Hurra, ich werde reich!

Mit fast einem Jahr Verzögerung kommt diesmal der schon traditionelle Bericht, wie gut das staatlich verordnete Zwangssparen (auch bekannt als Selbständigenvorsorge) läuft. Zur Erinnerung: Selbständige sind gezwungen, 1,53 % der Beitragsgrundlage (also des Bruttogewinns) an die Sozialversicherung zu bezahlen, die dieses Geld an private Investoren weiterreicht. Theoretisch erwerbe ich dort einen Anspruch auf eine „Abfertigung“. Bei Unselbständigen existiert ein ähnliches System als „Abfertigung neu“. Faktisch handelt es sich um ein staatlich gefördertes Zwangssparen. Gefördert deshalb, weil diese Beiträge steuermindernd wirken.

In den vergangenen Jahren waren die Veranlagungsergebnisse sehr mager. Ein Großteil des Ertrags ist in Verwaltungskosten verpufft. 2012 sah die Sache bei mir etwas erfreulicher aus. Mit einem satten Veranlagungsertrag von 3,87 % lag die Vorsorgekasse deutlich über allen anderen Sparformen.

Doch es hätte erheblich mehr sein können. Mehr als 8 % des Ertrags verpuffte für die Verwaltung. Anders ausgedrückt, wäre der Ertrag ohne die exorbitanten Verwaltungskosten bei 4,21 % gelegen, also um 0,34 Prozentpunkte höher.

Zieht man über die letzten 5 Jahre Bilanz, ergibt sich ein mittlerer Ertrag von 1,35 %. Je nach Einkommen darf man dann noch eine geringe Steuerersparnis dazu rechnen. Die Inflationsrate lag jedoch in allen Jahren darüber. Vergleicht man mit anderen Anlageformen, die eine Mindestbindung von 3 Jahren haben, fällt der Ertrag trotzdem äußerst gering aus. Selbst zum derzeit extrem niedrigen Zinsniveau erhält man für eine Bindung von 3 Jahren bei guten und sicheren Anlageformen doch über 2 % Zinsen. Das kann auch die Steuerersparnis nicht wettmachen.

Das Fazit fällt also nach wie vor ernüchternd aus. Vom staatlich geförderten Zwangssparen profitieren durch exorbitante Verwaltungskosten vor allem die privaten Vorsorgekassen und die Finanzmärkte.

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Vorsorgekassen: Enteignung zugunsten der Finanzwirtschaft

Dieser Artikel begründet nun fast schon so etwas wie eine jährlich wiederkehrende Tradition. Gestern habe ich wieder einmal das jährliche Informationsschreiben der Vorsorgekasse erhalten, an dich zwangsweise 1,45 % meines Einkommens abführen darf. Über die Hintergründe und die Performance in den vergangen Jahren habe ich schon letztes Jahr im Artikel Staatlich verordnetes Zwangssparen inklusive Kapitalvernichtung ausführlich geschrieben.

Heuer kommt noch ein neuer Aspekt hinzu: Bisher konnte man noch argumentieren, dass der Gesamtbeitragssatz in der Sozialversicherung durch das Zwangssparen nicht gestiegen ist, da ja die Krankenversicherungsbeiträge 2008 um 1,45 % gesenkt wurden. Doch dank „Stabilitätspakt 2012“ wird der Pensionsbeitrag in der Versicherung der Selbständigen um einen Prozentpunkt angehoben. Somit zahlen Selbständige ab 2013 die höchsten Sozialversicherungsbeiträge in der Geschichte. Und 1,45 % davon gehen direkt in die Taschen der Finanzwirtschaft, die damit wild herum spekulieren und die Realwirtschaft nachhaltig beschädigen darf.

Die Rendite

Schon 2011 kritisierte ich die mehr als mangelhafte Rendite. Und auch in diesem Jahr hat sich nichts an der Ertragslage verbessert.

Im Jahr 2011 betrug die Nettorendite der BAWAG Allianz Vorsorgekasse sage und schreibe -1,05 %. Ja, Sie lesen richtig: minus eins Komma null fünf Prozent. Wieder einmal ein Vergleich mit einem täglich fälligen Sparkonto bei der BAWAG-Gruppe: Mit Ende 2011 zahlte dieselbe Bank da 1,85 % Zinsen. Selbst nach Abzug der KESt bleiben da noch 1,35 % übrig. Der Ertrag ist also im mehr als 200 % höher.

Rendite in der BAWAG Allianz Vorsorgekasse im Vergleich zu easybank Zinsmax Sparkonto

Dass auch die angebliche Kapitalgarantie nichts wert ist, zeigt sich bei einer detaillierten Auswertung. In 4 Jahren habe ich um fast 1 % mehr einbezahlt, als mir die Vorsorgekasse garantiert. Die gar nicht so geringe Inflation habe ich da noch gar nicht berücksichtigt.

Was lernen wir daraus?

So sieht also neoliberalerechtskonservative Wirtschaftspolitik aus: Wir ziehen das Geld der Realwirtschaft aus den Taschen um es der Finanzwirtschaft steuerbegünstigt in den Rachen zu werfen. Wären alle Selbständigen dazu verpflichtet, 1,45 % ihres Einkommens in österreichische oder europäische Staatsanleihen zu investieren, hätten wir wohl keine Staatsschuldenkrise. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass auf die Zinserträge auch noch 25 % KESt anfallen würden, sieht man erst recht den Treppenwitz: Der Staat entzieht nicht nur den Unternehmen Geld, sondern sich selbst auch. Die 1,45 % verringern die Steuerbasis für die Einkommensteuern, die (fiktive) Rendite in der Vorsorgekasse ist steuerfrei und ich habe als Selbständiger weniger Geld in der Tasche. Das Geld fließt also wie auf einer schiefen Ebene in Richtung Finanzwirtschaft.

Staatlich verordnetes Zwangssparen inklusive Kapitalvernichtung

Gestern habe ich wieder einmal das jährliche Informationsschreiben der Vorsorgekasse erhalten, an dich zwangsweise 1,45 % meines Einkommens abführen darf. Damit ich keine Magengeschwüre bekomme, muss ich mir meinen Ärger hier von der Seele schreiben.

Historischer Hintergrund

2008 wurden die Beitragssätze zur Krankenversicherung für Selbständige um 1,45 Prozentpunkte gesenkt. Dies war eine der letzten Beschlüsse der alten Schüssel-Regierung. Nein, uns Selbständigen bleiben damit nicht 1,45 % mehr im Börsel. Vielmehr wurde beschlossen, dass diese 1,45 % in eine neue Selbständigenvorsorge fließen. Diese folgen dem Muster der Mitarbeitervorsorgekassen, die schon einige Zeit davor die Abfertigungen abgelöst haben. Es handelt sich dabei um ein steuerlich begünstigtes (weil steuerfreies) staatliches Zwangssparen. Ich bin wahrlich kein Großverdiener, aber selbst bei mir macht das im Jahr etliche hundert Euro aus.

Fein, denke ich mir, ich darf also Geld steuerfrei ansparen. Dieses Geld wird auch noch ertragreich in Renten, Darlehen, Aktien, „alternative Investments“ und Immobilien investiert. Da sollte doch einiges an Rendite drinnen sein. Als Vorsorgekasse wählte ich nach Studium von Websites und Prospekten die BAWAG Allianz Vorsorgekasse AG.

Resümee nach 3 Jahren

Nach drei Jahren kann ich ein erstes Resümee ziehen, und das fällt mehr als ernüchternd aus:

Im Krisenjahr erwirtschaftete die Kasse eine Bruttorendite von immerhin 3,08 %. Dumm nur, dass die Verwaltungskosten insgesamt mehr als das 1,5-fache des Veranlagungsergebnisses ausmachten. So rutschte die Rendite in den negativen Bereich auf – 1,93 %. Ja, Sie lesen richtig: minus eins komma neun drei Prozent. Zum Vergleich: Auf täglich fälligen Sparkonten erzielt man im selben Jahr bis zu 3 % nach KESt. Plus! Selbst am Ende des Jahres nach kräftigen Zinsschritten nach unten zahlte die BAWAG-Gruppe auf täglich fällige Sparkonten immer noch 2,3 %. Dieselbe BAWAG also, die mein Zwangsspargeld nicht positiv veranlagen konnte.

Schwamm drüber. 2009 erholten sich die Aktienmärkte deutlich. Der ATX stieg im Jahresvergleich um rund 43 %. Doch offensichtlich veranlagte man bei der BAWAG Allianz eher konservativ. Die Bruttorendite betrug schwache 3,30 %. Die hohen Verwaltungskosten fraßen einen Großteil wieder auf. So blieben am Ende nur 1,16 % netto. Zum Vergleich: Per Jahresende zahlte die BAWAG-Gruppe auf täglich fällige Sparkonten 1,35 % Zinsen netto nach KESt!

2010 war für Aktienbesitzer nicht mehr ganz so positiv wie 2009. Der ATX stieg aber immer noch um erkleckliche 16 %. Ende des Jahres (und derzeit) zahl die BAWAG-Gruppe Netto-Zinssätze von 1,16 % auf täglich fällige Sparkonten. Und die Vorsorgekasse der gleichen Bank? Der Bruttoertrag von 2,10 % schaut ja gar nicht so schlecht aus. Doch nach Abzug der Verwaltungskosten bleiben lediglich 0,90 % übrig.

Übrigens lagen sowohl Brutto- als auch Nettoerträge ständig deutlich unter der Inflationsrate. Bei täglich fälligen Geldern hat man dafür ja noch ein gewisses Verständnis. Aber das Geld aus der Vorsorgekasse ist de facto mindestens 2 Jahre gebunden. Denn wenn ich heute mein Gewerbe beende, kann ich auf das Zwangsspargeld erst nach 2 Jahren zugreifen.

Ich arbeite also gut 4 Tage im Jahr dafür, dass ich das Geld unseren Banken und Versicherungen praktisch gratis zur Verfügung stellen kann statt zu investieren. Sieht so moderne Wirtschaftspolitik aus?

Hintergrund: So habe ich gerechnet

Auf den jährlichen Informationsschreiben findet jeder Selbständige die nötigen Informationen zur Berechnung der Rendite. Die Rendite selbst wird selbstverständlich schamhaft verschwiegen.

Ich bezahle viermal im Jahr zu fixen Terminen fixe Teilbeträge in die Vorsorgekasse. Daher lässt sich das gebundene Kapital näherungsweise ganz gut berechnen.

Zunächst bildete ich den Mittelwert aus der Abfertigungsanwartschaft des jeweiligen Jahres und der des Vorjahres. Daraus ergibt sich ein durchschnittlich gebundenes Kapital.

Die Bruttorendite errechnete ich folgendermaßen: Dann dividierte ich das Veranlagungsergebnis durch das durchschnittlich gebundene Kapital und erhielt so den Prozentwert der Bruttorendite.

Für die Nettorendite zog ich zunächst von der aktuellen Abfertigungsanwartschaft die Abfertigungsanwartschaft des Vorjahres und die Beiträge des laufenden Jahres ab. So ergibt sich der Nettoertrag. Diesen Nettoertrag dividierte ich durch das zuvor berechnete durchschnittlich gebundene Kapital. Auch hier erhält man einen Prozentwert.