Sind Familien die vermögenden Verursacher der Wirtschaftskrise?

Roland B. Seper hat in seinem Blog Nox Vobiscum wunderbarerweise ein E-Mail eines Familienvaters veröffentlicht, in dem er darlegt, dass er vom Sparpaket ungefähr eineinhalb mal so stark betroffen ist wie der Durchschnittshaushalt. Leider, und das sage ich als SPÖ-Mitglied, ist dieser Briefwechsel ein wunderbares Beispiel dafür, warum die Bevölkerung die Politik als abgehoben, ja manchmal sogar zynisch empfindet. Hier ein paar Auszüge aus dem Antwortschreiben von Mag. Tina Tauß, der Leiterin von SPÖ.Direkt und nebenbei auch der Bundesvorsitzenden der Jungen Generation, also jenes Referates in der SPÖ, das sich eigentlich besonders für die Belange der jungen Familien einsetzen sollte.

Wir haben uns für die Budgetverhandlungen mit der ÖVP folgende Ziele gesetzt: Erstens müssen Kaufkraft und Arbeitsplätze gesichert werden, zweitens müssen jene einen Beitrag zur Konsolidierung leisten, die die Krise mit verursacht haben und drittens muss neben der Budgetlücke auch die Gerechtigkeitslücke geschlossen werden, da Vermögende und Stiftungen in Österreich deutlich weniger zum Steueraufkommen beitragen als die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen.

In den Augen des Familienvaters muss sich das in etwa so lesen:

Erstens ist uns die Kaufkraft der Familien egal. Die geben ihr Geld eh nur für unnötige Kindersachen aus. Zweitens sind die Familien die Hauptverursacher der Krise. Hätten sie nicht so viele Kinder bekommen, hätten sie nicht so viele Kredite aufnehmen müssen, wären die Banken nicht in Probleme geraden und alles wäre gut. Drittens sind Familien in Österreich bekanntlich überdurchschnittlich vermögend. Wie sonst würden sie sich den Luxus von Kindern leisten.

Genossin Tauß schreibt weiter:

Was die von Ihnen angesprochenen Änderungen im Familienbudget anbelangt, möchten wir anmerken, dass Österreich nach wie vor eines der Länder ist, das im internationalen Vergleich am längsten Familienbeihilfe ausbezahlt und bei den monetären Familienleistungen im europäischen Spitzenfeld liegt.

Das ist schön, doch unser Familienvater kann sich davon leider nichts kaufen. Was Frau Tauß geflissentlich leider verschweigt: Das österreichische Steuersystem hat nur einen äußerst geringen Grad des sozialen Ausgleichs (vulgo “Umverteilung”). Der Großteil des Ausgleichs erfolgt über Transferleistungen und hier insbesondere über Familienleistungen. Kürzungen in diesem Bereich verschärfen somit das soziale Gefälle.

Zur Reduktion der Bezugsdauer schreibt Frau Magistra Tauß:

Die Reduktion der Bezugsdauer der Familienbeihilfe ist im Zusammenhang mit der neuen Bologna Studienarchitektur zu sehen. Es wurde die Mindeststudiendauer für den Bachelor auf sechs Semester festgelegt, für den Master auf weitere vier Semester.

Dumm nur, dass Beamtenstaatssekretärin Heinisch-Hosek gerade eine Dienstrechtsreform vorgelegt hat, in der klargelegt wird, dass im Bundesdienst der Bachelor nicht als Akademiker gilt. Die Privatwirtschaft wird sich an diesem Dienstrecht erfahrungsgemäß orientieren. Somit hat sich also die Mindeststudiendauer bei den meisten Studien um ein volles Jahr verlängert. Gut, dass Genossin Tauß ihren Magister schon in der Tasche hat. Damit hat sie die Akademikerehre quasi noch zum Diskontpreis erworben. Dass so nebenbei auch noch der Rechtsanspruch, dass man sein Studium in der Mindeststudienzeit auch realistisch beenden kann, aus dem Universitätsorganisationsgesetz gestrichen wird, ist Zynismus pur.

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Familienpolitik: Dilettantismus der Regierung mit Unterstützung der Medien

Die Aufregung um das Familien-Sparpaket der Bundesregierung hat sich immer noch nicht gelegt. Hier soll es heute aber mal nicht darum gehen, ob das Sparpaket richtig oder falsch ist, sondern vielmehr darum, wie es die Regierung verkauft, und wie die Medien dabei willfährig assistieren.

Bekanntlich hat die Regierung ja den Verfassungsbruch bei der Budgeterstellung in Kauf genommen, weil das Budget so sorgfältig und richtungsweisend gestaltet werden sollte, dass dafür die Zeit einfach nicht reichte, so betete es uns Josef Pröll jedenfalls den ganzen Sommer lang vor. Schließlich wäre eine große Verwaltungsreform zu verhandeln und so weiter und so fort. Doch diese richtungsweisenden Reformen sucht der gemeine Bürger nun mit der Lupe. Bis jetzt bin ich noch nicht fündig geworden.

In Wahrheit wurde über Budget und Sparpaket wohl ausschließlich wegen der Landtagswahlen in Wien und der Steiermark still gehalten. Und dafür gibt es auch etliche Indikatoren.

Einer der größten Brocken im Sparpaket sind die Einsparungen bei den Familien. Ich muss z. B. auf gut 15 % Geldleistungen ab dem kommenden Jahr verzichten. In 2 Jahren wird sich dieser Verzicht dann auf fast 25 % erhöhen. Doch wie verkauft man das nun als Erfolg der Regierung?

Der Beginn einer Kampagne

Den Anfang machte Rudolf Hundsdorfer in der ZiB2 vom 25. Oktober. In einem Nebensatz sprach er davon, dass man generell weg von Geld- und hin zu Sachleistungen für die Familien wolle. Aha! Doch steckt da wirklich ein großer Plan dahinter?

Eine kurze Suche im Internet offenbart, dass diese tolle Idee Rudolf Hundsdorfer wohl erst einige Tage davor gekommen sein konnte. Normalerweise findet man bei solche grundlegenden Richtungsänderungen in der Politik schon Monate davor laufend Berichte darüber, wie schlecht doch Geldleistungen für die Familien seien und wie die Sachleistungen die Geburtenrate anheben und die Vergreisung der Gesellschaft verhindern würde. Doch nichts davon ist zu finden.

Zuflüsterer Wirtschaftskammer

Einzig die Wirtschaftskammer bereitet am 20.10.2010 die Kampagne per Presseaussendung vor:

Bei Geldleistungen liegt Österreich unter allen OECD-Staaten hinter Luxemburg an zweiter Stelle. […] Bei den Sachleistungen, das sind vor allem Kinderbetreuungseinrichtungen, liegt Österreich unter dem OECD-Durchschnitt.

Wenn dies wirklich ein professionell vorbereiteter Masterplan gewesen wäre, hätten wir wohl schon den ganzen Sommer davon gehört, dass zum Beispiel die Kinderbetreuungsplätze in den nächsten Monaten wie die Schwammerln aus dem feuchten Sommerboden sprießen werden. Noch dazu hätten sich solche Ankündigungen doch auch hervorragend als Wahlkampfschlager für die beiden Landtagswahlen in Wien und der Steiermark geeignet. Doch nichts davon war zu hören – bis zum 25. Oktober.

Kurier als Leitmedium

Als inoffizielles Regierungsmedium profilierte sich diesmal der Kurier, der bereits am 28.10.2010 schrieb:

Österreich gibt relativ viel Geld für Familienleistungen aus. In einem OECD-Vergleich liegt es an zwölfter Stelle (von 36 Ländern). Der Staat investiert aber den überwiegenden Teil in direkte Geldleistungen (Familienbeihilfe etc.) und vergleichsweise wenig in Sachleistungen (zum Beispiel Kinderbetreuungsplätze); laut WIFO waren es 2008 nur 12,4 Prozent der Ausgaben für Familien. Länder mit hohen Geburtenraten wie Frankreich und Dänemark investieren die Hälfte des Familienbudgets in Sachleistungen. Die Familienbeihilfe wird in einigen EU-Ländern aber nur zum Alter von 18 bis 20 Jahren gewährt.

Doch das war nur ein erster Versuchsballon, denn jetzt herrschte einmal 2 Wochen Funkstille. Die ÖVP musste wohl erst einmal darüber beraten, ob die Verkaufsstrategie der SPÖ für die Einsparungen bei den Familien auch ihr ins Konzept passt.

Die Kampagne nimmt Fahrt auf

So richtig ging es dann am 6.11.2010 los. Wirtschafts- und Familienminister Reinhold Mitterlehner kündigt in Interviews eine Kehrtwende in der österreichischen Familienpolitik an. ÖVP-Seniorenchef Andreas Khol bezeichnet die bisherige Familienpolitik sogar als gescheitert. Presse und Standard berichten darüber fast zeitgleich. Die SPÖ zeigt sich in einer Presseaussendung erfreut darüber und befeuert so die Kampagne. Am Abend bestätigt dann noch ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger gegenüber dem Kurier die neue Linie:

„Wir brauchen einen besseren Mix aus direkten Geldleistungen und Sachleistungen“, sagte er zum KURIER. Ein erster Schritt sei der Ausbau der Nachmittagsbetreuung an den Schulen.

Als eigentliche Quelle der Kampagne entpuppt sich aber Profil, das daraus gleich ein Coverthema macht. Die Interviews gaben Mitterlehner und Khol auch ursprünglich dem Wochenmagazin.

 


Das Beispiel zeigt, wie sich selbst seriöse österreichische Medien für eine Regierungskampagne einspannen lassen. Das Ziel der Kampagne ist klar: Man will die Einsparungen bei den Familien rechtfertigen und damit vor allem den Studentenprotesten aber auch den Protesten der Kirche den Wind aus den Segeln nehmen. Die österreichischen Familien fragen sich aber zurecht: Warum müssen wir zuerst bluten? Vage Versprechungen über den Ausbau der Kinderbetreuung hören wir seit Jahrzehnten. Geschehen ist aber herzlich wenig. Der Verdacht liegt nahe, dass der an sich richtige Ansatz ein reines Lippenbekenntnis bleibt.

 

Für wen gilt der Vertrauensgrundsatz?

Immer wieder hört man bei Diskussionen rund um das Pensionsrecht den Begriff Vertrauensgrundsatz. Doch worauf müssen Menschen, die Ende 50 sind und einen Job haben, vertrauen können? Dass sie mit 58, 60 oder 62 in Pension gehen können? Warum kann man das nicht einfach ändern und sie gehen wie vorgesehen mit 62,5 oder 66,5 Jahren in Pension? Ist dadurch ihre Existenz gefährdet? Wohl eher nicht, weil das Aktivgehalt wohl immer höher ist als die Pension.

Szenenwechsel: Studenten, die jetzt 22, 23 oder 24 Jahre alt sind, mitten im Studium stecken, laufen ab nächstem Jahr Gefahr, dieses nicht beenden zu können, wenn die Familienbeihilfe wie geplant mit 24 gestrichen wird. Sie haben viel Zeit und Geld in das Studium gesteckt im Vertrauen darauf, zumindest bis 26 die Familienbeihilfe als Finanzierungshilfe zu erhalten. Plötzlich stehen sie mit mehr als 2000 Euro weniger im Jahr da. Gilt für sie kein Vertrauensgrundsatz?

Szenenwechsel: Eine alleinerziehende Mutter von 4 Kindern lebt praktisch von der Hand im Mund. Monat für Monat weiß sie kaum, wie sie Miete und Strom bezahlen und dabei auch noch ein bekömmliches Essen auf den Tisch stellen soll. Die Familienbeihilfen der Kinder und der Kinderabsetzbetrag stellt einen erklecklichen Teil ihres Einkommens dar. Ab Jänner wird ihr Einkommen um rund 90 Euro im Monat geringer ausfallen. Dabei ist noch nicht eingerechnet, dass sich die laufenden Fixkosten wohl in die gegenteilige Richtung entwickeln werden. Gilt für diese Mutter kein Vertrauensgrundsatz?

Ein aufgelegter Elfer für H. C. Strache

Seit langem trommelt H. C. Strache, dass die Familien unserer Regierung nichts wert sind. Im Wiener Wahlkampf wurde H. C. nicht müde zu betonen, dass die Regierungsparteien offensichtlich auf Zuwanderung statt auf “natürliches” Bevölkerungswachstum setzen.

Nun, so leid es mir tut, ich muss ihm leider recht geben. Und das passiert nicht sehr oft in diesem Blog. Dass selbst hohe Pensionen an die Inflation angepasst werden, steht anscheinend völlig außer Streit. Und ja, Pensionen mit € 2000 brutto sind hohe Pensionen. Die meisten arbeitenden Menschen in Österreich verdienen nämlich weniger. Doch wie lange wurde die Familienbeihilfe schon nicht valorisiert? Die Antwort: Im Jahr 2000 wurde die Familienbeihilfe zuletzt angehoben (Quelle: Katholischer Familienverband Österreichs). Okay, 2008 wurde die 13. Familienbeihilfe eingeführt. Diese war aber maximal ein Inflationsausgleich.

Nun, während die meisten Pensionen um 1,2 Prozent angehoben werden, wird die Familienbeihilfe im Durchschnitt um 10 Prozent gekürzt. Willkommen in der Pensionistenrepublik!

Einen positiven Aspekt kann ich diesen Plänen aber abgewinnen: SPÖ und ÖVP sind nun für die kommenden 3 Jahre aneinander gekettet. Und sie sind zum Erfolg bei tiefgreifenden Reformen verdammt. Denn wenn es so weitergeht wie in den letzten 2 Jahren, ist Strache 2013 Bundeskanzler. Darauf verwette ich die 13. Familienbeihilfe meiner beiden Söhne.

P. S.: Hoppla! 2013 bekommen meine Söhne ja keine 13. Familienbeihilfe mehr. Tja, Pech gehabt für den, der dagegen wettet.

Das Sparpaket ist super!

Nach zwei Tagen Bedenkzeit über das Sparpaket der Regierung, muss ich mich ganz herzlich bedanken für ein Sparpaket, das mich nur am Rande trifft.

Danke!

Dass die 13. Familienbeihilfe für meinen 16-jährigen Sohn wegfällt, berührt mich überhaupt nicht. Das muss er schlucken. Sein Taschengeld wird ab dem kommenden Jahr einfach um 11 Euro im Monat gekürzt. Auch bei meinem jüngeren Sohn werde ich mir die Kürzung bei der Familienbeihilfe über eine Taschengeldeinsparungsmaßnahme wieder zurückholen. Warum soll ich dafür brennen? Warum soll mir die Jugend mehr wert sein als der Regierung? Sollen sie doch selber schauen, wie sie weiterkommen, die Buben.

Dass die Familienbeihilfe für Studenten nur mehr bis zum 24. Lebensjahr ausbezahlt wird, stört mich auch nicht. Meine Söhne werden werden halt arbeiten müssen um das Studium zu finanzieren, wenn die Familienbeihilfe ausläuft.

Im Gegenteil: Jetzt ist vielleicht eine gute Gelegenheit gekommen, selbst wieder auf die Uni zu gehen. Ist ja super dort! Familienbeihilfe bekäme ich ohnehin schon lange nicht mehr, Studiengebühren muss ich dank SPÖ auch keine zahlen, dafür werden jetzt sicher viele Plätze von jungen Leuten der “No future”-Generation frei werden, die sich das Studium nicht mehr leisten können. Fast 2000 Euro weniger im Jahr für das faule Studentenpack, das mit 24 immer noch nicht den PhD hat, ist ja sozial viel gerechter als 700 Euro Studiengebühr für erfahrene Männer wie mich, die auch ohne Bacc. ihren Lebensunterhalt gut bestreiten können.

Da stecke ich die 50 Euro, die mich die MÖSt-Erhöhung im Jahr kosten wird, und die paar hunderter zusätzlichen Pensionsbeitrag locker weg. Was interessiert mich schon die Zukunft? Sollen die Jungen doch nach Amerika gehen. Ist ja ohnehin alles besser dort.

Deshalb noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an unsere Regierung für dieses innovative und mittelstandsfreundliche Sparpaket.

Raubbau an der Ressource zwischen den Ohren

Ich bin schockiert. Da protestieren im Vorjahr Studenten wochenlang gegen überfüllte Hörsäle und unzumutbare Studienbedingungen ohne durchschlagenden Erfolg. Kein Wunder, dass sich die Proteste auch heuer wieder formieren. Und was ist die Reaktion der Regierung? Im Zuge des heute beschlossenen Sparpakets wird die Familienbeihilfe in vielen Punkten gekürzt. Der gravierendste ist sicher die Beschränkung darauf, dass sie nur mehr bis zum vollendeten 24. Lebensjahr ausbezahlt wird.

Betrachten wir das einmal an einem Beispiel, das nicht ganz zufällig Ähnlichkeiten mit meiner Person aufweist:

Geboren wird das Kind irgendwann im September oder Oktober. Mit 6 Jahren tritt es in die Volksschule ein, wird kurz darauf 7 Jahre alt (Herbstkind!). Mit 10 Jahren Übertritt in die AHS, mit 14 Jahren Übertritt in eine berufsbildende Schule. Matura ohne Ehrenrunde mit gut 19 Jahren. Danach wird darf der junge Mann ein Jahr zum Hungerlohn für den Staat arbeiten (Wehrpflicht oder Heeresersatzdienst). Der Studienbeginn erfolgt daher unter optimalen Voraussetzungen erst mit 21 Jahren.

Das Bachelor-Studium dauert in den meisten Studienrichtungen mindestens 3 Jahre. Nur fängt man mit dem Bachelor leider wenig an. Also wird der Master drangehängt. Doch da ist die Familienbeihilfe auch schon weg, denn der junge Mann in unserem Beispiel ist jetzt bereit gut 24 Jahre alt. Also muss er höchstwahrscheinlich arbeiten gehen, um sich das Studium zu finanzieren. In den vorgesehenen 2 Jahren ist das Studium so nicht zu schaffen.

Und was ist, wenn der junge Mann aufgrund der bekannt tollen Lehrer an unseren hervorragenden Schulen doch einmal eine Ehrenrunde drehen muss? Und die Ressourcen an den Unis sind ja bekanntlich auch so ausgelegt, dass es überhaupt kein Problem ist, in den geforderten Lehrveranstaltungen einen Platz zu bekommen.

Unterm Strich werden also viele, viele Studenten ein weiteres großes Loch in ihren knappen Budgets vorfinden, das sie mit hoffentlich bezahlter Arbeit stopfen müssen. Die durchschnittliche Studiendauer wird so sicher nicht kürzer werden. Aber vielleicht wird die Regierung so doch viele Studenten von den Unis drängen und so das latente Hochschulproblem “elegant” lösen.

Dass unser Land damit Raubbau an unserer wichtigsten Ressource betreibt, die bekanntlich ja zwischen unseren beiden Ohren (© Wolfgang Schüssel) liegt, dürfte eine Regierung, die lieber Löcher in Berge zwischen unbedeutenden Kleinstädten (sorry, liebe Grazer, Klagenfurter und Villacher!) bohrt wohl kaum stören. Hauptsache, die Bundesländer dürfen weiter ihre Schrebergärten mit Wohnbaugeldern pflegen.

Wem nützen Straches Forderungen?

Hatschi Strache hat heute seinen Wiener Wahlkampf mit einer Presseaussendung eröffnet. Viel neues war darin nicht zu lesen. Zeit genug also, mal die Einzelforderungen auseinanderzunehmen und auf die Realität anzuwenden.

Ob ein Einwanderungsstopp realisierbar ist und welche Auswirkungen der hätte, will ich hier nicht erörtern. Da sind zu viele Emotionen drinnen. Doch auch und gerade abseits des Ausländerthemas zeigt Strache, welche Gefahr seine Politik für die Menschen in Österreich wäre.

Familiensteuersplitting

Als erstes fordert Hatschi ein Familiensteuersplitting. Im Klartext heißt es, dass die Einkommenssteuer nicht mehr für jeden Verdiener einzeln gerechnet würde, sondern auf alle Mitglieder eines Haushalts verteilt würde. Dies würde bedeuten, dass ein Alleinverdiener oder eine Alleinverdienerin mit Kindern deutlich weniger Steuern zahlen würde, als jemand mit gleichem Einkommen aber weniger Kindern. Auf den ersten Blick klingt der Vorschlag bestechend. Warum soll ich, der zwei Kinder erhalten muss, die gleiche Steuer zahlen, wie mein Kollege, der als DINK (Double Income, no Kids) das gleiche verdient, aber über ungleich mehr Einkommen zum Ausgeben verfügt.

Wer in Österreich weniger als ca. € 1.140 im Monat verdient, zahlt derzeit keine Einkommensteuer, nur die Sozialversicherung. Zwei Kleinverdiener mit jeweils diesem Einkommen haben damit ein verfügbares Einkommen von ca. € 1.868. Dazu kommt noch Familienbeihilfe, die je nach Kinderanzahl und deren Alter unterschiedlich ist. Bei Alleinverdienern mit einem Bruttoeinkommen von € 2.280 beträgt das Nettoeinkommen hingegen nur € 1.585,68.

Folgt man Straches Forderung, sollten die Alleinverdiener zumindest auf das gleiche Einkommen kommen. Das klingt auf den ersten Blick gerecht. Dummerweise fallen dadurch aber beträchtliche Steuern aus. Da die € 2.280 recht nahe am österreichischen Durchschnittsbruttoeinkommen liegen, können wir den Steuerausfall näherungsweise berechnen. Er beträgt abgerundet ca. 17 % des Einkommensteueraufkommens. Österreich nahm 2009 ca. 33 Mrd. € an Lohn- und Einkommensteuer ein. Ein Ausfall von 17 % würde abgerundet rund 5,5 Mrd. € bedeuten. Herr Strache soll einmal erklären, woher er dieses Geld nehmen will. Nur zur Verdeutlichung: 5,5 Mrd. € zusätzlich würden das österreichische Defizit in die Nähe Griechenlands rücken. Natürlich könnte man umgekehrt alle Steuern erhöhen. Dann soll Hatschi aber auch sagen, dass dies vor allem niedrige und mittlere Einkommen treffen würde. Damit wäre die Ersparnis durch das Familiensplitting für die meisten dahin, ja netto würde sogar weniger rausschauen. Profitieren würden davon nur gut verdienende, kinderreiche Familien.

Dass man Strache lieber nicht Steuerpolitik machen lassen sollte, hat übrigens Alexander van der Bellen schon 2009 im Nationalrat sehr schön veranschaulicht, wie das folgende Video (ein echter Evergreen) eindrucksvoll zeigt:

Inflationsanpassung von Familienleistungen

Strache will auch, dass Familienleistungen turnusmäßig an die Inflation angepasst werden. Damit meint er wohl vor allem die Familienbeihilfe. Da bin ich voll bei ihm. Davon würden vor allem Familien mit geringem Einkommen und vielen Kindern profitieren. Bravo! Dass davon vor allem die kinderreichen Familien mit Migrationshintergrund profitieren würden, kann da wohl kein Zufall sein. Sooo ausländerfeindlich ist Hatschi also doch nicht. Oder hat die FPÖ bei dieser Forderung nur nicht gut genug nachgedacht?

Absicherung von Müttern im Sozialrecht und Infrastruktur zur Kinderbetreuung

Im gleichen Satz fordert der FPÖ-Mann auch die bessere Absicherung von Müttern im Sozialrecht, die Schaffung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch eine verbesserte Infrastruktur in der Kinderbetreuung sowie echte Wahlfreiheit für die Eltern. So viel Widersprüche in nur wenigen Worten schafft auch nur die FPÖ. Zunächst würde mich mal interessieren, welche Wahlfreiheit existiert, wenn explizit nur Mütter sozial abgesichert werden sollen? Sind mit Eltern nur Mütter gemeint? Ich dachte, die FPÖ setzt sich für mehr Väterrechte ein? Doch wieder nicht?

Wenn Eltern ohnehin sozial abgesichert sind, werden die Gemeinden wohl auch kaum in bessere Kinderbetreuungsinfrastruktur investieren wollen. Schließlich müssen ja die 5,5 Mrd. aus dem Familiensteuersplitting (siehe oben) auch wieder eingespart werden.

Und wirklich zukunftsorientiert ist die FPÖ auch nicht, spricht sie doch immer noch von Kinderbetreuung im Sinne der Kindergarderobe (© Michael Häupl) und nicht als Chance für frühkindliche Bildung.

Fazit

Wer Strache wählt, wählt den eigenen Henker. Nur Einkommen jenseits von € 5.000 würden wohl vom Familiensteuersplitting profitieren. Dazu kommt, dass die Politik der FPÖ in Wahrheit die Errichtung neuer Kindergärten zumindest bremsen würde. Diesen Angriff auf die Mittelstandsfamilie gilt es abzuwehren.