Abtreibung als gesellschaftliches Unvermögen

Angesichts des Jubiläums der ersten österreichischen Abtreibungsklinik ist die Diskussion um die sogenannte Fristenlösung wieder voll entbrannt. Militante Abtreibungsgegner fahren schwere Geschütze auf und von den Befürwortern wird das Recht der Frauen am der Selbstbestimmung über den eigenen Körper betont. Doch schauen wir uns die Argumente mal der Reihe nach an.

Abtreibung ist Mord?

Abtreibungsgegner argumentieren gerne damit, dass hier menschliches Leben zerstört wird. Es wird gerne mit Mord und sogar mit dem Holocaust an Föten argumentiert. Doch warum sieht keine der großen Weltreligionen eine Trauerfreier oder gar ein religiöses Begräbnis für Föten vor? Die Religionen gehen davon aus, dass die Beseelung des Fötus erst bei der Geburt eintritt und erst dadurch zum Menschen wird. Doch was ist der Fötus davor? Wenn man von radikalen Positionen absieht, kann das anscheinend keine Religion eindeutig beantworten.

Wie wären eigentlich Frauen zu behandeln, die durch ihre Lebensweise alles unternehmen, um einen natürlichen Abortus zu erzwingen und dabei durchaus häufig erfolgreich sind? Sollen diese auch als Mörder strafrechtlich behandelt werden?

Junge Schwangere

Warum treiben Frauen nun ab? Da gibt es zum einen sehr junge schwangere, oft noch im Teenager-Alter, die sich der Aufgabe als Mutter einfach nicht gewachsen fühlen. Noch häufiger würden sie sich aber vielleicht schon gewachsen fühlen, aber das Umfeld – Eltern, Schule – übt Druck in Richtung Abtreibung aus. Diesem Druck sind junge Mädchen und Frauen meist nicht gewachsen. Das beste Rezept zur Verhinderung von Abtreibung liegt wohl in der Vermeidung von Teenager-Schwangerschaften.

Die Rezepte zur Vermeidung ungewollter Schwangerschaften sind einfach und liegen klar auf der Hand: offener Aufklärungsunterricht an der Schule und einfacher Zugang zu Verhütungsmittel. Doch genau die Abtreibungsgegner waren es, die am lautesten gegen den berüchtigten Sexkoffer in den 1980ern geschrien haben. Und genau die Abtreibungsgegner sind es auch heute, die gegen die einfache und anonyme Verschreibung der Anti-Baby-Pille für junge Mädchen sind. Enthaltsamkeit mag zwar ein hehres Ziel für manche sein, für die Mehrheit der Bevölkerung stellt der Geschlechtsakt jedoch das ultimative Lusterlebnis dar, das kein Staat und keine Religion der Welt verbieten oder einschränken kann.

Frauen im Berufsleben

Ebenfalls ein häufiger Grund für Abtreibungen ist die berufliche Stellung der Schwangeren. Das Kind käme halt zum falschen Zeitpunkt. Aber was ist schon der richtige Zeitpunkt für ein Kind? Das Problem ist ja, dass ein Kind immer noch einen Karriereknick für Frauen bedeutet. Kommt dazu noch der Kindesvater abhanden, ist die Armutsfalle perfekt.

Gerade die Abtreibungsgegner hängen einem Familienbild nach, das vielleicht für eine Generation in Österreich tatsächlich existent war. Ein Kind ist in Österreich immer noch eine große Belastung, weil es keine flächendeckenden und ausreichenden Kinderbetreuungsangebote gibt. Dass professionelle Kinderbetreuung nicht nur das berufliche Fortkommen der Frauen fördert, sondern gleichzeitig auch die Entwicklung der Kinder, hat eine schwedische Langzeitstudie gerade erst bewiesen. Es gibt daher keine Gründe dafür, dass eine Frau länger als 1 – 2 Jahre zu Hause beim Kind bleiben sollte.

Konsequenzen

Da sich die Gesellschaft über die Definition von menschlichen Leben offensichtlich nicht einig ist, ist die Fristenlösung die beste Kompromisslösung. Es sollte jedoch ein gemeinsames gesellschaftliches Ziel sein, die Zahl der Abtreibungen so gering wie möglich zu halten. Eine Abtreibung drückt immer das Unvermögen der Gesellschaft aus, einer werdenden Mutter anständige Zukunftsperspektiven zu bieten. Wer Abtreibungen verhindern will, muss daher die Last der Mutterschaft verringern, indem die viel beschworene Vereinbarkeit von Beruf und Familie endlich umgesetzt werden. Zusätzlich muss auch der Zugang zu Verhütungsmitteln gerade für junge Mädchen und Frauen so einfach wie möglich sein.

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