Werden wir tatsächlich von Asylwerbern überschwemmt?

Wer sich für das Problem wirklich interessiert, kann zum Glück heutzutage über das Internet sehr rasch die Fakten recherchieren. Tatsächlich ist es so, dass es in Österreich seit 1981 jedes Jahr rund 17 000 Asylanträge gibt. Die Schwankungsbreiten sind dabei enorm. Zum Beispiel gab es 1993 einen Tiefpunkt mit nur 4 744 Asylanträgen, just in jenem Jahr, als die FPÖ die Debatte mit dem “Ausländervolksbegehren” einem ersten Höhepunkt zuführte. Andererseits gab es ausgerechnet 2002 einen Höhepunkt mit 39 354 Anträgen, ausgerechnet als die FPÖ in der Regierung saß. Eine ähnlich hohe Zahl gab es aber auch 1981 (34 557 Anträge), als wir uns in Österreich noch als gastfreundliches Land für Verfolgte gesehen haben.

Seit 2006 ist die Zahl der Asylwerber unterdurchschnittlich niedrig. So gab es 2007 nur knapp 12 000 Anträge und 2009 stellten knapp 16 000 Personen den Antrag auf Asyl. Dies zeigt, dass die österreichische Innenpolitik nur wenig Einfluss auf die Zahl der Asylwerber hat. Die permanente Verschärfung von Asylgesetzen hält keinen Flüchtling davon ab, nach Österreich zu kommen.

Vielmehr ist zu beobachten, dass internationale Krisen die größten Verursacher von Flüchtlingswellen sind. 1981 wurde in Polen das Kriegsrecht verhängt. Zigtausende Polen flüchteten in westeuropäische Länder, viele davon auch nach Österreich, was einen ersten Höhepunkt bei den Asylanträgen verursachte. Die Jugoslawienkriege führten Anfang der 1990er-Jahre zu eine weiteren, weit niedrigeren Höhepunkt bei den Asylanträgen. Ab 2001 führten dann wiederum Kriege und ethnische Konflikte in Afghanistan, dem Irak, Georgien, Indien und Nigeria zu einem Anstieg. Interessanterweise steigen die Anträge meist nur am Beginn eines solchen Konflikts deutlich an. Obwohl die Konflikte in den genannten Ländern andauern, ist die Zahl der Anträge ab 2003 kontinuierlich gesunken. Erst 2009 gab es wieder einen leichten Anstieg.

Woher kommen also die vielen Migranten (“Ausländer”)? Die meisten Migranten sind keine Asylwerber. So sind von 1996 bis 2008 insgesamt mehr als 1,263 Mio. aus dem Ausland nach Österreich gezogen. In der gleichen Zeit gab es 252 956 Asylanträge. Man kann also sagen, dass nur jeder zehnte Migrant in Österreich ein Asylwerber ist. Auf 100 Österreicher kommen so in 12 Jahren nur rund 3 Asylwerber, aber 28 sonstige Migranten. im gleichen Zeitraum werden in Österreich rund 1 Mio. Kinder geboren.

Es sind also nicht die Asylwerber, die uns das Gefühl geben, dass der Ausländeranteil (in Wien fast 25 %) stetig ansteigt. Es sind vielmehr, die billigen Arbeitskräfte und deren Familienangehörige, die von der konservativ und national geprägten Wirtschaft geholt werden, um das Lohnniveau niedrig zu halten.

Im Durchschnitt wurden übrigens mehr als ein Viertel aller Verfahren positiv erledigt. Dabei gab es enorme Schwankungsbreiten. So lag die Quote der positiven Erledigungen in den 1980er-Jahren bei durchschnittlich mehr als 40 %. In den 1990er-Jahren ist diese Quote dann auf unter 14 % gesunken. Obwohl die Gesetze weiter verschärft wurden, ist die Quote dann ab 2000 wieder auf über 32 % gestiegen. Interessant ist, dass gerade im Anschluss an die großen Flüchtlingswellen (1981/1982, 2003 – 2007), die höchsten Anerkenntnisquoten erzielt wurden. Anders ausgedrückt: Die Steigerungen bei den Asylwerbern werden fast ausschließlich durch Personen verursacht, die auch tatsächlich verfolgt sind. Auch dies zeigt, dass eine Verschärfung der Asylgesetze keine Auswirkungen auf die Flüchtlingsströme haben kann.

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Asyl: Das überschätzte Problem

Heute stimmt Eberau über das Erstaufnahmezentrum für Asylwerber ab. Das Ergebnis ist abzusehen und ein trauriger Höhepunkt einer Debatte, die vor rund 20 Jahren ihren Ausgang genommen hat.

Kaum ein Österreicher, kaum eine Österreicherin kennt tatsächlich persönlich einen Asylanten/eine Asylantin. Ich selbst habe in 35 Jahren auch erst vor wenigen Wochen das erste Mal bewusst eine ehemalige Asylantin (heute österreichische Staatsbürgerin) kennengelernt. Es kann durchaus sein, dass ich mit der einen oder anderen in die Schule gegangen bin, aber in den 1980er-Jahren war das eigentlich noch kein Thema. Es kann auch sein, dass ich schon viel öfter mit Asylanten zusammengetroffen bin, ohne es zu wissen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sich gerade die Migranten-Gruppe meist sehr gut integriert. Diese Leute sind nämlich im Durchschnitt deutlich gebildeter als der Großteil, der sonstigen Migranten, die vor allem als billige Arbeitskräfte geholt werden.

Ich werde in den nächsten Tag in diesem Blog ein paar Fakten und Gedanken zur immer wieder aktuellen Asyldebatte veröffentlichen. Beginnen möchte ich mit einer provokante Frage: Was würde sich an Ihrem persönlichen Leben ändern, wenn es keinen einzigen Asylwerber mehr in Österreich gäbe? Würden Sie mehr Geld haben? Würde sich Ihre Gesundheit verbessern? Würde die Stimmung in Ihrer Familie besser sein?

Sind Asylwerber kriminell?

Diese Frage lässt sich kurz und bündig beantworten: Es gibt keine Statistik, die die Kriminalität von Asylwerbern separat erfasst. Seit 10 Jahren wird das Innenministerium von latent ausländerfeindlichen Ministern und Ministerinnen geführt, deren primäres Ziel es war, Verschärfungen im Asylrecht durchzusetzen. Wenn es tatsächlich eine erhöhte Kriminalität bei Asylwerbern geben würden, wären diese Minister und Ministerinnen sicher hocherfreut gewesen, in ihrem Interesse eine solche Statistik zu präsentieren. Dass es diese Statistik nicht gibt, kann für vernunftbegabte Menschen nur zu dem Schluss führen, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Asylwerber sind sogar weniger Kriminell als der Durchschnitt der Bevölkerung.