Morgen startet die Volksbefragung in Wien

Zur Erinnerung: Vom 10. – 12. Februar 2009 findet in Wien eine Volksbefragung mit 5 Fragen statt. Hier noch einmal kurz meine Wahlempfehlung für die 5 Fragen:

Wien will's wissen

Ich empfehle bei allen Fragen mit Ja zu stimmen. Hier noch einmal die kurzen Begründungen und die Links zu den ausführlichen Artikeln:

  1. Hausbesorger erhöhen den “Wohlfühlfaktor” in Wohnbauten. Die Mieter bzw. Eigentümer können selbst entscheiden, ob ihnen das die Mehrkosten wert ist. Auf jeden Fall sollte es dafür eine neue gesetzliche Basis geben, daher Ja. Mehr…
  2. Die Ganztagsschule führt zu einem deutlich verbesserten Bildungsangebot für unsere Kinder und entspricht den Lebensrealitäten der meisten Familien, daher ein klares Ja. Mehr…
  3. Die Citymaut ist zwar nicht das beste Modell, den Pkw-Verkehr in Wien zu beschränken, aber es ist wichtig, die Diskussion in Gang zu halten, weil der Pkw-Verkehr die Stadt tötet und soziale Unterschiede verschärft. Daher ein Ja mit Bauchweh. Mehr…
  4. Der öffentliche Verkehr gehört kontinuierlich verbessert. Nur Angebot schafft Nachfrage. Ein 24-Stunden-Betrieb der U-Bahn führt zu lächerlichen Mehrkosten, aber zu dramatischen Fahrzeitverkürzungen auf den meisten Destinationen. Angesichts der vielen Vorteile ohne nennenswerte Nachteile bin ich hier für ein klares Ja. Mehr…
  5. Der Besitz der meisten Hunde ist zumindest ebenso gefährlich für andere wie der Besitz eines Motorrades. Motorradfahrer müssen einen Führerschein haben und sogar eine Haftpflichtversicherung, warum nicht Hundebesitzer? Daher auch hier ein klares Ja. Mehr…

Zum Schluss das Wichtigste: Hingehen und die Meinung äußern, weil das gelebte Demokratie ist.

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Volksbefragung in Wien: Hausbesorger

Vom 10. – 12. Februar 2009 findet in Wien eine Volksbefragung mit 5 Fragen statt. Frage 1 lautet:

Wien will's wissenIm Jahr 2000 wurde durch den Bundesgesetzgeber die Möglichkeit abgeschafft, Hausbesorger/innen anzustellen. Eine bundesgesetzliche Neuregelung ist seither nicht zustande gekommen. Sind Sie dafür, dass in Wien die Möglichkeit geschaffen wird, neue Hausbesorger/innen (mit modernem Berufsbild) einzustellen?

Der oder die alte Hausbesorger(in) war meist im Haus anwesend und hatte zu diesem Zweck eine kostenlose Dienstwohnung. Die Bezahlung dieses Berufsstandes war hingegen sehr gering. Das Problem an der alten Regelung war, dass in Häusern, in denen es einen Hausbesorger gab, dieser oder diese auf alle Ewigkeit einzementiert war. Erstens konnten schlechte Hausbesorger kaum gekündigt werden, da aufgrund der Dienstwohnung ein weitreichender Kündigungsschutz existierte. Zudem war die Dienstwohnung fix gewidmet. Ging ein(e) Hausbesorger(in) in Pension oder quittierte den Dienst aus anderen Gründen, gab es de facto keine freie Entscheidungsmöglichkeit, auf den oder die Hausbesorger(in) zu verzichten. Aus diesem Grund verschlechterte sich das Image dieses Berufsstandes zusehends. Hausbesorger(innen) wurden immer stärker als “Grätzelkaiser” empfunden, die sich alles erlauben konnten, aber kaum Sanktionen zu fürchten hatten. Mir sind aus Gemeindebauten in Floridsdorf Hausbesorger bekannt, die sich beispielsweise einen Teil der öffentlichen Grünflächen einfach als Privatgarten abzäunten.

Seit dem Jahr 2000 werden die Hausbesorger immer weniger, da aufgrund der aufgehobenen gesetzlichen Regelung keine Möglichkeit der Nachbesetzung gibt. Die Hausbesorger wurden durch private Firmen ersetzt: eine Firma räumt den Schnee weg, eine andere pflegt den Garten. Für kleinere Reparaturarbeiten im Haus (bis hin zum einfachen Glühkörpertausch) wurden fallweise externe Firmen beauftragt. Ein Glühkörpertausch konnte da leicht eine Rechnung von € 150 ausmachen, fast die Hälfte eines Monatsgehalts eines Hausbesorgers. Während in kleinen Anlagen die privaten Firmen tatsächlich Einsparungen brachten (die Dienstwohnung konnte ja jetzt vermietet werden), explodierten in größeren Anlagen die Kosten gar nicht so selten. Dazu kam, dass die Servicequalität der privaten Firmen nicht immer das hielt, was versprochen wurden. Am augenscheinlichsten ist das bei der Schneeräumung. Obwohl die Gehsteige von 6 – 22 Uhr geräumt sein müssen, ist das in der Praxis von privaten Firmen nicht einmal theoretisch zu bewerkstelligen, müssten dazu doch personelle Kapazitäten gehalten werden, die bar jeder wirtschaftlichen Vernunft wären.

Zuletzt hatte der Hausbesorger in vielen Wohnhausanlagen noch eine wichtige soziale Funktion: Er oder sie war erste(r) Ansprechpartner(in) bei jedweder Art von Problemen in der Anlage. Das konnten technische Probleme sein, aber auch Konflikte zwischen Bewohnern. Gerade diese fehlende Ansprechperson führte zur immer schlechter werdenden Stimmung in den Gemeindebauten.

Daher die klare Wahlempfehlung von mir: Ja, ich bin für ein neues Berufsbild Hausbesorger.

Wichtig ist es aber, dass es weiterhin eine realistische Wahlmöglichkeit für die Hauseigentümer oder Mieter gibt, dass die Hausbesorger auch halbwegs einfach gekündigt werden können und umfassende Kompetenzen, aber auch Pflichten auferlegt bekommen.

Doch vielleicht kann man die Vision sogar noch weiter spinnen: Wie wäre es z. B. mit einer Reform des Hausangestelltengesetzes? Dann könnte nicht nur die Hausbetreuung, sondern auch die Betreuung pflegebedürftiger Personen bedarfsgerechter gestaltet werden.