Das Recht der Kinder auf beide Eltern: Automatisches Sorgerecht als Königsweg?

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Die Debatte um eine Neuregelung des Sorgerechts für Kinder nach Scheidungen erreichte in den letzten Wochen einen neuen Höhepunkt. Befürworter einer automatischen gemeinsamen Obsorge ziehen mit dem Schlachtruf „Recht des Kindes auf beide Eltern“ in die Diskussion. Die Gegner verweisen darauf, dass ein großer Teil der Familienlasten immer noch von den Frauen getragen wird und sie mit einer automatischen gemeinsamen Obsorge in ihren Rechten beschnitten werden, ohne dass ihnen Pflichten abgenommen werden.

Doch lassen wir in der ganzen Debatte einmal die Ideologien weg. Betrachten wir die Situationen, die sich in einer Familie im Zuge einer Scheidung ergeben. Im Grunde gibt es zwei Szenarien einer Scheidung: Entweder man trennt sich halbwegs gütlich. Dann werden die ehemaligen Ehepartner wohl auch kein Problem damit haben, sich auf eine gemeinsame Obsorge zu einigen.

Uneinigkeit bei der Scheidung, aber erzwungene Einigkeit bei der Erziehung?

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Doch was ist, wenn die Scheidung zum Rosenkrieg ausartet? Natürlich werden in einem solchen Fall gerade die Kinder oft zum Streitobjekt. Letztlich muss das Gericht entscheiden, wer das Sorgerecht erhält. Natürlich könnte man mit einer automatischen gemeinsamen Obsorge diesen Streit verhindern.

Doch der Streit wird so nur für lange Zeit nach der Scheidung fortgesetzt. Das fängt bei der Frage an, wo die Kinder wann wohnen. Geht über finanzielle Fragen: Wer erhält die Familienbeihilfe? Wer zahlt an wen wie viel Alimente? Am Ende stehen für die Kinder existenzielle Fragen auf dem Spiel. In welche Schule sollen die Kinder wechseln? Welchen Lehrberuf sollen sie ergreifen? Bei all diesen Fragen ist die Zustimmung beider Ehepartner erforderlich, die sich Jahre zuvor nicht über das Sorgerecht einigen konnten. Und das soll gut gehen?

Jeder logisch denkende Mensch kann mir nur zustimmen, dass das automatische gemeinsame Sorgerecht nur für noch mehr Streit auf dem Rücken der Kinder sorgen würde. Können sich die Partner nicht einigen, muss eine eindeutige Regelung vom Gericht getroffen werden. In der Regel werden die Kinder jenem Partner zugesprochen werden, der oder die in den ersten Lebensjahren den intensiveren Kontakt zu den kleinen hatte. Das werden meistens die Frauen sein, weil noch immer mehrheitlich die Frauen in Karenz gehen.

Es gibt natürlich Fälle, bei denen die Kinder der Mutter oder dem Vater zugesprochen werden, und sich im Nachhinein herausstellt, dass dies nicht die beste Lösung für die Kleinen ist. Doch ein gerichtlicher Antrag zur Übertragung des Sorgerechts ist auch jetzt schon möglich. Da entscheiden dann Gutachter und Richter, aber nicht Politiker.

Uneheliche Kinder

Manche Extremisten fordern gar das automatische gemeinsame Sorgerecht für uneheliche Kinder. Das ist natürlich so realistisch wie dass sich plötzlich alle Autofahrer an Geschwindigkeitsbeschränkungen halten. Wie soll das funktionieren? Will eine Frau nicht, dass auch der Vater das Sorgerecht bekommt, würde es ihr wohl nicht schwer fallen, dessen Identität zu verheimlichen. Leidtragende wären in diesem Fall die Kinder, die um Alimente umfallen und daher ein größeres Armutsrisiko aufweisen.

Zankapfel Besuchsrecht

In Wahrheit geht es in der ganzen Diskussion gar nicht um das Sorgerecht. Ich glaube gar nicht, dass so viele Väter unbedingt das gemeinsame Sorgerecht haben wollen. In Wahrheit geht es um das Besuchsrecht für ihre Kinder. Immer öfter verweigert ein Ex-Partner (meist die Frau) dem anderen (meist dem Mann) das eigentlich gerichtlich vereinbarte Besuchsrecht. Zurück bleiben frustrierte Väter, die den Kontakt zu ihren Kindern halten wollen, was aber vereitelt wird.

Bei kleinen Kindern reicht oft schon ein halbes Jahr Hinhaltetaktik, um ein Kind seinem Vater zu entfremden. Kommt es dann doch zu einem Besuch „fremdelt“ das Kind, was die Mutter als Beweis ansieht, dass das Kind den Vater nicht will. Es folgen Anträge bei Gericht auf Änderung oder sogar Aufhebung des Besuchsrechts. Das ist für beide Seiten zermürbend und endet oft in einem abgebrochenen Kontakt.

Vielleicht sollte man daher eher über ein automatisches, gesetzlich geregeltes Besuchsrecht nachdenken. Das sollte dann endlich auch für uneheliche Kinder verankert werden. Hier sollte es auch kurzfristig anzuordnende Sanktionen geben. Man könnte beispielsweise bei Verweigerung des Besuchsrechts die Alimente auf ein Treuhandkonto einzahlen, das erst bei Volljährigkeit an die Kinder direkt ausbezahlt wird, um Eltern finanziell unter Druck zu setzen.

Kinder haben tatsächlich das Recht auf beide Eltern. Aber Kindern ist es egal, wer jetzt die Obsorge hat. Wichtig ist ihnen, den Kontakt zu beiden Elternteilen zu halten. Und das sollte das wesentliche Ziel des Gesetzgebers sein.