Das Vertrauen in das Bildungssystem fehlt also – was nun?

Das Bildungssystem ist also krank. Die Kindergartenpädagogen sind unterqualifiziert und unterbezahlt. Die Schulverwaltung schafft es nicht, Lehrerposten zeitgerecht neu zu besetzen. Lehrer können ohne Konsequenz die Zukunft mehrerer Schülergenerationen ruinieren. Die Lehrergewerkschaft hat kein Interesse daran, das Image des Lehrberufs zu heben. Und wenn man Studenten den Ratschlägen des Wissenschaftsministeriums folgen, werden sie von einem Chaos in das andere geschickt.

Wundert es also jemanden, dass viele Eltern jeder radikalen Veränderung des Systems skeptisch gegenüber stehen? Wundert es, dass sie ein noch größeres Chaos befürchten? Ja, die Ganztagsschule als Regel wäre sinnvoll, doch wer will sein Kind schon unfähigen Lehrern den ganzen Tag aussetzen? Ja, die gemeinsame Schule von 6 bis 14 würde vieles vereinfachen und allen Schülern bessere Bildungschancen bringen, doch traut man dieser Schulverwaltung tatsächlich die innere Differenzierung zu?

Vielleicht sollte die Politik statt der großen Reformen endlich versuchen, das Vertrauen wiederherzustellen. Die großen Reformen werden dann wohl umso leichter fallen. Daher fordere ich noch vor allen anderen Reformschritten:

  • Schrittweise Anhebung des Ausbildungsniveaus von Kindergartenpädagogen und –pädagoginnen auf akademisches Niveau bei gleichzeitiger Erhöhung der Bezahlung
  • Konsequente Bereinigung des Lehrkörpers um unqualifizierte Mitglieder
  • Ausreichende Finanzierung der Hochschulen
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Warum wir den Lehrern nicht vertrauen können

Die Lehrer, was für eine Pauschalisierung! Man kann doch nicht alle in einen Topf werfen, oder? Doch man kann. Doch fangen wir einmal ganz von vorne an.

Mindestens 10 % der Lehrer und Lehrerinnen sind für den Beruf objektiv ungeeignet. Jeder Schüler, jeder Vater, jede Mutter kennt mindestens einen solchen Fall. Nein, ich spreche hier nicht von Lehrern, die besonders strenge Maßstäbe ansetzen und deshalb bei Schülern und deren Eltern unbeliebt sind. Es geht hier nicht darum, ob die Schüler jetzt ein Gut oder ein Genügend bekommen. Es geht darum, was sie am Ende des Jahres können.

Da kenne ich zum Beispiel eine Lehrerin eines Schularbeits-Gegenstandes, bei der niemand in der Klasse eine schlechtere Note als Befriedigend hatte, die meisten Sehr Gut oder Gut. Doch den Stoff beherrschte kein Schüler und keine Schülerin so richtig. Auch die Eltern merkten das. Die Lehrerin wurde nach zwei Jahren von der Klasse abgezogen und die Schüler bekamen einen anderen Lehrer. Im Durchschnitt verschlechterte sich die Note aller Schüler um einen Grad und einige mussten um eine positive Note kämpfen. Doch der Stoff wurde nun wesentlich besser beherrscht – von allen Schülern.

Damit sind wir schon beim Kernproblem: Mindestens jeder zehnte Lehrer und jede zehnte Lehrerin sind entweder fachlich, pädagogisch, menschlich oder körperlich für den Lehrberuf nicht geeignet. Viele haben gleich mehrere Defizite. Bei fast jeder anderen Berufsgruppe ist es völlig normal, dass ungeeignete Personen den Beruf aufgeben und umlernen müssen. Doch bei den Lehrern wird die heiße Kartoffel hin- und hergeschoben. Die Personalvertretung schützt die „Kollegen und Kolleginnen“, die Schuldirektionen haben keinen Einfluss auf die Personalauswahl und die Stadt- und Landesschulräte sehen sich die Probleme lieber aus sicherer Entfernung an. Und aus der Entfernung wird jedes Problem plötzlich ganz klein. So verwalten die Schuldirektionen halt das Problem, indem Sie schlechte Lehrer und Lehrerinnen mal 2 Jahre dieser und 2 Jahre einer anderen Klasse zuteilen.

Für die meisten Eltern sind ihre Kinder das Wichtigste im Leben. Doch wenn man sich den Schulbetrieb so ansieht, scheint es, als ob nicht die Schüler, sondern die Lehrer das Wichtigste wären. Während Schüler, die „versagen“, Jahre ihres Lebens verlieren, bleibt das Versagen von Lehrern fast immer ohne Konsequenzen. Doch diese Lehrer schaden dem Ansehen der ganzen Berufsgruppe. Warum stellen sich aber Gewerkschaften schützend vor diese schwarzen Schafe und verhindern jegliche Evaluierung und die daraus resultierenden Konsequenzen? Gerade die Personalvertretung müsste doch daran interessiert sein, das angekratzte Image des Lehrberufs zu verbessern.

Diese Personalvertretung wird aber von „den Lehrern“ gewählt. Und es ist egal, ob die Vertretung rot, schwarz, blau oder orange ist. Niemand traut sich, das heiße Eisen anzufassen. Und deshalb erlaube ich mir pauschal festzustellen: Ich habe kein Vertrauen in „die Lehrer“.

Nicht Genügend für Lehrer: Was sind die Konsequenzen?

Tausende Kinder haben auch in diesem Jahr wieder ein Nicht Genügend in dem einen oder anderen Gegenstand bekommen. Viele davon müssen deshalb eine „Ehrenrunde“ drehen. Und für etliche bedeutet das auch gleich das Ende der Schulkarriere. Uns erscheint das völlig normal. Diese Kinder und Jugendlichen sind halt einfach nur zu dumm, oder? Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Lehrerschaft unsere Kinder beurteilt und dabei auch Urteile über den weiteren Lebensweg fällt. Doch wer beurteilt die Lehrer? Ist ein Nicht Genügend eines Schülers nicht immer auch ein Versagen der Lehrerin oder des Lehrers? Und was geschieht mit Lehrern, die permanent versagen? Müssen diese auch „Ehrenrunden“ drehen?

Dazu eine kleine Geschichte, die zwar schon fast 20 Jahre her ist, sich aber noch heute an jeder Schule so abspielen könnte. Im insgesamt siebenten Lernjahr (wenn man vom Volksschulunterricht absieht) bekamen wir eine neue Englisch-Lehrerin. Wir glaubten zunächst daran, dass es sich nur um einen schlechten Scherz handeln könnte. Die Frau hatte einen so schweren Sprachfehler, dass wir sie weder auf Deutsch noch auf Englisch verstanden, ja wir konnten in den ersten Wochen nicht einmal zwischen den Sprachen unterscheiden. Doch abgesehen von dieser schweren körperlichen Unzulänglichkeit, viel die Lehrerin auch noch durch regelrechte Arbeitsverweigerung auf. Wir lasen einen Satz aus dem Buch und die Lehrerin diskutierte anschließend eine halbe Stunde lang über den philosophischen Hintergrund dieses Satzes inklusive ihrer halben Lebensgeschichte. Mit dem Stoff hatte all dies nichts zu tun. Sie gab uns eine Hausübung in der Länge von etwa 10 Sätzen. Es dauerte dann mehr als 4 Unterrichtsstunden, bis wir diese Hausübung fertig durchbesprochen hatten.

Nach einigen Wochen platzte einer Mitschülerin, die normalerweise nicht durch übergroßen Fleiß auffiel der Kragen: „Frau Professor, wir haben in 2 Wochen Schularbeit und haben gerade einmal eine Buchseite Stoff gemacht. Können wir endlich was weiterbringen?“ Wir beschwerten und beim Klassenvorstand und der Direktorin. Gemeinsam mit der Direktorin beschlossen wir, Stundenprotokolle anzufertigen, die diese dann an den Stadtschulrat weiterleiten würde. Diese Stundenprotokolle dokumentierten die Unfähigkeit eindrucksvoll. Zusammen mit einem Begleitbrief, in dem alle Vorwürfe penibel aufgelistet waren, leitete die Direktorin die Protokolle an den Stadtschulrat weiter. Dieser entsandte die zuständige Fachinspektorin in eine Unterrichtsstunde (die zufällig unsere ehemalige Französisch-Lehrerin war). Diese Stunde lief so ab wie alle Stunden zuvor. Entsprechend negativ fiel auch der Bericht der Fachinspektorin aus, in den ich als damaliger Schulsprecher Einblick nehmen konnte.

Die Lehrerin hatte damals noch einen befristeten Vertrag, der gerade zur Verlängerung anstand. Zu erwarten wäre also gewesen, dass der Vertrag nicht verlängert wird. Doch das Gegenteil geschah: Die Lehrerin wurde pragmatisiert und erhielt eine schulfeste Stelle.

In der Zwischenzeit dürfte sie den Lehrberuf allerdings aufgegeben haben. Zumindest an meiner ehemaligen Schule unterrichtet sie nicht mehr.

Kann man einer kranken Schulverwaltung vertrauen?

Foto: huberSen (flickr)

Österreich ist ja ein sehr gut verwaltetes Land. Hundertschaften an Fachinspektoren, Bezirksschulinspektoren, Landesschulräten und sonstigen Beamten verwalten österreichische Schulen. Doch allzu oft fragt man sich als Vater oder Mutter, was all diese Leute, von denen man die wenigsten jemals zu Gesicht bekommt, eigentlich den lieben ganzen Tag tun, außer sinnlose Erlässe zu schreiben, die jede moderne Pädagogik im Keim ersticken?

Da wird zum Beispiel eine Lehrerin schwanger. Das soll ja hin und wieder doch einmal vorkommen. Einer der interessanteren Aspekte des Lehrberufs ist ja, dass man sich seine eigene Kundschaft produzieren kann. Ein großer Teil an Schwangerschaften ist ja ganz gut planbar. Der Geburtstermin kann dank moderner Medizin recht exakt berechnet werden. Und dass die Lehrerin 8 Wochen davor in den Mutterschutz und danach wahrscheinlich mindestens eineinhalb Jahre danach in Karenz gehen wird, ist auch bekannt. Nehmen wir einmal an, dass die Lehrerin ihre Schwangerschaft erst relativ spät bemerkt hat. Nehmen wir also 8 Wochen nach dem Empfängnis an. Der Schulverwaltung stehen dann ganze 24 Wochen oder fast ein halbes Jahr zur Verfügung, um eine Ersatzlehrerin oder einen Ersatzlehrer zu organisieren.

Das müsste reichen, sollte man meinen. Doch in der Praxis funktioniert das so gut wie nie. Ich kenne jedenfalls keinen einzigen Fall, in dem es einen nahtlosen Übergang zwischen den beiden Lehrern gegeben hätte. Noch weniger kenne ich einen Fall, in dem es zwischen den Lehrern eine ordentliche Arbeitsübergabe gegeben hätte. Stattdessen wird müssen die Direktionen in solchen Fällen immer relativ chaotische Supplierpläne aufstellen. Die dadurch anfallenden Überstunden kommen dem Steuerzahler teuer zu stehen.

So wird beispielsweise eine Mathematiklehrerin schwanger und geht ungefähr in der Mitte des Schuljahrs in Mutterschutz. Den Rest des Schuljahrs wird suppliert. Doch nicht einmal am Beginn des neuen Schuljahrs steht ein Ersatzlehrer zur Verfügung. Gut 8 Wochen wird auch noch im neuen Schuljahr von verschiedenen Lehrern suppliert, bis endlich ein (unfähiger) Ersatzlehrer aufgetrieben wird.

Doch nicht nur bei Schwangerschaften zeigt sich die ganze Unfähigkeit der Schulverwaltung. Da gibt es auch geplante Krankenstände von Lehrern zum Beispiel wegen Kuraufenthalten oder wegen geplanter Operationen. Da teilt der Lehrer oder die Lehrerin den voraussichtlichen Beginn des Krankenstandes lange im Voraus mit. Doch auch hier: Zahllose Stunden müssen entfallen, suppliert wird oft nur, wenn es nicht anders geht. Dass bei überraschenden, länger dauernden Krankenständen von Lehrern die Schulverwaltung völlig überfordert ist, brauche ich wohl gar nicht mehr zu erwähnen.

Warum gibt es in Österreich keine „Springer“-Lehrer? Das sind Lehrer, die keine feste Stelle haben, sondern die kurzfristig kranke Kollegen ersetzen. Das wäre doch eine ideale Bewährungsprobe für Junglehrer. Jetzt kommt sicher die Ausrede vom Lehrermangel. Doch das lasse ich nicht gelten. Schon zu meiner Schulzeit, die doch Jahrzehnte her ist, dauerte es Monate bis kranke Lehrer ersetzt wurden. Da kam es vor, dass eine Klasse einen bestimmten Gegenstand fast ein halbes Jahr einfach nicht hatte. Und ich bin zu einer Zeit in die Schule gegangen, als es noch eine hohe Lehrerarbeitslosigkeit gab und uns alle davon abrieten, ein Lehramt zu studieren.

Ich unterstelle dem riesigen Beamtenapparat in den Bezirks- und Landesschulräten und im Ministerium nicht, dass sie faule Nichtstuer sind. Nein, die Beamten sind damit beschäftigt, so sinnentleerte Erlässe zu verfassen, dass Lehrer, die keine Turnlehrer sind, mit den Kindern keinen Turnsaal betreten dürfen. Da aber Bewegung für den Lernerfolg wichtig ist, wird halt in der Klasse geturnt. Ist ja viel ungefährlicher bei all den Sesseln und Tischkanten.

Bildung: Das Vertrauen fehlt

Foto: cklingler (flickr)

Gesamtschule, Neue Mittelschule, Gymnasium für alle, Ganztagsschule, Universitätsmisere, PISA-Debakel – diese Schlagwörter prägen die Debatte um die dringend erforderliche Reform des Bildungssystems in Österreich. Doch in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes: Vertrauen.

Warum würden die meisten Eltern ihre Kinder am liebsten ausschließlich zu Hause betreuen und keinesfalls in einen Kindergarten geben? Weil sie kein Vertrauen haben, dass ihre Kinder im Kindergarten die optimale Förderung bekommen.

Warum beantworten zwar die meisten Wähler die Frage, ob sie für den Ausbau von ganztätigen Schulformen sind, mit ja, aber wenn es um die eigenen Kinder geht, dann ist die Ganztagsschule doch nur die letzte Lösung, wenn es sonst keine anderen Möglichkeiten der Betreuung gibt? Weil die Eltern kein Vertrauen in die Lehrer haben.

Warum will die Mehrheit der Österreicher keine Gesamtschule oder Neue Mittelschule und beharrt auf dem veralteten Zwei-Klassen-Schulsystem? Weil sie fürchten, dass ihre Kinder sonst keine ausreichende Ausbildung bekommen?

Warum wollen die meisten Frauen, die Kinder im Pflichtschulalter haben, zu Hause bleiben oder maximal in Teilzeit arbeiten? Weil die Kinder von der Schule nicht zuverlässig betreut werden können.

Es fehlt das Vertrauen in die Pädagogen. Es fehlt das Vertrauen in die Schulverwaltung. Es fehlt das Vertrauen in die Politik, dass diese Probleme endlich angegangen werden.

Jede Diskussion um eine Reform des Bildungssystems muss daher mit einer Frage beginnen: Wie können wir das Vertrauen der Menschen in das System wiederherstellen? Welche Maßnahmen können wir setzen, damit Eltern das Gefühl haben, dass ihre Kinder in guten Händen sind?

Ich werde in den nächsten Tagen hier einige Problemfelder aufzeigen, die deutlich machen, warum das Vertrauen in das Bildungssystem so schwer erschüttert wird.

Lehrer-Ausbildung neu: Ein Schritt in die richtige Richtung

image Heute wurde ein Expertenbericht zur Reform der Ausbildung von Lehrer/-innen und sonstiger Pädagogen/-innen vorgelegt. Der Bericht ist aus meiner Sicht ein großer Schritt in die richtige Richtung. Einige Details gefallen mir jedoch nicht.

Bachelor-Studium und Kindergarten-Pädagog(inn)en

Ein einheitliches Grund-Studium für alle pädagogischen Berufe ist grundsätzlich zu begrüßen und verbessert sicher die pädagogische und didaktische Ausbildung der Junglehrer/-innen. Anscheinend soll dieses Studium aber von Anfang in Primär- und Sekundarstufenlehrer/-innen differenziert werden. Ich halte diese Differenzierung für einen Fehler. Vielmehr sollte die Grundausbildung möglichst breit gefächert und nicht fachspezifisch sein.

Dass die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP) erhalten bleibt, halte ich ebenfalls für einen großen Fehler. Ich bin grundsätzlich ein großer Kritiker der BMHS. Wer weiß schon schon 15 Jahren, welchen Beruf er oder sie mit 18 oder 19 ausüben möchte? Speziell bei Kindergartenpädagog(innn)en halte ich das für extrem problematisch. Die Jugendlichen stecken mitten in der Pubertät und entscheiden sich, möglicherweise vom Stand des Hormonspiegels geleitet, für einen verantwortungsvollen Beruf, bei dem sie mit Kindern zu tun haben werden. Auf der einen Seite wollen wir die Zahl der Teenager-Schwangerschaften verringern, andererseits lassen wir Teenager ohne jede Lebenserfahrung auf unsere Kinder los? Ich bin daher für die ersatzlose Abschaffung der BAKIP.

Master-Studium

Dass für die Notengebung in der Abschlussklasse der Volksschule ein Masterstudium erforderlich sein wird, halte ich für übertrieben. Andererseits plädiere ich dafür, dass das Master-Studium fachbezogen gestaltet sein sollte und generell für alle Lehrer/-innen der Sekundarstufe verpflichtend sein sollte. Warum ein/-e Volksschullehrer/-in ein Master-Studium benötigt, ein/-e Lehrer/-in der Oberstufe jedoch nicht, sofern er oder sie nicht die Matura abnimmt, erscheint mir nicht logisch.

Master of Advanced Studies für Direktor(inn)en und Fachbereichsleiter(inn)en

Es ist eine gute Idee, dass für Leitungsposten eine Zusatzqualifikation benötigt wird. Ich hoffe, dass diese Ausbildung in erster Linie Management und Personalführung umfasst.

Bewährungsphasen

Die Bewährungsphasen sollten ausgedehnt werden. Jede/-r Pädagoge/-in sollte zumindest 2 Jahre in einem Kindergarten arbeiten und sich dort bewähren müssen. Anschließend würde ich verpflichtend mindestens 4 Jahre an einer Volksschule vorschreiben. Dann folgen weitere 4 Jahre in der Sekundarstufe I (siehe Info-Grafik).

Eine derartige Staffelung hätte auch Kostenvorteile: Viele würden wohl auf ein Masterstudium verzichten, wenn ihnen der Job in der Volksschule gefällt. Durch die verpflichtenden 2 bzw. 4 Jahre in Kindergarten und Volksschule gäbe es in diesen Bereichen auch sicher keinen Mangel an Arbeitskräften, auch wenn man die Bezahlung nicht dramatisch erhöht. Denn es muss jedem klar sein, dass verbesserte Ausbildung auch grundsätzlich bessere Bezahlung bedeuten muss.

Lehrer und Schüler strafen – oder doch keinen?

Jüngst hat ja die Lehrergewerkschaft den Wunsch geäußert, dass Lehrer wieder strafen dürfen sollen. Abgesehen davon, dass das eine Polemik ist, weil Lehrer schon jetzt durchaus Sanktionsmöglichkeiten haben, sollten die Lehrer mal vor der eigenen Türe kehren und Schauen, was sie für ein Vorbild abgeben.

Aber fangen wir mal beim Ist-Zustand an: Eine sehr wichtige Sanktionsmöglichkeit, die Lehrer jetzt schon haben, ist es, dass sie Schülern auftragen können, im Unterricht Versäumtes zu Hause nachzuholen. Im Klartext: Schüler, die den Unterricht stören, können z. B. mit Extra-Aufgaben belegt werden. Über diesen Umweg sind sogar die vielgeschmähten Kollektivstrafen möglich. Stört ein Schüler den Unterricht nachhaltig, haben ja alle was versäumt, was sich in den Hausübungen auswirkt. Warum das von Lehrern nicht gemacht wird, liegt auf der Hand: Hausübungen müssen auch kontrolliert werden, was auch für die Lehrer Mehraufwand bedeutet. Doch wie sähe das bei den vorgeschlagenen Sozialdiensten aus? Die müssen schließlich auch beaufsichtigt werden.

So unrealistisch der Vorschlag der Gewerkschaft da ist, die Gewerkschaft sollte einmal dafür sorgen, dass die Lehrer selbst ihre Pflichten erfüllen. Ich rede hier jetzt nicht von Einzelfällen, die durchaus eine signifikante Masse erreichen können, sondern von einer Art kollektiven Bummelstreik. Ein Lehrer hat zum Beginn der Unterrichtsstunde in der Klasse zu sein. So schreibt es das Schulunterrichtsgesetz und das Dienstrecht vor. In der Praxis ist das praktisch nie der Fall. Im Durchschnitt beginnt der Unterricht im Schnitt mindestens 5 Minuten nach Beginn der Unterrichtsstunde. Jeder einzelne Lehrer prellt den Steuerzahler so um 50 Stunden Arbeitszeit im Jahr! Das wären übrigens ziemlich genau die 2 Stunden mehr Lehrverpflichtung, die ja im Frühjahr gescheitert sind.

Das skandalöse dabei ist, dass nicht nur Millionen Unterrichtsstunden dadurch verloren gehen, die wir alle bezahlen müssen, sondern dass die Lehrer dabei auch noch ein schreckliches Vorbild ihren Schülern abgeben. Schließlich verlangen sie ja von den Schülern sehr wohl Pünktlichkeit.

Und bevor es irgendjemand anderer bringt: Hier das häufigste Gegenargument, warum es angeblich nicht möglich ist, pünktlich in der Klasse zu sein: Gangaufsicht. Nur stimmt dieses Argument nicht. Erstens hat nur ein geringer Anteil der Lehrer in jeder Pause Gangaufsicht. Zweitens könnte die Gangaufsicht ja vorzeitig beendet werden, wenn der unterrichtende Lehrer rechtzeitig in der Klasse wäre, sozusagen eine Staffelübergabe.

Ich bin ja sehr für Sanktionen, aber sie sollten dann auch bitte für beide gelten.