Neue Mittelschule: Qualität kommt, soziale Selektion bleibt

Nun ist sie also auf den Weg gebracht: Alle Hauptschulen Österreichs werden in den kommenden Jahren zur Neuen Mittelschule umgewandelt. Ist das der große Schritt in der Bildungsreform, von dem die Regierung spricht, oder nur Kosmetik?

Leider werden in der Debatte pro und contra Neue Mittelschule immer wieder zwei Dinge vermischt. Das eine ist die Qualität der Schule, besser gesagt der Lehrer. Das andere ist die soziale Selektion.

Neue Mittelschule als Qualitätsoffensive

Die Qualität der Hauptschulen kann durch die die Neue Mittelschule verbessert werden. Innere Leistungsdifferenzierung mit gezielter Förderung in kleinen Gruppen, mehr Lehrer und insgesamt mehr Geld für eine bessere Ausstattung sind die Zutaten, aus denen eine bessere Schule werden kann. Aber schon jetzt bietet so manche ländliche Hauptschule eine bessere Unterrichtsqualität als so manches Gymnasium in den großen Städten. Die Neue Mittelschule wird dazu führen, dass ländliche Hauptschulen qualitativ die meisten Gymnasien überholen. Denn die Qualitätsoffensive geht an den auch nicht berauschenden Gymnasien völlig vorbei. Aber auch in den Städten wird sich der Unterricht in den Neuen Mittelschulen deutlich verbessern. Aufgrund der sozialen Selektion – Stichwort „Restschule“ – wird die Neue Mittelschule dort aber noch lange nicht an die ohnehin nur durchschnittliche Ausbildungsqualität der Gymnasien heranreichen.

Die soziale Selektion bleibt

Die zweite Baustelle im österreichischen Bildungssystem ist die soziale Selektion. Alle Experten bestätigen, dass nicht die Begabung der Kinder ausschlaggebend dafür ist, ob sie mit 10 Jahren in die Hauptschule oder ins Gymnasium kommen. Warum gehen in Hietzing fast alle Kinder ins Gymnasium, in Rudolfsheim-Fünfhaus dagegen ein großer Teil in die Hauptschule? Die Durchschnittsbegabung erklärt diesen Unterschied wohl kaum.

An dieser sozialen Selektion ändert die Übernahme der Neuen Mittelschule in das Regelschulwesen nichts. Auch weiterhin wird ein Großteil der Mittel- und Oberschicht-Kinder in den Städten in die Gymnasien drängen, während für die unteren sozialen Schichten in die umbenannten „Hauptschulen“ gesteckt werden. Nur eine Gesamtschule für die von sechs bis vierzehn könnte dieses Problem lösen.

Verhindern durch Vermischen

Konservative Politiker vermischen ja gerne die Qualitätsfrage mit der sozialen Frage. Als Argument gegen eine Gesamtschule wird häufig die „Nivellierung nach unten“ angeführt. Ja, das kann natürlich passieren. Die Gesamtschule verbessert nicht automatisch die Qualität der Ausbildung. Aber sie verhindert eine frühzeitige soziale Selektion.

Dass eine Gesamtschule aber zwangsläufig eine Verschlechterung der Ausbildungsqualität für begabte Schüler bedeutet, ist auch nur die halbe Wahrheit. Im Gegenteil: Wendet man die Unterrichtsprinzipien der Neuen Mittelschule konsequent an, so bekommen auch begabte Schüler eine bessere Förderung. Aber natürlich passiert das nicht automatisch. Die Einführung einer echten Gesamtschule muss von einer Qualitätsoffensive begleitet werden. Dann würden alle Schüler davon profitieren.

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die AHS eine Schule der Mittelmäßigkeit darstellt.