Das Vertrauen in das Bildungssystem fehlt also – was nun?

Das Bildungssystem ist also krank. Die Kindergartenpädagogen sind unterqualifiziert und unterbezahlt. Die Schulverwaltung schafft es nicht, Lehrerposten zeitgerecht neu zu besetzen. Lehrer können ohne Konsequenz die Zukunft mehrerer Schülergenerationen ruinieren. Die Lehrergewerkschaft hat kein Interesse daran, das Image des Lehrberufs zu heben. Und wenn man Studenten den Ratschlägen des Wissenschaftsministeriums folgen, werden sie von einem Chaos in das andere geschickt.

Wundert es also jemanden, dass viele Eltern jeder radikalen Veränderung des Systems skeptisch gegenüber stehen? Wundert es, dass sie ein noch größeres Chaos befürchten? Ja, die Ganztagsschule als Regel wäre sinnvoll, doch wer will sein Kind schon unfähigen Lehrern den ganzen Tag aussetzen? Ja, die gemeinsame Schule von 6 bis 14 würde vieles vereinfachen und allen Schülern bessere Bildungschancen bringen, doch traut man dieser Schulverwaltung tatsächlich die innere Differenzierung zu?

Vielleicht sollte die Politik statt der großen Reformen endlich versuchen, das Vertrauen wiederherzustellen. Die großen Reformen werden dann wohl umso leichter fallen. Daher fordere ich noch vor allen anderen Reformschritten:

  • Schrittweise Anhebung des Ausbildungsniveaus von Kindergartenpädagogen und –pädagoginnen auf akademisches Niveau bei gleichzeitiger Erhöhung der Bezahlung
  • Konsequente Bereinigung des Lehrkörpers um unqualifizierte Mitglieder
  • Ausreichende Finanzierung der Hochschulen

Hochschulpolitik: Vertrauen bei all den Lügen?

TU-Rektorin Sabine Seidler nennt die überlaufenen Studien: Informatik und Maschinenbau (Foto: TU Wien)

Im vorletzten Teil meiner Bildungsserie soll es um die höchste Stufe im Bildungssystem gehen: Die Hochschulen und Universitäten. Die Probleme sind ja allgemein bekannt: Viele Fächer an den Unis sind überlaufen, die Finanzierung ist löchrig und die Studienbedingungen unzumutbar.

Was sind die Antworten des ÖVP-geführten Wissenschaftsministeriums? Einerseits will die ÖVP Studiengebühren einführen. Warum diese nicht zur Schließung der Finanzierungslücke beitragen können, habe ich schon vor einiger Zeit ausführlich dargelegt. In aller Kürze: Entweder die Studiengebühren betragen maximal einige hundert Euro pro Semester, dann sind sie nichts als ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn die Höhe aber so festgelegt wird, dass sie einen nennenswerten Finanzierungsbeitrag leisten, so müssen auf der anderen Seite die Stipendien massiv erhöht werden, will man, dass die Absolventenzahlen nicht drastisch einbrechen. So geben zwar zunächst die Studenten, doch letztlich muss doch der Staat den Großteil der Finanzierung tragen.

Doch die Studenten sollen sich ja nicht über unzumutbare Studienbedingungen beschweren. Sie sind ja selbst schuld, drängen sie doch alle in die beliebten Massenfächer, wo die Jobaussichten später ohnehin nicht so rosig sind. Deshalb wollte die damalige Wissenschaftsministerin Beatrix Karl für die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) werben.

Dumm nur, dass die Studienbedingungen ausgerechnet in Informatik und Maschinenbau, also jenen Fächern, die die jungen Leute laut Karl studieren sollen, und die auch hervorragende Job-Aussichten haben, fast genauso unzumutbar sind wie in Jus, Publizistik oder Psychologie, wie die neue Rektorin der TU Wien, Sabine Seidler erst letzte Woche in einem Interview unumwunden feststellte.

Die Matura ist die Berechtigung, an einer Hochschule studieren zu dürfen. Doch in Wahrheit gibt es gar nicht genügend Studienplätze für alle studierwilligen Maturanten. Das ist nicht nur ein Verteilungsproblem. Das Wissenschaftsministerium schaut zu und diskutiert solche Nebensächlichkeiten wie Studiengebühren, Studieneingangsphasen usw.

Ich kann also nicht darauf vertrauen, dass dieser Staat genügend Ressourcen zur Verfügung stellt, damit meine Kinder das studieren können, was am Arbeitsmarkt gefragt ist und ihren Begabungen entspricht.

Bildung: Das Vertrauen fehlt

Foto: cklingler (flickr)

Gesamtschule, Neue Mittelschule, Gymnasium für alle, Ganztagsschule, Universitätsmisere, PISA-Debakel – diese Schlagwörter prägen die Debatte um die dringend erforderliche Reform des Bildungssystems in Österreich. Doch in Wirklichkeit geht es um etwas ganz anderes: Vertrauen.

Warum würden die meisten Eltern ihre Kinder am liebsten ausschließlich zu Hause betreuen und keinesfalls in einen Kindergarten geben? Weil sie kein Vertrauen haben, dass ihre Kinder im Kindergarten die optimale Förderung bekommen.

Warum beantworten zwar die meisten Wähler die Frage, ob sie für den Ausbau von ganztätigen Schulformen sind, mit ja, aber wenn es um die eigenen Kinder geht, dann ist die Ganztagsschule doch nur die letzte Lösung, wenn es sonst keine anderen Möglichkeiten der Betreuung gibt? Weil die Eltern kein Vertrauen in die Lehrer haben.

Warum will die Mehrheit der Österreicher keine Gesamtschule oder Neue Mittelschule und beharrt auf dem veralteten Zwei-Klassen-Schulsystem? Weil sie fürchten, dass ihre Kinder sonst keine ausreichende Ausbildung bekommen?

Warum wollen die meisten Frauen, die Kinder im Pflichtschulalter haben, zu Hause bleiben oder maximal in Teilzeit arbeiten? Weil die Kinder von der Schule nicht zuverlässig betreut werden können.

Es fehlt das Vertrauen in die Pädagogen. Es fehlt das Vertrauen in die Schulverwaltung. Es fehlt das Vertrauen in die Politik, dass diese Probleme endlich angegangen werden.

Jede Diskussion um eine Reform des Bildungssystems muss daher mit einer Frage beginnen: Wie können wir das Vertrauen der Menschen in das System wiederherstellen? Welche Maßnahmen können wir setzen, damit Eltern das Gefühl haben, dass ihre Kinder in guten Händen sind?

Ich werde in den nächsten Tagen hier einige Problemfelder aufzeigen, die deutlich machen, warum das Vertrauen in das Bildungssystem so schwer erschüttert wird.

Latein als Maturafach? Wem nützt das?

Foto: Freimut (flickr)

In der Diskussion um Türkisch als Maturafach hat sich auf Twitter auch eine Nebendiskussion eröffnet, wozu eigentlich noch Latein als Maturafach dienen soll.

Um es gleich klarzustellen: Ich habe selbst insgesamt 5 Schuljahre lang Latein gelernt und es durchaus genossen. Zwei Jahre lang hatte ich es als Pflichtgegenstand am Gymnasium. In der Handelsakademie habe ich es dann als Freifach gewählt. Das bedeutete dreimal in der Woche Unterrichtsbeginn 6:50 Uhr und einmal in der Woche eine siebente Stunde. Man kann mir also nicht vorwerfen, dass ich Latein gehasst habe.

Doch wozu dient Latein als Unterrichtsfach wirklich noch? Immer wieder werden zwei, drei Argumente genannt.

Argument 1: Wer Latein lernt, lernt andere Sprachen leichter?

Ich halte mich selbst für zumindest durchschnittlich sprachbegabt. Ich habe zwei Jahre Latein am Gymnasium gelernt, bevor ich in die Handelsakademie übergetreten bin. Dort wählte ich als zweite lebende Fremdsprache Französisch, also eine Sprache, der allgemein nachgesagt wird, dass man sie mit Latein-Kenntnissen leichter lernt.

Zumindest bei mir bewahrheitete sich das nicht. Obwohl ich recht gut in Latein war, erreichte ich in Französisch höchstens durchschnittliches Niveau. Mitschüler, die nie Latein gelernt haben, lernten Französisch teilweise erheblich leichter.

Umgekehrt belegte ich Jahre später an der Volkshochschule einen Tschechisch-Kurs. Aus Zeitgründen habe ich das Projekt Tschechisch zu lernen zwar wieder aufgegeben, es fiel mir aber auf, dass die slawische Grammatik weit mehr mit Latein zu tun hat als die französische. Hier hatte ich mit meinen Latein-Kenntnissen doch einen kleinen Vorteil.

Argument 2: Latein schult das Denken und den Umgang mit der Sprache

Den überwiegenden Teil der Unterrichtszeit verbringt man im Latein-Unterricht damit, lateinische Texte ins Deutsche zu übersetzen. Es stimmt, dass man dadurch einen bewussteren Umgang auch mit der eigenen Muttersprache erlernt. Ich denke, dass sich diese Übersetzungsarbeit sehr positiv auf meine Ausdrucksweise ausgewirkt hat und beobachte das auch bei anderen Latein-Schülern.

In der Handelsakademie verbringt man auch viel Zeit in Englisch und Französisch mit dem Übersetzen von Zeitungsartikeln ins Deutsche. Hier hatte ich schon einige Übung. Denn es ist das eine zu wissen, worum es in einem Artikel geht, aber es ist etwas völlig anderes, einen Originaltext in ein verständliches und gleichzeitig präzises Deutsch zu übersetzen. Hier hatte ich eindeutig Vorteile gegenüber Mitschülern, die Latein nicht gelernt haben.

Argument 3: Latein ist Zugangsvoraussetzung für viele Studien

Foto: micha1968 (flickr)

Dem ist leider nichts entgegenzusetzen. Wer Rechtswissenschaften oder Medizin studiert, benötigt das Latinum. Allerdings frage ich mich schon wozu? Ja, es gibt eine juristische und medizinische Fachsprache, die hauptsächlich aus lateinischen Wörtern besteht. Aber Krankenpfleger oder Physiotherapeuten beherrschen diese Begriffe beispielsweise oft genauso gut wie Mediziner und müssen dazu nicht jahrelang Latein gelernt haben.

Diese Fachbegriffe kann man in kurzer Zeit auch lernen, ohne jahrelang Cicero, Caesar oder Ovid zu übersetzen. In vielen Wissenschaften gibt es auch eine große Zahl an Fachbegriffen mit altgriechischer Herkunft. Trotzdem wird das Graecum nur mehr in sehr wenigen Studien als Voraussetzung verlangt. Kann es vielleicht sein, dass das Latinum nur mehr als elitäre Barriere für bestimmte Studienrichtungen dient?

Die heutige Bedeutung von Latein

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Wer spricht eigentlich wirklich noch Latein? Außer der katholischen Kirche fällt mir da niemand ein. Vor 50 Jahren hatte die Kirche bei uns noch eine hohe Bedeutung. Doch heute? Die politische Bedeutung des Vatikan ist – auch wenn das manchen nicht gefallen mag – seit dem zweiten Weltkrieg praktisch null. Außer bei wissenschaftlichen Fachbegriffen spielt Latein praktisch keine Rolle mehr.

Latein könnte natürlich wieder mehr Bedeutung erlangen. Als Sprache für Gesetzestexte erscheint es mir wegen der hohen Präzision ideal. Eine Idee wäre, Latein als offizielle Amtssprache der EU einzuführen. Man könnte viele Milliarden Euro sparen, die derzeit für beglaubigte Übersetzungen in alle Landessprachen ausgegeben werden müssen. Wahrscheinlich bleibt diese Idee daher reine Utopie.

Fazit

Rechtfertigen die oben genannten Argumente tatsächlich, dass man Gymnasiasten insgesamt mindestens 11 Wochenstunden lang eine tote Sprache unterrichtet? Zum Vergleich: Mathematik wird an der Oberstufe 11 bis 14 Wochenstunden unterrichtet. Informatik bringt es lediglich auf 2 Pflichtstunden. Alle naturwissenschaftlichen Fächer zusammen bringen es in der Oberstufe des Gymnasiums auf 15 bis 17 Wochenstunden. Wird das Ziel, junge Leute verstärkt für MINT-Studien (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) zu interessieren, damit erreicht? Welchen praktischen Nutzen hat ein junger Mensch in seinem Leben davon, Latein gelernt zu haben?

Für mich ist klar: Genauso wie ich gegen die Einführung von Türkisch als Fremdsprachenfach bei der Matura bin, bin ich auch für den Entfall von Latein. Ich freue mich aber über gute Argumente in den Kommentaren hier, die mich vom Gegenteil überzeugen.

100 Jahre Frauentag: Die Hürden zur Gleichberechtigung

Wir feiern heute 100 Jahre Frauentag. Die Frauenbewegung hat in diesen 100 Jahren viel erreicht. Doch es scheint, als ob eine gläserne Decke erreicht wurde. In den letzten 10, 15 Jahren gab es bei der Gleichberechtigung kaum Fortschritte. Woran liegt das? Und wie können wir das ändern? Gleich vorweg: An der Ausbildung und Bildung der jungen Frauen kann es nicht mehr liegen.

In der Schule: Mädchen bringen bessere Leistungen

Fangen wir an den Schulen an. Quer durch alle Schultypen und Schulstufen bringen Mädchen im Durchschnitt bessere Leistungen als Buben. Selbst wenn man die Spitzenleistungen in den einzelnen Gegenständen einschließlich der vielzitierten Mathematik betrachtet, sind ebenso viele Mädchen Klassenbeste wie Buben. Bei den Maturanten herrscht seit Jahrzehnten ein leichter Überhang bei den jungen Frauen.

Akademiker: Mehr Frauen schließen ein Studium ab

Foto: Marco F (flickr)

Sowohl bei den Studienanfängern als auch bei den Abschlüssen bilden Frauen ebenfalls seit Jahrzehnten eine leichte Mehrheit. Frauen unter 40 sind also mindestens ebenso gut ausgebildet wie die männlichen Kollegen. Es ist wahr, dass Frauen öfter Ausbildungen ergreifen, in denen die Bezahlung nicht so gut ist. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Frauen, die Jus, Publizistik oder Betriebswirtschaft studieren – und der Frauenanteil bei diesen Studien ist seit Jahrzehnten hoch – haben gegenüber ihren männlichen Kollegen eindeutig die schlechteren Karrierechancen.

Schlecht bezahlte Frauenberufe: Die Henne-Ei-Frage

Foto: Ed Yourdon (flickr)

Ich kann die Ausrede, dass typische Frauenberufe halt schlechter bezahlt werden und sich die jungen Frauen halt männlich dominierte Berufe aussuchen sollen, wenn sie ihrer Ausbildung entsprechend entlohnt werden wollen, nicht mehr hören. Nehmen wir zum Beispiel den Beruf der Programmiererin. Ich schreibe das jetzt bewusst in der weiblichen Form und ohne Binnen-I. Bis in die frühen 1980er-Jahre hinein war dieser Beruf weiblich dominiert und trotz aufwändiger Ausbildung relativ schlecht entlohnt. Ab den 1980er drängten viele junge Männer in diesen Beruf. Heute ist der Beruf männlich dominiert und blendend bezahlt. Die Gegenteilige Entwicklung trat beim Beruf des Sekretärs ein. Bis in die 1970er-Jahre waren die meisten Sekretäre Männer. Der Beruf genoss ein hohes Ansehen und war überdurchschnittlich gut bezahlt. Ab den 1970er-Jahren waren in diesem Beruf Frauen in der Mehrheit. An der Ausbildung änderte sich nicht viel, aber an der Bezahlung. Heute verdienen Sekretärinnen meist weniger als Facharbeiter. Viel hat das auch mit Macht zu tun. Während heute Kaffeekochen zu den Kernkompetenzen von Sekretärinnen zählt, hätte sich vor 50 Jahren wohl kaum ein Sekretär zu dieser Tätigkeit herabgelassen.

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Viele Frauen streben aber auch heute noch Berufe an, die mehr mit Menschen als mit Maschinen zu tun haben. Müssen wir das den Frauen vorwerfen? Nein. Jeder Mensch soll den Beruf ergreifen, der ihn erfüllt. Und jeder Beruf soll seiner Ausbildung und Arbeitsbelastung entsprechend bezahlt werden. Viele Berufe, in denen vorwiegend Frauen tätig sind, werden direkt oder indirekt von Steuergeldern finanziert. Die Politik hat es also direkt in der eigenen Hand, hier für mehr Emanzipation der Frauen zu sorgen. Warum verdienen Kindergartenpädagoginnen meist weniger als ein Filialleiter eines Supermarkts, obwohl sie eine bessere Ausbildung haben? Warum verdienen Pflegerinnen weniger als die meisten Facharbeiter, obwohl sie eine längere Ausbildung und oft auch eine schwerere Arbeit haben? Hier hat die Politik direkte und einfache Einflussmöglichkeiten.

Partnerschaft und Familie: Frauen machen sich von Männern abhängig

In anderen Bereichen tut sich die Politik eindeutig schwerer. Leider stehen Partnerschaft, Kinder und Familie in den Lebensentwürfen vieler junger Mädchen ganz, ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Burschen hingegen geben sich in diesen Fragen meist wesentlich zurückhaltender. Für sie steht Beruf und Karriere an erster Stelle. Während das bei jungen Männern gesellschaftlich akzeptiert ist, werden Frauen, die den Beruf als oberste Priorität ansehen, als karrieregeil bezeichnet.

Wenn wir über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sprechen, meinen wir meist mehr institutionelle Kinderbetreuung und flexible Arbeitszeiten. Doch vielfach wären Beruf und Familie schon heute leicht vereinbar, wenn die jeweils anderen Partner entsprechend mitspielten. Da müsste halt auf Überstunden und Nachtdienstzuschläge verzichtet werden. Die Angst vieler Frauen, diesen Familieneinkommensverlust nicht durch die eigene Erwerbsarbeit kompensieren zu können, lässt sie dann doch davor zurückschrecken, solche Schritte von ihren Partnern zu verlangen.

Die lebenslange Partnerschaft: Ein Traum, der für die wenigsten in Erfüllung geht

Foto: Mazoe28 (flickr)

Letztlich erweist sich das aber sehr häufig als Bumerang. Der Traum von der lebenslangen Partnerschaft erfüllt sich nur für die wenigsten. Jede zweite Ehe wird geschieden. Und es sind überwiegend jene Ehen, in denen die Frau zugunsten der Familie berufliche Abstriche machen musste. Das ist auch völlig logisch. Erledigt die Frau den überwiegenden Teil der Familienarbeit, hat der Mann mehr Freizeit und fühlt sich viel weniger an die Familie gebunden. Gleichzeitig steigt aber auch der Frust bei den Frauen. Eine oft fatale Mischung, die die Liebe tötet.

In sehr, sehr vielen Fällen steht die Frau am Ende mit den Kindern da und verfügt über ein relativ geringes Einkommen, weil sie ja zugunsten der Familie ihre Karriere hintangestellt hat. Solange die Kinder noch minderjährig sind, können die Alimente des Ex-Partners den finanziellen Nachteil noch kompensieren. Doch spätestens wenn die Kinder das Haus verlassen, fallen viele Frauen in ein finanzielles Loch, wenn sie sich nicht einem neuen Partner in die Arme werfen. Besonders eklatant wird die Armutsgefährdung dann in der Pension. Weit mehr Frauen müssen mit der Mindestpension auskommen als Männer – darunter auch viele durchaus gut gebildete und ausgebildete Damen.

Mehr Männer in die Karenz, aber wie?

Die Lösung klingt einfach und kompliziert zugleich. Mehr Männer müssen in Karenz gehen. Doch für viele Familien ist das finanziell immer noch nicht leicht zu bewältigen. Bei Frauen rechnen Arbeitgeber damit, dass diese sich irgendwann um Kinder kümmern. Das wird schon lange vor dem ersten Kind in den Karrieren berücksichtigt. So investieren Unternehmen in die Aus- und Weiterbildung von Frauen weniger Geld, Frauen werden bei Beförderungen oft übergangen, alles mit der Auswirkung, dass Frauen schon vor dem ersten Kind bei gleicher Arbeit weniger verdienen als männliche Kollegen. Gerade in stark konjunkturabhängigen und dynamischen Branchen haben es Frauen besonders schwer. Der Kündigungsschutz ab Eintritt von Schwangerschaften, Mutterschutz, Kündigungsschutz in der Karenz sind Karrierekiller für viele Frauen. Die Firmen haben Angst, Mitarbeiterinnen nicht mehr loswerden zu können, wenn die Zeiten wirtschaftlich schlechter werden.

Doch warum gilt der Kündigungsschutz immer nur für jenen Elternteil, der schwanger ist oder Kinder betreuen muss? Wenn der Kündigungsschutz immer automatisch für beide Elternteile gelten würde, wäre das Risiko für Firmen bei Männern wie bei Frauen gleich groß. Gleichzeitig würden sich wohl mehr Paare für Kinder entscheiden, weil die wirtschaftliche Absicherung deutlich verbessert wäre. Dass dies der Wirtschaft nicht schadet, beweisen vergleichbare Modelle in den skandinavischen Ländern. In der Folge stiegen dort auch wieder die Geburtenraten, was langfristig auch dem Pensionssystem zugutekommt. Ein Kündigungsschutz für beide Elternteile bis zum Schuleintritt des Kindes oder zumindest bis zum vierten Lebensjahr würde sicher mehr Männer motivieren, auch in Karenz zu gehen, weil sie weniger Nachteile für die eigene Karriere fürchten müssten.

Was kann die Politik tun?

  • Angleichung der Gehälter in öffentlich finanzierten Branchen an die Privatwirtschaft
  • Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung während der Arbeitszeit bis zur 8. Schulstufe
  • Kündigungsschutz für beide Elternteile unabhängig von der Karenz ab Eintritt einer Schwangerschaft bis zum Schuleintritt des Kindes

Und zum Schluss: Der Appell an Mädchen, Frauen und Mütter

Was können Frauen und Mädchen tun, um ihre eigene Gleichberechtigung zu verbessern? Was sollten Eltern, insbesondere Mütter ihren Töchtern mit auf den Lebensweg geben?

Mädchen und Frauen, seht der Realität ins Auge! Legt eure Beziehung nicht auf die Ewigkeit aus. Macht euch unabhängig von euren Partnern. Wenn ihr Opfer für die Beziehung oder die Familie bringt, fragt, ob euer Partner vergleichbare Opfer bringen würde und fordert diese Opfer auch ein. Denkt öfter mal darüber nach, was ihr machen würdet, wenn morgen eure Partnerschaft zu Ende geht? Habt ihr dann noch eine Wohnung? Könnt ihr mit dem Geld überleben? Richtet euer Leben an diesen zentralen Existenzfragen aus. Und habt keine Angst, dass das der Beziehung schaden kann, das Gegenteil ist der Fall. Gute Männer lieben selbständige Frauen. Und der Rest sollte seine Einstellung überdenken.

Wie Studieneingangsphasen richtig gemacht sein sollten

Nun kommen sie also die Studieneingangsphasen auch als Zugangsbeschränkungen bekannt. Doch was hier Beatrix Karl vorgeschlagen wird, hat mit einer Eingangsphase nichts zu tun. Das ist ein Hinausprüfen von jungen Menschen, die höhere Bildung erlangen wollen und das Pech haben, sich für eines der sogenannten Massenstudien zu interessieren.

Verfehlte Bildungspolitik

Wenn wir davon ausgehen, dass Österreich möglichst viele Akademiker braucht, um unseren Wohlstand auch in Zukunft zu sichern, ist das Hinausprüfen von bildungswilligen, jungen Leuten definitiv der falsche Weg. Von Kindern und deren Eltern verlangen wir, dass sie sich für Bildung interessieren und einsetzen, aber wer die Matura erreicht, soll bitteschön nicht nach mehr streben? Was ist das für eine Botschaft?

Ich akzeptiere das Argument, dass nun einmal viele Maturanten sich für nur wenige Fächer inskribieren, während andere Fächer händeringend nach Nachwuchs suchen. Dann sollte man aber endlich auch richtige Eingangsphasen machen.

Eingangsphasen richtig

Richtige Eingangsphase bedeutet: Fächerneutrales Semester, in dem jeder Student und jede Studentin eine breite Palette grundlegenden Wissens aus möglichst vielen Studienrichtungen vermittelt bekommt. Diese Eingangsphase kann an jeder beliebigen Universität absolviert werden und sieht überall gleich aus. Eventuell schafft man dafür auch eine eigene Institution.

Talentecheck am Ende

Am Ende dieser Eingangsphase steht eine oder mehrere Prüfungen als Talentecheck. Der Studierende bekommt als Resultat eine Empfehlung von cirka 3 bis 5 Fächern, die er oder sie studieren kann. Diese Empfehlungen orientieren sich am Angebot an Studienplätzen und den getesteten Talenten des Bewerbers. Der Studierende muss dann aus diesen Fächern auswählen. Ist er oder sie damit unzufrieden, kann die Eingangsphase einmalig wiederholt werden.

Vorteile dieses Systems

Der Vorteil dieses Systems wäre, dass jeder Maturant und jede Maturantin einen garantierten Studienplatz hätte, der seinen oder ihren Talenten entspricht. Gleichzeitig würden wir die Studierenden gleichmäßiger auf die Fächer verteilen und könnten Talente auch besser fördern.

Was PISA mit Studiengebühren zu tun hat

Seit Jahrzehnten sagen uns Experten, dass es in Österreich trotz Gratis-Uni nur wenige aus den sogenannten bildungsfernen Schichten an die Hochschulen schaffen. Ganz offensichtlich ist die österreichische Bildungspolitik – und ich sage jetzt ganz bewusst nicht Hochschulpolitik – gescheitert. Doch die Wurzeln des Problems liegen nicht in der Finanzierung der Unis, auch wenn da vieles im Argen liegt.

Das österreichische Bildungssystem ist nicht dazu konstruiert, möglichst vielen Kindern die maximal mögliche Bildung zu ermöglichen, sondern um die Nachkriegsprobleme auf dem Arbeitsmarkt zu lösen. Die Eckpfeiler des Schulwesens wurden nach dem 1. Weltkrieg gebildet und nach dem 2. Weltkrieg noch einmal manifestiert. Nach beiden Kriegen hatte Österreich das Problem, dass es durch heimkehrende Soldaten ein Überangebot an Arbeitskräften gab. Um der drohenden Massenarbeitslosigkeit, die den Aufschwung behindern würde, entgegen zu wirken, wurden Frauen ganz bewusst aus dem Arbeitsmarkt verdrängt.

Die österreichische Regelschule, die nach wie vor als Halbtagsschule konzipiert ist, zeigt das am deutlichsten: Das System sieht vor, dass Lehrer am Vormittag die Schüler mit Wissen abfüllen, die Schüler damit dann zu Mittag nach Hause gehen und dieses Wissen zusammen mit den Müttern einüben. Dieses Modell hat in der Zwischenkriegszeit und in den 1950er- und 1960er-Jahren, als die Mehrheit der Mütter noch Hausfrauen waren, gut funktioniert.

Sehen wir uns aber einmal die gesellschaftliche Realität heute an. Mindestens 3 von 4 Frauen im gebärfähigen Alter gehen heute einer entgeltlichen Beschäftigung nach. Die Frauenerwerbsquote pendelt rund um 80 % und ist damit kaum geringer als bei den Männern. Nur wenige Frauen, die das Glück haben, einen Top-Verdiener als Ehemann zu haben, können heute bei den Kindern zu Hause bleiben und ihnen bei Hausübungen helfen.

Damit ist die soziale Selektion schon im Schulsystem vorprogrammiert. Ein Teil kann durch externe Nachhilfe kompensiert werden, doch die kann sich auch nicht jede Familie leisten. Dass unter diesen Bedingungen es ein Großteil der viel zitierten Arbeiterkinder gar nicht bis zur Matura schafft, liegt auf der Hand. Denen ist es daher völlig egal, ob jetzt Studiengebühren eingehoben werden oder nicht.

Beenden wir daher die Diskussion über Studiengebühren. Einigen wir uns darauf, dass die Ganztagsschule zur Regel werden muss und diskutieren wir darüber, wie wir diese Ganztagsschule organisieren, damit die Begabungen unserer Kinder darin optimal gefördert werden können.

Warum Studiengebühren die Hochschulen nicht finanzieren können

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl wird ja angesichts des immer dramatischer werdenden Finanzierungschaos an den Universitäten nicht müde zu betonen, dass zur Schließung der Lücke private Mittel notwendig seien. Unter privaten Mitteln versteht die ÖVP gemeinhin vor allem Studiengebühren.

Ich lasse hier einmal das Schlagwort “freier Hochschulzugang” bewusst weg. Es scheint auf den ersten Blick sozial gerecht und logisch, künftige Akademiker für ihre Ausbildung bezahlen zu lassen. Immerhin stammt ein Großteil der Studenten aus der Mittel- und Oberschicht. Außerdem verdienen Akademiker später mehr. Die Unterschicht finanziert damit indirekt mit ihren Steuern die aufklaffende Einkommensschere zwischen arm und reich.

Eine kleine Polemik sei mir erlaubt: Mit der gleichen Begründung könnte man auch gleich Schulgeld nach der 9. Schulstufe einführen. Schließlich verdienen Maturanten im Schnitt auch deutlich besser als der gemeine “Hackler”.

Bevor wir aber Studiengebühren ernsthaft diskutieren, möchte ich hier drei Thesen aufstellen.

  1. Die österreichischen Universitäten sind dramatisch unterfinanziert. Derzeit gibt Österreich 1,3 % des BIP für den Tertiärbereich aus. Österreich hat sich dazu verpflichtet, bis 2020 auf 2 % des BIP zu kommen. Da man davon ausgehen kann, dass das BIP bis dahin um ca. 25 % steigen wird, heißt das, dass das Uni-Budget jährlich um gut 10 % steigen müsste, um dieses Ziel zu erreichen. Tatsächlich sieht das Budget eine Reduktion der Ausgaben bis 2014 vor!
  2. Österreich hat im OECD-Vergleich viel zu wenige Akademiker. In Österreich schließen nur 20 % der Menschen eines Jahrgangs ihre Ausbildung mit einem Hochschulabschluss ab. Der OECD-Schnitt beträgt 36 %, also fast das Doppelte. Da Österreich weder über nennenswerte Bodenschätze noch über einen Meereszugang verfügt, können wir unseren Wohlstand nur erhalten, wenn wir die Ressource zwischen unseren Ohren (© Wolfgang Schüssel) entsprechend ausbauen.
  3. Wir bekommen nur dann die besten Köpfe an die Universitäten, wenn der Hochschulzugang alleine von der Begabung und nicht von der finanziellen Ausstattung des Elternhauses abhängig ist.

Die Finanzierungslücke an den Unis zwischen den 1,3 % und den 2 % des BIP beträgt nach heutigem Stand rund 2 Milliarden Euro. Müsste diese Lücke nur durch Studiengebühren geschlossen werden, würde das einen Betrag von rund 4.400 Euro pro Semester ausmachen. Das könnten sich wohl nur wenige Studenten leisten. Damit müsste der Staat das Stipendiensystem deutlich ausbauen, sodass auch Studenten aus der Mittelschicht davon großteils profitieren können. Dass damit ein Großteil der “Ersparnis” für den Steuerzahler wieder weg wäre, versteht wohl hoffentlich auch der dümmste Politiker.

Natürlich könnte man jetzt auch über ein Kreditsystem diskutieren. Die Studiengebühren könnten gestundet werden und werden später, wenn der Akademiker oder die Akademikerin gut verdient, in Raten zurückgezahlt. Ein Blick nach Großbritannien, wo es dieses System mit ziemlich genau diesen Gebührenhöhen auch gibt, zeigt, dass ein Großteil der Akademiker die Studiengebühren nie vollständig bezahlen kann. Damit entsteht für den Staat eine doppelte Finanzierungslücke: Erstens muss er das Studium auf Jahrzehnte hinaus vorfinanzieren und zweitens bekommt er einen Großteil der Studiengebühren nie wieder herein. Man beachte auch, dass bei Studiengebühren in dieser Größenordnung die Studenten auch Rechtsansprüche auf eine adäquate Ausstattung der Unis mit Raum, Personal und technischen Geräten hätten. Auch diese Ausstattung müsste erst einmal finanziert werden. Außer einer Riesen-Bürokratie gewinnen wir so also nichts.

Die Debatte um die Studiengebühren lenkt daher nur von den wahren Problemen in unserer Bildungspolitik ab: Warum finden trotz Gratis-Unis nur so wenige Arbeiterkinder den Weg zu höherer Bildung? Wie wollen wir die Finanzierungslücke in der Höhe von 2 Milliarden Euro für Wissenschaft und Forschung schließen? Studiengebühren verschieben das Problem nur, lösen es aber ganz offensichtlich nicht.

Das Sparpaket ist super!

Nach zwei Tagen Bedenkzeit über das Sparpaket der Regierung, muss ich mich ganz herzlich bedanken für ein Sparpaket, das mich nur am Rande trifft.

Danke!

Dass die 13. Familienbeihilfe für meinen 16-jährigen Sohn wegfällt, berührt mich überhaupt nicht. Das muss er schlucken. Sein Taschengeld wird ab dem kommenden Jahr einfach um 11 Euro im Monat gekürzt. Auch bei meinem jüngeren Sohn werde ich mir die Kürzung bei der Familienbeihilfe über eine Taschengeldeinsparungsmaßnahme wieder zurückholen. Warum soll ich dafür brennen? Warum soll mir die Jugend mehr wert sein als der Regierung? Sollen sie doch selber schauen, wie sie weiterkommen, die Buben.

Dass die Familienbeihilfe für Studenten nur mehr bis zum 24. Lebensjahr ausbezahlt wird, stört mich auch nicht. Meine Söhne werden werden halt arbeiten müssen um das Studium zu finanzieren, wenn die Familienbeihilfe ausläuft.

Im Gegenteil: Jetzt ist vielleicht eine gute Gelegenheit gekommen, selbst wieder auf die Uni zu gehen. Ist ja super dort! Familienbeihilfe bekäme ich ohnehin schon lange nicht mehr, Studiengebühren muss ich dank SPÖ auch keine zahlen, dafür werden jetzt sicher viele Plätze von jungen Leuten der “No future”-Generation frei werden, die sich das Studium nicht mehr leisten können. Fast 2000 Euro weniger im Jahr für das faule Studentenpack, das mit 24 immer noch nicht den PhD hat, ist ja sozial viel gerechter als 700 Euro Studiengebühr für erfahrene Männer wie mich, die auch ohne Bacc. ihren Lebensunterhalt gut bestreiten können.

Da stecke ich die 50 Euro, die mich die MÖSt-Erhöhung im Jahr kosten wird, und die paar hunderter zusätzlichen Pensionsbeitrag locker weg. Was interessiert mich schon die Zukunft? Sollen die Jungen doch nach Amerika gehen. Ist ja ohnehin alles besser dort.

Deshalb noch einmal ein ganz herzliches Dankeschön an unsere Regierung für dieses innovative und mittelstandsfreundliche Sparpaket.

Raubbau an der Ressource zwischen den Ohren

Ich bin schockiert. Da protestieren im Vorjahr Studenten wochenlang gegen überfüllte Hörsäle und unzumutbare Studienbedingungen ohne durchschlagenden Erfolg. Kein Wunder, dass sich die Proteste auch heuer wieder formieren. Und was ist die Reaktion der Regierung? Im Zuge des heute beschlossenen Sparpakets wird die Familienbeihilfe in vielen Punkten gekürzt. Der gravierendste ist sicher die Beschränkung darauf, dass sie nur mehr bis zum vollendeten 24. Lebensjahr ausbezahlt wird.

Betrachten wir das einmal an einem Beispiel, das nicht ganz zufällig Ähnlichkeiten mit meiner Person aufweist:

Geboren wird das Kind irgendwann im September oder Oktober. Mit 6 Jahren tritt es in die Volksschule ein, wird kurz darauf 7 Jahre alt (Herbstkind!). Mit 10 Jahren Übertritt in die AHS, mit 14 Jahren Übertritt in eine berufsbildende Schule. Matura ohne Ehrenrunde mit gut 19 Jahren. Danach wird darf der junge Mann ein Jahr zum Hungerlohn für den Staat arbeiten (Wehrpflicht oder Heeresersatzdienst). Der Studienbeginn erfolgt daher unter optimalen Voraussetzungen erst mit 21 Jahren.

Das Bachelor-Studium dauert in den meisten Studienrichtungen mindestens 3 Jahre. Nur fängt man mit dem Bachelor leider wenig an. Also wird der Master drangehängt. Doch da ist die Familienbeihilfe auch schon weg, denn der junge Mann in unserem Beispiel ist jetzt bereit gut 24 Jahre alt. Also muss er höchstwahrscheinlich arbeiten gehen, um sich das Studium zu finanzieren. In den vorgesehenen 2 Jahren ist das Studium so nicht zu schaffen.

Und was ist, wenn der junge Mann aufgrund der bekannt tollen Lehrer an unseren hervorragenden Schulen doch einmal eine Ehrenrunde drehen muss? Und die Ressourcen an den Unis sind ja bekanntlich auch so ausgelegt, dass es überhaupt kein Problem ist, in den geforderten Lehrveranstaltungen einen Platz zu bekommen.

Unterm Strich werden also viele, viele Studenten ein weiteres großes Loch in ihren knappen Budgets vorfinden, das sie mit hoffentlich bezahlter Arbeit stopfen müssen. Die durchschnittliche Studiendauer wird so sicher nicht kürzer werden. Aber vielleicht wird die Regierung so doch viele Studenten von den Unis drängen und so das latente Hochschulproblem “elegant” lösen.

Dass unser Land damit Raubbau an unserer wichtigsten Ressource betreibt, die bekanntlich ja zwischen unseren beiden Ohren (© Wolfgang Schüssel) liegt, dürfte eine Regierung, die lieber Löcher in Berge zwischen unbedeutenden Kleinstädten (sorry, liebe Grazer, Klagenfurter und Villacher!) bohrt wohl kaum stören. Hauptsache, die Bundesländer dürfen weiter ihre Schrebergärten mit Wohnbaugeldern pflegen.