahrzeug verstellt wird, ist anzuhalten und im Schritttempo weiterzufahren. Das lernt man in jeder Fahrschule.

Der beschriebene Unfall zeigt aber auch deutlich, dassRadwege für die Radfahrer gefährlich sind. Der Unfall wäre wahrscheinlich nicht passiert, hätte die Radfahrerin die Fahrbahn – eventuell mit Radstreifen – benützt. Nicht die Radfahrer sind schuld an den vielen Unfällen auf Radwegen. Auch die Autofahrer haben es schwer. Die Verkehrsplaner verstecken Radfahrer hinter parkenden Autos. Gute Sichtbarkeit ist aber immer noch die beste Unfallverhütung.

Hat Oberst Wolfgang Lang tatsächlich gesagt, dass Radfahrer nicht schneller als 10 km/h über eine Kreuzung fahren dürfen? Dann sollte er selbst einmal die von ihm erwähnten Paragraphen der StVO lesen. Denn ein derartiges Limit existiert schlicht nicht. Nur auf ungeregelten Radüberfahrten ist die Annäherungsgeschwindigkeit mit 10 km/h limitiert. Überfahren darf man aber schneller. Die erwähnte Bestimmung ist übrigens ein einzigartiges Paradoxon: Der vorranghabende Verkehrsteilnehmer soll sein Tempo reduzieren und nicht jener Teilnehmer, der Nachrang hat!

Die Zahl der verletzten und getöteten Radfahrer ist außerdem seit Jahren rückläufig, obwohl die Zahl der gefahrenen Kilometer stark ansteigt. Der Anstieg von 2010 auf 2011 kommt nur deshalb zustande, weil 2010 extrem wenige Unfälle von Radfahrern mit Personenschaden registriert wurden.

Die wirklich gefährlichen Disziplinlosigkeiten von Radfahrern und Autofahrern bleiben hingegen weitgehend unerwähnt: Radfahren auf dem Gehsteig etwa ist nicht nur für Fußgänger, sondern auch für Radfahrer extrem gefährlich. Gefährlich sind auch die Geisterradler auf Einrichtungsradwegen. Und lange Hundeleinen haben auf Rad- und Geh-Radwegenauch nichts verloren. Ebensowenig ist das Überholen schneller Radfahrer in Tempo 30-Zonen ein Kavaliersdelikt, sondern führt immer wieder zu Unfällen. Und Gelb- und Rotlicht bei Ampeln wird auch von überraschend vielen Autofahrernignoriert.

Leider vermisse ich eine klare Linie bei der Verkehrsplanung in der Politik, wodurch vielerorts faule Kompromisse gebaut werden, mit denen dann alle unzufrieden sind. Eine solche Linie wäre: Alle Verkehrsteilnehmerhaben das Recht möglichst schnell, sicher, unbehindert und ohne Umwege von A nach B zu gelangen. Dabei haben Fußgänger Vorrang vor öffentlichem Verkehr und Radfahrern. Der Autoverkehr sollte immer die niedrigste Priorität haben.

In der Praxis wird jedoch speziell bei Ampelschaltungen der Autoverkehr extrem bevorzugt. Fußgänger und Radfahrer werden mit Druckknopfampeln, Phasen von weniger als 10 Sekunden Länge und dem berüchtigten Ampel-Hopping, bei dem man bis zu drei Phasen braucht, um von einer Straßenseite auf die andere zu gelangen, gegängelt. Wundert es einen da noch, wenn vielen Fußgängern und Radfahrern der Geduldsfaden reißt und rote Ampeln bestenfalls als Empfehlung ansehen oder Ampelkreuzungen generell vermeiden?

Mit freundlichen Grüßen

Roman Korecky

Benützungspflicht für Radwege: Welche Argumente gibt es eigentlich dafür?

Der ÖAMTC vertritt in letzter Zeit überraschend vernünftige Ansichten zum Thema Radverkehr. Und bei umstrittene Fragen zum Thema begibt er sich immerhin auf eine neutrale Position. So findet man in der aktuellen Ausgabe der Clubzeitschrift auto touring auf Seite 24 ein Pro/Contra zum Thema Radwegebenützungspflicht. Lesern dieses Blogs ist meine ablehnende Haltung zum Thema Benützungspflicht wohl bekannt. Diesmal möchte ich aber andere sprechen lassen und die Argumente von Dr. Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes, und Prim. MR Dr. Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer analysieren. Weninger tritt für die Abschaffung der Benützungspflicht ein, Dorner ist dagegen.

Thomas Weninger

… baulich getrennte Radwege erhöhen das Unfallrisiko für Radler und andere Verkehrsteilnehmer im Kreuzungsbereich um das 1,5- bis 6-fache.

Warum sollten also Radfahrer gezwungen werden, die für sie oft tödlichen Radwege zu benützen, wenn sie auf der Straße sicherer fahren können?

Schnelle Radler … sind gezwungen, auch Gehsteigradwege zu benützen, auf denen es wegen der großen Geschwindigkeitsunterschiede zwischen Fußgängern und Radlern oft zu gefährlichen Situationen kommt.

Lies: Die Radwegbenützungspflicht ist nicht nicht nur für Radfahrer gefährlich, sondern auch für Fußgänger.

Eine Aufhebung der Benützungspflicht im Ortsgebiet macht die Radwege wieder für die langsamen Radfahrer frei und das gesamte Verkehrssystem sicherer.

Die Aufhebung der Benützungspflicht würde also den Radverkehr insgesamt attraktiver machen, weil sich Radeinsteiger auf Radwegen sicherer bewegen könnten.

Kommen wir zu Walter Dorner, einem erklärten Gegner der Aufhebung der Benützungspflicht.

Walter Dorner

Aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen, die Fahrräder benützen…

Dorner gibt also schon im ersten Satz zu, dass er selbst nie mit dem Rad fährt. Warum er sich jedoch in den letzten Monaten immer wieder zum Thema Radverkehr geäußert hat, und ihm die Medien entsprechend Raum eingeräumt haben, würde ich gerne wissen. Walter Dorner ist weder Verkehrsexperte noch Radfahrer. Er ist also inkompetent in diesen Fragen. Das beweisen auch seine weiteren Argumente.

…, dass längst nicht alle Radfahrerinnen und Radfahrer die Abschaffung der Benützungspflicht für Radwege wollen.

Er bringt also kein Sachargument, sondern versteckt sich hinter einem undifferenzierten Meinungsbild anonymer Bürgerinnen und Bürger. Das ist eine heutzutage leider oft praktizierte Unart in der politischen Debatte. Wer so argumentiert, macht sich selbst als Politiker (und Dorner ist als Präsident einer Interessenvertretung Politiker) selbst überflüssig.

EU-Weit bemüht man sich seit Jahren um attraktive Radwegenetze in den Städten.

Das ist gut so. Aber wo ist das Argument für die Benützungspflicht? Laut Dorner ist eines der meist genannten Argumente, das menschen motiviert aufs Rad umzusteigen:

…sichere, gut geplante Radwege.

Ich kenne keine einzigen Radfahrer, der wegen eines Radwegs mit dem Rad fährt. Der Radweg ist vielleicht die Voraussetzung für manche, dass sie sich auf den Drahtesel setzen. Es gibt viele gute Argumente, das Rad zu benützen: Es ist billig, spart oft Zeit, fördert Fitness und Gesundheit, man sieht mehr von der Stadt usw.

Unsere Politiker sollten besser das Wegenetz ausbauen und sicherer gestalten.

Amen! Da bin ich dafür. Aber das ist eigentlich ein Argument für die Aufhebung der Benützungspflicht, oder? Komfortable und sichere Radwege werden von den Radlern sicher gerne benützt, ganz ohne Pflicht. Die Benützungspflicht sorgt hingegen dafür, dass schlechte Radwege benutzt werden müssen und damit der Druck zur Verbesserung wegfällt.

Als Arzt wäre ich sehr dafür, dass mehr Kinder auf sicheren Wegen mit dem Rad in die Schule fahren. Das wäre ein guter Ansatz im Kampf gegen Bewegungsmangel und Übergewicht.

Ja, ja und ja. Aber Radwege sind erwiesenermaßen eben nicht sicher (siehe oben).

Fazit

Diese Gegenüberstellung zeigt deutlich, dass es keine vernünftigen Argumente für die Radwegbenützungspflicht gibt. Wer sich selbst über den Unsinn dieser Bestimmung der StVO ein Bild machen will, dem sei der Artikel im auto touring wärmstens empfohlen.

Krankenstände häufen sich an Montagen – ist ja logisch!

Ich lese gerade im Kurier, dass der Wirtschaftsbund-Generalsekretär Hauben fordert, dass der erste Krankenstandstag nicht mehr bezahlt werden solle. Obwohl er es nicht klar ausspricht, unterstellt er Arbeitnehmern pauschal, dass viele Kurzzeit-Krankenstände (unter 3 Tagen) nicht gerechtfertigt seien. Besonders hebt er hervor, dass sich die Krankenstände an Montagen häufen.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie wenig Ahnung von Mathematik Vertreter der Wirtschaft haben. Denn hätte Hauben von Mathematik eine Ahnung, wäre es auch für ihn logisch, dass sich Krankenstände an Montagen häufen müssen.

Die Natur kennt bekanntlich keine Wochentage. Während die meisten Arbeitnehmer Montag bis Freitag arbeiten, arbeitet die Natur 7 Tage in der Woche. Auch Schnupfenviren und Bakterien. Man kann also davon ausgehen, dass sich die Zahl der Krankheitsausbrüche gleichmäßig auf die Wochentage verteilt. Da aber Samstag und Sonntag nur wenige Arbeitnehmer arbeiten, werden Krankheitsausbrüche an diesen Tagen nicht gemeldet, sondern eben erst am darauffolgenden Montag. An Montagen müsste es daher rein statistisch dreimal so viele Krankmeldungen geben, wie an allen anderen Wochentagen.

Tatsächlich liegt die Zahl der Krankmeldungen an Montagen zwar deutlich höher als an anderen Wochentagen, ist aber weit von dreimal so hohen Werten entfernt. Das wirft die Frage auf, ob Peter Hauben mit diesen mangelhaften Mathematik-Kenntnissen wohl die Lehrabschlussprüfung geschafft hätte.

Wie schnell bin ich mit meinem Auto?

Quelle: Wikimedia Commons

Update: Ein Bekannter hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Durchschnittsalter aller in Österreich zugelassenen Pkw ungefähr 8 Jahre beträgt. Das heißt, dass die durchschnittliche Lebensdauer eines Fahrzeugs nicht wie ursprünglich angenommen 8 Jahre, sondern 16 Jahre beträgt. An der Grundaussage des Artikels ändert sich dadurch nicht allzu viel. Ich habe aber die Zahlen aktualisiert.

Angeregt durch diesen sehr interessanten Blog-Artikel habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie schnell man denn tatsächlich mit dem Auto ist.

Eh klar, würden die meisten sagen. Ich bin täglich 20, 50 oder 100 km mit dem Auto unterwegs, dazu brauche ich 50, 70 oder 90 Minuten, also bin ich nach Adam Riese durchschnittlich mit 24, 43 oder 67 km/h unterwegs. Falsch gedacht!

Ein Auto fällt ja nicht von alleine vom Himmel. Vielmehr müssen wir lange Zeit hart dafür arbeiten. Auch die laufenden Kosten sind ja nicht zu unterschätzen. Nehmen wir als Beispiel das beliebteste Auto in Österreich, den VW Golf. In der billigsten Variante mit 4 Türen kostet der Wagen neu 18.440 Euro. Durchschnittlich lebt so ein Auto 8 16 Jahre und wird 15.000 km pro Jahr gefahren. Im Jahr kostet dieses sicher nicht luxuriöse Auto folglich rund 2.300 1.200 Euro. Dazu kommen laufende Kosten von rund 3.800 3.400 Euro im Jahr. Die größten Brocken sind natürlich die Treibstoffkosten von rund 1.700 Euro, Versicherung und Steuern mit rund 800 Euro, und ein Garagenplatz mit (günstigen) 630 Euro. Insgesamt summieren sich die jährlichen Kosten auf fast 6.100 4.600 Euro.

Im Durchschnitt verdient man in Österreich 17.620,60 Euro im Jahr netto. Das ergibt einen Stundenlohn von etwas über 10 Euro. Der durchschnittliche Arbeitnehmer arbeitet also 553 444 Stunden pro Jahr nur für sein Auto. Das sind mehr als fast 3 Monate!

Nehmen wir als Beispiel an, dass das Auto zu jeweils einem Drittel in der Stadt, auf Landstraßen und auf Autobahnen gefahren wird. Man verbringt bei 15.000 km so über 300 Stunden im Jahr im Auto. Das ergibt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gar nicht wenigen 49 km/h.

Jetzt zählen wir aber die 553 444 Stunden Arbeitszeit hinzu, die wir arbeiten müssen, um das Auto finanzieren zu können. Die Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt auf Schneckentempo, nämlich sage und schreibe 17 20 km/h. Jeder halbwegs geübte Radfahrer fährt dem Auto locker davon. Und öffentliche Verkehrsmittel sind bei dieser Berechnung überhaupt unschlagbar schnell.

Verändert man einige Parameter in der Berechnung, so ergeben sich noch interessantere Zahlen. Nehmen wir ein Auto, das viel in der Stadt gefahren wird. Dadurch erhöht sich die Jahreskilometerleistung auf 20.000. Der Stadtverkehrsanteil steigt gleichzeitig auf rund 50 %. Überraschenderweise steigt die Durchschnittsgeschwindigkeit auf 19 21 km/h. Trotzdem sind Radfahrer und Benutzer öffentlicher Verkehrsmittel immer noch etwas schneller unterwegs. Nicht berücksichtigt habe ich anfallende Parkgebühren, die die Rechnung wieder zu Ungunsten des Autos ausfallen lassen.

Ein anderes Szenario wäre ein fast reines Stadtauto. Das Auto kann nun ruhig billiger sein. Um 10.000 Euro bekommt man schon akzeptable fahrbare Untersätze. Mehr als 8.000 km im Jahr wird so ein Auto aber nicht gefahren. Der Stadtverkehrsanteil beträgt jetzt 80 %. Durchschnittsgeschwindigkeit: 13 14 km/h.

Wie kann man die Geschwindigkeit des Autos steigern? Stärkerer Motor mit mehr PS? Sicher nicht. Das wäre sogar kontraproduktiv. Die höhere Anschaffungskosten würden die Geschwindigkeit sogar deutlich senken. Auch der Verbrauch spielt kaum eine Rolle. Ich habe bei allen Beispielen einen Durchschnittsverbrauch von 6,5 l/100 km angenommen. Senkt man den Verbrauch auf utopische 3 l/100 km, steigt die Geschwindigkeit nur um läppische 2 km/h. Umgekehrt kostet ein Verbrauch von 9,5 l/100 km auch nur 1 km/h an Tempo.

Viel Tempo gut machen kann man nur durch Verbesserung des Verhältnisses zwischen Kaufpreis und Einkommen. 30 km/h erreicht man, indem man maximal 1/3 des Jahreseinkommens in die Anschaffung des Autos steckt. Die Erhöhung der Nutzungsdauer hingegen bringt nicht viel. Wenn man das Auto 16 statt 8 Jahre fährt, bringt das nur 3 km/h.

Ich lade den geehrten Leser dazu ein, selbst einmal die eigene Geschwindigkeit zu berechnen. Ich habe dazu eine Excel-Datei erstellt, in der Sie nur wenige Parameter eingeben müssen, um ihre ganz persönliche Geschwindigkeit zu ermitteln.

Version für Excel 2007 und neuer

Meine persönliche Geschwindigkeit liegt übrigens bei 23 26 km/h. Hinterlassen Sie doch ein Kommentar mit Ihrer persönlichen Geschwindigkeit!

Wie Kinder zum Konkurs erzogen werden

2011 gingen bereits über 9.500 Personen in den Privatkonkurs. Und die Geschichten ähneln einander überraschend oft: Man wird 18 oder 19 Jahre alt. Jahrelang hat man nur von Taschengeld oder ein paar Hundertern Lehrlingsentschädigung gelebt. Doch jetzt liegt das Nettogehalt endlich im vierstelligen Bereich. Ich bin reich oder zumindest auf dem Weg, es zu werden!

Foto: Boris Mitendorfer Photography (flickr)

Das muss man natürlich der Welt zeigen. Als erstes wird ein neues iPhone angeschafft, kostet ja eh nichts. 40 Euro monatlich für den Tarif wird man sich ja noch leisten können. Dann brauchte man natürlich erst einmal ein ordentliches Auto. Ein 3er-BMW erscheint genau richtig. Die Leasing-Raten kann man gerade so mit dem Betrag der Gehaltserhöhung begleichen. Und dann lernt man noch die Lebenspartnerin oder den Lebenspartner kennen. Eine gemeinsame Wohnung muss her. Gleich was Großes, schließlich will man ja auch gemeinsam Kinder haben.

Das gemeinsame Haushaltseinkommen reicht locker für all die Ausgaben aus. Sparen, Geld zurücklegen? Das ist was für Spießbürger. Wir leben hier und heute. Es geht ja immer aufwärts. Was vom Einkommen übrig bleibt, wird in die Heimkino-Anlage, in teure Urlaube oder in teure Hobbys investiert. Was das Konto gerade nicht hergibt, wird halt auf Pump finanziert.

Foto: Kıvanç Niş (flickr)

Doch dann passieren Dinge, mit denen man so nicht gerechnet hat. Ein Kind kommt auf die Welt und plötzlich steht ein niedrigeres Haushaltseinkommen (Kinderbetreuung!) zusätzlichen Fixausgaben gegenüber. Oder man versteht sich mit der Liebe des Lebens doch nicht mehr so gut und trennt sich. Dann steht man alleine mit der großen, teuren Wohnung da. Oder ein Partner verliert den Job und muss einen schlechter bezahlten annehmen. Und schon schnappt die Schuldenfalle zu.

Die Schuld gebe ich hier klar den Eltern. Wir erziehen eine Generation der sorglosen Schuldner. Immer wieder höre ich von Menschen zwischen 20 und 40, dass man noch keine Kinder habe, weil man denen ja „was bieten möchte“. Was möchte man den Kindern denn bieten? Kinder brauchen ein Dach über dem Kopf, die uneingeschränkte Liebe und Aufmerksamkeit der Eltern, ein wenig zu essen und gute Vorbilder.

Kein Kind braucht drei Spielekonsolen, das neueste SmartPhone, ein vierradgetriebenes 200 PS-Ungetüm und ein Kinderzimmer in der Größe mancher Kleinwohnung. Und ein billiger Urlaub auf einem österreichischen Bauernhof ist für Kinder bis ins Teenager-Alter hinein meist lehrreicher und lustiger als der teure Club-Urlaub an den schönsten Stränden der Welt. Und warum müssen schon Volksschulkinder Kleidung im Gegenwert eines guten Herrenanzugs in der Schule tragen? Um das fehlende Selbstwertgefühl zu kompensieren, weil ihre Eltern glauben, dass Geld Liebe und Aufmerksamkeit ersetzen kann?

Von vielen Familien mit Kindern hört man – wenn die Kinder außer Hörweite sind – ein stetes Jammern, wie teuer doch alles sei. Nicht wenige Familien krachen wie eine Kaisersemmel und das Bankkonto ist öfter im roten als im schwarzen Bereich. Doch den Kindern signalisiert man ewigen Wohlstand. Viele Kinder wissen besser darüber bescheid, wie oft die Eltern zusammen Sex haben, als über den familiären Kontostand.

Ich bin der Meinung, dass Kinder spätestens ab der Sekundarstufe (Hauptschule, Mittelschule, AHS) einen Einblick in die Finanzplanung der Familie haben sollten. Sie sollten wissen, was Mama und Papa ungefähr verdienen, ist das doch auch für die bald anstehende Berufswahl ein nicht unwesentlicher Faktor. Sie sollten aber auch wissen, was die Wohnung, das Auto, der Urlaub, aber auch Lebensmittel kosten. Sie sollten regelmäßig selbst einkaufen oder zumindest die Eltern beim Einkauf begleiten und tatkräftig unterstützen. Auch im Supermarkt sollte man ihnen erklären, warum man das eine Produkt kauft, aber das andere nicht. Und nein, Kindern sollte nicht jeder Wunsch von den Augen abgelesen werden.

Doch in einer Welt, in der Leistungsbereitschaft über die Höhe des Gehalts definiert wird, in der die Größe und Marke des Autos den Wert einer Person für die Gesellschaft darstellt, in der die Beliebtheit eines Mitschülers „in Megapixeln“ der Kamera (Zitat meines Sohnes) gemessen wird, wird diese Forderung immer weniger von den Eltern erfüllt.

Sollte diese Aufgabe der Schule übertragen werden? Sollte es ein Pflichtfach Wirtschaftskunde geben, in dem das Planen eines Haushaltsbudgets zu den wesentlichen Lehrinhalten zählen sollte? Was meinen meine geneigten Leser?